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Der pluralistische Ansatz John Hicks in der Religionstheologie und seine Implikationen für die Christologie

Title: Der pluralistische Ansatz John Hicks in der Religionstheologie und seine Implikationen für die Christologie

Examination Thesis , 2005 , 80 Pages , Grade: 1,0

Autor:in: Patrick Müller (Author)

Theology - Historic Theology, Ecclesiastical History

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Summary Excerpt Details

Das Signum unserer Zeit ist Pluralität: Wir leben heute in einer Welt, in der Gesellschaften, Kulturen und damit auch Religionen durch das Phänomen der so genannten Globalisierung inklusive ihrer (informations-)technologischen und ökonomischen Ursachen und Konsequenzen enger zusammengerückt sind.
Dieser nachhaltige und langfristig durchaus chancenreiche Prozess bringt allerdings in seiner stellenweise rapiden Geschwindigkeit Irritationen mit sich.
Da Religion ein wichtiger Teil menschlicher Kultur(en) ist, wirkt die Globalisierung auch auf sie zurück. Die Vielfalt der Religionen sowie ihr expliziter und impliziter Anspruch auf Exklusivität werden zu einem immer wichtigeren Thema theologischer Reflexion.
Es kann nicht verwundern, dass es in der modernen Religion und Theologie vor dem Hintergrund der religiösen Pluralität um nichts weniger geht, als um die Frage von Absolutheit und Relativität: Stellt man religionstheologische Reflexionen diesseits von Atheismus und religiösem Nonrealismus an, bleibt als plausible Lösung nur ein Monismus in dem Sinne, dass nur eine Wirklichkeit als verbindliche und allem zu Grunde liegende gedacht werden kann. Ob dies nun die Gottesvorstellung (und der Wertekanon) einer partikularen religiösen Tradition ist, oder ob sich offensichtliche Unterschiede auf einer höheren Ebene vereinigen (lassen), beschäftigt die Debatte, die sich im Spannungsbogen zwischen dem religionstheologischen Exklusivismus und dem religionstheologischen Pluralismus abspielt.
Diese Arbeit will einen Beitrag zu dieser Debatte liefern, indem sie die Positionen eines mittlerweile weit über die Grenzen der christlichen Theologie hinaus bekannten Vertreters des religionstheologischen Pluralismus reflektierend zur Sprache bringt: John Hick.
In drei Teilen soll der Bogen von allgemeinen Fragestellungen und Modellen einer Theologie der Religionen (B) über den spezifischen Ansatz Hicks (C) bis hin zu dessen Auswirkungen auf die Christologie (D) gespannt werden.
Da jedem größeren Kapitel einige kurze Bemerkungen zu den jeweils nachfolgenden Ausführungen vorangestellt werden, soll auf eine weitere Beschreibung des Inhalts der einzelnen Teile hier verzichtet werden.
Auf eine systematische Kritik der Pluralistischen Religionstheologie muss hier aus Umfangsgründen verzichtet werden. Jedoch sollen grundlegende Einwände aus der aktuellen religionstheologischen Diskussion und auch die Erwiderungen Hicks nicht unangesprochen bleiben.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

A. Einleitung: Thematik, Problematik und Konzeption

B. Die Theologie der Religionen

I. Annäherung: Die Erklärung „Dominus Iesus“ als jüngster lehramtlicher Beitrag zur religionstheologischen Diskussion

1. Opposition gegen einen religiösen Pluralismus de iure

2. Ablehnung eines Relativismus

II. Fragestellungen

III. Antwortversuche

1. Exklusivismus

2. Inklusivismus

(a.) Wegmarken in Schrift und Tradition

(b.) Die religionstheologischen Aussagen des II. Vatikanischen Konzils

(c.) Kritische Würdigung

3. Pluralismus

(a.) Neue Ansätze nach dem Konzil

(b.) Akzente bei Paul F. Knitter

(c.) Perry Schmidt-Leukel als deutscher Vertreter der pluralistischen Religionstheologie

(d.) Kritische Würdigung

C. Der pluralistische Ansatz John Hicks

I. Zur Person John Hicks: Biographische Eckdaten und theologische Arbeit

II. Die epistemologische Basis der Pluralistischen Religionstheologie

1. Religiöse Erfahrung

2. Hicks Glaubensbegriff

3. Kognitivistische Gottesvorstellung

4. Kritische Anfragen an die Rationalität des Glaubens

III. Die zentralen Inhalte und Problemkomplexe der Pluralistischen Religionstheologie

1. Wissenschaftstheoretische Vorbemerkungen

2. Die Kopernikanische Wende in der Theologie

3. Die pluralistische Hypothese

(a.) Die Unbegreiflichkeit der letzten Wirklichkeit durch menschliche Begriffe

(b.) Der Rückgriff auf Kants Epistemologie

(c.) Die göttlichen personae und impersonae und ihre Wirklichkeit

(d.) Die Problematik der Beziehung zwischen dem Wirklichen an sich und seinen erfahrbaren Wirklichkeiten

(e.) Von schwarzen Löchern, Aporien und Agnostizismus – die Kritik an Hicks Konzeption eines Wirklichen an sich

4. Wider den Relativismus: Das soteriologische Kriterium

5. Die Modifizierung des traditionellen Wahrheitsverständnisses

6. Überleitung: Problematisierung des traditionellen Inkarnationsverständnisses

D. Die Implikationen der pluralistischen Hypothese für die Christologie

I. Einige Anmerkungen zum christlichen Offenbarungsverständnis

II. Der christologische Entwurf Hicks

1. Grundzüge der Entwicklung

2. Christologie nach der pluralistischen Wende

(a.) Hicks Kritik am christologischen Dogma Chalcedons

(b.) Hicks (Re-)Interpretation der chalcedonensischen Formel: The Metaphor of God Incarnate

(c.) Hicks Inspirationschristologie

3. Konsequenzen: „What Does This Mean for the Churches?“

III. Kritische Diskussion Hicks christologischer Positionen

E. Schlussbemerkungen und abschließende Reflexionen

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht den pluralistischen Ansatz des Religionstheologen John Hick, analysiert dessen epistemologische Grundlagen und beleuchtet kritisch die daraus resultierenden Implikationen für die christologische Lehre. Ziel ist es, die interne Logik und die theologischen Konsequenzen von Hicks Modell innerhalb des zeitgenössischen religionstheologischen Diskurses einzuordnen und auf seine Tragfähigkeit hin zu prüfen.

  • Pluralistische Religionstheologie nach John Hick
  • Epistemologische Basis: Wirklichkeit an sich vs. Erscheinungsweisen
  • Kritische Analyse traditioneller christologischer Dogmen
  • Soteriologische Kriterien im interreligiösen Kontext
  • Herausforderungen für das christliche Offenbarungsverständnis

Auszug aus dem Buch

Die Kopernikanische Wende in der Theologie

Zunächst soll gezeigt werden, wie Hick selbst die pluralistische Hypothese in das (diachrone) Ganze der religionstheoretischen Theorienbildung einordnet. Hierfür sind vor allem zwei Begriffe entscheidend: Der des Paradigmenwechsels einerseits, und der der Kopernikanischen Wende beziehungsweise der Kopernikanischen Revolution andererseits, was sich zwar vorrangig auf die Überwindung einer „Ptolemaic theology“ bezieht, aber zugleich auf die für die pluralistische Hypothese bedeutsamen epistemologischen Folgen der Kantschen Philosophie verweist.

Hick diagnostiziert in der Geschichte des Christentums für mindestens 1500 Jahre die Dominanz einer exklusivistischen Haltung gegenüber Andersgläubigen, wobei sich letzte Reste einer grundsätzlichen Ablehnung von Heilsmöglichkeit ohne ein Bekenntnis zu Jesus Christus gerade in fundamentalistisch-evangelikalen Kreisen noch im 20. Jahrhundert finden ließen. Er selbst habe dieser Position 25 Jahre implizit angehangen, ohne sich über die Implikationen seiner Überzeugungen bewusst gewesen zu sein: „I believed by implication that the majority of human beings are eternally lost ...“. Dies sei möglich gewesen, da die Folgen einer absoluten Heilsuniversalität Jesu Christi solange keine Relevanz für ihn erhalten hatten, bis sich persönliche Kontakte mit Gläubigen anderer Religionen ergaben. Und selbst dann sei Überwindung und Bereitschaft nötig, die Konsequenzen aus den Problemen der neuen Situation globaler Interkulturalität zu ziehen.

Hick sieht in der Bewusstwerdung des Paradoxons eines erklärten universalen Heilswillens Gottes und seiner allumfassenden Liebe und der dem gegenüberstehenden historischen und geographischen Begrenztheit christlicher Offenbarung eine anbrechende Krise des traditionellen Verständnisses der eigenen Religion. Diese Krise müsse Anlass neuer wissenschaftlicher Theorien werden, da die alten nur durch komplizierte Hinzufügungen der neuen Situation gerecht werden könnten, was mit der Zeit zwangsläufig zu rational unverantwortbaren Inkonsistenzen führen müsse. Diese komplizierenden Hilfstheorien nennt Hick in Anlehnung an die Korrekturen des Ptolemäischen Systems Epizyklen.

Zusammenfassung der Kapitel

A. Einleitung: Thematik, Problematik und Konzeption: Einführung in die aktuelle Situation religiöser Pluralität und die Zielsetzung der Arbeit zur Analyse von John Hicks Ansatz.

B. Die Theologie der Religionen: Überblick über das Feld der Religionstheologie, die Einteilung in Exklusivismus, Inklusivismus und Pluralismus sowie die Auseinandersetzung mit dem Lehramtsdokument Dominus Iesus.

C. Der pluralistische Ansatz John Hicks: Detaillierte Betrachtung der Biographie Hicks, seiner epistemologischen Grundlagen sowie seiner Kernthesen wie der Kopernikanischen Wende und der Unterscheidung zwischen Wirklichkeit an sich und ihren Erscheinungsweisen.

D. Die Implikationen der pluralistischen Hypothese für die Christologie: Untersuchung der Auswirkungen des pluralistischen Modells auf die christliche Lehre, insbesondere hinsichtlich der Inkarnationstheologie und der Frage nach der Einzigartigkeit Jesu Christi.

E. Schlussbemerkungen und abschließende Reflexionen: Zusammenfassende Bewertung der Attraktivität sowie der offenen Fragen und Probleme von Hicks pluralistischem Modell für die zeitgenössische Theologie.

Schlüsselwörter

Religionstheologie, Pluralismus, John Hick, Christologie, Wirklichkeit an sich, Kopernikanische Wende, Epistemologie, Interreligiöser Dialog, Inklusivismus, Exklusivismus, Soteriologie, Dominus Iesus, Inkarnation, Transkategorialität.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit im Kern?

Die Arbeit befasst sich mit der pluralistischen Religionstheologie von John Hick und deren massiven Auswirkungen auf das traditionelle christliche Verständnis von Wahrheit und Offenbarung.

Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?

Das Spektrum reicht von der allgemeinen religionstheologischen Einordnung (Exklusivismus bis Pluralismus) über die erkenntnistheoretischen Grundlagen von Hicks Denken bis hin zu seinen spezifischen christologischen Umdeutungen.

Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?

Die Arbeit untersucht, wie Hicks pluralistisches Modell die christologische Lehre modifiziert und ob diese christologische Umdeutung innerhalb eines christlichen Standpunktes theologisch tragfähig ist.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Es handelt sich um eine systematisch-theologische Arbeit, die auf einer Literaturanalyse und einer kritischen Auseinandersetzung mit den philosophisch-theologischen Argumenten von John Hick basiert.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in die Darstellung der epistemologischen Grundlagen (u.a. Kant-Rezeption), die Analyse der pluralistischen Hypothese sowie die daraus resultierende Kritik am traditionellen christologischen Dogma.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?

Die wesentlichen Begriffe sind Religionstheologie, Pluralismus, Wirklichkeit an sich, Kopernikanische Wende, Christologie und der interreligiöse Dialog.

Wie bewertet Hick die traditionelle Christologie?

Hick versteht dogmatische Aussagen über die Inkarnation nicht als wörtliche Tatsachenbehauptungen, sondern als mythologische oder metaphorische Ausdrucksformen einer religiösen Erfahrung.

Welche Rolle spielt die Unterscheidung zwischen Noumenon und Phainomenon bei Hick?

Sie dient Hick dazu, die letztendliche göttliche Wirklichkeit (noumenon) von den historisch und kulturell bedingten Wahrnehmungen dieser Wirklichkeit (phainomena) zu trennen, um so die Vielfalt der Religionen pluralistisch zu begründen.

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Details

Title
Der pluralistische Ansatz John Hicks in der Religionstheologie und seine Implikationen für die Christologie
College
University of Bamberg  (Systematische Theologie - Fundamentaltheologie)
Grade
1,0
Author
Patrick Müller (Author)
Publication Year
2005
Pages
80
Catalog Number
V212338
ISBN (eBook)
9783656404378
ISBN (Book)
9783656404729
Language
German
Tags
ansatz john hicks religionstheologie implikationen christologie
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Patrick Müller (Author), 2005, Der pluralistische Ansatz John Hicks in der Religionstheologie und seine Implikationen für die Christologie, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/212338
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