Anhand der aktuellen Berufsstatistik 2011 zeigt sich, dass 71,1% der Steuerberater selbstständig sind. Bei der Entwicklung der Altersstruktur der Steuerberater ist ein deutlicher Anstieg des Anteils in höheren Altersklassen zu erkennen. Da der Anlass für den Verkauf einer Kanzlei meist in Verbindung mit dem Alter des Kanzleiinhabers steht, ist in den kommenden Jahren damit zu rechnen, dass vermehrt Steuerberaterkanzleien zum Verkauf stehen werden. Im Zuge dessen wird ein erhöhter Beratungsbedarf entstehen, um die Nachfolge der Kanzlei zu regeln und damit die Absicherung im Alter zu gewährleisten. Bei dem Verkauf oder Erwerb einer Steuerberaterpraxis werden in dieser Diplomarbeit folgende Beratungsfelder näher erörtert, die zum einem bei der Vertragsgestaltung aus zivilrechtlicher und berufsrechtlicher Sicht entstehen. Zum anderen aber entstehen diese auch aus den allgemeinen steuerlichen Konsequenzen aus dem Verkauf für Verkäufer und Käufer. Ein weiterer Punkt der beim Kauf einer Steuerberaterpraxis eine große Rolle spielt, ist die Frage welchen Wert die Steuerberaterpraxis hat und wie dieser gefunden werden kann. Auch dieses Beratungsfeld findet hier Erörterung.
Der erste Teil in Kapitel 2 beschäftigt sich mit den zivilrechtlichen Aspekten des Kaufs einer Steuerberaterpraxis auch unter Berücksichtigung berufsrechtlicher Regelungen. Unter anderem wird hier der Frage nachgegangen, welche Vertragspunkte in der Regel zu Problemen führen können. Es werden entsprechende Beratungsansätze genannt. Problematische Vertragspunkte werden anhand einer schriftlichen Befragung von 8 Steuerberaterkammern behandelt, die sich bereit erklärt haben an der Befragung teilzunehmen. Zusätzliche schriftliche und telefonische Rückmeldungen und vereinzelte Meinungen der Steuerberaterkammern finden dabei ebenso Berücksichtigung.
Im zweiten Teil in Kapitel 3 werden die Besonderheiten, die sich bei der Bewertung einer Steuerberaterpraxis ergeben, näher erläutert. Unter Betrachtung gängiger Bewertungsverfahren wird die Frage erörtert, welche Faktoren den Wert bestimmen und auf welche Weise diese bei der Bewertung Berücksichtigung finden. Dabei werden zusätzlich Vor- und Nachteile in Bezug auf die verschiedenen Verfahren bei der Bewertung einer Steuerberaterpraxis aufgeführt.
Im dritten und letzten Teil in Kapitel 4 findet der steuerliche Aspekt Berücksichtigung. Es werden die steuerlichen Konsequenzen aus Sichtweise des Verkäufers und des Erwerbers erläutert.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Kauf einer Steuerberaterpraxis
2.1. Der Kaufvertrag
2.1.1 Vertragsparteien
2.1.2 Ziele des Kaufvertrags
2.1.3 Grenzen der Vertragsbedingung
2.1.4 Nichtigkeit und Rechtsfolge
2.2 Streitanfällige Punkte des Kaufvertrags
2.2.1 Einschätzung streitanfälliger Punkte der Vertragsgestaltung
2.2.2 Beratungsansätze problematischer Vertragspunkte
2.2.2.1 Vertragsauslegung und Mandantenschutzklausel
2.2.2.2 Wettbewerbsverbotsklausel
2.2.2.3 Kaufpreis
2.2.2.3.1 Allgemein
2.2.2.3.2 Gestaltungsformen der Zahlung des Kaufpreises
2.2.2.3.2.1 Wiederkehrende Leistungen
2.2.2.3.2.2 Umsatz- oder Gewinnbeteiligung
2.3.2.3.2.3 Wertsicherungsklausel
2.2.2.3.2.4 Sicherheiten
2.2.2.4 Bekanntgabe der Praxisübergabe gegenüber Dritten
2.2.2.5 Information des Mandanten
2.2.2.6 Springerklausel
2.2.2.7 Schiedsklausel
2.3 Vertragsstörung
3 Bewertung einer Steuerberaterkanzlei
3.1 Allgemein
3.1.1 Besondere Merkmale bei der Bewertung einer Sozietät
3.2 Materieller Wert der Kanzlei
3.2.1 Allgemein
3.2.2 Pauschalwertansätze
3.3 Immaterieller Wert
3.3.1 Allgemein
3.3.2 Wertbildende Faktoren
3.3.2.1 Mandant
3.3.2.2 Mitarbeiter
3.3.2.3 Kanzlei
3.4 Praxiswert
3.4.1 Allgemein
3.4.2 Der externe Praxiswert
3.4.3 Der interne Praxiswert
3.5 Bewertungsverfahren
3.5.1 Substanzorientierte Verfahren
3.5.1.1 Substanzwert als Rekonstruktionswert
3.5.1.2 Substanzwert als Liquidationswert
3.5.2 Ertragsorientiertes Verfahren
3.5.2.1 Ertragswertverfahren
3.5.2.2 Discounted Cash Flow-Verfahren
3.5.2.3 Modifiziertes Ertragswertverfahren
3.5.3 Marktorientiertes Verfahren
3.5.3.1. Umsatzverfahren
3.5.4 Rechtsprechung
3.5.5 Besonderheiten der Bewertung bei Sozietäten
4 Steuerrechtliche Aspekte beim Kauf oder Verkauf einer Steuerberaterkanzlei
4.1 Gewinnermittlung
4.2 Arten der Praxisveräußerung
4.3 Gewinn aus der Praxisveräußerung
4.3.1 Teilpraxisverkauf
4.3.2 Verkauf der Praxis auf Rentenbasis
4.4 Steuerliche Aspekte beim Veräußerer
4.4.1 Veräußerungszeitpunkt
4.4.2 Die Steuervergünstigungen
4.4.2.1 Der Steuerfreibetrag
4.4.2.2 Fünftel Regelung
4.4.2.3 Ermäßigter Steuersatz
4.4.3 Veräußerung eines Teils eines Anteils
4.4.4 Steuerlicher Aspekt beim Verkauf der Praxis auf Rentenbasis
4.4.4.1 Verkauf gegen Leibrentenzahlung
4.4.4.2 Verkauf gegen Barzahlung und Leibrente
4.5 Steuerliche Aspekte beim Erwerber
4.5.1 Aktivierung
4.5.2 Besonderheit beim Kauf gegen Rentenzahlung
4.5.3 Abschreibung
4.5.4 Steuerliche Haftung
5 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit befasst sich mit den komplexen zivil- und steuerrechtlichen Anforderungen beim Kauf oder Verkauf einer Steuerberaterkanzlei. Ziel ist es, beratungsrelevante Vertragspunkte zu identifizieren, gängige Bewertungsverfahren kritisch zu beleuchten und die steuerlichen Folgen für Veräußerer und Erwerber praxisnah darzulegen.
- Zivilrechtliche Aspekte und Gestaltung von Kaufverträgen bei Kanzleiübertragungen.
- Analyse streitanfälliger Vertragsklauseln mittels einer empirischen Befragung bei Steuerberaterkammern.
- Untersuchung gängiger Bewertungsverfahren für Steuerberaterkanzleien und deren Vor- und Nachteile.
- Steuerliche Konsequenzen und Gestaltungsmöglichkeiten für Käufer und Verkäufer.
- Besonderheiten bei der Bewertung und Übertragung von Sozietätsanteilen.
Auszug aus dem Buch
2.2.2.3.2 Gestaltungsformen der Zahlung des Kaufpreises
Ein weiterer wichtiger Punkt der Vertragsgestaltung des Kaufpreises ist die Zahlungsart des Kaufpreises, wodurch u.a. steuerliche Aspekte, wie auch die Gestaltung des weiteren Lebens des Veräußerer Beachtung finden. Es gibt die Möglichkeiten der Zahlung eines festen Kaufpreises oder einer Zahlung in Raten. Genauso sind auch Formen der Verrentung möglich. Umsatzbeteiligungen bzw. Umsatzbeteiligung in Verbindung mit einer Rate oder einer zusätzlichen Rente in Abhängigkeit zum Erfolg sind genauso denkbar. Andere Arten wiederkehrender Leistungen sind ebenfalls eine Option. Die unterschiedlichen Varianten der Mischformen bieten hier weitere Gestaltungsvielfalt (siehe Abbildung 4).
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Diese Einleitung stellt die Motivation der Arbeit dar, insbesondere den Anstieg der Kanzleiverkäufe aufgrund der demografischen Entwicklung bei Berufsträgern, und gibt einen Überblick über die drei Hauptteile der Untersuchung.
2 Kauf einer Steuerberaterpraxis: Dieses Kapitel behandelt die zivilrechtlichen Aspekte beim Erwerb, die Problematik der Vertragsgestaltung sowie spezifische Risiken, die durch eine Umfrage bei Steuerberaterkammern verifiziert wurden.
3 Bewertung einer Steuerberaterkanzlei: Hier werden die gängigen Bewertungsmethoden, wie Substanz-, Ertragswert- und Umsatzverfahren, analysiert, um den Wert einer Kanzlei unter Berücksichtigung individueller Faktoren zu bestimmen.
4 Steuerrechtliche Aspekte beim Kauf oder Verkauf einer Steuerberaterkanzlei: Das Kapitel analysiert die steuerlichen Konsequenzen der Praxisveräußerung und des Erwerbs, wobei insbesondere Steuervergünstigungen und die Behandlung von Rentenzahlungen erörtert werden.
5 Fazit: Die Arbeit schließt mit einer Zusammenfassung der wichtigsten Erkenntnisse zur Vertragsgestaltung, zur Wahl des Bewertungsverfahrens und zur steuerlichen Optimierung von Kanzleiübertragungen.
Schlüsselwörter
Steuerberaterpraxis, Praxisverkauf, Kaufvertrag, Unternehmensbewertung, Umsatzverfahren, Ertragswertverfahren, Mandantenstamm, Steuerrecht, Praxiswert, Springerklausel, Schiedsklausel, Einkommensteuer, Betriebsveräußerung, Goodwill, Nachfolgeplanung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die rechtlichen und betriebswirtschaftlichen Rahmenbedingungen beim Kauf und Verkauf einer Steuerberaterpraxis unter Berücksichtigung zivil- und steuerrechtlicher Aspekte.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder umfassen die Vertragsgestaltung, die Ermittlung des Kanzlei- bzw. Praxiswertes sowie die steuerliche Behandlung der Veräußerung aus Sicht des Verkäufers und des Erwerbers.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist die Erörterung, wie Kanzleiübertragungen rechtssicher und betriebswirtschaftlich sinnvoll gestaltet werden können, um Konflikte zu vermeiden und steuerliche Optimierungspotenziale zu nutzen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Neben einer Literaturanalyse wird eine schriftliche Befragung bei deutschen Steuerberaterkammern genutzt, um praxisrelevante Schwachstellen in der Vertragsgestaltung zu identifizieren.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Zivilrechtsaspekte des Kaufs (inkl. Problemklauseln), die verschiedenen Bewertungsmethoden für Kanzleien und die steuerlichen Konsequenzen bei unterschiedlichen Veräußerungsformen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Kanzleiübertragung, Praxiswert, Kaufpreisgestaltung, steuerliche Begünstigungen, Mandantenschutz, Wettbewerbsverbote und Bewertungsverfahren.
Warum ist die "Springerklausel" besonders problematisch?
Sie dient als nachträgliche Kaufpreisminderung bei Mandantenabgängen, führt aber oft zu Beweisproblemen und Rechtsstreitigkeiten, wenn ihre Formulierungen nicht präzise sind.
Was ist beim "Umsatzverfahren" bei der Bewertung besonders zu beachten?
Obwohl es in der Fachliteratur oft abgelehnt wird, ist es in der Praxis vorherrschend. Es erfordert jedoch zwingend eine Bereinigung der Umsätze um individuelle Risikofaktoren.
Wie unterscheiden sich interner und externer Praxiswert?
Der externe Praxiswert bezieht sich auf das Ausscheiden des Inhabers und den Übergang der Mandanten, während der interne Wert den Erhalt des Mandantenstamms bei fortbestehender Kanzlei betrachtet.
Welche steuerlichen Wahlrechte hat der Verkäufer bei Rentenzahlungen?
Der Verkäufer kann zwischen einer Sofortbesteuerung des gesamten Rentenbarwerts oder einer Zuflussbesteuerung der einzelnen Zahlungen als nachträgliche freiberufliche Einkünfte wählen.
- Quote paper
- Vincent Schüttfort (Author), 2013, Kauf und Bewertung einer Steuerberaterpraxis, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/215574