Pädagogisch gesehen, befinden wir uns gerade in einem besonders experimentierfreudigen und toleranten Zeitalter. Zahlreiche Methoden, die Lehrer und Erzieher beherrschen sollen, sorgen für eine besonders große Vielfalt. Wie aber kommen Studentinnen und Studenten (nachfolgend nur noch im männlichen Plural genannt) an besagte Methoden? Ein Lehramtstudium verlangt von ihnen sowohl den Aufbau von Fachkompetenz als auch den Aufbau von Sozial- und Methodenkomepetenz. Gerade im Bereich des Fachwissens kann Wissen enzyklopädisch je nach Fleißgrad gesammelt werden. Geht es jedoch um das Erlangen von Sozial- und Methodenkompetenz sieht es schlecht aus. Während sogenannter SPÜ (Schulpraktischen Übungen) und diversen kürzeren Praktika kommen die Studenten in den Genuss den normalen Schulalltag im Rahmen des Unterrichts hautnah und zeitlich befristet zu erleben. Dabei sehen sie, wie unterschiedliche Lehrer in ihrer Lehrlernumwelt agieren und dabei manchmal auch verzweifeln. Schüler sind während des Unterrichts abgelenkt, stören oder machen schlichtergreifend nicht das, was sich der Lehrer von ihnen wünscht oder erwartet. Selbst erfahrene Lehrer sind manchmal überfordert und können zwar fachlich mit Wissen brillieren, haben aber in einer Situation X plötzlich eine Blockade, kommen nicht zu den Schülern durch und sind überfordert. Was kann man also als Lehrer in so einer Situation tun? Bezugnehmend auf das Zitat: Warum lassen sich Kinder und Jugendliche nicht immer so beeinflussen, wie wir uns das wünschen? Es ergibt sich die Überlegung, ob es in bestimmten Situationen, mit übereinstimmenden Merkmalen, typische Handlungsmuster gibt, mit denen man gewünschte Effekte erzielen kann. Ziel dieser Hausarbeit soll es sein, einen Überblick über Unterrichtsstörungen und Disziplinschwierigkeiten zu geben und einige Möglichkeiten für ihre Bewältigung vorzustellen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Disziplinschwierigkeiten und Verhaltensstörungen
3. Unterrichtstörungen
3.1 Was versteht man unter Unterrichtsstörungen?
3.2 Arten und Ursachen von Unterrichtstörungen
3.3 Pädagogische Handlungsoptionen bei Unterrichtsstörungen nach Rainer Winkel
4. Fallbeschreibungen
4.1 „Harun, der Störenfried“
4.2 „Die stummen Schüler“
4.3. Die „gestaute Vitalität“
5. Schlusswort
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht das Phänomen von Unterrichtsstörungen und Disziplinschwierigkeiten im schulischen Kontext, um angehenden Lehrkräften ein besseres Verständnis für Ursachen und angemessene pädagogische Handlungsoptionen zu vermitteln. Im Zentrum steht dabei die kommunikative Didaktik nach Rainer Winkel, ergänzt durch die Reflexion praktischer Fallbeispiele, um Strategien für einen konstruktiven Umgang mit herausfordernden Situationen im Unterrichtsalltag aufzuzeigen.
- Grundlagen von Disziplinschwierigkeiten und Verhaltensstörungen
- Definition, Arten und Ursachen von Unterrichtsstörungen
- Pädagogische Handlungsoptionen nach Rainer Winkel
- Reflexion von Fallbeispielen aus dem Unterrichtsalltag
- Der Einfluss von Lärmbelastung auf das Schulklima
Auszug aus dem Buch
4.1 „Harun, der Störenfried“
Ich erlebte im Geschichtsunterricht einer siebenten Klasse bei Frau H., einer Lehrerin in den 50ern, an einem Freitag in der sechsten Stunde, wie der Schüler Harun während der Stunde damit begann, sich mehrere Kaugummis in den Mund zu stecken, große Blasen damit zu machen und diese mit einem lauten Knall platzen zu lassen. Die Lehrerin war zu dem Zeitpunkt dabei ein Tafelbild zu erstellen und konnte nicht sofort einordnen, von wem diese Störung ausging. Die Tatsache, dass sich alle Schüler zu Harun gewendet hatten und auch ich ihn mit den Blicken fixierte, ließ sie jedoch schnell erkennen, dass es sich bei dem Schüler um besagten Jungen handelte.
Frau H. fragte Harun was er mit diesem Benehmen bezweckte, woraufhin dieser antwortete, sein Arzt hätte ihm gesagt, er müsse fortan immer Kaugummi kauen, er bräuchte das für seinen Kiefer. Die Lehrerin forderte daraufhin zum Folgetag ein Attest von ihm und außerdem den Kaugummi sofort auszuspucken. Harun reagierte allerdings damit sich weitere Kaugummis in den Mund zu stecken und weiterzumachen. Die Lehrerin drehte sich um und vervollständigte ihr Tafelbild und ignorierte Harun während der gesamten folgenden Stunde.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Herausforderungen für Lehramtsstudierende beim Übergang von der Theorie in die Praxis und stellt das Ziel der Arbeit vor, Strategien gegen Unterrichtsstörungen aufzuzeigen.
2. Disziplinschwierigkeiten und Verhaltensstörungen: Dieses Kapitel erläutert den begrifflichen Wandel von disziplinarischen Schwierigkeiten hin zum medizinisch geprägten Terminus der Verhaltensstörung und diskutiert die pädagogischen Implikationen.
3. Unterrichtstörungen: Hier werden Definitionen sowie Ursachen von Unterrichtsstörungen hergeleitet, wobei insbesondere die Perspektive von Rainer Winkel auf den unterrichtlichen Kommunikationsprozess im Fokus steht.
4. Fallbeschreibungen: Drei konkrete Unterrichtsszenarien („Harun, der Störenfried“, „Die stummen Schüler“, „Die gestaute Vitalität“) werden analysiert, um pädagogische Interventionsmöglichkeiten exemplarisch zu erproben.
5. Schlusswort: Das Schlusswort thematisiert die Belastung durch Lärm im Schulalltag, reflektiert die Gesundheitssituation von Lehrern und betont die Notwendigkeit einer stärkeren Praxisorientierung in der Lehrerausbildung.
Schlüsselwörter
Unterrichtsstörung, Disziplinschwierigkeiten, Verhaltensstörung, kommunikative Didaktik, Rainer Winkel, pädagogische Handlungsoptionen, Fallanalyse, Schulklima, Lärmbelastung, Lehrerausbildung, Praxisbezug, Lernverweigerung, ganzheitliches Lernen, gestaute Vitalität, Lehrergesundheit.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der pädagogischen Auseinandersetzung mit Unterrichtsstörungen und bietet Lehrern Strategien an, um in schwierigen Situationen professionell zu reagieren.
Was sind die zentralen Themenfelder der Publikation?
Zentrale Themen sind der Bedeutungswandel von Disziplinschwierigkeiten, die Analyse von Ursachen für gestörten Unterricht sowie konkrete pädagogische Maßnahmen zur Konfliktlösung.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, angehenden Lehrkräften einen Überblick über bewährte Handlungsmuster zu geben, um Unterrichtsstörungen nicht nur zu verwalten, sondern pädagogisch fundiert zu bearbeiten.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zur Anwendung?
Die Arbeit stützt sich auf eine theoretische Aufarbeitung der kommunikativen Didaktik von Rainer Winkel, welche durch die Analyse eigener, erlebter Fallbeispiele praxisnah ergänzt wird.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in theoretische Grundlagen zu Störungsbegriffen sowie eine detaillierte Auswertung von Fallbeispielen, inklusive pädagogischer Deutungsansätze und Empfehlungen.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Unterrichtsstörung, kommunikative Didaktik, Praxisbezug und pädagogische Handlungskompetenz charakterisiert.
Wie unterscheidet die Arbeit zwischen Disziplinstörung und Verhaltensstörung?
Disziplinstörungen werden eher dem pädagogischen Handlungsfeld des Lehrers zugeordnet, während Verhaltensstörungen oft mit externen Expertendiagnosen assoziiert werden.
Welche Rolle spielt der Lärm im Unterricht laut der Arbeit?
Lärm wird als zentraler Belastungsfaktor identifiziert, der sowohl die Leistungsfähigkeit der Schüler mindert als auch die Gesundheit der Lehrkräfte massiv gefährdet.
Welche Bedeutung misst die Autorin der schulpraktischen Ausbildung bei?
Sie betont, dass theoretisches Fachwissen nicht ausreicht und fordert eine intensivere schulpraktische Ausbildung, um angehenden Lehrern die Angst vor dem Klassenraum zu nehmen.
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- Seda Markhoff (Author), 2010, Über den Umgang mit Unterrichtsstörungen, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/214455