Good Governance – ein Begriff der seit nun über 20 Jahren eine wichtige Rolle in der Entwicklungspolitik einnimmt. Kaum eine Erklärung kommt ohne ein Bekenntnis zu Good Governance aus. Organisationen, Institutionen, Wissenschaftler oder auch die Presse verwenden diesen Begriff ständig. Aber was bedeutet eigentlich dieses omnipräsente Schlagwort Good Governance?
Um sich dem Phänomen Good Governance anzunähern, soll im ersten Kapitel eine Begriffsbestimmung vorgenommen. Dabei soll der Frage nachgegangen werden, woher der Begriff stammt und was er seiner Wortherkunft nach bedeutet. Im Anschluss soll im zweiten Kapitel die Entstehungsgeschichte dieses Begriffes bzw. dieses Konzeptes erläutert werden und wie es überhaupt dazu kam, dass dieses Konzept aufgekommen ist. Die drei folgenden Kapitel befassen sich mit den unterschiedlichen Auffassungen von Good Governance. Hier soll zum einen das Verständnis der Weltbank, die den Begriff initiierte, dargestellt werden. Da dieses Verständnis nicht ohne Kritik auskommt, soll ein anderes, normativ geprägtes, Verständnis vorgestellt werden. Dazu wird das Konzept des Development Assistance Committee (DAC) der Organisation for Economic Development and Coorparation (OECD) vorgestellt. Die beiden unterschiedlichen Auffassungen sollen darauf gegenüber gestellt und auf Gemeinsamkeiten eingegangen werden. Dabei soll noch kurz die Konzeption des Internationalen Währungsfonds (IWF) zum Vergleich hinzugezogen werden.
Es gibt aber nicht nur Kritik am Konzept der Weltbank. Das Konzept der OECD ist auch nicht kritikfrei. Daher soll im fünften Kapitel auf diese und auch auf allgemeine Kritik zu Good Governance eingegangen werden.
In der Schlussbetrachtung soll dann darauf eingegangen werden, was Good Governance letzten Endes in einem heutigen, vorwiegend normativ geprägten Verständnis, ausmacht und was man dabei beachten sollte.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Begriffsbestimmung
3 Aufkommen von Good Governance
3.1 Die Weltbank als Initiator
3.2 Krise der Wirtschaft und des Staates
4 Good Governance im engeren Sinn
4.1 Good Governance-Konzept der Weltbank
4.2 Kritik am Weltbank-Konzept
5 Good Governance im weiteren Sinn
5.1 Good Governance-Konzept der DAC
5.2 Vergleich der Konzepte
6 Good Governance – ein Konzept ohne Probleme?
6.1 Lässt sich Good Governance messen?
6.2 Good Governance und fragile Staaten
6.3 Reformprozesse anstreben und umsetzen
6.4 Der Good Governance-Kolonialismus
7 Schlussbetrachtung
8 Literaturverzeichnis
8.1 Literatur
8.2 Internet
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht das Verständnis sowie die kritischen Herausforderungen des Good-Governance-Konzepts im Kontext der Entwicklungspolitik, wobei insbesondere die divergenten Ansätze der Weltbank und der OECD (DAC) analysiert werden.
- Ursprung und begriffliche Herleitung von Governance
- Entstehungsgeschichte des Good-Governance-Begriffs bei der Weltbank
- Vergleichende Gegenüberstellung der Konzepte von Weltbank, OECD und IWF
- Kritische Analyse der Messbarkeit und der politischen Problematik
- Herausforderungen in fragilen Staaten und der Vorwurf des Governance-Kolonialismus
Auszug aus dem Buch
6.4 Der Good Governance-Kolonialismus
In der Good Governance-Diskussion wird das Konzept oft als eine Verwestlichung der Entwicklungsländer bezeichnet. Vornehmlich wird die Debatte über Good Governance von westlichen Akteuren geprägt. (Audretsch 2010: 26) Demokratie und Menschenrechte sollen exportiert werden. (Seifert 2009: 22) Den Entwicklungsländern sollen bestimmte Vorstellungen von Verwaltung und Staat auferlegt werden, daher wird auch oft von einem erneuten Kolonialismus des Westens in Form von Good Governance gesprochen. (Weilenmann/ Czada 2004:10) Manfred Mols bezeichnet es auch als eine Ausrichtung auf den westlichen Staat. (Mols 2009: 57)
Good Governance ist das Ergebnis westlicher Entwicklung. Darin enthalten sind die Erfahrungen, die die Industrieländer in ihrer eigenen Geschichte gemacht haben. Die Institutionen, die Normen, die Demokratie und die Rechtsstaatlichkeit, die dadurch entstanden sind, sollen nun als Vorzeigebild dienen und in die Entwicklungsländer kopiert werden. (Möller 2006: 27 und Audretsch 2010: 25) Gesellschaften haben sich durch Ausdifferenzierung weiterentwickelt. Dies führte dazu, dass immer wieder neue Steuerungskonzepte benötigt wurden, die den neuen Anforderungen genüge getan haben. Die Suche nach einer besseren Regierung ist also ein schon lange bestehender Prozess und kann auch als Bemühung um Good Governance verstanden werden. (Audretsch 2010: 25) Dennoch bleibt dabei anzumerken, dass es die Erfahrungen der westlichen Industrienationen sind, die über Jahrhunderte gewachsen sind. Diese Zeit der Entwicklung wird Afrika nicht gewährt, was die Gefahr birgt, dass die neuen Institutionen nicht angenommen werden und so ihre Legitimität verlieren.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Vorstellung des Begriffs Good Governance und Abriss der methodischen Herangehensweise der Arbeit.
2 Begriffsbestimmung: Definition von Governance und Abgrenzung zu Government, sowie Erörterung der sprachlichen Übersetzung.
3 Aufkommen von Good Governance: Analyse der Entstehung des Begriffs durch die Weltbank infolge wirtschaftlicher Krisen.
4 Good Governance im engeren Sinn: Detaillierte Betrachtung des technokratischen Weltbank-Konzepts und dessen Kritik.
5 Good Governance im weiteren Sinn: Untersuchung des normativ erweiterten Ansatzes der OECD/DAC im Vergleich zu anderen Institutionen.
6 Good Governance – ein Konzept ohne Probleme?: Kritische Auseinandersetzung mit der Messbarkeit, der Anwendung in fragilen Staaten und postkolonialen Vorwürfen.
7 Schlussbetrachtung: Zusammenfassende Bewertung der Relevanz und Komplexität des Konzepts für die heutige Entwicklungspolitik.
Schlüsselwörter
Good Governance, Weltbank, OECD, Entwicklungspolitik, Governance, Bad Governance, Demokratie, Menschenrechte, Institutionen, Strukturanpassung, Postkolonialismus, Korruption, Rechtssicherheit, Messbarkeit, Effizienz.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert das Konzept Good Governance, seine Entstehung in der Entwicklungspolitik und die verschiedenen Definitionen durch internationale Organisationen.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf der historischen Genese, den unterschiedlichen Auslegungen zwischen ökonomischer Effizienz (Weltbank) und normativen Werten (OECD) sowie der Kritik an der Anwendbarkeit.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, das Verständnis von Good Governance zu klären, die Konzepte der führenden Akteure zu vergleichen und kritische Probleme bei der Umsetzung in Entwicklungsländern aufzuzeigen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine politikwissenschaftliche Hausarbeit, die auf einer umfassenden Literaturanalyse und der Auswertung offizieller Dokumente und Studien basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Begriffsdefinition, die Entstehungsgeschichte, eine detaillierte Analyse der Konzepte von Weltbank und OECD sowie eine kritische Reflektion zu Messbarkeit und Umsetzungsproblemen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den Kernbegriffen zählen Good Governance, Weltbank, OECD, Strukturanpassung, Demokratieförderung und Postkolonialismus.
Inwiefern unterscheidet sich das Weltbank-Konzept von dem der OECD?
Während die Weltbank primär einen technokratisch-administrativen Fokus auf ökonomische Effizienz legt, erweitert die OECD (DAC) das Konzept um politische und normative Aspekte wie Menschenrechte und Demokratisierung.
Warum ist die Messbarkeit von Good Governance so problematisch?
Die Messbarkeit leidet unter der Schwierigkeit, normative Anforderungen wie "Transparenz" oder "Gerechtigkeit" in objektive Indikatoren zu überführen, die zudem oft auf subjektiven Expertenwahrnehmungen basieren.
Was ist mit dem Vorwurf des "Good-Governance-Kolonialismus" gemeint?
Dieser Begriff kritisiert, dass westliche Akteure ihre eigenen historisch gewachsenen Staats- und Verwaltungsvorstellungen als universelles Leitbild auf Entwicklungsländer übertragen, ohne deren spezifische Rahmenbedingungen zu berücksichtigen.
- Arbeit zitieren
- Markus Himmelsbach (Autor:in), 2011, Das Verständnis und die Probleme von Good Governance bei der Weltbank und der OECD, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/213531