Vergewaltigungen sind häufig in Kriegen vorzufinden. Nicht nur im 2. Weltkrieg, während den Kriegshandlungen im Kongo oder antiken Kriegen wurde regelmäßig diese Form von Gewalt gegen Frauen verwendet. Durch die unterschiedlichen zeitlichen Epochen und verschiedenen geographischen Räumen, kann man erkennen, dass diese Gewalthandlungen anscheinend religionsunabhängig sind. So auch in den Jugoslawienkriegen in den 90er Jahren. Der Auslöser dieser Kriege war das Streben der einzelnen Teilrepubliken der Sozialistischen Föderativen Republik Jugoslawien nach Unabhängigkeit. Dieses Streben und die sich daraus entstehenden Interessenkonflikte mündeten in einem jugoslawischen Bürgerkrieg. So war auch die Region Bosnien stark betroffen und es dauerte nicht lange, bis die ersten Berichte über eine systematische Vergewaltigung von serbischen Männern an bosniakischen Frauen veröffentlicht wurden. Es begannen mehrere Erklärungsversuche von feministischen VertreterInnen im In- und Ausland, warum es zu solchen Verbrechen gegen die Frauen kam.
Inhaltsverzeichnis
Essay
Einleitung
Die Thesen
Ethnische Säuberung
Kritikpunkte
Fazit
Zielsetzung & Themen
Das Ziel dieser Arbeit ist es, die systematische Vergewaltigung im Krieg im Hinblick auf ihre mögliche Funktion als Instrument zur Erreichung nationalistischer Ziele zu untersuchen. Dabei wird der Frage nachgegangen, ob solche Gewalthandlungen primär der Sicherung einer Nation dienen.
- Systematische Vergewaltigung als Kriegswaffe
- Nationalistische Motive und "Blutlinien"
- Das Konzept der "Ethnischen Säuberung"
- Androzentrismus und männlicher Habitus in Konflikten
- Kritik an der Reduktion von Gewalt auf rein nationalistische Zwecke
Auszug aus dem Buch
Die Thesen
Mehrere VertreterInnen beschäftigten sich mit der Problematik warum es zu solchen systematischen Vergewaltigungen kam. So führte die Kultur-Anthropologin Nita Luci auf, dass „[…] rape as a means of ethnic cleansing is connected to the notion that the ethnic groups is characterized by a pure bloodline.” Dies bedeutet demnach, dass eine Vergewaltigung vorrangig dazu dient, um eine Blutlinie und damit eine Ethnie zu zerstören, denn nur reine Blutlinien kennzeichnen ethnische Gruppierungen. Unter dem veralteten und in der Humanmedizin nicht mehr gebräuchlichen Begriff ‚Blutlinie‘ wird heutzutage in der Genetik der Begriff Abstammungslinie verstanden. Sie beschreibt die genetischen Vorfahren und Nachfahren. In dieser ethnischen Gruppe haben die Frauen eine wichtige Bedeutung und zwar die des Kulturträgers, denn ist „For women, honor and shame are the basis of morality and underpin the three tiered hierarchy of statues: husband, family and village.“
Demnach wäre das Wichtigste für die Frau ihre Ehre und Scham, da diese die Basis ihres Lebens bilden würden. Des Weiteren dienen Vergewaltigungen neben der Lustbefriedigung auch der Erniedrigung und Beschämung der Opfer. Luci argumentiert somit, dass durch die Vergewaltigung der Frau ihr Mann beschämt wird. Gründe dafür sind unter anderen, dass der Mann die Frau nicht beschützen konnte und dass potenzielle Kinder von Serben ein Produkt dieser Vergewaltigungen sein können.
Zusammenfassung der Kapitel
Essay: Einführung in das Thema der systematischen Vergewaltigung in Kriegen, insbesondere in den Jugoslawienkriegen der 90er Jahre.
Einleitung: Darlegung der Forschungsfrage, ob systematische Vergewaltigungen im Krieg nationalistischen Zielen dienen und Definition des Begriffs der Nation als Konstrukt.
Die Thesen: Vorstellung theoretischer Ansätze, die Vergewaltigung als Mittel zur Zerstörung ethnischer Gruppen durch die Verletzung der "Blutlinie" und die Demütigung des männlichen Gegners interpretieren.
Ethnische Säuberung: Analyse der Vergewaltigung als Instrument im Rahmen der "ethnischen Säuberung" zur Vertreibung von Bevölkerungsgruppen und Zerstörung gegnerischer Kulturen.
Kritikpunkte: Darstellung der Schwachstellen der nationalistischen Erklärungsmodelle, insbesondere hinsichtlich des Androzentrismus und der mangelnden Betrachtung der weiblichen Opfer.
Fazit: Zusammenfassende Bewertung, dass nationalistische Motive zwar eine Rolle spielen, eine ausschließliche Fokussierung darauf jedoch die Komplexität und die Bedeutung von Sexismus und Machismus ignoriert.
Schlüsselwörter
Vergewaltigung, Krieg, Nationalismus, Bosnien-Herzegowina, Ethnische Säuberung, Blutlinie, Männlichkeit, Gender, Androzentrismus, Sexismus, Machismus, Ehre, Nation, Kriegswaffe, Identität.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit?
Die Arbeit untersucht die systematische Vergewaltigung als Kriegswaffe mit einem besonderen Fokus auf die Frage, ob diese Handlungen gezielten nationalistischen Strategien dienen.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Die zentralen Themen umfassen nationalistische Ideologien, Konzepte der ethnischen Zugehörigkeit, die Rolle der Frau als "Kulturträgerin" sowie feministische Kritik an kriegsbedingten Gewaltverhältnissen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das primäre Ziel ist es, die nationalistische Prägung von Vergewaltigungen im Krieg kritisch zu hinterfragen und zu prüfen, ob diese Taten primär zur Sicherung oder Zerstörung von Nationen eingesetzt werden.
Welche wissenschaftliche Methode wird in dieser Arbeit verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer theoretischen Literaturanalyse feministischer und kulturwissenschaftlicher Ansätze, um bestehende Thesen zu Kriegsgewalt zu vergleichen und kritisch zu bewerten.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil analysiert verschiedene Erklärungsansätze für systematische Vergewaltigung, diskutiert das Konzept der ethnischen Säuberung und übt Kritik an androzentrischen Sichtweisen, die den männlichen Akteur ins Zentrum stellen.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie "ethnische Säuberung", "Blutlinie", "Nationalismus", "Androzentrismus" und "Kriegsgewalt" geprägt.
Wie bewertet die Autorin die These der "reinen Blutlinie"?
Die Autorin stuft die Fixierung auf "reine Blutlinien" als äußerst fragwürdig und gefährlich ein, da sie Assoziationen zu rassistischen Ideologien der Eugenik weckt und das Individuum entmenschlicht.
Warum hält die Autorin eine einseitige Sichtweise für problematisch?
Eine Reduzierung auf rein nationalistische Motive ignoriert laut Autorin das individuelle Schicksal der Opfer und verkennt die Bedeutung von Sexismus, Machismus und Chauvinismus als eigenständige Motive für Gewalt.
- Arbeit zitieren
- Christin Pinnecke (Autor:in), 2012, Vergewaltigung im Krieg, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/211383