Erst Anfang der 1990er Jahre beschäftigten sich erstmals Frauen wie Gudrun Schwarz mit der Aufarbeitung der Frauenrolle in der SS, dem sogenannten SS-Gefolge. Bis dahin fanden Frauen in der Betrachtung der Täterrolle in den Kon-zentrationslagern kaum Beachtung. In dieser Arbeit möchte ich mich den Frauen in den Konzentrationslagern von dieser Perspektive, der Nicht-Opferseite nähern und darstellen, wer diese Frauen waren, welche Aufgaben und Stellungen sie innerhalb der Lager hatten und was sie dazu bewegt hat, Teil dieses von Männern dominierten Systems zu werden. Im Speziellen widme ich mich den Aufseherinnen in den Konzentrationslagern, da sie den Großteil des SS-Gefolges ausmachten, durch ihre Tätigkeit im direkten Kontakt zu den Häftlingen standen und die Rolle der Frau als Täterin am besten verdeutlichen.
Inhaltsverzeichnis
1 Ziel der Arbeit
2 Frauenkonzentrationslager ab 1939
3 Das weibliche SS-Gefolge
4 SS-Aufseherinnen
4.1 Erfordernis und Aufgabenfelder
4.2 Anzahl der Aufseherinnen
4.3 Die Rekrutierung
4.3.1 Freiwillige Meldung
4.3.1.1 Gründe für freiwillige Meldungen
4.3.2 Anwerbung
4.3.3 Dienstverpflichtung
4.4 Auswahlkriterien
4.5 Die Ausbildung zur SS-Aufseherin
4.6 Ansehen
4.7 Karrierechancen
4.8 Befugnisse
4.9 Dienstauffassung und Motivation
4.10 Das Leben der SS-Aufseherinnen
5 Gerichtsverfahren und Urteile
5.1 Die britischen Ravensbrück-Prozesse
5.2 Der Bergen-Belsen-Auschwitz-Prozess
6 Résumé
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Diese Arbeit untersucht die Rolle von Frauen innerhalb des nationalsozialistischen Konzentrationslagersystems, mit einem besonderen Fokus auf die sogenannten SS-Aufseherinnen. Ziel der Forschungsarbeit ist es, die Beweggründe für ihre Tätigkeit, ihren Lageralltag, ihre Hierarchien sowie die rechtliche Aufarbeitung ihres Handelns nach 1945 darzustellen und die Frau als Täterin in einem von Männern dominierten System kritisch zu hinterfragen.
- Die historische Einordnung von Frauenkonzentrationslagern ab 1939.
- Die Rekrutierung, Ausbildung und Auswahlkriterien von SS-Aufseherinnen.
- Dienstliche Befugnisse, Hierarchien und das tägliche Handeln im Konzentrationslager.
- Die Motivation, Dienstauffassung und das Privatleben von Aufseherinnen.
- Die strafrechtliche Aufarbeitung in den britischen Ravensbrück- sowie Bergen-Belsen-Auschwitz-Prozessen.
Auszug aus dem Buch
4.5 Die Ausbildung zur SS-Aufseherin
Das KZ-Ravensbrück war zwischen 1942 und 1944 das zentrale Ausbildungslager für KZ-Aufseherinnen. Über die Ausbildung zur Aufseherin ist jedoch wenig bekannt. Bei den Ausbildungen in den ersten Jahren soll es sich um eine praktische Schulung gehandelt haben. Erfahrene KZ-Aufseherinnen brachten den Auszubildenden bei, wie sie Häftlinge bewachen und Fluchten verhindern sollten.
Die Kommandoführerin erhielt zudem eine Ausbildung an der Schusswaffe und manche Aufseherin erhielt einen speziellen Lehrgang zur Hundeführerin. Die erste Schulung fand vermutlich 1942 in Ravensbrück statt. Zwölf Frauen nahmen an dieser sechswöchigen Schulung teil.
Anna Davids erinnert sich: „Gleich am Anfang bekamen wir eine Uniform und mussten einen Eid ablegen. Man machte uns mit Methoden bekannt, wie die Häftlinge behandelt werden müssen. In erster Linie wurden wir darauf aufmerksam gemacht, die Flucht von Häftlingen um jeden Preis zu vermeiden und das kleinste Vergehen seitens der Häftlinge zu melden. Nach der Meldung dieser Übertretungen wurde nach dem Gutachten des SS-Obersturmführers Fritz Suhren bestraft [...]. Im Laufe des Kursus musste jede Absolventin verschiedene Dienste praktisch mitmachen, um sich die ihrer Durchführung nach der Verordnung der Lagerkommandantur orientieren zu können [...]. Dieser Dienst war abwechselnd in der Lagerküche, im Wal-de, bei der Holzverarbeitung, beim Straßenbau und ähnlichem.“
Zusammenfassung der Kapitel
1 Ziel der Arbeit: Diese Einführung erläutert die Perspektive der Arbeit auf Frauen als Täterinnen im SS-Gefolge und stellt die zentrale Fragestellung nach ihren Motiven und Rollen in den Konzentrationslagern vor.
2 Frauenkonzentrationslager ab 1939: Das Kapitel bietet einen statistischen und strukturellen Überblick über die Entwicklung und Verbreitung von Frauenkonzentrationslagern sowie deren Hauptlager im Deutschen Reich.
3 Das weibliche SS-Gefolge: Hier wird der Begriff des SS-Gefolges definiert und das Verhältnis von Frauen zur SS-Struktur sowie ihre rechtliche Stellung innerhalb der NS-Hierarchie erläutert.
4 SS-Aufseherinnen: Dieses umfangreiche Hauptkapitel analysiert detailliert die Erfordernisse, Rekrutierung, Ausbildung, täglichen Befugnisse und Lebensumstände des weiblichen Wachpersonals.
5 Gerichtsverfahren und Urteile: Die Arbeit behandelt hier die strafrechtliche Verfolgung ehemaliger Aufseherinnen in den britischen Ravensbrück-Prozessen sowie im Bergen-Belsen-Auschwitz-Prozess.
6 Résumé: In der Zusammenfassung wird das Bild der Frau als Täterin verdichtet und festgehalten, dass diese sich aktiv an der Grausamkeit beteiligten und den männlichen Aufsehern in nichts nachstanden.
Schlüsselwörter
SS-Aufseherinnen, Frauenkonzentrationslager, KZ Ravensbrück, SS-Gefolge, Täterinnen, Dienstverpflichtung, Lageralltag, Maria Mandl, Selektion, Kriegsverbrechen, britische Ravensbrück-Prozesse, Bergen-Belsen-Auschwitz-Prozess, nationalsozialistische Ideologie, Bewachungspersonal, weibliche Täter.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit primär?
Die Arbeit analysiert die Rolle, Motivation und Tätigkeit von Frauen, die als SS-Aufseherinnen in nationalsozialistischen Konzentrationslagern tätig waren.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Zentrale Themen sind die Rekrutierung und Ausbildung der Aufseherinnen, ihr Dienstalltag, ihre Machtbefugnisse sowie die juristische Aufarbeitung ihrer Verbrechen nach 1945.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, das Handeln der Frauen als Täterinnen zu beleuchten und zu verstehen, was sie dazu bewegte, Teil eines gewalttätigen, von Männern dominierten Systems zu werden.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine tiefgehende Analyse von Primär- und Sekundärquellen, darunter historische Berichte, Gerichtsakten der Nachkriegsprozesse sowie wissenschaftliche Forschungsliteratur.
Was steht im inhaltlichen Fokus des Hauptteils?
Der Hauptteil widmet sich detailliert der Rekrutierung durch freiwillige Meldung oder Dienstverpflichtung, den Auswahlkriterien, den spezifischen Ämtern der Aufseherinnen und der disziplinarischen Ausbildung.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Begriffe wie SS-Gefolge, Ravensbrück, Täterinnenrolle, Dienstauffassung, Selektion und Strafverfolgung prägen die Untersuchung.
Wie unterschied sich die Ausbildung der Aufseherinnen im Verlauf des Krieges?
Während die Ausbildung zu Beginn noch eine längere, praxisorientierte Schulung beinhaltete, wurde diese ab 1943 aufgrund des dringenden Bedarfes an Personal massiv verkürzt.
Welche Rolle spielte die Karriereorientierung für die Aufseherinnen?
Für viele Aufseherinnen war das Erreichen höherer Dienstgrade (wie Oberaufseherin) mit Machtgewinn und finanziellen Vorteilen verbunden, was teilweise zu einem skrupellosen, brutalen Verhalten gegenüber Häftlingen führte.
Wie versuchten sich die Aufseherinnen in den Nachkriegsprozessen zu rechtfertigen?
In den Gerichtsverfahren versuchten die Angeklagten häufig, ihre individuelle Verantwortung zu leugnen und sich auf ihre schutzwürdige Rolle als Frau zu reduzieren, um Strafmilderung oder Freisprüche zu erwirken.
- Arbeit zitieren
- Anna-Maria Bargel (Autor:in), 2013, Frauen in der SS, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/229606