Qualität ist, seit der Hochkonjunktur dieses Begriffes, nicht nur als ein bedeutungsvoller Umstand in der Sozialen Arbeit anzusehen, vielmehr hat sich jene prägend für die Einrichtungen der Sozialen Arbeit erwiesen. Im Kontext der ökonomischen Zwänge durch sozialpolitische Einsparungen auf Träger und Einrichtungen, ist Qualität aktueller denn je worden. Zudem hat sich der Druck auf jene soziale Dienstleistungsanbieter zunehmend erhöht. Marktrelevante Bedingungen fordern öffentlich legitimierte Angebote und eine höhere Leistungsqualität, denen die aktuellen Dienstleistungsanbieter im „Zeichen der Zeit“ gerecht werden müssen. Mit der Umsetzung solcher Anforderungen tun sich viele Einrichtungen der Sozialen Arbeit immer noch schwer, weil die in der Industrie entwickelten Qualitätsstandards schwer auf die Soziale Arbeit übertragbar sind. Der Entwicklungs- bzw. Erprobungsstand methodisch- fachlicher Praktiken für das Qualitätsmanagement (QM) ist noch nicht sehr weit fortgeschritten (Vgl. Merchel, S.7, 2001).
Im „Hier und Jetzt“ steht ganz klar nicht mehr die Quantität der Leistungen der Sozialen Arbeit, sondern die Qualität. Neben der geforderten staatlich kontrollierten Transparenz der Leistungen im Sinne der Dokumentation, rücken vermehrt verbindliche Qualitätsstandards in den Vordergrund. Einrichtungen mit kostenintensiveren Arbeitsfeldern, wie z.B. die Bereiche Alten-, Behinderten- und Erziehungshilfe werden dadurch, dass der Gesetzgeber konkrete Nachweise einfordert, verstärkt dokumentiert. Dadurch liegen mehr empirische Befunde über die Qualität Sozialer Arbeit vor, als in anderen Bereichen. Die Sozialarbeiterische Praxis muss mehrdimensional betrachtet werden, um überhaupt Nachweise über das Gelingen einer solchen zu erbringen. Es wird dazu angehalten die Thematisierung des Begriffes Qualität keinesfalls als neologistisch anzusehen, sondern darauf verwiesen die Entwicklung historisch zu betrachten. Die Entwicklung zeichnet sich vor allem, zeitlich eingegrenzt, in den Epochen vom Nachkriegsdeutschland bis heute ab. Die großzügig ausgestattete wohlfahrtsstaatliche Organisation wird demnach zunehmend zur wettbewerbsfähigen, vom Markt gesteuerten und effizienten Einrichtung umfunktioniert (Vgl. Flösser, 2005) In wieweit ist diese Entwicklung als schicksalhafte Begleiterscheinung anzusehen und in wie fern kann diese Entwicklung als Chance bzw. Schub für eine professionalisierte Soziale Arbeit verstanden werden?
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1. Zum Grundverständnis der Qualitätsdebatte
2. Historische Notiz/ Entwicklung der Sozialen Arbeit in Phasen
3. Der Begriff Qualität
3.1 Ebenen der Qualität
4. Zur Bedeutung von Qualitätsmanagement
4.1 QM- Anliegen: Messen von Qualität
4.2 QM-Systeme (Beispiele)
4.2.1 DIN EN ISO 9000ff
4.2.2 EFQM
4.2.3 Benchmarking
4.2.4 Interne Evaluation / Selbstevaluation
5. QM- Ein Patentrezept?
6. Professionalität durch Zusammenspiel Organisation/Fachkraft
7. Chancen und Risiken von QM für die Soziale Arbeit
7.1 Chancen
7.2 Risiken
8. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Studienarbeit untersucht die Implementierung von Qualitätsmanagement (QM) in Einrichtungen der Sozialen Arbeit. Im Zentrum steht dabei die Forschungsfrage, inwieweit QM-Modelle, die ursprünglich aus der Industrie stammen, auf die Soziale Arbeit übertragbar sind, ohne deren spezifischen humanen Kern zu gefährden, und ob diese Entwicklung eher als Chance zur Professionalisierung oder als Risiko der Deprofessionalisierung zu werten ist.
- Historische Entwicklung der Qualitätsdebatte in der Sozialen Arbeit
- Methodische Grundlagen und Konzepte des Qualitätsmanagements
- Die kritische Übertragbarkeit industrieller QM-Systeme (ISO 9000ff, EFQM)
- Struktur-, Prozess- und Ergebnisqualität als Analyseebenen
- Das Zusammenspiel von Organisation und Fachkraft
- Chancen und Risiken einer zunehmenden Ökonomisierung
Auszug aus dem Buch
3.1 Ebenen der Qualität
Um den Qualitätsbegriff, der hochkomplex zu betrachten ist, pragmatisch zu beschreiben, erscheint eine Einordnung in verschiedene Ebenen sinnvoll. Donabedian hat Qualität hierfür, Anfang der 80-er in den USA, in Struktur-, Prozess- und Ergebnisqualität unterteilt, was sich bis heute durchgesetzt hat (Vgl. Merchel, 2001, S. 39).
Strukturqualität bezieht sich auf organisationsspezifische Rahmenbedingungen und die Ausstattung, über die die Einrichtung verfügt. Im Fokus der Prozessqualität steht die Beschaffenheit der Aktivität, die zum Erreichen des Zieles vorhanden und notwendig ist. Ergebnisqualität beschreibt den erzielten Endzustand, der entweder sichtbar erfolgreich oder auch zum Misserfolg führen kann (Vgl. Merchel, 2001, S. 39)
„Schließt man sich der üblichen Unterscheidung von Strukturqualität, Prozessqualität und Ergebnisqualität an, so ist offensichtlich, dass Standards am einfachsten im Hinblick auf die Strukturqualität oder, auf die Potentialqualität zu erstellen sind.“ (Braun, 2004, S. 39)
Die Entwicklung von Standards auf der Ebene Strukturqualität spricht, zum Beispiel die Ausbildung des Personals, die Ausstattung von Räumlichkeiten, Öffnungszeiten etc., an. Die Potentialqualität des Anbieters der Dienstleistung kann sich demnach erhöhen. Was aber wenn die Potentialqualität des Anbieters von der des Nachfragers abhängig ist? Die KlientInnen sind als Koproduzenten der Dienstleistung anzusehen, weil sie maßgeblich an der Qualitätsentwicklung Einfluss nehmen. Auf der Ebene Prozessqualität können zwar Standards im Hinblick auf Dokumentation und Evaluation oder die Dauer zum Beispiel eines Beratungsgespräches festgelegt werden, jedoch muss dieser Ansatz äußerst kritisch betrachtet werden, weil darin weniger psychosoziale Aspekte mitschwingen (Braun, 2004, S.39)
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Einführung in die Relevanz der Qualitätsdebatte im Kontext ökonomischer Zwänge und die Herausforderung, industrielle Standards auf die Soziale Arbeit anzuwenden.
1. Zum Grundverständnis der Qualitätsdebatte: Erläuterung der zunehmenden Notwendigkeit, Leistungen in der Sozialen Arbeit messbar und transparent zu machen, getrieben durch politische und ökonomische Faktoren.
2. Historische Notiz/ Entwicklung der Sozialen Arbeit in Phasen: Skizzierung der vier Entwicklungsphasen der Sozialen Arbeit vom Nachkriegsdeutschland bis zur postindustriellen Ära.
3. Der Begriff Qualität: Definition von Qualität und ihre Einordnung in die verschiedenen Dimensionen der professionellen Praxis.
4. Zur Bedeutung von Qualitätsmanagement: Untersuchung der methodischen Konzepte zur Strukturierung von Prozessen und der Problematik des Messens in sozialen Dienstleistungen.
5. QM- Ein Patentrezept?: Kritische Reflexion der Eignung von QM-Konzepten und der Notwendigkeit einer individuellen Anpassung an die jeweilige Einrichtung.
6. Professionalität durch Zusammenspiel Organisation/Fachkraft: Darstellung der Bedeutung des Zusammenspiels zwischen den Rahmenbedingungen der Organisation und der Handlungskompetenz der Fachkraft.
7. Chancen und Risiken von QM für die Soziale Arbeit: Analyse der Vor- und Nachteile durch Kosteneinsparungen, Transparenz und Standardisierung versus Bürokratisierung und Deprofessionalisierung.
8. Fazit: Zusammenfassende Bewertung, dass QM nur dann sinnvoll ist, wenn es im Dialog erfolgt, die Autonomie der Fachkräfte wahrt und den Fokus auf die Klienten nicht verliert.
Schlüsselwörter
Qualitätsmanagement, Soziale Arbeit, Strukturqualität, Prozessqualität, Ergebnisqualität, Ökonomisierung, Professionalisierung, Evaluation, Benchmarking, DIN EN ISO 9000ff, EFQM, Klientenorientierung, Standardisierung, Sozialmanagement, Qualitätssicherung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Einführung und Implementierung von Qualitätsmanagementsystemen in den Einrichtungen der Sozialen Arbeit vor dem Hintergrund zunehmender ökonomischer und politischer Anforderungen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Zentrale Themen sind die historische Entwicklung der Sozialen Arbeit, die kritische Auseinandersetzung mit QM-Methoden wie ISO-Zertifizierung und Benchmarking sowie die Abwägung zwischen Effizienzsteigerung und dem Erhalt fachlicher Qualität.
Welches primäre Ziel verfolgt der Autor?
Das Ziel ist es, die Implementierung von Qualitätsmanagement multiperspektivisch zu reflektieren und aufzuzeigen, wie soziale Einrichtungen den Spagat zwischen wirtschaftlicher Notwendigkeit und dem humanen Anspruch ihrer Tätigkeit bewältigen können.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden angewandt?
Die Arbeit nutzt eine literaturbasierte Analyse und Reflexion. Sie setzt sich mit Fachliteratur auseinander, um Konzepte zu definieren, diese auf die Soziale Arbeit zu übersetzen und deren Auswirkungen kritisch zu beleuchten.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Begriffsklärung, die Vorstellung von QM-Systemen (ISO, EFQM, Benchmarking, Evaluation) und eine kritische Diskussion der Chancen und Risiken für die Professionalität in der Sozialen Arbeit.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Publikation?
Neben dem zentralen Begriff des Qualitätsmanagements sind Begriffe wie Ökonomisierung, Struktur- und Prozessqualität, Professionalisierungsschub sowie die kritische Reflexion von Standardisierungsversuchen charakteristisch.
Warum ist die direkte Übernahme von industriellen Standards problematisch?
Industrielle Standards basieren auf der Produktion standardisierbarer Waren. Die Soziale Arbeit ist jedoch eine personengebundene Dienstleistung mit hochkomplexen, individuell variierenden Problemlagen, bei denen eine zu starke Standardisierung die notwendige Flexibilität und Empathie behindern kann.
Welche Rolle spielt der Klient in diesem QM-Kontext?
Der Klient wird im QM zunehmend als Kunde oder Koproduzent der Dienstleistung gesehen. Der Autor warnt jedoch davor, den Klienten lediglich ökonomisch zu betrachten, und betont, dass dessen Vertrauen und individuelle Situation für die wahre Qualität der Arbeit entscheidend bleiben.
- Quote paper
- Alexander Thomas Kreutzer (Author), 2013, Qualitätsmanagement in der Sozialen Arbeit, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/214150