Soziologie. Ein Begriff, ein wissenschaftliches Fach, eine Studienrichtung, bei dem nicht von vornherein klar ist, worum es sich dabei handelt. Ganz anders als bei Medizin, Betriebswirtschaft, Jura oder Architektur, wo jedem klar ist, welcher Fachbereich damit abgedeckt wird. Gerade diese Unwissenheit über die Inhalte der Soziologie bzw. wozu man sie braucht, macht sich im Alltag jedes Soziologiestudenten bemerkbar, wenn man zum Hundertsten Mal mit den Fragen gelöchert wird, was man da genau studiere, wozu man es brauche und was man jemals damit anfangen könne.
Dieses Problem liegt aber nicht nur in der allgemeinen Unklarheit über Soziologie, sondern vielleicht vielmehr daran, dass sich die Soziologie erst als wissenschaftliches Fach behaupten musste und sich von den ‚Nachbargebieten’ wie z.B. Psychologie oder Philosophie abzugrenzen hatte, wobei dennoch Gemeinsamkeiten bestehen bleiben.
Im ersten Teil dieser Semesterarbeit wird genau diese Thematik behandelt. Simmel selbst gab dem ersten Kapitel in diesem Werk den Titel: ‚Das Problem der Soziologie’.
Die Aufgabe, über die Wissenschaft Soziologie Auskunft zu geben, findet ihre erste Schwierigkeit darin, dass ihr Anspruch auf den Titel einer Wissenschaft keineswegs unbestritten ist; und dass, wo ihr dieser selbst zugestanden wird, über ihren Inhalt und ihre Ziele sich ein Chaos von Meinungen ausbreitet, deren Widersprüche und Unklarheiten den Zweifel, ob man es hier überhaupt mit einer wissenschaftlich berechtigten Fragestellung zu tun hat, immer von neuem nähern.1
In seinem Werk "Soziologie. Untersuchungen über die Formen der Vergesellschaftung" etabliert nun Simmel mit seiner formalen Analyse die Mikrosoziologie, die erstmals auch alltagsrelevante Objekte wissenschaftlich erörtert.
Dadurch hat sich Simmels Ruf als ‚Begründer der Wissenschaft der Soziologie’ gefestigt. Vor allem seine soziologischen Schriften wurden früh ins Französische, Italienische und Englische übersetzt.
Im zweiten Teil der vorliegenden Arbeit wird die ‚quantitative Bestimmtheit der Gruppe’ behandelt. Wie wirkt sich die Vergesellschaftung auf die Gruppe aus, bzw. in welchem Zusammenhang steht Vergesellschaftung mit der Größenanzahl einer Gruppe.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
Kapitel I: Das Problem der Soziologie
Exkurs über das Problem: Wie ist Gesellschaft möglich?
Kapitel II: Die quantitative Bestimmtheit der Gruppe
Zielsetzung & Themen
Diese Seminararbeit setzt sich kritisch mit Georg Simmels soziologischen Grundlegungen auseinander, insbesondere mit seinem Werk "Soziologie. Untersuchungen über die Formen der Vergesellschaftung". Das zentrale Ziel ist es, Simmels Verständnis der Soziologie als Lehre der Vergesellschaftung sowie seine Analyse der quantitativen Einflüsse auf soziale Gruppengefüge theoretisch zu erschließen und auf ihre wissenschaftliche Relevanz zu prüfen.
- Grundlagen und Selbstverständnis der Soziologie als Wissenschaft
- Die formale Analyse der Wechselwirkungen (Vergesellschaftung)
- Soziologische Apriori als konstitutive Bedingungen für Gesellschaft
- Einfluss der Gruppenstärke auf soziale Strukturen und Radikalismus
Auszug aus dem Buch
Das Problem der Soziologie
Da jedes menschliche Handeln in Wechselwirkung innerhalb der Gesellschaft abläuft, und man geht hier weg von der reinen Betrachtung des Individuums, musste alles was nicht Wissenschaft von äußerer Natur war, Wissenschaft der Gesellschaft sein. Da die Soziologie eine neue Wissenschaft war, wurden ihr alle menschlichen und somit gesellschaftlichen Probleme zugeschrieben die mit Hilfe anderer Wissenschaften nicht zu lösen waren. Die Wissenschaft vom Menschen sei somit die Wissenschaft von der Gesellschaft.
Alles, was Menschen sind und tun, […] geht innerhalb der Gesellschaft, durch sie bestimmt und als ein Teil ihres Lebens vor sich. Es gebe also überhaupt keine Wissenschaft von menschlichen Dingen, die nicht Wissenschaft von der Gesellschaft sei. An Stelle der künstlich gegeneinander isolierten Einzelwissenschaften historischer, psychologischer, normativer Art habe also die Gesellschaftswissenschaft zu treten und in ihrer Einheit zum Ausdruck zu bringen, dass alle menschlichen Interessen, Inhalte und Vorgänge durch die Vergesellschaftung zu konkreten Einheiten zusammengingen. […] So ist nicht das geringste dadurch gewonnen, dass man die Gesamtheit der Wissenschaften in einen Topf wirft und diesem das neue Etikett: Soziologie – aufklebt. Die Gesellschaftswissenschaft befindet sich also, unterschieden von andern, wohlbegründeten Wissenschaften, in der ungünstigen Lage, zunächst ihr Recht auf Existenz überhaupt beweisen zu müssen.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Diese Sektion führt in die Unklarheiten des soziologischen Fachbegriffs ein und verortet Simmels Wirken als Begründer der formalen Soziologie und Mikrosoziologie.
Kapitel I: Das Problem der Soziologie: Hier wird Simmels Bestreben analysiert, die Soziologie als eigenständige Wissenschaft durch die formale Untersuchung von Wechselwirkungen zwischen Individuen zu etablieren, wobei ein Exkurs die erkenntnistheoretischen Bedingungen von Gesellschaft beleuchtet.
Kapitel II: Die quantitative Bestimmtheit der Gruppe: Dieses Kapitel erörtert, wie sich die numerische Größe einer Gruppe auf deren Struktur, Zusammenhalt und das Ausmaß an Radikalismus innerhalb der sozialen Einheit auswirkt.
Schlüsselwörter
Soziologie, Georg Simmel, Vergesellschaftung, Wechselwirkung, Gesellschaft, Mikrosoziologie, quantitative Bestimmtheit, Gruppe, soziale Beziehung, Individuum, soziale Form, Soziologische Apriori, Sozialgebilde, soziale Distanz, Einteilungsprinzip.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die soziologischen Theorien von Georg Simmel, insbesondere sein Konzept der Vergesellschaftung und dessen Anwendung auf die Gruppendynamik.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die zentralen Themen sind das wissenschaftliche Selbstverständnis der Soziologie, die formale Analyse sozialer Wechselwirkungen und die Bedeutung der Gruppenquantität für soziale Prozesse.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, Simmels methodischen Ansatz der "Geometrie sozialer Beziehungen" zu erläutern und aufzuzeigen, warum die Soziologie als eigenständige Wissenschaft gerechtfertigt ist.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet der Autor?
Der Autor nutzt eine theoretische Literaturanalyse, um Simmels primäre Texte und das Wörterbuch der Soziologie von Hillmann kritisch zu interpretieren und zusammenzuführen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden Simmels Definition der Soziologie, seine "soziologischen Apriori" und der Einfluss der Gruppengröße auf die Qualität zwischenmenschlicher Interaktionen detailliert untersucht.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Zu den prägenden Begriffen gehören "Wechselwirkung", "Vergesellschaftung", "Form und Inhalt" sowie die "quantitative Bestimmtheit der Gruppe".
Warum unterscheidet Simmel zwischen kleinen und großen Gruppen hinsichtlich des Radikalismus?
Simmel argumentiert, dass kleine Gruppen durch intensivere persönliche Wechselwirkungen enger verbunden sind, während in großen Massen oft einfache Ideen dominieren, die einen geringeren sozialen Zusammenhalt durch Indivualität aufweisen.
Was besagt die Theorie der Zweiergruppe in diesem Text?
Die Zweiergruppe zeichnet sich durch eine existenzielle Abhängigkeit aus, da beim Ausscheiden eines Mitglieds die Gruppe als solche zerstört wird, was sie von größeren Vereinigungen unterscheidet.
- Arbeit zitieren
- MA Markus Scholze (Autor:in), 2008, Georg Simmels Untersuchungen über die Formen der Vergesellschaftung, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/215859