Grundlage dieser Arbeit sind Interviews, die im Rahmen des Forschungspraktikums:
"Was passiert eigentlich, wenn man permanent von Wandel spricht? Soziale Bilder der Veränderung im Kultur- und Gesundheitsbereich und deren Konsequenzen."
durchgeführt wurden. Die hier vorliegende Arbeit hat zum Thema das System Kunst und die Veränderungen, die in diesem stattfinden (stattgefunden haben) bzw. wie und ob die befragten Akteure den Wandel empfinden. Es ist also primär interessant, wie über den Wandel gesprochen wird, also welche Erzählmuster vermehrt auftreten, welche Formen von Veränderungen thematisiert werden, etc. und nicht die Frage ob ein Wandel stattgefunden hat oder nicht. Das sich Veränderungen innerhalb von Systemen permanent abspielen kann kaum bezweifelt werden und doch ist es durchaus interessant, qualitativ herauszufinden, wie diese wahrgenommen werden.
Es wurden also Fragen zum Arbeitsalltag, zum beruflichen Werdegang und zu persönlichen Einschätzungen in Bezug auf das System Kunst gestellt. Aus den daraus hervorgehenden Transkriptionen wurden 8 für diese Arbeit ausgewählt und dienen im praktischen Teil als empirische Grundlage.
Inhaltsverzeichnis
2. Einleitung
3. Theoretische Ausgangsbasis
3.1. Von der Methode zur analytische Strategie
3.2. Konkrete Auswirkungen einer epistemologischen Analyse auf den Forschungsgegenstand
3.3. Theoretischer Unterbau
3.4. Analytische Strategie ( Systemanalyse nach Luhmann)
4. Aufbereitung des Datenmaterials
5. Der Kontrast der Strukturen der Systeme Kunst und Wirtschaft
5.1. Kunst als ökonomisches Gut
5.2. Projektförmigkeit (Neue Räume)
5.3. Persönliche Kontakte
6. Schluss
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht auf Basis einer systemtheoretischen Perspektive nach Niklas Luhmann, wie Akteure des Kunstsystems den permanenten Wandel sowie den Einfluss ökonomischer Funktionsweisen auf ihr System wahrnehmen und semantisch verarbeiten.
- Systemtheoretische Analyse des Verhältnisses von Kunst und Wirtschaft
- Einfluss ökonomischer Logiken auf die Produktion und Vermittlung von Kunst
- Transformation von Präsentationsformen durch Projektförmigkeit
- Bedeutung informeller Netzwerke und persönlicher Kontakte für den Erfolg im Kunstbetrieb
- Analyse qualitativer Interviews mittels Luhmanns Konzept der System-Umwelt-Differenz
Auszug aus dem Buch
5.1. Kunst als ökonomisches Gut
" [...] für mich war immer die Beziehung (.) das Verhältnis zwischen Wirtschaft und Kunst, also, in der Prozesskette zwischen den Kulturschaffenden, also Künstlern, und denen die sozusagen den Kunst erwerben, kaufen und nutzen für sich - war für mich interessante Spannungsfeld [...] weil sozusagen die öffentliche Fördern immer weniger wurden und private Fördern dadurch im Vordergrund getreten sind. Also diese beide Aspekten dieser Prozesskette eher inhaltlich und dann auch die Möglichkeiten, die auch durch privates Fördern bestehen. " (Pacult, Z. 22-30)
In diesem Interviewausschnitt beschreibt eine Art Consulterin, also eine Person die in Bezug auf Kunsterwerbungen durch Unternehmen, Entscheidungen trifft, wie sie ihren persönlichen Zugang zu diesem Beruf gefunden hat und wieso sie sich gerade für diese Form der Arbeit mit Kunst entschieden hat. Diese Form der Kunsterwerbung ist relativ jung und wird unter dem Begriff: Corporate Art, also Firmenkunst, zusammengefasst. Unternehmen kaufen Kunstwerke und dies geschieht mit der Beratung eines Akteurs, der zur Entscheidungsfindung notwendig ist, da Organisationen auf dem Prinzip der Entscheidungen basieren. Sie beschreibt den Dialog zwischen dem Künstler und dem Käufer des Werkes als "Prozesskette" der aber dennoch in einem "Spannungsfeld" liegt. Das Verhältnis zwischen Kunst und Wirtschaft ist also keineswegs eines, welches ohne Konflikte bzw. Widersprüchlichkeiten auszukommen scheint. Dennoch ist ein Kunstwerk in eine Art ökonomischen Kreislauf eingebettet, wodurch es einen Wert und eine Bedeutung erhält. Unternehmen handeln organisatorisch, aber vor allem ökonomisch, da davon ihre Existenz abhängt. Es kommt also die Frage auf, wieso z.B. ein Versicherungsunternehmen ein Interesse daran hat Kunst zu erwerben?
Zusammenfassung der Kapitel
2. Einleitung: Die Arbeit erläutert die forschungspraktische Grundlage und das Ziel, den Wandel im System Kunst durch eine systemtheoretische Interviewanalyse zu untersuchen.
3. Theoretische Ausgangsbasis: Dieses Kapitel legt den methodischen Grundstein durch die Wahl einer epistemologischen Perspektive und die Einführung der systemtheoretischen Analysestrategie nach Luhmann.
4. Aufbereitung des Datenmaterials: Hier wird der Prozess der Kategorisierung und Codierung der acht geführten Interviews im Rahmen des gewählten Forschungsdesigns beschrieben.
5. Der Kontrast der Strukturen der Systeme Kunst und Wirtschaft: Das Kapitel analysiert anhand des empirischen Materials, wie ökonomische Zwänge und wirtschaftliche Logiken das System Kunst beeinflussen und verändern.
6. Schluss: Der abschließende Teil reflektiert die untrennbare Verschränkung von Kunst und Ökonomie und skizziert, wie Akteure diese Dynamik im Kontext von Erfolg und Selbstdarstellung bewerten.
Schlüsselwörter
Systemtheorie, Niklas Luhmann, Kunstsystem, Wirtschaft, Corporate Art, System-Umwelt-Differenz, Interviewanalyse, Wandel, Projektförmigkeit, informelle Netzwerke, soziale Systeme, Semantik, Kunsterwerb, Kapital, Beobachtung zweiter Ordnung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert, wie das System Kunst mit dem permanenten Wandel und den einwirkenden ökonomischen Strukturen umgeht, wobei die Perspektive der darin handelnden Akteure im Mittelpunkt steht.
Welche thematischen Schwerpunkte werden behandelt?
Zentrale Themen sind das Verhältnis zwischen Kunst und Wirtschaft, die Rolle privater und öffentlicher Förderung, die Bedeutung informeller Netzwerke sowie neue Präsentationsformen in Form von zeitlich befristeten Kunstprojekten.
Was ist das primäre Forschungsziel?
Ziel ist es, mittels systemtheoretischer Analyse nachzuvollziehen, wie Akteure den Wandel im Kunstbetrieb wahrnehmen und welche ökonomischen Funktionsweisen dabei in ihre Kommunikations- und Handlungsstrukturen integriert werden.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine qualitative Forschungsarbeit, die eine systemtheoretische Analyse (nach Luhmann) auf transkribierte Experteninterviews anwendet, um Strukturen und semantische Evolutionen im Kunstsystem freizulegen.
Was steht im inhaltlichen Hauptteil im Fokus?
Der Hauptteil befasst sich detailliert mit dem Kontrast der Strukturen von Kunst und Wirtschaft, der Kommerzialisierung durch Corporate Art, der Projektförmigkeit von Kunstausstellungen und der Relevanz persönlicher Kontakte für den Erfolg.
Welche zentralen Schlüsselwörter charakterisieren das Werk?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Systemtheorie, System-Umwelt-Differenz, Semantik, ökonomischer Wandel und informelle Netzwerke geprägt.
Welche Rolle spielt die "Finanzkrise" in den Interviews?
Die Finanzkrise dient als Katalysator und strukturgebendes Element in den Aussagen der Akteure, da sie sowohl die Finanzierungsmodelle als auch die Wahrnehmung des Werts von Kunstwerken beeinflusst hat.
Warum sind "persönliche Kontakte" für die befragten Akteure so entscheidend?
Da das System Kunst laut Analyse stark von informellen Strukturen und Vertrauensverhältnissen abhängt, fungieren persönliche Kontakte als notwendiger Mechanismus, um Zugang zu Projekten, Förderungen und Anerkennung zu erhalten.
Was bedeutet "Projektförmigkeit" in diesem Kontext?
Der Begriff beschreibt den Trend hin zu zeitlich begrenzten, flexiblen Kunstaktionen, die eine Reaktion auf instabile wirtschaftliche Rahmenbedingungen und den Wegfall langfristiger öffentlicher Förderung darstellen.
Wie unterscheidet sich die "erste Ordnung" von der "zweiten Ordnung" der Beobachtung?
Während die erste Ordnung das tägliche Handeln im System beschreibt, zielt die analytische Strategie der Arbeit auf eine Beobachtung zweiter Ordnung ab, bei der nicht nur das "Was" der Aussagen, sondern die Logik der Beobachtung selbst hinterfragt wird.
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- Matthias Girtler (Author), 2013, Kunst und Ökonomie, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/212672