Jedem Kind sollten dieselben Chancen auf Bildung gegeben werden, unabhängig von seinem Geschlecht oder der familiären und ethnischen Herkunft. Obwohl dieses Ziel nicht neu in der Bildungspolitik ist, findet noch immer zu häufig eine ungerechte Chancenverteilung in unserem Bildungssystem statt. Deswegen ist es unsere Aufgabe als zukünftige Lehrkräfte, uns mit diesem Thema intensiv auseinanderzusetzen und dies positiv zu beeinflussen.
Unser Schulsystem entwickelt sich von dem dreigliedrigen (Haupt-, Realschule und Gymna-sium) momentan zu Gesamtschulen mit dem Ziel einer Einheitsschule. Aus diesem Grund empfiehlt sich eine Auseinandersetzung mit dem horizontalen Bildungssystem der Deutschen Demokratischen Republik. Es muss auf Vor- sowie Nachteile untersucht werden, um aus ihm lernen und Erfahrungen für die Zukunft mitnehmen zu können. So entschloss ich mich in die-ser Hausarbeit das damalige Bildungssystem in Hinblick auf dessen Umgang mit Heterogeni-tät und der Chancenverteilung zu untersuchen. Die leitende Fragestellung in dieser Arbeit ist deswegen:
Wurde das Bildungssystem der Deutschen Demokratischen Republik der Heterogenität der Heranwachsenden gerecht und glich die Einheitsschule die Bildungschancen tat-sächlich aus?
Ausgehend von der These, dass in einem sozialistischen Staat, der eine klassenlose Gesell-schaft anstrebte, auch im Bildungssystem soziale Ungleichheiten in Form von Bildungschan-cen ausgeglichen werden, beginne ich mit einer Definition des Begriffs der Bildungsun-gleichheit. Anschließend werde ich eine Differenzierung von Sozialisation und Erziehung vornehmen, um den Bildungsauftrag der Schule zu verdeutlichen. Es folgt eine Übersicht über den Aufbau des Bildungssystems der DDR, wie eine Betrachtung dessen Umgang mit Sozialisation, Erziehung und Bildungsungleichheiten. Im abschließenden Fazit gebe ich noch die Empfehlung für eine weiterführende Untersuchung.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Definition des Begriffs der Bildungsungleichheit
3 Differenzierung von Sozialisation und Erziehung
4 Das Bildungssystem der DDR - Eine Übersicht
5 Sozialisation und Erziehung in der DDR
6 Zum Umgang mit Bildungsungleichheit im Bildungssystem der DDR
6.1 Zur gerechten Chancenverteilung
6.2 Zur Ungerechtigkeit im Bildungssystem
7 Fazit
8 Literaturverzeichnis
9 Anhang: Jugendweihgelöbnis 1980
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht, inwiefern das Bildungssystem der Deutschen Demokratischen Republik der Heterogenität der Heranwachsenden gerecht wurde und ob die Einheitsschule soziale Bildungschancen tatsächlich ausgleichen konnte. Dabei wird analysiert, wie staatliche Erziehung und politische Sozialisation die individuelle Entwicklung beeinflussten und zu einer ideologischen Homogenisierung der Gesellschaft führten.
- Strukturelle Analyse des horizontalen Bildungssystems der DDR
- Differenzierung zwischen Sozialisation, Erziehung und Bildung
- Einfluss der SED auf Lehrpläne und außerschulische Jugendarbeit
- Kritische Reflexion der "Einheitsschule" im Hinblick auf Heterogenität und Elitebildung
- Vergleich von staatlich intendierter Chancengleichheit und faktischer Unterdrückung von Individualität
Auszug aus dem Buch
4 Das Bildungssystem der DDR - Eine Übersicht
Die Deutsche Demokratische Republik wurde 1949 gegründet und war nach dem sozialistischen Muster der Sowjetunion eingerichtet. Entscheidend war die enge Koppelung vom Staat und der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands, der SED. Dadurch „glaubte man, die Einheit von Gesellschaft und Staat herstellen zu können“ (Gigl 2007, S.46). 1952 entschied die Partei „den Aufbau des Sozialismus“ (ebd., S.47), obwohl sie selbst keine sozialistische, sondern eine marxistisch-leninistische Partei darstellte. Ziel war es, eine klassenlose Gesellschaft ohne Schichten, also den Kommunismus zu schaffen. Diese Idee, die auch als Klassenkampf mehrfach Bezeichnung findet, entspricht in erster Linie dem Gedanken, soziale Ungleichheit zu beseitigen. Anweiler bezeichnete diesen Vorgang 1992 als „ideologische Homogenisierung der Gesellschaft“ (Anweiler et al. 1992, S.14) und verweist dadurch auf einen wichtigen Aspekt des Sozialismus der DDR. Apodiktisch konzentrierte sich der Staat auf die Entstehung des Sozialismus und die Sozialistische Einheitspartei Deutschlands steuerte mittels gesellschaftlicher Manipulation diktatorisch diesen Vorgang. Dieser Fakt soll hier nur kurz Erwähnung finden, da er grundlegend für die Betrachtung des Bildungssystems ist, das wie der Rest des Staates unter der Vorherschaft der SED stand.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Vorstellung der Motivation und Fragestellung der Arbeit, die sich kritisch mit der Einheitsschule der DDR auseinandersetzt.
2 Definition des Begriffs der Bildungsungleichheit: Theoretische Herleitung des Begriffs der Bildungsungleichheit auf Basis der Strukturebenen von Stefan Hradil.
3 Differenzierung von Sozialisation und Erziehung: Theoretische Abgrenzung der drei Begriffe Sozialisation, Bildung und Erziehung nach Matthias Grundmann.
4 Das Bildungssystem der DDR - Eine Übersicht: Historischer Überblick über die Gründung und Struktur des Bildungssystems der DDR unter der Steuerung der SED.
5 Sozialisation und Erziehung in der DDR: Analyse des staatlichen Einflusses auf die Sozialisation durch Lehrpläne, das Fach Staatsbürgerkunde und außerschulische Angebote.
6 Zum Umgang mit Bildungsungleichheit im Bildungssystem der DDR: Diskussion der Chancenverteilung und der systemimmanenten Ungerechtigkeiten.
6.1 Zur gerechten Chancenverteilung: Untersuchung der horizontalen Ausrichtung des Schulsystems als Mittel zum Ausgleich sozialer Startbedingungen.
6.2 Zur Ungerechtigkeit im Bildungssystem: Kritische Beleuchtung der Unterrichtsnormierung und der Unterdrückung von Individualität zugunsten ideologischer Homogenisierung.
7 Fazit: Zusammenfassende Anwendung der Hradil’schen Strukturebenen auf das DDR-Bildungssystem und Ausblick auf moderne Einheitsschulkonzepte.
Schlüsselwörter
DDR, Bildungssystem, Bildungsungleichheit, Einheitsschule, Sozialisation, Erziehung, SED, Heterogenität, Individualisierung, Staatsbürgerkunde, Chancengleichheit, Ideologische Homogenisierung, Sozialismus, Schüler, Lehrplan.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht das Bildungssystem der DDR und dessen Umgang mit Bildungsungleichheit sowie die Auswirkungen der staatlichen Steuerung auf die individuelle Entwicklung von Schülern.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Im Fokus stehen die theoretische Einordnung von Sozialisation und Erziehung, die politische Steuerung des Schulwesens durch die SED sowie die Frage nach Chancenverteilung und individueller Entfaltung.
Was ist die zentrale Forschungsfrage der Arbeit?
Die zentrale Frage lautet, ob das Bildungssystem der DDR der Heterogenität der Heranwachsenden gerecht wurde und ob die Einheitsschule die Bildungschancen tatsächlich ausglich.
Welche methodische Vorgehensweise wird gewählt?
Die Arbeit nutzt Literaturanalysen und eine kritische Anwendung soziologischer Strukturebenen nach Stefan Hradil, um das DDR-Bildungssystem zu hinterfragen.
Was wird schwerpunktmäßig im Hauptteil analysiert?
Der Hauptteil befasst sich mit der Struktur des DDR-Schulsystems, der Differenzierung von Sozialisation und Erziehung und der kritischen Analyse von staatlichen Einflüssen wie dem Staatsbürgerkundeunterricht.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren diese Untersuchung?
Zentrale Begriffe sind DDR, Einheitsschule, Sozialisation, staatliche Erziehung, ideologische Homogenisierung und Bildungsungleichheit.
Wie bewertet die Autorin die Rolle des "Staatsbürgerkundeunterrichts"?
Dieser Unterricht wird als explizites Instrument der staatlichen Erziehung angesehen, das darauf abzielte, ein marxistisch-leninistisches Weltbild zu propagieren und die Schüler zur sozialistischen Klassenposition zu erziehen.
Welche Bedeutung hatten die außerschulischen Angebote der FDJ?
Diese Angebote werden nicht als rein freiwillige Freizeitgestaltung, sondern als Teil einer staatlich kontrollierten Sozialisation verstanden, die das Denken und Handeln der Jugend steuerte.
Was ist das Fazit der Untersuchung hinsichtlich heutiger Gesamtschulen?
Die Arbeit zieht Parallelen zwischen der DDR-Einheitsschule und modernen Gesamtschulen und betont, dass gerechte Chancenverteilung eine hohe innere Differenzierung durch die Lehrkräfte erfordert.
- Quote paper
- Lisa Spitze (Author), 2012, Heterogenität und Individualisierung im Bildungssystem der DDR, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/213786