„Der Mensch soll sich selbst als dieses bestimmte, von Gott erschaffene und gerechtfertigte Individuum annehmen und als solches dem einzelnen Mitmenschen und darüber hinaus prinzipiell allen gegenwärtig und künftig lebenden Menschen dazu helfen, eigenständige und verantwortungsfähige Individualitäten zu sein.“
Diese Aussage von Dietz Lange über das ethische Idealbild des Menschen und über eine ideelle mitmenschliche Koexistenz definiert den Menschen als ein Lebewesen, welches seine moralische Urteilsfähigkeit und die damit verbundene Verantwortlichkeit durch seine Schöpfung und Rechtfertigung durch Gott erhalten hat. Angesichts der Tatsache, dass viele Menschen allerdings nicht nach dem Prinzip handeln, dass „die Liebe zu anderen Menschen das Ziel [hat], [sich] in die Lage zu versetzen, [ihrerseits] der ethischen Grundforderung nachzukommen“ , lässt sich darauf schließen, dass gewisse Unstimmigkeiten hinsichtlich des menschlichen Daseins und der göttlichen Schöpfung existieren. Denn obwohl der Mensch ein Bestandteil des göttlichen Erschaffungsaktes ist, ist er offensichtlich nicht vollkommen, sondern vielmehr fehlbar und sündig. Diese Tatsache wiederum wirft verschiedene Unklarheiten im Bezug auf das Verhältnis von menschlicher Freiheit und Sündhaftigkeit in Hinblick auf christlich-theologische Kosmologie und Anthropologie auf. Beispielhaft könnte gefragt werden: Wieso ist der Mensch schuldhaft, wenn er einem vollkommenen Schöpfer entspringt? Ist die Schöpfung durch den menschlichen Sündenfall missraten? Und wieso wird von dem Menschen kosmologisch als „Krone der Schöpfung“ gesprochen, wo er doch sündhaft ist?
Im Folgenden sollen Fragen wie die oben exemplarisch genannten beantwortet und das eben aufgezeigte Spannungsfeld zwischen Freiheit und Sünde bezüglich theologischer Kosmologie und Anthropologie durchleuchtet werden.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung -Die Gegensätzlichkeit von menschlicher Kreatürlichkeit und schöpferischer Vollkommenheit
2. Die Vollkommenheit der Schöpfung
2.1 Die Kosmologie
2.2 Die Anthropologie
3. Die Kreatürlichkeit des Menschen
3.1 Die Freiheit des Menschen
3.1 Die Sündhaftigkeit des Menschen
4. Zusammenfassung – Die Vereinbarkeit von menschlicher Kreatürlichkeit und schöpferischer Vollkommenheit
Zielsetzung und Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das theologische Spannungsfeld zwischen der menschlichen Freiheit und der Sündhaftigkeit vor dem Hintergrund der christlichen Kosmologie und Anthropologie, wobei sie insbesondere die Bestimmungen von Wolfgang Trillhaas analysiert.
- Theologische Analyse des Schöpfungsverständnisses
- Die Dialektik von menschlicher Freiheit und Sündhaftigkeit
- Kritische Auseinandersetzung mit dem Sündenbegriff
- Das Verhältnis von christlicher Kosmologie und Anthropologie
Auszug aus dem Buch
3.2 Die Sündhaftigkeit des Menschen
Trillhaas definiert die Sünde als Missbrauch der Schöpfung und der relativen Freiheit, als Abfall vom Schöpfer und als Verwechslung der Rollenverteilung von Schöpfer und Geschöpf. Des Weiteren bestimmt er die drei hauptsächlichen Eigenschaften der Sünde. Zum Einen erläutert er, dass sie nicht umkehrbar ist, sondern endgültig. Im Anschluss geht Trillhaas darauf ein, dass die Sünde als Verlust des Ursprungs bzw. des ursprünglichen Zustands immer einen personalen Bezug für den Menschen hat. Dieser persönliche Bezug für den Menschen bedeutet, dass die vollständige Existenz des Menschen betroffen ist und dass sie nicht etwa nach einem Grad gemessen wird, etwa in schwere oder weniger schwere Sündhaftigkeit. Als drittes Kriterium wird aufgezeigt, dass die Sünde unausweichlich ist. Dies begründet Trillhaas mit der Concupiscentia des Menschen, seiner angeborene Neigung zum Bösen. Aus dieser eingeborenen Fehlerhaftigkeit ergibt sich verstärkt die Relevanz der Sündenerkenntnis, denn wenn der Mensch die Veranlagung zur permanenten Sündhaftigkeit hat, so ist es umso bedeutsamer, dieses sündige Verhalten zu erkennen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung -Die Gegensätzlichkeit von menschlicher Kreatürlichkeit und schöpferischer Vollkommenheit: Das Kapitel führt in das Spannungsfeld zwischen der göttlichen Schöpfung und der menschlichen Sündhaftigkeit ein und erläutert die Forschungsfrage.
2. Die Vollkommenheit der Schöpfung: Hier werden die theologischen Grundlagen von Kosmologie und Anthropologie untersucht, wobei der Schöpfungsakt und das positive Urteil Gottes vor dem Sündenfall im Fokus stehen.
3. Die Kreatürlichkeit des Menschen: Dieses Kapitel widmet sich der menschlichen Freiheit als relativer Gabe sowie der Sündhaftigkeit, die Trillhaas als Abfall vom Schöpfer analysiert.
4. Zusammenfassung – Die Vereinbarkeit von menschlicher Kreatürlichkeit und schöpferischer Vollkommenheit: Die Arbeit schließt mit einer Synthese der Ergebnisse, die die anthropologische Ausrichtung der Theologie des 20. Jahrhunderts hervorhebt.
Schlüsselwörter
Trillhaas, Theologie, Schöpfung, Freiheit, Sünde, Kosmologie, Anthropologie, Sündenfall, Creatio ex nihilo, Status Integritatis, Verantwortung, Sündhaftigkeit, Imago Dei, Christentum, Dogmatik
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das theologische Verständnis von Freiheit und Sünde im Kontext der christlichen Schöpfungslehre basierend auf der Dogmatik von Wolfgang Trillhaas.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zu den zentralen Themen gehören das Spannungsfeld zwischen der Vollkommenheit der Schöpfung und der Sündhaftigkeit des Menschen, das Wesen der menschlichen Freiheit sowie die methodische Urzustandslehre.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist es, durch eine tiefgehende Analyse der Schriften von Trillhaas aufzuzeigen, wie menschliche Fehlbarkeit und göttliche Schöpfung theologisch vereinbart werden können.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine hermeneutisch-theologische Methode, die durch die kritische Auseinandersetzung mit Primärquellen und dogmatischen Diskursen des 20. Jahrhunderts geprägt ist.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung der theologischen Kosmologie, der Anthropologie sowie eine detaillierte Auseinandersetzung mit der Freiheit und der Sündhaftigkeit des Menschen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie Schöpfungsglaube, relative Freiheit, Erbsünde, Sündenerkenntnis und das christliche Menschenbild charakterisiert.
Wie definiert Trillhaas die menschliche Freiheit?
Trillhaas definiert Freiheit nicht als absolut, sondern als relativ. Sie ist eine Gabe Gottes, die den Menschen zur Entscheidung für oder gegen Gott befähigt und die Basis für moralische Verantwortung bildet.
Was bedeutet das Konzept der „Concupiscentia“ in diesem Kontext?
Es beschreibt die dem Menschen angeborene Neigung zum Bösen, welche die Sündhaftigkeit als einen festen Bestandteil der menschlichen Existenz innerhalb der Schöpfung integriert.
Welchen Lösungsansatz schlägt Trillhaas für die Problematik der Erbsünde vor?
Um die biologische Vererbbarkeit von Schuld zu entkräften, schlägt er vor, den Begriff „Erbsünde“ durch Alternativen wie „Grundsünde“ oder „Ursünde“ zu ersetzen.
- Arbeit zitieren
- Jana Patricia Hemmelskamp (Autor:in), 2012, Trillhaas' Bestimmung von Freiheit und Sünde im Spannungsfeld von Kosmologie und Anthropologie, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/211725