1. Definition
Der Begriff Frauenkriminalität bezeichnet die Gesamtheit strafbarer Handlungen von Personen des weiblichen Geschlechts, auch von Kindern und Jugendlichen.1
2. Frauen als Rechtssubjekte – geschichtlicher Abriss
2.1 Im antiken Rom (ca. zw. dem 8. Jahrhundert v. Chr. und dem 7. Jahrhundert n. Chr.)
Im alten Rom besaßen Frauen keine Bürgerrechte. Bei Straffälligkeit waren sie den Nichtbürgern gleichgestellt und die Vollstreckung der Strafe wurde meist dem Ehemann oder den Verwandten übertragen.
Die „lex Iulia de adulteriis“ ist das erste uns überlieferte Gesetz über Sexualstraftaten. Die häufigste und bekannteste Straftat welche von Frauen begangen wurde war in dieser Zeit der Ehebruch. Dieser galt im römischen Reich als ein Verbrechen welches nur von Frauen begangen wurde.
Das Vergehen des Ehebruchs wurde zur damaligen Zeit sehr hart bestraft. So durfte zum Beispiel der „pater familias“ eine unkeusche Tochter töten. Außerdem musste der Ehemann sich von seiner Frau scheiden lassen oder seine untreue Gattin und ihren Liebhaber anzeigen, wollte er nicht selbst als Zuhälter gelten.
Eine betrogene Ehefrau dagegen besaß nicht das Recht ihren Mann anzuklagen. Sie konnte sich jedoch scheiden lassen und ihre Mitgift zurückfordern.
Des Weiteren haben verurteilte Ehebrecher einen Großteil ihres Vermögens verloren und wurden oftmals auch verbannt. Verurteilte Frauen wurden auf die gleiche Stufe wie Prostituierte gestellt und verloren das Recht vor Gericht als Zeuginnen aufzutreten, einen römischen Bürger zu heiraten und zu erben. Spätere Kaiser verschärften diese Gesetze noch, trotzdem waren Prozesse wegen Ehebruchs eher selten.2
[...]
1 vgl. Feest in Kaiser u.a 1993, S. 142
2 vgl. Gardner 1995, S. 118–135.
Inhaltsverzeichnis
1. Definition
2. Frauen als Rechtssubjekte – geschichtlicher Abriss
2.1 Im antiken Rom (ca. zw. dem 8. Jahrhundert v. Chr. und dem 7. Jahrhundert n. Chr.)
2.2 Im Mittelalter (ca. 6. bis 15. Jahrhundert)
2.3 Frühe Neuzeit (16. – 17. Jahrhundert)
3. Erklärungsansätze
3.1 Kriminalbiologische Erklärungsansätze
3.2 Sozialwissenschaftliche Erklärungsansätze
3.3 Feministische Erklärungsansätze
3.4 Sozialisationstheoretischer und psychologischer Erklärungsansatz
4. Struktur weiblicher und männlicher Kriminalität
4.1 Deliktstrukturelle Unterschiede
4.2 Altersstrukturelle Unterschiede
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit setzt sich zum Ziel, das Phänomen der Frauenkriminalität aus historischer, theoretischer und statistischer Perspektive zu beleuchten, um die geringere Kriminalitätsbelastung von Frauen im Vergleich zu Männern kritisch zu hinterfragen und zu analysieren.
- Historische Entwicklung der Rolle der Frau als Rechtssubjekt und Täterin.
- Kritische Auseinandersetzung mit verschiedenen kriminalbiologischen und sozialwissenschaftlichen Erklärungsansätzen.
- Analyse feministischer Theorien zur Delinquenz von Frauen.
- Untersuchung der deliktstrukturellen Unterschiede zwischen den Geschlechtern.
- Betrachtung der altersabhängigen Verteilung und statistischen Entwicklung von Tatverdächtigen.
Auszug aus dem Buch
Die Ritterlichkeitsthese oder Kavalierstheorie
Auch diese Theorie zielt auf die gesellschaftlichen Aspekte ab. So besagt sie beispielsweise, dass die Normdurchsetzer (Polizei, Staatsanwaltschaften, Gerichte), die früher fast ausschließlich Männer waren, Frauen gegenüber weniger hart agieren würden. Diese Annahme wirkt bis in die kontroversen Diskussionen um häusliche Gewalt hinein.
Laut Schwind sei es grundsätzlich so, dass Frauen genauso kriminell wie Männer seien, ihre Kriminalität aber seltener entdeckt werde. Falls sie doch entdeckt werde, sei anzunehmen, dass sie seltener angezeigt wird. Sollte es dennoch zu einer Anzeige kommen, würde es zu einer milderen Strafe kommen. In diesem Zusammenhang wird auch ein sog. „Frauenbonus“ diskutiert. Nach diesem würden Frauen in den verschiedenen Instanzen der sozialen Kontrolle durch die in der Mehrzahl strafverfolgenden Männer begünstigt.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Definition: Dieses Kapitel definiert den Begriff der Frauenkriminalität als Gesamtheit strafbarer Handlungen von Personen weiblichen Geschlechts, inklusive Minderjähriger.
2. Frauen als Rechtssubjekte – geschichtlicher Abriss: Es wird die historische Stellung der Frau von der Antike über das Mittelalter bis zur frühen Neuzeit beleuchtet und dabei insbesondere der Umgang mit Straftaten und Hexerei betrachtet.
3. Erklärungsansätze: Verschiedene Theorien, von biologischen Ansätzen über sozialwissenschaftliche bis hin zu feministischen Modellen, werden vorgestellt, um die Unterschiede in der Kriminalitätsrate zu erklären.
4. Struktur weiblicher und männlicher Kriminalität: Hier werden statistische Unterschiede in der Deliktsverteilung und Altersstruktur zwischen männlichen und weiblichen Tatverdächtigen anhand von Daten analysiert.
Schlüsselwörter
Frauenkriminalität, Kriminalbiologie, Emanzipationstheorie, Sozialisation, Deliktstruktur, Strafverfolgung, Kavalierstheorie, Hexenverfolgung, Geschlechterrollen, Kriminalstatistik, Devianz, Dunkelfeld, Strafmaß, Tatverdächtige, Rechtsgeschichte.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Analyse und Erklärung der Kriminalität von Frauen aus historischer, theoretischer und empirischer Sicht.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die Schwerpunkte liegen auf der historischen Entwicklung der rechtlichen Stellung der Frau, der kritischen Auseinandersetzung mit verschiedenen kriminalwissenschaftlichen Theorien und der aktuellen statistischen Auswertung der Delinquenz.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage?
Das Ziel ist es, die Gründe für die statistisch geringere Kriminalitätsbelastung von Frauen zu ergründen und die Validität verschiedener Erklärungsansätze vor dem Hintergrund aktueller Daten zu prüfen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine deskriptive und analytische Literaturrecherche sowie die Auswertung vorhandener kriminalstatistischer Daten und historischer Fakten angewandt.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine historische Aufarbeitung, eine detaillierte Darstellung und Kritik diverser Erklärungsansätze sowie eine statistische Analyse der deliktischen und altersbezogenen Strukturen von Tatverdächtigen.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit ist maßgeblich durch Begriffe wie Emanzipationstheorie, Frauenbonus, Kavalierstheorie, Deliktstruktur und Kriminalbiologie geprägt.
Warum wird die Rolle der Frau in der frühen Neuzeit separat betrachtet?
Dies ist notwendig, um die spezifische Kriminalisierung der Frau im Kontext der Hexenverfolgung und das zeitgenössische Frauenbild zu verstehen, welches als Grundlage für damalige Rechtsurteile diente.
Welche empirischen Erkenntnisse sprechen gegen die Emanzipationstheorie?
Die empirische Forschung zeigt, dass die Kriminalitätsrate von Frauen trotz weitgehend abgeschlossener Emanzipation deutlich unter der der Männer bleibt und bereits im 19. Jahrhundert signifikant war.
- Arbeit zitieren
- Rebi K. (Autor:in), 2012, Frauenkriminalität. Geschichte, Erklärungsansätze und Struktur, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/211488