»Englands Verrat am Jüdischen Volk« – so lautet am 1. Juni 1939 der Zweittitel der New Yorker Exilzeitschrift »Aufbau«. »Der Schwarze Tag von London – Die letzte Tür der Hoffnung zugeschlagen«1 ist der Untertitel des Leitartikels über die Annahme des neuen britischen White Papers2 im Londoner Unterhaus. Die Solidarität der jüdischen Exilgemeinde in New York mit den Juden in Palästina scheint in Zeilen wie diesen unumstritten und selbstverständlich zu sein. Der »Aufbau«, das »Sprachrohr der jüdischen Massenemigration«3, sollte jedoch nicht leichtfertig als zionistisches Blatt tituliert werden. Im ereignisreichen Jahr 1939 entstanden, bietet das Weißbuch Aufschluss über die Situation in Palästina, die britische Mandatspolitik, das Flüchtlingsproblem des europäischen Judentums und Versuche zur Lösung eines Konfliktes, der bis heute andauert.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Exilzeitung »Aufbau-Reconstruction«
2.1 Vom Vereinsblatt zur Qualitätszeitung
2.2 Politische Positionen des Aufbau
3 Palästina unter britischem Völkerbundmandat
4 Der »Aufbau« und das Weißbuch von 1939
4.1 Entstehung des MacDonald Weißbuchs
4.2 Inhalt des Weißbuches
4.3 Reaktionen auf das Weißbuch
5 Der Aufbau und »Englands Verrat am Jüdischen Volk«
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht die inhaltliche Auseinandersetzung der deutsch-jüdischen Exilzeitung „Aufbau“ mit dem britischen Weißbuch von 1939. Dabei wird analysiert, wie das Blatt, das eine wichtige Stimme für jüdische Emigranten in den USA darstellte, auf die gravierenden Einschränkungen für die jüdische Einwanderung nach Palästina reagierte und welche politischen Rückschlüsse auf das Selbstverständnis der Exilgemeinde möglich sind.
- Die Entwicklung und politische Ausrichtung der Exilzeitung „Aufbau“.
- Die historische Bedeutung des britischen Weißbuchs von 1939 für das Palästina-Mandat.
- Die mediale Rezeption und Kritik des „Aufbau“ an der britischen Palästinapolitik.
- Die Auswirkungen des Weißbuchs auf die zionistische Bewegung und die jüdische Emigration.
Auszug aus dem Buch
4.1 Entstehung des MacDonald Weißbuchs
Die Aufstände zeigten deutlich, dass die Briten die Lage alles andere als unter Kontrolle hatten und ihrer im Mandat festgelegten Doppelaufgabe nicht mehr gewachsen waren. Der immer stärker werdende »pro-arabische Druck im Außenministerium« wurde von einem Gutachten Charles Batemans verstärkt, in dem es hieß müsse die Araber »besänftigen«, damit diese sich im Falle eines Krieges nicht ihre Drohung wahr machten. Nach einigen Wochen im Amt des Kolonialministers entfernte sich MacDonald vom Zionismus und sah er sich einer Kursänderung gezwungen.
Mir ging es hauptsächlich um Großbritannien, aber ich dachte auch, [...] wenn wir verlieren sollten, würde es für sie möglicherweise überhaupt keine nationale Heimstätte geben.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung führt in das Thema ein, erläutert die Bedeutung der Zeitung „Aufbau“ für die jüdische Exilgemeinde und definiert die Forschungsfrage bezüglich der Rezeption des Weißbuchs von 1939.
2 Exilzeitung »Aufbau-Reconstruction«: Dieses Kapitel beschreibt die Entwicklung des „Aufbau“ vom Vereinsblatt zur bedeutenden Exilzeitung und analysiert dessen politisches Selbstverständnis.
3 Palästina unter britischem Völkerbundmandat: Hier werden die historischen Hintergründe des britischen Mandats sowie die Eskalation der Konflikte zwischen arabischer und jüdischer Bevölkerung skizziert.
4 Der »Aufbau« und das Weißbuch von 1939: Der Hauptteil analysiert die Entstehung des MacDonald-Weißbuchs, dessen inhaltliche Bestimmungen sowie die kritische Resonanz in der „Aufbau“-Redaktion.
5 Der Aufbau und »Englands Verrat am Jüdischen Volk«: Dieses Kapitel fasst zusammen, wie das Blatt langfristig auf die britische Politik reagierte und welche Rolle Palästina für die jüdische Identität im US-Exil einnahm.
Schlüsselwörter
Aufbau, Weißbuch 1939, Palästina, Zionismus, Jüdische Exilzeitung, Großbritannien, MacDonald, Völkerbundmandat, Jüdische Einwanderung, Manfred George, Exil, Britische Mandatspolitik, Jüdische Identität.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Berichterstattung und Haltung der deutsch-jüdischen New Yorker Exilzeitung „Aufbau“ zum britischen Weißbuch von 1939, das die jüdische Einwanderung nach Palästina massiv einschränkte.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Zentrale Themen sind die Entwicklung der Zeitung „Aufbau“, die Geschichte des britischen Palästina-Mandats, die Inhalte des Weißbuchs und die Reaktionen innerhalb der jüdisch-amerikanischen Exilpresse.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, die politische Positionierung des „Aufbau“ gegenüber der britischen Palästinapolitik zu analysieren und zu verstehen, wie das Blatt auf das Ende der Hoffnungen vieler Emigranten auf eine sichere Heimstätte reagierte.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es handelt sich um eine zeithistorische Analyse, die auf einer Auswertung von Primärquellen (Ausgaben des „Aufbau“ aus dem Jahr 1939) sowie der einschlägigen Fachliteratur zur Exilgeschichte und dem Zionismus basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung des „Aufbau“ als Medium, die historischen Bedingungen in Palästina unter dem Mandat sowie die detaillierte Aufarbeitung der Entstehung und inhaltlichen Kritik des Weißbuchs.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit am besten?
Die wichtigsten Schlagworte sind Palästina, Zionismus, Exilpresse, Britisches Mandat und das „Aufbau“-Weißbuch von 1939.
Wie positionierte sich die „Aufbau“-Redaktion gegenüber Großbritannien?
Die Zeitung, anfangs teilweise unpolitisch, empfand das Weißbuch als Verrat („Englands Verrat am Jüdischen Volk“) und übte scharfe Kritik an der britischen Regierung unter Chamberlain und MacDonald.
Welche Rolle spielte die Einwanderungsproblematik für die „Aufbau“-Leserschaft?
Die Einwanderungsbeschränkungen wurden als existenzielle Bedrohung für verfolgte europäische Juden wahrgenommen, was die emotionale und kämpferische Haltung der Zeitung in dieser Frage maßgeblich prägte.
- Arbeit zitieren
- Veronika Gareis (Autor:in), 2007, "Englands Verrat am Jüdischen Volk", München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/214338