Der Bildungsweg eines Individuums ist bis zum Erreichen des gewünschten Abschlusses heutzutage nahezu einheitlich und standardisiert. Für die Vermittlung von grundlegenden Fertigkeiten, wie Sprachkenntnissen oder naturwissenschaftlichen Fähigkeiten ist die Schulbildung zuständig. Sie legt die Grundlage für den weiteren persönlichen Werdegang, doch ist spätestens nach der zwölften beziehungsweise dreizehnten Klasse vorbei. Danach folgen entweder eine berufliche Ausbildung oder ein Studium, bevor die bis dato herrschende Kontinuität an Bildung abbricht. Doch gerade in der heutigen schnelllebigen Gesellschaft ist es unumgänglich sich weiterzubilden. Die Aufgabe der Erwachsenbildung ist es, diese Aus- und Weiterbildung zu organisieren und durchzuführen. Dabei umfassen die Gegenstände der Erwachsenenbildung ein sehr breites Spektrum.
Vielmehr soll das Lernen als solches in den Fokus rücken. Dabei ist es die Aufgabe der Erwachsenenbildung diesen Prozess der Wissensaufnahme anzuregen, denn es kann nur durch die Aneignung des Lernenden selbst erfolgen und würde ohne eigene Lernaktivität nicht zustande kommen. Selbstbestimmtes Arbeiten und Freiwilligkeit kann jedoch nicht durch einseitige Steuerung erzeugt werden, sondern steht in Abhängigkeit mit der Bedeutung der Lerngegenstände für den Lernenden. Das Lernen ist demnach stark interessenorientiert und muss entsprechend bei der Konzipierung von Lernzielen festgehalten werden. Die Lernziele sollen den Lernenden ermöglichen ihre Handlungsspielräume zu erweitern und Probleme des täglichen Lebens, egal ob beruflich oder privat, besser lösen zu können. Um diese Lernziele zu systematisieren und Verwendungszusammenhänge herzustellen, werden sie in bestimmten Kompetenzen zusammengefasst. Dabei umfassen sie Themen der menschlichen Lebenswelt. Das führt dazu, dass es keine Altersbeschränkung für eine Lerntätigkeit gibt und sich jedes Individuum stetig in einer bestimmten Art und Weise durch die Aufnahme von Wissen weiterbildet.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Der Kompetenzbegriff
2.1 Definition
2.2 Kompetenzvermittlung in der Erwachsenenbildung
2.3 Kompetenzmessung
3. Lebenslanges Lernen
4. Die Auswirkungen des Lebenslangen Lernens auf die Kompetenzvermittlung in der Erwachsenenbildung
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das komplexe Verhältnis zwischen dem Kompetenzbegriff und dem Paradigma des lebenslangen Lernens innerhalb der Erwachsenenbildung. Dabei steht die zentrale Forschungsfrage im Fokus, wie Kompetenzen unter den Bedingungen eines lebensbegleitenden Lernprozesses effektiv vermittelt werden können und welche spezifischen Probleme oder Herausforderungen sich aus diesem Zusammenspiel ergeben.
- Etymologische und wissenschaftliche Herleitung des Kompetenzbegriffs.
- Didaktische Konzepte der Kompetenzvermittlung in der Erwachsenenbildung.
- Methodische Ansätze zur Messung von Kompetenzen in der Praxis.
- Historische und gesellschaftliche Entwicklung des Konzepts "Lebenslanges Lernen".
- Analyse der Auswirkungen veränderter Lernanforderungen auf das Individuum und die Bildungseinrichtungen.
Auszug aus dem Buch
2.1 Definition
Um eine Grundlage zu schaffen, soll zunächst eine Definition des Terminus Kompetenz erfolgen. Aufgrund der unterschiedlichen Betrachtungsweisen des Begriffes, fällt eine trennscharfe Einordnung schwer. Während CHOMSKY aus Sicht der Sprachwissenschaft argumentiert, finden sich auch Definitionen aus der Psychologie und der Erziehungswissenschaft. „Wer auf die Kompetenz-Definition hofft, hofft vergeblich.“ ARNOLD hält fest, dass Kompetenz das Handlungsvermögen einer Person bezeichnet und dabei nicht nur subjektorientiert, sondern auch ganzheitlich ausgerichtet ist. Der Begriff umfasst neben inhaltlichem Können und Wissen auch darüber hinaus Fähigkeiten, die häufig als sogenannte Schlüsselqualifikationen bezeichnet werden. TRAUE hält fest, dass der Kompetenzbegriff nur eine Erweiterung des Qualifikationsterminus sei, die sich aus der Anpassung an postfordistische Verhältnisse generiert. Daher bietet es sich zunächst an eine etymologische Bestimmung vorzunehmen und den Wortursprung im Lateinischen zu suchen.
Das Wort „competentia“ kann mit dem deutschen Substantiv „Zusammentreffen“ übersetzt werden. Im gleichen Wortstamm ist auch das Adjektiv „competense“ zu finden, was so viel wie „angemessen“ bedeutet. Somit kann daraus gefolgert werden, dass Kompetenz ein Ausdruck dafür ist, dass jemand bei Zusammentreffen von einer Situation, seinem persönlichen Wissensstand und seinen Fähigkeiten angemessen reagieren und agieren kann. Diese Schlussfolgerung kommt der Definition von DEHNBOSTEL und GILLEN nahe, die jedoch noch eine zeitliche Komponente hinzufügen:
„Unter dem allgemeinen Begriff ‚Kompetenz‘ sind zunächst Fähigkeiten, Methoden, Wissen, Einstellungen und Werte zu verstehen, deren Erwerb, Entwicklung und Verwendung sich auf die gesamte Lebenszeit eines Menschen beziehen.“
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung skizziert den Bildungsweg als standardisierten Prozess und betont die Notwendigkeit kontinuierlicher Weiterbildung in einer dynamischen Gesellschaft, wobei das lebenslange Lernen als zentraler Fokus der Erwachsenenbildung eingeführt wird.
2. Der Kompetenzbegriff: Dieses Kapitel liefert eine theoretische Fundierung des Kompetenzbegriffs, untersucht die Herausforderungen der Kompetenzvermittlung in der Erwachsenenbildung und beleuchtet aktuelle Methoden zur Messung von Kompetenzen.
3. Lebenslanges Lernen: Hier wird das Konzept des lebenslangen Lernens definiert und als evolutionär notwendiger Prozess zur Wissensaufnahme beschrieben, dessen gesellschaftliche Bedeutung seit den 1970er Jahren massiv zugenommen hat.
4. Die Auswirkungen des Lebenslangen Lernens auf die Kompetenzvermittlung in der Erwachsenenbildung: Dieses Kapitel analysiert, wie der Zwang zum Erhalt der eigenen Employability die didaktischen Anforderungen an die Erwachsenenbildung verändert und welche Rolle die Selbstständigkeit der Lernenden dabei spielt.
5. Fazit: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und stellt fest, dass die Erwachsenenbildung vor allem durch eine Ermöglichungsdidaktik unterstützt, während die Verantwortung für den Kompetenzerwerb maßgeblich beim Individuum liegt.
Schlüsselwörter
Kompetenz, Erwachsenenbildung, Lebenslanges Lernen, Kompetenzvermittlung, Kompetenzmessung, Schlüsselqualifikationen, Selbstorganisation, Employability, Bildungsbiografie, Didaktik, Wissensaufnahme, Lernprozess, Kompetenzentwicklung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit im Kern?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Definition und Bedeutung des Kompetenzbegriffs sowie dessen Wandel und Vermittlung im Kontext des lebenslangen Lernens innerhalb der Erwachsenenbildung.
Welche zentralen Themenfelder deckt die Untersuchung ab?
Die Arbeit fokussiert sich auf die theoretische Herleitung von Kompetenzen, die didaktischen Herausforderungen der Erwachsenenbildung, das Konzept des lebenslangen Lernens und die daraus resultierenden Anforderungen an Lernende.
Was ist die primäre Forschungsfrage des Autors?
Die Forschungsfrage untersucht, wie in der Erwachsenenbildung Kompetenzen vermittelt werden können und welche Probleme im Hinblick auf das Konzept des lebenslangen Lernens dabei entstehen.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden angewandt?
Es handelt sich um eine theoretische Arbeit, die auf einer fundierten Literaturanalyse und der Auseinandersetzung mit verschiedenen sozialwissenschaftlichen Diskursen und Definitionen basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Definition und Messung von Kompetenzen, die theoretische Einbettung des lebenslangen Lernens sowie die Analyse der Auswirkungen dieser Konzepte auf die praktische Erwachsenenbildung.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich der Text am besten charakterisieren?
Die Arbeit lässt sich am besten durch Begriffe wie Kompetenz, Erwachsenenbildung, lebenslanges Lernen, Employability und didaktische Vermittlung beschreiben.
Warum spielt die Freiwilligkeit bei der Kompetenzvermittlung eine so große Rolle?
Der Autor argumentiert, dass Kompetenzentwicklung ein aktiver Prozess des Lernenden ist, der nicht durch starre Curricula erzwungen werden kann, sondern auf der individuellen Motivation und Interessenorientierung beruht.
Welche Rolle spielt der Begriff der "Employability" im Kontext der Arbeit?
Die Employability (Beschäftigungsfähigkeit) wird als treibende Kraft identifiziert, die den Druck auf Individuen erhöht, ihre Qualifikationen stetig an technologische und gesellschaftliche Veränderungen anzupassen.
Ist das Konzept des lebenslangen Lernens für den Autor eine neue Erfindung?
Nein, der Autor betont, dass das lebenslange Lernen historisch betrachtet lediglich die Bezeichnung für einen Prozess der stetigen Wissensaufnahme ist, der seit Generationen existiert, jedoch erst seit den 1970er Jahren verstärkt bildungspolitisch diskutiert wird.
- Arbeit zitieren
- Bachelor of Arts Martin Schulze (Autor:in), 2012, Der Kompetenzbegriff in der Erwachsenenbildung und seine Beeinflussung durch das Konzept des lebenslangen Lernens, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/215164