Einleitung
Martin Luther gilt als Begründer der Reformation in Deutschland im 16. Jahrhundert. Durch die Übersetzung der Bibel ins Deutsche hat Luther einen Meilenstein für das Christentum und die deutsche Sprache gesetzt. Sein Schaffen wirkt noch bis in die heutige Zeit und Luthers Persönlichkeit ist lebenskräftiger geblieben als jede andere Gestalt der deutschen und europäischen Geschichte der frühen Neuzeit. Trotz des ganzen Lobes und der Anerkennung, die Luther auch heute noch genießt, gehört er zu den umstrittensten Persönlichkeiten jener Epoche, denn Luther wurde und wird auch heute noch vorgeworfen in seinen sogenannten „Judenschriften“ judenfeindliche Tendenzen zu äußern. Gerade für die Nationalsozialisten unter Adolf Hitler schien Martin Luther ein Wegbereiter des Antisemitismus zu sein. Viele von ihnen beriefen sich auf den deutschen Geistlichen und den Inhalt seiner Schriften.
Meine Seminararbeit soll sich mit dem Ursprung, nämlich den sogenannten „Judenschriften“ „Daß Jesus ein geborener Jude sei“, „Wider Sabbather an einen guten Freund“, „Von den Juden und ihren Lügen“ und „Vom Schem Hampohras und vom Geschlecht Christi“ als Quellen beschäftigen und klären, was für ein Verhältnis Luther zu den Juden und dem Judentum hatte und wie er sich schriftlich über die Thematik geäußert hat.
Anschließend sollen Luthers Texte und seine Aussagen in die Epoche der frühen Neuzeit eingeordnet werden. Da man jeden literarischen Text im Zuge seiner Entstehung, der Biographie des Autors und den Zeitumständen betrachten sollte, ist es wichtig die Texte zu differenzieren und nicht als vereinzelte, literarische Objekte zu sehen, sondern sie im Kontext der Entstehungszeit wirken zu lassen, ohne dabei schnelle Urteile zu fällen. Am Ende der Seminararbeit soll der Frage, ob und warum sich Luther gegen die Juden stellte oder ob er sogar ein Antisemit war annähernd Antwort geleistet werden.
Die Forschung hat sich erst ab dem 20. Jahrhundert intensiv mit Luther und seiner Beziehung zu den Juden gewidmet. Ab diesem Zeitpunkt haben sich viele Wissenschaftler, Historiker, Privatpersonen, aber auch Institutionen, wie die evangelische Kirche zu diesem Thema geäußert. Im Gegensatz zur öffentlichen Meinung, die Luther als Antisemiten gebrandmarkt und ihm Geschichtsmächtigkeit bis zu Hitler zugesprochen hat, erscheint er in der Lutherforschung als ein Mann des Wechsels zwischen Rollen des Judenfreundes und
Inhaltsverzeichnis
Einleitung
1. Luthers „Judenschriften“
1.1. „Daß Jesus ein geborener Jude sei“
1.2. „Wider Sabbather an einen guten Freund“
1.3. „Von den Juden und ihren Lügen“
1.4. „Vom Schem Hampohras und vom Geschlecht Christi“
2. Luthers Schrift im Kontext ihrer Entstehungszeit
3. Zusammenfassung
4. Literatur- und Quellenverzeichnis
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die vorliegende Seminararbeit untersucht das Verhältnis Martin Luthers zum Judentum und zum jüdischen Volk anhand seiner vier sogenannten „Judenschriften“. Das primäre Ziel ist es, die Motive für Luthers teils extrem judenfeindliche Äußerungen zu analysieren, seine Texte in den historisch-theologischen Kontext der frühen Neuzeit einzuordnen und der Frage nachzugehen, ob und inwiefern er als Antisemit einzustufen ist oder ob seine Aussagen als Ausdruck einer spezifischen kirchenpolitischen Lagebeurteilung zu verstehen sind.
- Analyse der vier zentralen „Judenschriften“ Luthers (1523–1543).
- Untersuchung der historischen und biographischen Rahmenbedingungen.
- Kritische Reflexion der Rolle Luthers im Kontext des Antisemitismus.
- Hinterfragung der Diskrepanz zwischen theologischer Intention und radikaler Rhetorik.
- Einordnung Luthers als historischer Akteur innerhalb der frühneuzeitlichen Gesellschaft.
Auszug aus dem Buch
1.1. „Dass Jesus ein geborener Jude sei“ (1523)
„Dass Jesus ein geborener Jude sei“ gehört zu Martin Luthers frühen „Judenschriften.“ Obwohl Luther bei der Entstehung des Textes im Jahr1523, schon 40 Jahre alt war, wird diese Schrift oft als sein „Jugendwerk“ ausgegeben und gilt als eher „judenfreundlich“, da sich Luther hier von allen Schriften am mildesten und tolerantesten zum Judentum äußert. In kurzer Zeit erlebte das Werk Luthers sieben Auflagen und fand weite Verbreitung.
Anlass und Motivation für das Verfassen dieser Schrift war ein Brief, indem der Erzherzog Ferdinand Luther beschuldigte, dass dieser fälschlicherweise der Öffentlichkeit lehre, Christus sei Abrahams Same und er durch diese Aussage die Jungfräulichkeit Marias leugne. Die „alte Kirche“ fordert Luther daraufhin auf, Stellung zu beziehen und so seinen und den Ruf der Kirche wieder reinzuwaschen. Luther, der dies anfänglich für nicht ganz ernst gemeint hält, bleibt nichts anderes übrig, als auf diese Vorwürfe zu reagieren und verfasst somit das besagte Stück. „Daß Jesus ein geborener Jude sei“ ist somit eine Verteidigungsschrift, die den Vorwurf der Ketzerei zurückweist.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Die Einleitung führt in die Problematik der „Judenschriften“ Martin Luthers ein und formuliert die Forschungsfrage bezüglich seines Verhältnisses zum Judentum und seiner Einordnung als Antisemit.
1. Luthers „Judenschriften“: Dieses Kapitel analysiert die vier spezifischen Schriften Luthers chronologisch, um die Entwicklung seiner Haltung von anfänglicher missionarischer Hoffnung bis hin zu radikaler Ablehnung aufzuzeigen.
2. Luthers Schrift im Kontext ihrer Entstehungszeit: Das Kapitel bettet Luthers Äußerungen in den historischen Kontext des spätmittelalterlichen Antijudaismus sowie in seine eigene Biographie ein.
3. Zusammenfassung: Die Zusammenfassung resümiert, dass Luther ein in sich widersprüchlicher Akteur war, dessen Schriften zwar scharf und verurteilungswürdig sind, aber primär aus einer religiösen statt einer rassistisch-nationalen Motivation entsprangen.
4. Literatur- und Quellenverzeichnis: Dieses Verzeichnis listet sämtliche herangezogenen Primärquellen und die zur Analyse genutzte wissenschaftliche Fachliteratur auf.
Schlüsselwörter
Martin Luther, Judenschriften, Antisemitismus, Reformation, Judentum, Religionsgeschichte, Frühe Neuzeit, Judenmission, Theologie, Antijudaismus, Kirchengeschichte, Historische Analyse.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der ambivalenten Haltung Martin Luthers gegenüber den Juden, die sich von toleranten Ansätzen in frühen Jahren bis hin zu radikalen, judenfeindlichen Forderungen in seinen späten Schriften entwickelte.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind der Wandel von Luthers Rhetorik, der Einfluss seiner theologischen Weltanschauung auf seine Judenfeindlichkeit sowie die historische Einordnung dieser Texte in das 16. Jahrhundert.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Die Arbeit untersucht, ob Luthers Haltung als Antisemitismus zu werten ist oder ob sie als Ausdruck seiner spezifischen kirchenpolitischen und theologischen Konflikte verstanden werden muss.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine quellenkritische historische Analyse, die Luthers Schriften im Kontext seiner Zeit und seines Lebenswegs betrachtet.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden die vier „Judenschriften“ detailliert analysiert und der historische Kontext von Luthers Weltbild dargelegt, um zu verstehen, wie seine theologischen Überzeugungen in die Hetzschriften flossen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind Martin Luther, Judenschriften, Antisemitismus, Reformation, Judentum, Theologie und Frühe Neuzeit.
Warum änderte sich Luthers Tonfall zwischen 1523 und 1543 so drastisch?
Die Arbeit argumentiert, dass Luthers anfängliche Hoffnung, die Juden bekehren zu können, nach ihrem Ausbleiben in Frustration und Zorn umschlug, was seine Rhetorik zunehmend radikalisierte.
Welche Rolle spielte die Teufelssymbolik in Luthers späten Schriften?
Für Luther war der Teufel der Inbegriff alles Üblen; in seinen späten Schriften setzte er die Juden mit dem Teufel gleich, um sie als unbelehrbare Feinde des Christentums zu diskreditieren.
Wie bewertet die Autorin die Rolle des Nationalsozialismus in Bezug auf Luther?
Die Arbeit weist auf die furchtbaren Parallelen hin, betont aber, dass Luthers Schriften in einem anderen, religiösen Kontext entstanden sind und nicht als reiner Vorläufer moderner rassistischer Ideologien missverstanden werden dürfen.
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- Anonym (Author), 2009, Luthers Verhältnis zum Judentum im zeitgeschichtlichen Kontext , Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/213721