Dieter Schnebels Mo-No darf als Musik gelesen werden, ist Schrift-Bild, ist akustisch. Wo und wie lässt es sich einordnen? Eine Analyse der Zeichenhaftigkeit steht neben der Frage nach dem hörbar-lesbar-sinnlichen Erleben von Mo-No.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. MO-NO
3. Die Schreibweise
4. Abschließende Bemerkung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Werk "MO-NO – Musik zum Lesen" von Dieter Schnebel, um zu analysieren, ob und inwieweit Musik im literarischen Sinne lesbar gestaltet werden kann und welche Rolle dabei neue Formen der graphischen Notation spielen.
- Die Loslösung der Musik von traditionellen Notationssystemen.
- Die Interdependenz von Sprache, Schrift und Klang in der Avantgarde.
- Die Bedeutung der graphischen Notation für ein neues Musikerleben.
- Die Analyse des Leseverhaltens und der Wahrnehmung bei Dieter Schnebel.
- Die Verschränkung von kognitiven und sensorischen Prozessen bei der Rezeption.
Auszug aus dem Buch
3. Die Schreibweise
MO-NO ist der Versuch, Musik lesbar zu machen und gleichzeitig aus dem normiert-tradierten Notationsmustern zu befreien. Gleichzeitig wird, gerade über das Lesen von Musik, das gewohnte Leseverhalten in eine neuartige Richtung zu bewegen versucht, wobei Schreibweise und Leseakt fest miteinander verschmolzen sind: die Schreibweise, die Notation regt das neuartige Lesen an; und um neuartig gelesen werden zu können, muss sich einer neuen Schreibweise bedient werden. Wo sich während des Leseaktes im Normalfall Sinn erschließt, sollen sich in MO-NO Klangwelten erschließen. Wo sonst gesehen wird, soll nun gehört werden.
So möchte das Buch den lesenden Hörer (den hörenden Leser) zur Musik der Klänge führen, die uns umgibt, aber auch ihn auf die Spur jener imaginären Musik setzen, welche sich ständig in uns bildet, nämlich aus realen wie irrealen Klängen hervorwächst. (Schnebel, 1969)
Dieter Schnebel bedient sich hier keiner einheitlichen Schreibweise, sondern durchmischt verschiedene Arten graphischer Notation mit „herkömmlicher“ Schriftsprache, mischt aber auch hier verschiedene Schriftsätze und Sprachen (z.B. das Deutsche mit dem Englischen). Desgleichen finden sich durchaus auch Noten, „freilich kaum solche, wie man sie gewohnt ist (die man spielen könnte), vielmehr welche, die sich nur durch Betrachtung erschließen […]“ (Schnebel, 1969).
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Dieses Kapitel erläutert die historische Entwicklung der musikalischen Avantgarde weg von traditionellen Notationsformen hin zur graphischen Notation und stellt das Werk von Dieter Schnebel in diesen Kontext.
2. MO-NO: Hier wird das Werk "MO-NO" als hybrides Medium zwischen Buch und Musikstück analysiert und in Bezug zu Marshall McLuhans Medientheorie gesetzt.
3. Die Schreibweise: Dieses Kapitel untersucht die spezifischen Notationstechniken Schnebels und wie diese den Rezipienten dazu anregen, Musik primär visuell zu erfassen und klanglich zu assoziieren.
4. Abschließende Bemerkung: Der Autor resümiert die Erfolgsaussichten des Versuchs, Musik zu literarisieren, und reflektiert kritisch über das Verhältnis von Theorie und Kunstpraxis in der Avantgarde.
Schlüsselwörter
Avantgarde, Musik, Notation, MO-NO, Dieter Schnebel, Graphische Notation, Marshall McLuhan, Klangwelt, Schriftsprache, Zeichenhaftigkeit, Musikrezeption, Intermedialität, Sinnliche Wahrnehmung, Bedeutungslosigkeit, Notationsmuster
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Untersuchung des Werkes "MO-NO – Musik zum Lesen" von Dieter Schnebel und der Frage, wie durch graphische Notation neue Formen der musikalischen Wahrnehmung erzeugt werden können.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen umfassen die Geschichte der Avantgarde-Musik, die Theorie der musikalischen Notation, das Verhältnis von Text und Bild sowie die medientheoretische Einordnung der Lesbarkeit von Klängen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es zu analysieren, inwiefern Musik im literarischen Sinne lesbar gestaltet werden kann und ob Schnebel damit erfolgreich die Grenzen traditioneller Notationsformen überschreitet.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine komparative und analytische Methode, indem sie Schnebels graphische Notation medientheoretisch (u.a. mit Bezug auf McLuhan) interpretiert und in den Kontext der musikalischen Avantgarde stellt.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die spezifischen Schreib- und Notationsweisen in "MO-NO", das Zusammenspiel von visuellen Reizen und klanglichen Assoziationen sowie die theoretische Fundierung durch den Vergleich mit literaturwissenschaftlichen Ansätzen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind Avantgarde, graphische Notation, MO-NO, Musikrezeption, Zeichenhaftigkeit und Intermedialität.
Wie unterscheidet sich die Notation in "MO-NO" von klassischer Musiknotenschrift?
Klassische Notenschrift ist konventionell auf Tonhöhe und Dauer festgelegt, während Schnebel graphische Zeichen nutzt, die keine direkten spieltechnischen Anweisungen geben, sondern den Leser zu imaginären, individuellen Klangassoziationen anregen.
Warum bezieht sich der Autor auf Marshall McLuhan?
McLuhan liefert den theoretischen Rahmen, um das "Sprengen der Form" und die "sensorische Symbiose" zu erklären, die in Schnebels Werk das Lesen in ein Hören verwandeln soll.
Ist das Werk "MO-NO" eher als Musik oder als Literatur zu verstehen?
Der Autor argumentiert, dass es ein hybrides Werk ist, das die Grenzen beider Medien bewusst auflöst, wobei die finale Einordnung in das eine oder andere Feld aufgrund der bewussten "Bedeutungslosigkeit" der Zeichen offen bleibt.
Was bedeutet der Begriff "hörender Leser" im Kontext der Arbeit?
Der "hörende Leser" beschreibt den neuartigen Rezipienten, der durch die spezielle visuelle Gestaltung der Notation nicht mehr nur Text liest, sondern gezwungen ist, diesen visuell vermittelten Inhalt sofort in eine klangliche Vorstellung zu übersetzen.
- Arbeit zitieren
- Johanna Rebling-Schauber (Autor:in), 2008, MO-NO: Musik zum Lesen. Der Versuch, Musik visuell-akustisch erfahrbar zu machen, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/214633