Nicht selten ist den Medien zu entnehmen, dass die besten Köpfe das Land verlassen oder neue aus anderen Ländern dazukommen. Hierbei ist von Brain Drain und Brain Gain die Rede. Damit sind Akademiker, Wissenschaftler, Fach- und Führungskräfte gemeint, die das Land verlassen, oder entgegengesetzt solche, die aus anderen Ländern nach Deutschland kommen. Die in Deutschland ausgebildete Elite darf sich aussuchen, wohin sie gehen möchte. In allen anderen Staaten wird sie mit Vorliebe aufgenommen. Doch was für wirtschaftliche und wissenschaftliche Konsequenzen zieht es mit sich, wenn die guten Gehirne gehen und deren Posten nur durch geringer Qualifizierte ersetzt werden können? Werden diese Stellen tatsächlich nur durch geringer Qualifizierte ersetzt? Entgegengesetzt kommen auch bestens Qualifizierte nach Deutschland, um ein höheres Einkommen und einen höheren Lebensstandard zu erzielen, oder auch um bessere Forschungsbedingungen gewährleistet zu bekommen. Aufgrund der Globalisierung spielen Mobilität und Flexibilität immer mehr eine ausschlaggebende Rolle im weltweiten Handel. Neben den deutschen Gütern ist längst nicht mehr alleine das in Deutschland produzierte Gut im Ausland gefragt, sondern es ist auch die deutsche menschliche Arbeitskraft, an der viele andere Länder Interesse zeigen. Schon während der Studienzeit interessieren sich ausländische Unternehmen für die zukünftigen deutschen Universitätsabsolventen und bieten ihnen oft bessere Zukunftsmöglichkeiten, als ihnen in Deutschland offeriert werden. Aber der Interessenschwerpunkt liegt dennoch an solchen, die bereits in Deutschland studiert haben und bestenfalls auch noch Berufserfahrung aus dem renommierten Land mitbringen. Die Problematik, die ich versuche mit dieser Seminararbeit zu analysieren, beinhaltet die Fragestellungen, was die Ursachen des Brain Drains sind und ob die Auswanderung von gut Qualifizierten verhindert werden kann.
In wessen Ermessen liegt es, dieses von den Medien und der Politik als starke Problematik bezeichnetes Problem zu beheben? Kann sich Deutschland eventuell die Bereitschaft der gut Ausgebildeten auszuwandern zu Nutze machen? Wird auch in Zukunft, in Zeiten des schnellen Informationsaustauschs, das deutsche Humankapital so sehr nachgefragt sein, wie es in diesem Zeitraum ist? Auf all diese Fragen möchte in den nächsten Kapiteln eingehen, um eine präzise Antwort darauf geben zu können.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Brain Drain
2.1 Ursachen für Brain Drain
2.2 Auswirkungen von Brain Drain
2.3 Der Zusammenhang zwischen Brain Drain und Wirtschaftswachstum.
3. Abwanderungsabsichten der deutschen Akademiker
4. Brain Gain
5. Schlussbetrachtung
6. Literaturverzeichnis
Zielsetzung & Themen
Die Seminararbeit analysiert das Phänomen der internationalen Humankapitalmobilität, insbesondere die Ursachen und Auswirkungen von Brain Drain und Brain Gain auf die deutsche Wirtschaft. Die zentrale Forschungsfrage untersucht, ob die Abwanderung hochqualifizierter Arbeitskräfte ein nachhaltiges Problem darstellt oder ob Deutschland durch Rückwanderungseffekte sogar von diesen Strömen profitieren kann.
- Definition und theoretische Einordnung von Brain Drain und Brain Gain
- Analyse der Push- und Pull-Faktoren für die Abwanderung von Akademikern
- Empirische Betrachtung der Wanderungsbewegungen deutscher Staatsbürger
- Diskussion über Maßnahmen zur Stärkung des inländischen Humankapitals
- Bedeutung der Brain Circulation im Kontext des demografischen Wandels
Auszug aus dem Buch
2. Brain Drain
Unter Brain Drain wird ein Phänomen verstanden, bei dem die qualifizierten Individuen eines Landes ihre Heimat aufgrund des, nach ihrem subjektiven Empfinden, zu geringen Lebensstandards, schlechter Forschungsmöglichkeiten und eines zu geringen Einkommens ihre Heimat verlassen. Erstmals verwendete die British Royal Society in einem ihrer Berichte von 1962 diesen Begriff, womit die Abwanderung von Wissenschaftlern und Ingenieuren von Großbritannien nach Nordamerika gemeint war (vgl. Congressional Research Service 1974, S. 11). Brain Drain bezeichnet die Auswanderung von gut ausgebildeten Individuen, die tendenziell eine höhere Humankapitalausstattung vorweisen können. Dieses Humankapital entspricht den Fähigkeiten der Individuen und kann durch Ausbildung verbessert und erweitert werden.
In den Vereinigten Staaten von Amerika wurde dieser Begriff Mitte der achtziger Jahre verwendet, womit die Einwanderung von hochqualifizierten Wissenschaftlern aus der gesamten Welt in die USA gemeint war. Dieses Phänomen besteht nicht nur zwischen den Industrienationen, sondern die Situation in den USA zeigte, dass es auch zwischen Entwicklungsländern und von Entwicklungsländern zu Industrienationen auftreten kann (vgl. Watanabe 1969, S. 401). Aber auch der Abzug von Humankapital in eine andere Stadt bzw. in ein anderes Bundesland wird als Brain Drain bezeichnet; darauf wird in dieser Seminararbeit indes nicht eingegangen. Grundsätzlich sollte aber bezogen auf Deutschland von Brain Drain nur die Rede sein, wenn die exzellent ausgebildeten Bürger für einen längerfristigen oder sogar für einen unbestimmten Zeitpunkt ins Ausland auswandern.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die Thematik der internationalen Mobilität hochqualifizierter Arbeitskräfte ein und formuliert die Problemstellung bezüglich der Folgen von Brain Drain für Deutschland.
2. Brain Drain: Dieses Kapitel definiert den Begriff Brain Drain, beleuchtet dessen Ursachen sowie negative und positive Auswirkungen und analysiert den Zusammenhang zwischen Humankapitalabfluss und Wirtschaftswachstum.
2.1 Ursachen für Brain Drain: Hier werden die spezifischen Motive für die Abwanderung analysiert, wobei zwischen Push- und Pull-Faktoren unterschieden wird.
2.2 Auswirkungen von Brain Drain: Dieses Kapitel klassifiziert die Folgen des Fachkräfteabzugs in negative Aspekte wie Humankapitalverlust und positive Ansätze wie Brain Circulation.
2.3 Der Zusammenhang zwischen Brain Drain und Wirtschaftswachstum.: Die Untersuchung konzentriert sich auf die volkswirtschaftlichen Folgen des Abflusses von hochqualifiziertem Personal für das Heimatland.
3. Abwanderungsabsichten der deutschen Akademiker: Basierend auf Daten des Statistischen Bundesamtes wird das reale Ausmaß der deutschen Auswanderung analysiert und die Sorge vor einem dauerhaften Verlust der "Elite" kritisch hinterfragt.
4. Brain Gain: Das Kapitel befasst sich mit der Gewinnung von hochqualifizierten Arbeitskräften für Deutschland und stellt politische Initiativen wie "Make it in Germany" vor.
5. Schlussbetrachtung: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und kommt zu dem Schluss, dass die Mobilität in einer globalisierten Welt eher als Brain Circulation zu werten ist.
6. Literaturverzeichnis: Verzeichnis der verwendeten Quellen und Studien.
Schlüsselwörter
Brain Drain, Brain Gain, Humankapital, Mobilität, Fachkräftemangel, Akademiker, Globalisierung, Wirtschaftswachstum, Wanderungssaldo, Brain Circulation, Push-Faktoren, Pull-Faktoren, Deutschland, Arbeitsmarkt, Demografischer Wandel
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit dem internationalen Austausch von hochqualifizierten Arbeitskräften (Akademikern) und den Auswirkungen dieses Austauschs auf Deutschland unter dem Gesichtspunkt des demografischen Wandels.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die theoretische Abgrenzung von Brain Drain und Brain Gain, die Analyse von Wanderungsdaten, die Auswirkungen auf das Wirtschaftswachstum sowie politische Gegenmaßnahmen.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist zu klären, ob die Abwanderung deutscher Akademiker eine Bedrohung für den Wirtschaftsstandort Deutschland darstellt oder ob durch zeitlich befristete Auslandsaufenthalte (Brain Circulation) ein Wissensvorsprung generiert wird.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Der Autor nutzt eine Literaturanalyse in Verbindung mit der Auswertung von Statistiken des Statistischen Bundesamtes, um Wanderungsbewegungen und deren ökonomische Implikationen zu bewerten.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden die theoretischen Grundlagen des Humankapitaltransfers, die Ursachen und Auswirkungen der Abwanderung sowie die aktuelle Situation in Deutschland anhand von Datenreihen analysiert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Typische Begriffe sind Brain Drain, Brain Gain, Humankapitalmobilität, Fachkräftemangel und Brain Circulation.
Wie bewertet der Autor das staatliche Qualitätssiegel "Made in Germany"?
Der Autor diskutiert kritisch, ob das Siegel unterwandert wird, wenn Unternehmen Produktionsteile ins Ausland verlagern, um den Fachkräftemangel zu umgehen und Kosten zu sparen.
Welche Rolle spielt die "Brain Circulation" für Deutschland?
Der Autor argumentiert, dass Deutschland weniger unter einem Brain Drain leidet, sondern vielmehr von einer Brain Circulation profitiert, da Rückwanderer wertvolles Know-how und Erfahrungen aus dem Ausland mitbringen.
- Quote paper
- Serdar Danis (Author), 2012, Brain Drain und Brain Gain, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/214760