Wir unterhalten uns, wir reden miteinander. Daß wir uns dabei verstehen, ist erstaunlich, das sollten wir uns mal bewußt machen: Viele Wörter haben nämlich gar keinen Sinn, bei genauerer Betrachtung, jedenfalls nicht den, den wir kennen. Das fängt in dieser Sammlung gleich mit dem Vorwort an: Ein Wort ist nun wirklich nur ein Wort. Es müßte Vorworte oder Vorwörter heißen.
Mal gibt es Wörter im Überfluß, mal herrscht Mangel. Durch vermeintliche Regelwerke gezogen, dürfte es manches Wort gar nicht geben, jedenfalls nicht so.
Sprache wird gesprochen, nicht gespracht, müßte demnach Sproche heißen – oder Spreche, weil wir sie sprechen. Der Anrufbeantworter beantwortet Anrufe nicht, er nimmt sie entgegen. Der Fernseher sieht nichts, er bildet ab. Der Aschenbecher ist kein Becher, sondern ein Schälchen. Die Kartoffel müßte geschalt werden, nicht geschält, sie hat keine Schäle. In genau 79 Fällen sprechen wir Zahlen numerisch falsch herum. Dem Schluckauf fehlt sein Verb, obwohl man bei diesem Leiden definitiv etwas tut. Rohr und Röhre unterscheiden sich nicht, aber welches Wort ist zuviel?
Solche Beispiele sind hier gesammelt, dabei geht es aber nicht um Besserwissenschaft. Mein Interesse gilt keiner Korrektur. Der Sprache soll nicht zu – vermeintlicher – Genauigkeit ver-holfen werden. Eher soll denen geholfen werden, die auf diese Genauigkeit vertrauen: Es gibt sie nicht. Sprache ist nicht geradlinig und genau. Bücher, von denen wir annehmen, wir hätten sie dort nachzuschlagen, gaukeln uns das bloß vor.
Dabei ist der Begriff Rechtschreibung schon falsch, es gibt nämlich gar kein Recht auf Schreibweisen. Man kann niemanden, der etwas falsch geschrieben hätte, verklagen. Sprache ist gebogen und gebrochen. Und Sprache machen wir uns erst zu eigen, wenn wir sie biegen und brechen. Sprache ist nicht Pflicht, sondern Kür.
Daß die Sache durchaus einen kleinen Haken hat, ist mir bewußt: Man muß die Sprache zunächst einigermaßen gut beherrschen, um dann lustvoll mit ihr richtigfalsch umzugehen. Man muß sehr scharf hinsehen, um dann augenzinkernd vorbeizugucken oder ein Auge zuzudrücken ...
Inhaltsverzeichnis
Vorwort
Vorworte
sprachen
schreuben
Vehler / Feler
Was fehlt dir?
Was ist dir?
abern
Unpech
Pechwunsch
Glückwunsch
begreifstutzig
Stutz
Rohr und Röhre
öftern
Elter
erschmerzen
ein Glück
bemöbeln
Demoen
auf ein Wort
telefonier mich
Überfluss & Mangel
es schnieselt
Wie spät ist es?
satt
†
Mittwoch
tausendtausend
Magma & Lava
Liebe
s
Recht s sprechung
deutsche Richtigschreibweise
Glück = Unglück
entschalen
z. B. dämlich
Arbeitsie
Obst und Gemüse
Freund und Freund
halb voll halb leer
nächste Woche
Krankheitsamt
Babyöl
miteinander schlafen
Im Namen des Volkes
Teelicht
Was gefällt (wird)
elf zwölf
Aschenbecher
kalter Atmer
Zeitangaben
echt Gold
(k)einen (schlechten) Geschmack
– zimmer
– und –
Leserichtungen
Zwillinge
Deckel und – ?
Schwarz und Weiß
rückwärts denken
Brannt und Brand
löffeln, messern, gabeln
Teller und Tassen
der Tag
altlich
nach – denken
Un 1
Un 2
Sinn
Geschwist
Sprachverständnis
Fragewörter
der Mann und der Junge
geradewärts
?
Un-/Rechtsbewusstsein
Was macht der Artikel da?
ungemeint
Wörter zusammennageln
Anspruchsvölle
Kompliment und kompliziert
Lüger
hochzeiten
Anrufentgegennehmer
spülen und waschen
hicks
vom Krebsen
Frage – n – bogen
Uhrzeit
in der Späte
Waisen & ?
spenden und spendieren
irgend –
der Indik
der Ohnemensch
es dringt
Begatt (in)
Klebe(r)
Verwechslungen
eins
die schlaue 1
Fernseher & Fernhörer
der Zugeschlossene
– logik
es orkant
hockern und sesseln und
Knaben und ?
auf Immerwiedersehen
unentschlossene Art
Konsequenz
Vielleichtigkeit
der Anderländer
halbe Stunden
notizieren
sieb –
in Zahlen
Asphaltauto
Brüder und Schwestern
aum
die Ältern
das Schrumpftum
Nachworte
Iven Einszehn
Letzte Veröffentlichungen
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht kritisch und humorvoll die Inkonsistenzen, logischen Brüche und oft willkürlichen Regeln der deutschen Sprache. Das Ziel ist es, durch die Analyse scheinbar fester sprachlicher Konventionen aufzuzeigen, wie Sprache "gebogen und gebrochen" werden kann, um neue Bedeutungsebenen zu erschließen oder die Absurdität bestehender Normen zu entlarven.
- Dekonstruktion sprachlicher Normen und Regeln
- Analyse von Wortbildungen und deren logische Inkonsistenzen
- Kritik am starren Verständnis von Rechtschreibung und Grammatik
- Untersuchung von Semantik und Bedeutungswandel im Sprachalltag
Auszug aus dem Buch
Rohr und Röhre
Wir haben das Rohr und die Röhre. Mancher glaubt sicher, er könne da unterscheiden.
Da wird das Rohr kürzer und die Röhre länger, weiter, tiefer. Könnte stimmen, der Aussprache nach. Rohr klingt recht kurz, Röhre schon länger. Röhre hört sich auch weiter und tiefer an, nicht wahr?
R ö h r e
Rohr
Irgendwie schlüssig. Prompt findet man, in einer Röhre könnten Rohre gut und gern Platz finden, umgekehrt hingegen schaue die Röhre aus dem Rohr an beiden Enden heraus.
Eine Röhre muss gar nicht unbedingt zwei Enden haben (rein logisch betrachtet schon, sonst wäre das Ding ein Zylinder, gar ein Topf), in der Imagination jedoch nicht. In der Vorstellung beginnen wir die Röhre zu denken an ihrem Anfang, bis zu ihrem Ende gelangen wir aber nicht, so lang sind Röhren. Das Rohr denken wir ganz kurz. Von vorne bis hinten. Wir können es überschauen ohne jeden Zweifel.
Man mag das alles umgekehrt empfinden. Vielleicht sind einem Röhren auch einfach schmale Rohre. Das ist völlig unwichtig.
All das Denken um Rohre und Röhren beruht, Irrtum um Irrtum, auf der Annahme, wenn es die beiden Begriffe gibt, müssten sie zu unterscheiden sein.
Zusammenfassung der Kapitel
Rohr und Röhre: Dieses Kapitel hinterfragt die vermeintlichen logischen Unterschiede zwischen den Begriffen "Rohr" und "Röhre" und zeigt die Absurdität dieser Unterscheidungsversuche auf.
Obst und Gemüse: Hier wird die willkürliche Kategorisierung von Lebensmitteln als Obst oder Gemüse thematisiert und auf die etymologischen Unschärfen hingewiesen.
Wie spät ist es?: Dieses Kapitel analysiert die gebräuchlichen Fragen zur Uhrzeit und hinterfragt, warum wir nach der "Uhr" fragen, wenn wir eigentlich die "Zeit" meinen.
echt Gold: Hier wird der Begriff "echt" in Bezug auf Gold als redundante und irreführende sprachliche Konstruktion entlarvt.
Schlüsselwörter
Sprachkritik, Sprachgebrauch, Logik, Dekonstruktion, Rechtschreibung, Semantik, Etymologie, Wortbedeutung, Sprachregeln, Humor, Sprachphilosophie, Normen, Sprachwandel
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in diesem Werk grundsätzlich?
Das Buch ist eine satirische und kritische Auseinandersetzung mit den oft unlogischen und willkürlichen Regeln sowie dem alltäglichen Gebrauch der deutschen Sprache.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die Dekonstruktion festgefahrener Sprachnormen, die Analyse logischer Brüche in der Rechtschreibung und die Hinterfragung der vermeintlichen Präzision von Begriffen.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das primäre Ziel ist es, den Leser zum bewussten, kritischen und spielerischen Umgang mit Sprache anzuregen und die Absurdität starrer Sprachkonventionen aufzuzeigen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine essayistische, sprachanalytische Methode, die oft auf der ironischen und dekonstruktiven Untersuchung von Einzelbegriffen basiert.
Was wird im Hauptteil primär behandelt?
Im Hauptteil werden zahlreiche spezifische Wortpaare und Ausdrücke einzeln seziert, um ihre logischen Inkonsistenzen auf humorvolle Weise offenzulegen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren das Werk?
Sprachkritik, Sprachgebrauch, Logik, Dekonstruktion, Sprachregeln und Sprachphilosophie.
Wie nähert sich der Autor dem Begriff "Rechtsschreibung"?
Der Autor argumentiert, dass der Begriff "Rechtschreibung" in sich widersprüchlich ist, da es kein "Schreibrecht" gibt und die Bezeichnung somit eine bloße normative Zuschreibung darstellt.
Welche Rolle spielt die Ironie im Text?
Die Ironie dient als zentrales Werkzeug, um die Absurdität sprachlicher Normen für den Leser unterhaltsam und zugleich entlarvend erlebbar zu machen.
- Arbeit zitieren
- Iven Einszehn (Autor:in), 2013, Anleitung zum Biegen und Brechen der Sprache, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/214483