Die Hausarbeit setzt sich mit dem so genannten "psychologischen Egoismus" auseinander, der besagt, dass alles, was der Mensch tut, nur zu seinem eigenen Besten geschieht. Da die Beschäftigung mit dem gesamten Egoismus den Rahmen einer Hausarbeit bei weitem Sprengen würde, werde ich mich auf den folgenden Seiten damit begnügen, das Argument des erwarteten Nutzens (im Original The Argument from Expected Benefit), welches Shafer-Landau in seinem Werk „The Fundamentals of Ethics“ als eines von mehreren Elementen des psychologischen Egoismus präsentiert, zu rekonstruieren, zu erläutern, zu diskutieren und zu kritisieren.
Inhaltsverzeichnis
Einleitung:
Freundschaft als reinen Profit?
Die Egoismus-Altruismus Debatte
Hauptteil:
Klärung der zentralen Begriffe
Erläuterung der ersten Prämisse
Erläuterung der zweiten Prämisse
Die Konklusion
Einwände gegen die erste Prämisse
Kann Selbstaufopferung egoistisch sein?
Einwände gegen die zweite Prämisse
Das Scheitern der Konklusion
Mögliche Repliken
Schluss:
Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht kritisch das "Argument des erwarteten Nutzens" im Kontext des psychologischen Egoismus, um die These zu hinterfragen, ob menschliches Handeln grundsätzlich und ausschließlich auf dem Streben nach eigenem Vorteil basiert.
- Analyse und Dekonstruktion des Arguments des erwarteten Nutzens
- Untersuchung der Egoismus-Altruismus-Debatte
- Diskussion von Handlungslogik und Motivationsstrukturen
- Kritische Würdigung der Prämissen durch ethische Gegenbeispiele
- Erörterung der Reichweite psychologisch-egoistischer Erklärungsmodelle
Auszug aus dem Buch
Kann Selbstaufopferung egoistisch sein?
Unmöglich wird die Verteidigung der ersten Prämisse jedoch mit dem Beispiel des Soldaten Ross McGinnis, welches wiederum Shafer-Landau beschrieben hat. Dieser opfert sein Leben für das seiner Kameraden, in dem er sich von einer Granate töten lässt. Wo, fragt man sich, liegt hierbei der Profit des Handelnden? Wie kann man sagen, dass der Soldat danach besser da steht? Hinzukommt, dass dies beileibe kein Einzelfall ist. Überall auf der Welt opfern sich Menschen, um Familie, Freunde, Kameraden oder sogar Fremde vor dem Tod zu bewahren. So gibt es in vielen Ländern eigens Stiftungen, die so genannten Carnegie Hero Trust Funds, die solche Personen ehren und sich um die Hinterbliebenen kümmern.
Diese Beispiele stellen nicht nur für die erste, sondern auch für die zweite Prämisse des Arguments des erwarteten Nutzens ein gewaltiges Problem dar. Dennoch werde ich im folgenden versuchen, die erste Prämisse gegen diesen Einwand zu verteidigen. Aus eigener Perspektive, so profitiert McGinnis, stellvertretend für alle anderen Menschen, die sich selbst für das Leben anderer geopfert haben, keineswegs von seiner Handlung. Dies ist gar nicht möglich, weil er schließlich als Resultat der Handlung tot ist. Wenn er als Person profitiert, dann durch zwei andere Möglichkeiten. Erstere wäre, dass sein Ansehen bei den Verbliebenen ins Unermessliche steigt. Er ist ein wahrer Held und wird verehrt. So profitiert er, als nun nicht mehr lebende Person, doch. Aber da er nun einmal nicht mehr existiert, so betrifft diese Verehrung doch nur die Hinterbliebenen.
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Einführung in die Problematik anhand eines Beispiels und Einbettung in die philosophische Debatte zwischen Egoismus und Altruismus.
Klärung der zentralen Begriffe: Definition der für die Untersuchung grundlegenden Begriffe wie Egoismus, Wohlbefinden und Eigennutz im psychologischen Kontext.
Erläuterung der ersten Prämisse: Darlegung der Annahme, dass menschliches Handeln immer auf die Erwartung abzielt, im Endeffekt besser dazustehen.
Erläuterung der zweiten Prämisse: Erläuterung des postulierten direkten Zusammenhangs zwischen dem Wunsch, besser dazustehen, und der Förderung des Eigennutzes.
Die Konklusion: Zusammenfassung der logischen Schlussfolgerung des Arguments und Einordnung seiner Bedeutung für den psychologischen Egoismus.
Einwände gegen die erste Prämisse: Kritische Auseinandersetzung mit der Annahme, dass jede Handlung bewusst auf einen zukünftigen eigenen Profit ausgerichtet ist.
Kann Selbstaufopferung egoistisch sein?: Diskussion der Grenzen des Arguments anhand von drastischen Beispielen wie heldenhafter Selbstaufopferung.
Einwände gegen die zweite Prämisse: Widerlegung der Annahme, dass das Erreichen eines Zieles zwangsläufig mit dem primären Streben nach eigenem Eigennutz gleichzusetzen ist.
Das Scheitern der Konklusion: Fazit über die logische Ungültigkeit des Arguments des erwarteten Nutzens aufgrund fehlerhafter Prämissen.
Mögliche Repliken: Betrachtung möglicher Verteidigungsstrategien des psychologischen Egoismus und deren Widerlegung.
Fazit: Abschließende Bewertung, die den Menschen als mehr als eine rein egoistisch kalkulierende Maschine charakterisiert.
Schlüsselwörter
Psychologischer Egoismus, Altruismus, Eigennutz, Erwarteter Nutzen, Handlungsmotive, Wohlbefinden, Moralphilosophie, Shafer-Landau, Ethik, Selbstaufopferung, Menschliches Handeln, Normative Ethik, Handlungslogik, Kritik, Motivation.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der philosophischen Untersuchung des psychologischen Egoismus, insbesondere mit dem sogenannten "Argument des erwarteten Nutzens".
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die zentralen Themen umfassen die Abgrenzung von Egoismus und Altruismus, die Analyse menschlicher Handlungsmotive sowie die logische Prüfung ethischer Argumentationsstrukturen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist die kritische Rekonstruktion und anschließende Widerlegung des Arguments, dass alle menschlichen Handlungen letztlich nur der Förderung des eigenen Eigennutzes dienen.
Welche wissenschaftliche Methode wird in der Arbeit verwendet?
Es wird eine analytische Methode angewandt, bei der die Prämissen eines deduktiven Arguments (des Arguments des erwarteten Nutzens) einzeln untersucht, erläutert und anhand von Gegenbeispielen kritisch hinterfragt werden.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Begriffsdefinition, die Darstellung der Argumentationskette, die kritische Prüfung der Prämissen durch verschiedene Einwände und die abschließende Bewertung der Schlussfolgerung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind psychologischer Egoismus, Eigennutz, Altruismus, erwarteter Nutzen, Handlungsmotive und ethische Kritik.
Warum ist das Beispiel von Mr. Lincoln so bedeutend für die Argumentation des Autors?
Das Beispiel verdeutlicht, wie das Streben nach einer "Gewissensberuhigung" vom psychologischen Egoisten als Eigennutz umgedeutet wird, während der Autor argumentiert, dass das eigentliche Motiv in der Hilfe für andere liegt.
Wie bewertet der Autor die Selbstaufopferung im Kontext des Egoismus?
Der Autor führt die Selbstaufopferung (z.B. Ross McGinnis) als schwerwiegendes Gegenargument an, da der Handelnde bei dieser Tat den ultimativen Verlust (das Leben) erleidet, was der Annahme einer persönlichen Profitmaximierung entgegensteht.
Weshalb scheitert die zweite Prämisse nach Ansicht des Verfassers?
Die zweite Prämisse scheitert, weil sie eine unzulässige logische Gleichsetzung vornimmt: Nur weil man ein Resultat (wie die Beruhigung des Gewissens) erwartet, bedeutet dies nicht, dass dieses Resultat das ursprüngliche Ziel der Handlung war.
- Quote paper
- Martin Hamre (Author), 2012, Der Mensch und die Frage nach der Förderung seines eigenen Nutzens anhand der Egoismus-Altruismus-Debatte, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/211735