Die vorliegende Hausarbeit beschäftigt sich mit der Geschichte und Verwendung der deutschen Sprache und mit der Entstehung der sogenannten Sprachvarietät des „Launa – Deutschs“ in Chile.
Im 19. Jahrhundert fand eine der wichtigsten europäischen Auswanderungen nach Lateinamerika statt. Diese Auswanderung war vielleicht die größte Umsiedlungsbewegung in der Geschichte und sie stellte einen entscheidenden Faktor für die Stabilisierung vieler europäischer Nationen in der Welt dar. Eine historische Bedeutung hatte vor allem die deutsche Migration nach Chile. Ihr Beitrag zur inländischen Wirtschaft Chiles sowie ihr kulturelles Erbe waren von grundlegender Bedeutung für die chilenische Gesellschaft. Besonders im Süden Chiles wirkten die Deutschen maßgeblich an der wirtschaftlichen Erschließung, sowie auch im Erziehungswesen und in der Kultur mit.
Die Integration und die Beschäftigung der Einwanderer in der chilenischen Wirtschaft erwirkten auch Konsequenzen in der deutschen Sprache dieser Immigranten. Diese Arbeit konzentriert sich auf die Situation und Entwicklung der deutschen Sprache vom 19. Jahrhundert bis heute und auf die Folgen und Auswirkungen aufgrund des Kontakts mit der spanischen Sprache besonders in Süd-Chile. Als Resultat dieses Sprachkontakts vermutet man die Entstehung des „Launa-Deutschs“. Deswegen wird in dieser Hausarbeit das „Launa-Deutsch“ beschrieben und analysiert.
Zuerst soll auf die Grundlagen des Sprachkontakts, Zwei- bzw. Mehrsprachigkeit und auf die Auswirkungen des Sprachkontakts eingegangen werden. Innerhalb dieser Auswirkungen sind wichtige Begriffe wie Diglossie, Sprachwechsel, Sprachinsel, Sprachverlust, u.a. zu erklären. Im Anschluss wird die deutsche Migration nach Chile, ihre Integration und die Entwicklung ihrer Sprache behandelt. Es soll aus soziolinguistischer Perspektive erklärt werden, wie die deutschen Einwanderer sich in der chilenischen Gesellschaft integriert und entwickelt haben und inwiefern all diese Aspekte die deutsche Sprache beeinflussten, wie das „Launa-Deutsch“ entstand und schließlich beschreiben wie die Sprachsituation der deutschen Sprache in Chile heutzutage ist.
Inhaltsverzeichnis
0. Einleitung
1. Sprachkontakt
1.1. Zwei- bzw. Mehrsprachigkeit
1.1.1. Erwerb der Zweisprachigkeit.
1.2. Auswirkungen des Sprachkontaktes
1.2.1. Sprachwahl
1.2.2. Codewechsel
1.2.3. Interferenz
1.2.4. Sprachwechsel und Sprachverlust
1.2.5. Sprachloyalität und Sprachinsel
1.2.6. Diglossie
2. Deutsche Migration in Lateinamerika
2.1. Die große Auswanderung aus Europa
2.1.1. Motive für die Auswanderung
3. Die deutsche Migration nach Chile
3.1. Allgemeine Information über Chile
3.2. Die geförderte Einwanderung
3.3. Entwicklung der Deutschen in Chile
3.4. Die Deutschen in Chile heute
3.4.1. Aktuelle Situation
3.4.2. Integration und Sprache
3.4.3. Die Entwicklung der deutschen Sprache in Südchile
3.4.4. Das „Launa-Deutsch“
3.4.5. Die deutsche Sprache in Chile heute
4. Schluss
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die historische Entwicklung und die gegenwärtige Verwendung der deutschen Sprache in Chile unter besonderer Berücksichtigung des „Launa-Deutschs“. Dabei stehen die Auswirkungen soziolinguistischer Prozesse im Kontext der Migration, die Integration deutscher Einwanderer in die chilenische Gesellschaft und die daraus resultierenden Interferenzen im Sprachgebrauch im Zentrum der Analyse.
- Sprachkontakttheorien wie Diglossie, Sprachwechsel und Sprachinselbildung.
- Historische Hintergründe der deutschen Migration nach Chile und die Rolle der staatlichen Förderung.
- Soziale Integration und kulturelle Identität der deutschen Minderheit in Südchile.
- Linguistische Analyse des „Launa-Deutschs“ als hybride Ausgleichsvarietät.
- Gegenwärtige Sprachsituation und Spracherhaltung unter deutschstämmigen Chilenen.
Auszug aus dem Buch
3.4.4. Das „Launa-Deutsch“
Besonders in der Llanquihue-See Region hat sich eine Varietät des Deutschen entwickelt: das sogenannte „Lagunendeutsch“ oder „Launa-Deutsch“. Dieser Begriff kommt von der Verkürzung des spanischen Wortes laguna, „See“, daher manchmal auch Laguner-Deutsch genannt. Es handelt sich um eine Bezeichnung für die in Chile rund um den Llanquihue-See gesprochene Varietät des Deutschen, die als „abfällig“ angesehen wird. Diese „abfällige“ Bezeichnung resultierte aus der Mischung zwischen dem o.g. mitteldeutschen Dialekt, der in dieser Region gesprochen wurde, und dem Spanisch, das durch Zuhören und Nachsprechen gelernt wurde. In dieser Sprachkontaktsituation beeinflusste die dominante Sprache (Erstsprache), in diesem Fall Spanisch, die untergeordnete Sprache (Zweitsprache), das Deutsch. Es geht hier um eine Vermischung von Deutsch und Spanisch, in der die deutsche Sprache durch einen von verschiedenen spanischen Interferenzen beeinflussten Sprachgebrauch gekennzeichnet ist (Reiter 1993: 125). Zum Beispiel wurden Spanische Wörter und Ausdrücke hier an das deutsche Sprachsystem angepasst und dieses Phänomen führte zu der häufigen Anwendung der sogenannte "falschen Freunde", z.B. Wörter wie conferencia (Vortrag, auf Deutsch) wurde ins Deutsche als Konferenz übersetzt und verwendet. Weitere Beispiele sind competencia (Konkurrenz) – Kompetenz, concurrencia (Zusammentreffen) – Konkurrenz, ordinario (gewöhnlich) – ordinär, usw.
Zusammenfassung der Kapitel
0. Einleitung: Die Einleitung skizziert das Forschungsinteresse an der deutschen Sprache in Chile und die Zielsetzung der Arbeit, die Entstehung des „Launa-Deutschs“ zu analysieren.
1. Sprachkontakt: Dieses Kapitel definiert theoretische Grundlagen wie Sprachkontakt, Mehrsprachigkeit, Codewechsel und Interferenzen als notwendige Konzepte für die linguistische Untersuchung.
2. Deutsche Migration in Lateinamerika: Es wird ein Überblick über die massiven europäischen Auswanderungsbewegungen des 19. Jahrhunderts gegeben und die Motive für die Migration nach Lateinamerika beleuchtet.
3. Die deutsche Migration nach Chile: Dieser Hauptteil befasst sich mit der spezifischen Einwanderungspolitik Chiles, der Ansiedlung deutscher Migranten im Süden sowie der soziolinguistischen Entwicklung der deutschen Sprache bis zur Entstehung lokaler Varietäten.
4. Schluss: Das Schlusskapitel fasst die wesentlichen Erkenntnisse zusammen und resümiert die Entwicklung vom initialen Monolinguismus der Einwanderer hin zur heutigen Sprachsituation.
Schlüsselwörter
Sprachkontakt, Launa-Deutsch, Chile, deutsche Migration, Zweisprachigkeit, Interferenzen, Codewechsel, Sprachloyalität, Sprachinsel, Integration, Südchile, Llanquihue-See, Sprachwechsel, Sprachvarietät, Soziolinguistik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundlegend?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der historischen Geschichte und der soziolinguistischen Entwicklung der deutschen Sprache in Chile, insbesondere mit der Entstehung einer spezifischen Sprachvarietät, dem sogenannten „Launa-Deutsch“.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die theoretischen Grundlagen des Sprachkontakts, die Migrationsgeschichte deutscher Siedler nach Südchile sowie die linguistischen Auswirkungen dieses Kontakts auf das Deutsche.
Welches primäre Ziel verfolgt die Arbeit?
Das Ziel ist es, aus soziolinguistischer Perspektive zu erklären, wie sich deutsche Einwanderer in Chile integriert haben und wie dieser Prozess die deutsche Sprache durch Kontakt mit dem Spanischen verändert hat.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine theoretische Analyse der Fachliteratur zu Sprachkontaktphänomenen und verknüpft diese mit historischen und soziologischen Daten zur deutschen Einwanderung in Chile.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der Migrationshintergründe, die wirtschaftliche und kulturelle Entwicklung der Deutschen in Chile sowie die detaillierte Beschreibung der Sprachveränderungen und Interferenzen.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit charakterisieren?
Wichtige Begriffe sind Sprachkontakt, Migration, Chile, Launa-Deutsch, Zweisprachigkeit, Interferenzen, Sprachinsel und Integration.
Was genau ist das „Launa-Deutsch“?
„Launa-Deutsch“ ist eine regionale Ausgleichsvarietät, die durch die Vermischung von mitteldeutschen Dialekten und dem Spanischen im Gebiet rund um den Llanquihue-See entstanden ist.
Welche Faktoren begünstigten die Entstehung dieser Sprachvarietät?
Die Isolation der Einwanderer, das Erlernen des Spanischen durch Zuhören und Nachsprechen im Alltag sowie die Notwendigkeit, spanische Lexeme in den deutschen Wortschatz zu integrieren, waren entscheidende Faktoren.
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- Diplom Übersetzerin Isadora Rojas Marquez (Author), 2011, Launa-Deutsch. Sprachkontakt und die Verwendung der deutschen Sprache in Chile, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/229693