„Der nachfolgende Film ist urheberrechtlich geschützt. Das Mitschneiden von Bild oder Ton während der Kinovorstellung ist eine strafbare Urheberrechtsverletzung. Jeder - auch jeder Versuch - wird zur Anzeige gebracht.“
Im Zuge der Digitalisierung, im Besonderen des Voranschreitens des Internets, sind Medienunternehmen immer häufiger gezwungen, ihre Produkte aktiv vor unbefugten Zugriffen zu schützen.
Aktuelle Diskussionen werfen die Thematik auf, inwieweit digitale Piraterie die wirtschaftliche und strukturelle Entwicklung der Medienindustrie beeinflusst.
Wo die Musikindustrie bereits Ende der 90er Jahren betroffen war, so blieben die Film-schaffenden ein halbes Jahrzehnt länger verschont. Mit der Entwicklung technologischer Möglichkeiten und der Etablierung des Breitbandinternets wuchs auch der illegale Zugang zu großen Video- und Filmdateien.
Der Film ist in der heutigen Gesellschaft ein hochangesehenes und gefragtes Gut, nicht nur aus kultureller, sondern auch aus ökonomischer und technischer Sicht.
Zum einen ist ein Film durch seinen monetären Charakter ein handelbares Wirtschaftsgut, welches durch eine effiziente Verwertung hohe Gewinne für die beteiligten Akteure liefern kann.
Zum anderen finden Filme sich aber auch im Umfeld kultureller, künstlerischer und unterhaltenden Dimensionen wieder.
Dieses differenzierte Charakterumfeld aus Ware, Kunst und Technik birgt aber nicht nur Vorteile, sondern bringt auch hohe Risiken für die Filmindustrie mit sich.
Die Film- und Fernsehindustrie in Deutschland ist einer der wichtigsten Wirtschaftszweige mit einem Umsatz von jährlich mehr als 3 Milliarden Euro. Dementsprechend ist auch der Schaden, der durch illegalen Medienkonsum den Filmschaffenden und deren Produkten zugefügt wird, bedeutend größer.
Diesem Schaden sind besonders im Zuge der Digitalisierung und der Weiterentwicklung des Internets keine Grenzen zu setzen. Solche Verletzungen des Urheberrechts werden mehr und mehr einem Massenphänomen geworden, aus dem es aus aktueller Sicht keine Möglichkeit eines Rückganges der Entwicklung gibt.
Entlang dieser aktuellen Thematik, beschäftigt sich die vorliegende Arbeit mit dem Umfeld der Filmpiraterie und inwieweit diese in der deutschen Filmindustrie bereits fußgefasst hat. Des Weiteren wird ein Schwerpunkt auf die dessen Auswirkungen auf und Konsequenzen für die strukturelle und zeitliche Abfolge der deutschen Filmverwertungskette hat.
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Inhaltsverzeichnis
1. Einführung
2. Entwicklungen und Strukturen von Filmpiraterie in Deutschland
2.1. Rechtliche Komponenten und Einordnung der Filmpiraterie
2.2. Die Entstehung der Filmpiraterie
2.2.1. Filmpiraterie der ersten Generation
2.2.2. Filmpiraterie der zweiten Generation
2.2.2.1. Online-Filmpiraterie
2.2.2.2. Workprints
2.2.2.3. DVD-Rips und DVD-Screeners
2.2.2.4. Digitales Abfilmen
2.3. Verbreitungsebenen illegaler Medieninhalte im Internet
2.4. Filmpiraterie als Massenphänomen
2.4.1. Ausmaße der Filmpiraterie und deren Einfluss auf die Kinobranche
2.4.2. Gründe für Filmpiraterie
3. Die Deutsche Filmverwertungskette im Laufe der Zeit
3.1. Die Struktur des Film- und Kinomarktes
3.2. Das Konzept der Filmverwertungskette
3.3. Definitionen der unterschiedlichen Filmdistributionsformen
3.3.1. Kino
3.3.2. DVD/Blu Ray
3.3.3. VOD/Streaming
3.3.3.1. Pay-per-View
3.3.3.2. Subscription-VOD
3.3.3.3. Down-to-own
3.3.3.4. Down-to-rent
3.3.3.5. Near-video-on-Demand
3.3.4. Pay-TV
3.3.5. Free TV
3.4. Veränderung der strukturellen Abfolge der Filmverwertungsketten
3.5. Veränderung der zeitlichen Abfolge der Filmverwertungsketten
3.6. Die aktuelle Filmverwertungskette in Deutschland
4. Annahmen über zukünftige Strukturen in Deutschland
4.1. Vorstellung einer möglichen neuen Struktur
5. Konsequenzen der Umstrukturierungen
5.1. Finanzwirtschaftliche Konsequenzen
5.2. Personelle Konsequenzen
6. Fazit
9. Anhang
9.1. Experteninterview
9.2. Email von Katerina Kolerova vom 20.08.2012
9.3. Windows Summary Spain
Zielsetzung und thematische Schwerpunkte
Die vorliegende Bachelorarbeit untersucht die Auswirkungen der Filmpiraterie auf die deutsche Filmwirtschaft, insbesondere auf die strukturelle und zeitliche Abfolge der Filmverwertungskette, und analysiert mögliche zukünftige Entwicklungsmodelle, um den ökonomischen und personellen Herausforderungen der digitalen Distribution zu begegnen.
- Historische Entwicklung der Filmpiraterie von der ersten zur zweiten Generation.
- Analyse der klassischen und elektronischen Filmverwertungskette in Deutschland.
- Einfluss der Piraterie auf das Konsumverhalten und die Marktstrukturen.
- Bewertung der ökonomischen und personellen Konsequenzen für die Filmbranche.
- Diskussion über neue Distributionsstrategien wie das "Day-and-Date"-Modell.
Auszug aus dem Buch
2.2.2. Filmpiraterie der zweiten Generation
Die Filmpiraterie der zweiten Generation beschreibt das Zeitalter der voranschreitenden Digitalisierung und der Entwicklung des „Darknets“, einer neuen Form der digitalen Piraterie von 1998 bis heute.
Dieser Verlauf führte zu dem richtungsweisenden Sprung hin zu der heutigen Piraterie als Massenphänomen.
Die Filmpiraterie selbst ist, bedingt durch ihre technologische Komplexität, noch relativ neu im Bereich der digitalen Piraterie. So bedurfte es verschiedener technologischer Entwicklungen, die die Filmpiraterie der zweiten Generation ins Leben riefen:
Eine vermehrte Verfügbarkeit von Internetzugängen privater Haushalte und Bildungseinrichtungen und die Entwicklung internetbasierter Tauschsoftware, die zur Entwicklung sogenannter Peer-to-Peer-Netzwerke führte. Hier können sich Nutzer mit anderen Nutzern vernetzen und so Inhalte und Daten untereinander tauschen. Des Weiteren verbesserte und komprimierbare Datei-Formate für die Filmindustrie, die Verfügbarkeit von CD- und DVD-Rohlingen zu massenmarktfähigen Preisen sowie das Aufkommen digitaler Filmkameras im Kompaktformat.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einführung: Die Einleitung beleuchtet die steigende Relevanz der Filmpiraterie als Massenphänomen und deren Druck auf die deutsche Filmindustrie im digitalen Zeitalter.
2. Entwicklungen und Strukturen von Filmpiraterie in Deutschland: Dieses Kapitel definiert den Begriff der Filmpiraterie, klassifiziert ihre Erscheinungsformen und analysiert die Ursachen für das stark veränderte Konsumverhalten hin zu illegalen Internetquellen.
3. Die Deutsche Filmverwertungskette im Laufe der Zeit: Der Hauptteil erläutert das Konzept der Filmverwertungskette sowie die verschiedenen Distributionsfenster und zeigt auf, wie technologische Entwicklungen die Abfolge und Struktur nachhaltig verändert haben.
4. Annahmen über zukünftige Strukturen in Deutschland: Dieses Kapitel diskutiert neue Zukunftsmodelle der Filmdistribution, insbesondere die Abkehr von klassischen Sperrfristen zugunsten vertikaler Integration und "Day-and-Date"-Veröffentlichungen.
5. Konsequenzen der Umstrukturierungen: Hier werden die messbaren wirtschaftlichen und personellen Auswirkungen der Filmpiraterie in Deutschland durch Umsatzverluste und den Abbau von Arbeitsplätzen in der Kreativwirtschaft evaluiert.
6. Fazit: Die abschließende Zusammenfassung betont die Notwendigkeit für Medienunternehmen, auf die neuen Gegebenheiten durch Innovation, Flexibilität und die klare Vermarktung des eigenen Nutzens (USP) zu reagieren, da eine vollständige Unterbindung der Piraterie als unmöglich gilt.
Schlüsselwörter
Filmpiraterie, Filmverwertungskette, Digitalisierung, Urheberrecht, Distribution, Raubkopien, Sperrfristen, Video-on-Demand, Medienneuordnung, Kreativwirtschaft, Umsatzverlust, Streaming, Peer-to-Peer, Day-and-Date, Medienmanagement
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Auswirkungen der Filmpiraterie auf die deutsche Filmwirtschaft und untersucht, wie sich die Filmverwertungskette durch digitale Herausforderungen verändert hat.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die thematischen Schwerpunkte liegen auf der Entwicklung der Filmpiraterie, der Struktur der Verwertungsketten, den ökonomischen Schäden der Filmbranche und zukunftsorientierten Strategien für Medienunternehmen.
Was ist das primäre Ziel der Bachelorarbeit?
Das Ziel ist es, die strukturellen Veränderungen in der Filmverwertung aufzuzeigen und ein mögliches Szenario für die zukünftige Distribution von Filminhalten in Deutschland zu entwerfen.
Welche wissenschaftliche Methode wurde verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer fundierten Gesetzesrecherche, der Auswertung bestehender Studien sowie einem Experteninterview mit Prof. Dr. Kerstin Gühne von Sony Pictures Television.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse der Piraterie als Massenphänomen, eine detaillierte Beschreibung der Filmverwertungsketten, deren historische Veränderung und die ökonomischen sowie personellen Folgen für die Filmindustrie.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Zu den Schlüsselwörtern gehören Filmpiraterie, Filmverwertungskette, Digitalisierung, Sperrfristen, Day-and-Date, Distribution und Kreativwirtschaft.
Welche Rolle spielt die Kinobranche in diesem Kontext?
Die Arbeit kommt zu dem Schluss, dass Kinos ihre traditionelle Rolle hinterfragen müssen und sich verstärkt über das Alleinstellungsmerkmal der "Atmosphäre" und als "Ort des Erlebens" vom digitalen Massenkonsum abgrenzen sollten.
Welche Schlussfolgerung zieht die Autorin bezüglich der Piraterie?
Die Autorin folgert, dass eine vollständige Unterbindung der Piraterie nicht möglich ist; daher müssen Medienunternehmen Strategien entwickeln, die das legale Angebot attraktiver machen und sich flexibler an das moderne Nutzerverhalten anpassen.
- Quote paper
- Laura Glockseisen (Author), 2013, Piraterie in der Filmindustrie - Die Auswirkungen von Piraterie auf die Filmverwertungskette in Deutschland, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/212094