Bereits 2005 entstand in Deutschland die sogenannte Heuschreckendebatte, als der SPD - Politiker und damalige Parteivorsitzende Franz Müntefering eine breite Diskussion über ausländische Kapitalbeteiligungsgesellschaften eröffnete. In der deutschen Gesellschaft war der Begriff Private Equity bis dahin nur in Fachkreisen bekannt, doch durch den deutschen Sozialdemokraten wurde diese Art des Investments schlagartig in die Öffentlichkeit katapultiert. Münteferings Äußerung in der Bild am Sonntag am 17. April 2005 („Manche Finanzinvestoren verschwenden keinen Gedanken an die Menschen, deren Arbeitsplätze sie vernichten. Sie bleiben anonym, haben kein Gesicht, fallen wie Heuschreckenschwärme über Unternehmen her, grasen sie ab und ziehen weiter.“ ) erfolgte aufgrund des Abbaus von 1.500 Arbeitsplätzen durch den Sanitär- und Küchenarmaturenhersteller Grohe AG.
Spätestens seit Januar 2012 hat die Debatte auch den letzten US-Präsidentschaftswahlkampf und somit die Mitte der amerikanischen Bevölkerung erreicht. Der republikanische Präsidentschaftskandidat und Multimillionär Mitt Romney gründete gemeinsam mit anderen Partnern 1984 die Private Equity Gesellschaft Bain Capital. Diese Tatsache verwendeten die Unterstützer Obamas, dem amtierenden Präsidenten und Romneys Wahlkampfgegner, als Steilvorlage für neuen Zündstoff. Romney musste sich herber Kritik stellen, als er auf einer Wahlveranstaltung erklärte, er möge es, Menschen zu feuern, die Dienste für ihn vollbracht hätten. Diese Äußerung heizte die Diskussion über die Moral von Private Equity Gesellschaften an. Verstärkt wurde dies auch durch die zuletzt angespannte Lage der amerikanischen Wirtschaft. Allerdings fand bei dem Zitat eine falsche Auslegung durch den Demokraten nahestende Medien statt. Romney wollte lediglich äußern, dass er die Freiheit haben möchte, die Krankenversicherung für seine Mitarbeiter selbst zu bestimmen und gerne die Mitarbeiter von schlechten Krankenversicherungen entlassen würde.
Ihren Höhepunkt erreichte die Debatte im August 2012: Die demokratische Lobbygruppe (Super PAC) „Priorities USA Action“ publizierte einen Werbefilm, in dem ein früherer Stahlarbeiter namens Joe Soptic seinen Beruf und seine Krankenversicherung u.a. wegen Bain Capital verloren hat. Zudem erkrankte seine Frau an Krebs und erlag ihrem Leiden aufgrund der nun fehlenden Krankenversicherung. [...]
Inhaltsverzeichnis
1 EINLEITUNG
2 GRUNDLAGEN DES PRIVATE EQUITY
2.1 Begriffsbestimmungen und Abgrenzung von Private Equity
2.2 Buyout-Formen bei Private Equity Beteiligungen
2.3 Private Equity Prozesse
2.3.1 Zeitlicher Ablauf eines Private Equity Investments
2.3.2 Ausstiegszenarien
3 EINFLUSSNAHME DER PRIVATE EQUITY GESELLSCHAFT AUF IHRE BETEILIGUNGEN
3.1 Direkte Beeinflussung der Wertschöpfungskette
3.1.1 Strategie- und Geschäftsentwicklung
3.1.2 Finanz- und Vermögensmanagement
3.1.3 Operative Geschäftsprozesse
3.2 Indirekte Beeinflussung der Wertschöpfungskette
3.2.1 Governance
3.2.2 Managementinfrastruktur
3.2.3 Struktur und Fertigkeiten des Topmanagements
4 ERFOLGSENTWICKLUNG BEI PRIVATE EQUITY BETEILIGUNGEN
4.1. Erfolg im engeren Sinne
4.1.1 Kurzfristiger Erfolg
4.1.2 Langfristiger Erfolg
4.2 Erfolg im weiteren Sinne
4.2.1 Qualität der Managementprozesse
4.2.2 Qualität der operativen Geschäftsprozesse
5 PRIVATE EQUITY - EINE PRAXISBETRACHTUNG
5.1 Positive Praxisbeispiele
5.1.1 SHW (Schwäbische Hüttenwerke) AG
5.1.2 Adler Modemärkte AG
5.1.3 Berentzen-Gruppe AG
5.2 Negative Praxisbeispiele
5.2.1 Edscha Holding GmbH
5.2.2 Deutsche Woolworth GmbH
5.2.3 Neckermann.de GmbH
6 FAZIT
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Auswirkungen von Private-Equity-Beteiligungen auf Unternehmen, mit dem Ziel, die ambivalente Wahrnehmung der Branche („Fluch oder Segen“) wissenschaftlich zu hinterfragen. Dabei wird analysiert, inwieweit Investoren durch direkte und indirekte Eingriffe in die Wertschöpfungskette und Managementstrukturen den Unternehmenserfolg beeinflussen können.
- Grundlagen und Definition von Private Equity sowie Abgrenzung zu anderen Finanzierungsformen.
- Analyse der direkten und indirekten Einflussmöglichkeiten von Private-Equity-Gesellschaften auf ihre Portfoliounternehmen.
- Untersuchung von Erfolgsfaktoren bei Beteiligungen (Erfolg im engeren und weiteren Sinne).
- Praxisbetrachtung an verschiedenen Unternehmensbeispielen (Erfolgs- und Scheiternsfälle).
- Kritische Würdigung der Rolle von Private Equity in der heutigen Wirtschaftsstruktur.
Auszug aus dem Buch
1 Einleitung
„I like being able to fire people who provide services to me.“1 Mitt Romney - Januar 2012
Bereits 2005 entstand in Deutschland die sogenannte Heuschreckendebatte, als der SPD - Politiker und damalige Parteivorsitzende Franz Müntefering eine breite Diskussion über ausländische Kapitalbeteiligungsgesellschaften eröffnete. In der deutschen Gesellschaft war der Begriff Private Equity bis dahin nur in Fachkreisen bekannt, doch durch den deutschen Sozialdemokraten wurde diese Art des Investments schlagartig in die Öffentlichkeit katapultiert.2 Münteferings Äußerung in der Bild am Sonntag am 17. April 2005 („Manche Finanzinvestoren verschwenden keinen Gedanken an die Menschen, deren Arbeitsplätze sie vernichten. Sie bleiben anonym, haben kein Gesicht, fallen wie Heuschreckenschwärme über Unternehmen her, grasen sie ab und ziehen weiter.“3) erfolgte aufgrund des Abbaus von 1.500 Arbeitsplätzen durch den Sanitär- und Küchenarmaturenhersteller Grohe AG.4
Zusammenfassung der Kapitel
1 EINLEITUNG: Einführung in die öffentliche Wahrnehmung von Private Equity und Darstellung der Zielsetzung sowie des Aufbaus der Arbeit.
2 GRUNDLAGEN DES PRIVATE EQUITY: Definition und Abgrenzung von Private Equity sowie Erläuterung der Buyout-Formen und der Investitionsprozesse.
3 EINFLUSSNAHME DER PRIVATE EQUITY GESELLSCHAFT AUF IHRE BETEILIGUNGEN: Untersuchung der direkten und indirekten Eingriffsmöglichkeiten in die Wertschöpfungskette und Managementstrukturen von Portfoliounternehmen.
4 ERFOLGSENTWICKLUNG BEI PRIVATE EQUITY BETEILIGUNGEN: Analyse der finanziellen Erfolgskriterien sowie qualitativer Faktoren wie Management- und Prozessoptimierung.
5 PRIVATE EQUITY - EINE PRAXISBETRACHTUNG: Fallstudien zu verschiedenen Private-Equity-Investitionen, differenziert nach erfolgreichen Beispielen und Krisenfällen.
6 FAZIT: Zusammenfassende Würdigung der Untersuchungsergebnisse und Einordnung der Bedeutung von Private Equity für die deutsche Unternehmenslandschaft.
Schlüsselwörter
Private Equity, Buyout, Wertschöpfungskette, Unternehmensbeteiligung, Venture Capital, Leveraged Buyout, Turnaround, Governance, Management, Restrukturierung, Finanzinvestoren, Unternehmenskrise, Eigenkapital, Rendite, Praxisbetrachtung.
Häufig gestellte Fragen
Was ist das grundlegende Thema dieser Arbeit?
Die Arbeit befasst sich mit der ambivalenten Rolle von Private-Equity-Gesellschaften bei Unternehmensbeteiligungen und untersucht, ob diese Investitionen eher als „Fluch“ oder „Segen“ für die Unternehmen zu betrachten sind.
Welche zentralen Themenfelder stehen im Mittelpunkt?
Zentrale Themen sind die theoretischen Grundlagen von Private Equity, die Methoden der Einflussnahme auf die Wertschöpfungskette, die Messung des Unternehmenserfolgs sowie der Vergleich von positiven und negativen Praxisbeispielen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, die Pauschalkritik an der Private-Equity-Branche wissenschaftlich zu prüfen und aufzuzeigen, unter welchen Bedingungen solche Investitionen den Unternehmenserfolg nachhaltig fördern können.
Welche wissenschaftliche Methodik wurde angewandt?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse sowie einer empirischen Praxisbetrachtung anhand von Fallstudien (u.a. SHW AG, Adler Modemärkte AG, Berentzen-Gruppe, Edscha, Woolworth, Neckermann.de).
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der Grundlagen, die detaillierte Analyse der direkten und indirekten Einflussnahme auf die Geschäftsprozesse und das Management sowie die Erfolgsentwicklung bei Beteiligungen.
Durch welche Schlüsselwörter lässt sich die Arbeit charakterisieren?
Wichtige Begriffe sind Private Equity, Buyout, Wertschöpfungskette, Restrukturierung, Governance, Management, Finanzinvestoren und Unternehmenskrise.
Wie bewertet der Autor die Rolle des Managements bei einem Private-Equity-Einstieg?
Der Autor zeigt auf, dass Private-Equity-Gesellschaften häufig das Topmanagement austauschen oder neu strukturieren, um eine effizientere Ausrichtung und eine stärkere Interessenidentität mit den Eigentümern (Governance) zu erreichen.
Welche Besonderheit weist der Fall der SHW AG auf?
Die SHW AG wird als positives Beispiel für einen erfolgreichen Turnaround durch einen Private-Equity-Investor angeführt, bei dem trotz notwendiger Restrukturierungen langfristig die Wettbewerbsfähigkeit gesteigert und Arbeitsplätze gesichert wurden.
Warum gelten die Fälle Edscha und Woolworth als negative Praxisbeispiele?
Diese Unternehmen sind Beispiele für ein Scheitern nach Private-Equity-Engagement, häufig bedingt durch eine zu hohe Verschuldung (Leveraged Buyout) in schwierigen Marktumfeldern sowie strategische Fehleinschätzungen.
Was schlussfolgert die Arbeit hinsichtlich der "Heuschreckendebatte"?
Der Autor kommt zu dem Schluss, dass eine pauschale Verurteilung der Branche nicht gerechtfertigt ist, da die Auswirkungen von der Arbeitsweise des jeweiligen Investors und den individuellen Gegebenheiten des Zielunternehmens abhängen.
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- Marco Aulbach (Author), 2013, Private Equity - Fluch oder Segen für die Unternehmensbeteiligung, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/212570