Inhaltsverzeichnis:
1.Einleitung
2.Descartes' methodischer Zweifel
3.Der täuschende Dämon bei Thomas von Aquin
4.Die Allmachtshypothese bei Olivi und Rodington
5.Schluss
6.Literaturverzeichnis
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Descartes‘ methodischer Zweifel
I
II
2. Der täuschende Dämon bei Thomas von Aquin
I
II
III
IV
3. Die Allmachtshypothese bei Olivi und Rodington
I
Peter Johannis Olivi
II
Johannes Rodington
4. Schluss
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die historische Herkunft und Funktion der "Allmachtshypothese" eines täuschenden Gottes oder Dämons, um die gängige These zu widerlegen, dass skeptische Argumente dieser Art erst mit der Neuzeit in die Philosophie eingeführt wurden, und arbeitet stattdessen die spezifischen Verwendungen in der Spätscholastik im Vergleich zu Descartes heraus.
- Rekonstruktion des methodischen Zweifels bei Descartes in den Meditationes.
- Analyse der Allmachtshypothese in der Erkenntnistheorie von Thomas von Aquin.
- Untersuchung der skeptischen Einwände bei Peter Johannis Olivi und Johannes Rodington.
- Vergleich der mittelalterlichen Ansätze mit dem cartesianischen Zweifel.
- Widerlegung der Behauptung einer mangelnden Rezeption skeptischer Debatten im Mittelalter.
Auszug aus dem Buch
2. Descartes‘ methodischer Zweifel
Descartes erklärtes Ziel ist der Nachweis, dass sichere wissenschaftliche Erkenntnis möglich ist. Die metaphysischen Untersuchungen der Meditationen dienen Descartes dazu, seine bereits durchgeführten spezialwissenschaftlichen Arbeiten nachträglich auf ein zuverlässiges Fundament zu stellen. Denn die Metaphysik ist, wie es Descartes in seinem berühmten Baum-Vergleich veranschaulicht, die Wurzel, die dafür Sorge trägt, dass der Stamm (Physik) und die von ihm sich abzweigenden Spezialwissenschaften (z.B. Medizin und Ethik) Früchte bringen. Die Metaphysik ist für Descartes folglich die „Fundamentalwissenschaft“.
Descartes ist allerdings der Meinung, dass alle bisherigen Versuche, in der Metaphysik zu sicherem Wissen zu gelangen und damit ein tragfähiges Fundament für die Wissenschaften zu legen, gescheitert sind. Bei seinem eigenen Versuch, „etwas Festes und Bleibendes in den Wissenschaften“ zu erreichen, will Descartes also höchste Vorsicht walten lassen. Bereits in den Regulae ad directionem ingenii (ca. 1628) vertritt Descartes die These, dass nur der „vollkommenen Erkenntnis“ (perfecte cognitis) „zu vertrauen ist“ (esse credendum) und dass alles, was den lediglich „wahrscheinlichen Erkenntnissen“ (probabiles cogniotiones) zugehört und folglich bezweifelbar ist, „zurückgewiesen“ (rejicimus) werden muss.
Diesem Gebot Folge leistend unterzieht Descartes in der ersten Meditation alle Meinungen und Überzeugungen, die er sich im Laufe seines Lebens angeeignet hat, einer kritischen Betrachtung. Um sicherzustellen, dass ausschließlich absolut Gewissem die Zustimmung erteilt wird, werden alle Meinungen, die auch nur den geringsten Zweifel zulassen, behandelt, ‚als ob‘ sie falsch seien. Die Skepsis der ersten Meditation erfüllt demnach die positive Funktion, das „Gewisse vom Zweifelhaften und Falschen abzuheben.“ Dabei geht Descartes sehr „ökonomisch“ vor. Denn statt jede seiner Meinungen im Einzelnen zu überprüfen, wendet er sich direkt „an die Prinzipien selbst (…), auf die sich all das stützt“, was er einst für wahr hielt. Wenn diese Prinzipien „untergraben sind“, wird alles, „was auf ihnen errichtet worden ist, von selbst“ zusammenstürzen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die These ein, dass skeptische Debatten bereits im Mittelalter existierten und die Allmachtshypothese ein zentrales, genuin mittelalterliches Argument darstellt, das nicht erst in der Renaissance durch Sextus Empiricus rezipiert wurde.
2. Descartes‘ methodischer Zweifel: Dieses Kapitel rekonstruiert den methodischen Zweifel Descartes', bei dem er durch das Szenario eines täuschenden Gottes oder Dämons versucht, ein absolut gewisses Fundament für die Wissenschaften zu finden.
2. Der täuschende Dämon bei Thomas von Aquin: Hier wird untersucht, wie Thomas von Aquin die Allmachtshypothese in seine Erkenntnistheorie integriert und mit welchen antiskeptischen Strategien er trotz möglicher göttlicher oder dämonischer Manipulationen die Korrektheit des menschlichen Erkenntnisapparats zu verteidigen sucht.
3. Die Allmachtshypothese bei Olivi und Rodington: Dieses Kapitel analysiert die abweichenden Positionen von Peter Johannis Olivi und Johannes Rodington, welche die Allmachtshypothese nutzen, um das thomistische Erkenntnismodell kritisch zu hinterfragen oder die Möglichkeit absolut sicheren Wissens grundsätzlich zu bestreiten.
4. Schluss: Der Schluss fasst die Ergebnisse zusammen und hebt hervor, dass die Spätscholastik intensiv skeptische Argumente nutzte, was das gängige Narrativ einer späten Wiederentdeckung der Skepsis durch Descartes infrage stellt.
Schlüsselwörter
Allmachtshypothese, Descartes, Spätscholastik, methodischer Zweifel, täuschender Gott, Erkenntnistheorie, Thomas von Aquin, Peter Johannis Olivi, Johannes Rodington, Skeptizismus, Speciestheorie, Außenweltskeptizismus, Vernunftwahrheiten, Erkenntnisprozess, Wissensfundament.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die historische Verwendung und Funktion der "Allmachtshypothese" (die Annahme eines täuschenden Gottes oder Dämons) als skeptisches Instrument in der spätmittelalterlichen Philosophie im Vergleich zu René Descartes.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die zentralen Themen sind Erkenntnistheorie, mittelalterliche Philosophie (Scholastik), skeptische Argumentationsmuster, die Rolle des göttlichen Willens und die Frage nach der Möglichkeit sicherer Erkenntnis.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das primäre Ziel ist es, die gängige wissenschaftliche Auffassung zu widerlegen, dass skeptische Debatten erst mit der Neuzeit begannen, und nachzuweisen, dass spätmittelalterliche Autoren bereits intensiv und methodisch mit der Allmachtshypothese arbeiteten.
Welche wissenschaftliche Methode wird in dieser Arbeit verwendet?
Es handelt sich um eine philosophiehistorische Untersuchung, die Primärquellen (Meditationes, Sentenzenkommentare) analysiert, rekonstruiert und kontextualisiert, um Unterschiede und Gemeinsamkeiten zwischen mittelalterlichen Denkern und Descartes herauszuarbeiten.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil behandelt Descartes' methodischen Zweifel, die Erkenntnistheorie des Thomas von Aquin hinsichtlich dämonischer Manipulation, sowie die kritischen Positionen von Olivi und Rodington, die die Allmachtshypothese nutzten, um erkenntnistheoretische Positionen zu prüfen oder zu falsifizieren.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren diese Arbeit am besten?
Die Arbeit lässt sich am besten mit Begriffen wie Allmachtshypothese, skeptische Argumente, Erkenntnistheorie, Spätscholastik, Cartesianischer Rationalismus und methodischer Zweifel charakterisieren.
Warum spielt die Unterscheidung zwischen Thomas von Aquin und Rodington eine wichtige Rolle?
Die Unterscheidung ist zentral, da sie zeigt, dass spätmittelalterliche Autoren keineswegs eine einheitliche Position vertraten: Während Thomas versucht, die Sicherheit des menschlichen Erkennens trotz möglicher Dämonen zu stützen, nutzt Rodington die Allmachtshypothese, um die Möglichkeit absolut sicheren Wissens grundsätzlich zu bestreiten.
Inwiefern unterscheidet sich Descartes' Zielsetzung von der der scholastischen Autoren?
Während es Descartes um eine radikale Neubegründung der Wissenschaft auf einem unbezweifelbaren Fundament geht, nutzen die scholastischen Autoren die Allmachtshypothese innerhalb des aristotelischen Rahmens, um Schwächen bestehender Erkenntnissysteme aufzudecken, ohne jedoch deren prinzipielle Funktionsfähigkeit komplett infrage zu stellen.
- Arbeit zitieren
- Wieland Greiner (Autor:in), 2012, Descartes' Meditationen, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/213248