Doch vorab eine kleine Einführung in die Welt der Raumsoziologie. Was genau beschreiben Begriffe wie „Raum“ oder „Ort“? Sind es bloße körperlich wahrnehmbare Abgrenzungen? Inwiefern entstehen soziale Räume und wie verändern sich diese bzw. nehmen Einfluss auf andere?
Allgemein wurde die Einteilung der Mikro-, Meso- und Makro-Ebene getroffen, um den sozialen Raum in verschiedene Teilbereiche zu untergliedern. Dementsprechend werden Personen, als auch Dörfer oder ganze Nationen betrachtet. Hauptaugenmerk der Raumsoziologie liegt jedoch auf den In- und Exklusionsprozessen räumlicher Differenzierungen. Dies bedeutet zum Beispiel, dass untersucht wird ob und inwiefern jemand oder eine ganze Nation ausgeschlossen oder einbezogen wird. Begriffe, wie Diskriminierung oder Dazugehörigkeit gehören in jene Kategorie.
Doch dies nur als allgemeine Einführung in dieses überaus komplexe Gebiet der Soziologie.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Historische Einordnung
3. Persönliche Beweggründe zu Alfred Schütz
4. Kurze Biografie Alfred Schütz
5. Theorien
5.1 Realitätsakzent
5.2 Bewusstseinsspannung
5.3 Beispiel: Traumwelt
5.4 Alltags- bzw. Lebenswelt
5.5 Räumliche Aufschichtung der Lebenswelt
5.6 Zeitliche Struktur der Lebenswelt
5.7 Soziale Struktur der Lebenswelt
5.8 Vorwelt
5.9 Nachwelt
6. Praktischer Bezug auf unsere aktuelle Lebenswelt
7. Kritik und Fazit
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit widmet sich der soziologischen Untersuchung der Lebenswelt nach Alfred Schütz, mit einem besonderen Fokus auf deren räumliche und soziale Aufschichtung. Das Hauptziel besteht darin, die komplexen theoretischen Konzepte von Schütz nachvollziehbar zu rekonstruieren, ihre Anwendbarkeit auf die heutige Lebenswelt zu prüfen und sie in den breiteren Diskurs der Raumsoziologie einzuordnen.
- Phänomenologische Soziologie und die Bedeutung des subjektiven Sinns
- Strukturierung der Lebenswelten durch Realitätsakzente und Bewusstseinsspannung
- Räumliche Dimensionen: Aktuelle und potentielle Reichweiten des Handelns
- Soziale Dimension: Die Struktur der Wir- und Ihr-Beziehungen
- Kritische Reflexion der Anwendbarkeit auf aktuelle gesellschaftliche Prozesse
Auszug aus dem Buch
5.5 Räumliche Aufschichtung der Lebenswelt
Die grobe Einteilung, die durch Schütz und Luckmann getroffen wurde, ist die Differenzierung zwischen einer aktuellen Reichweite und einer potentiellen Reichweite.
Die aktuelle Reichweite umfasst aktuell wahrgenommenen, sowie durch Aufmerksamkeit in das Bewusstsein gelangten Gegenstände. Die Wahrnehmungsmodalitäten sind von großer subjektiver Bedeutung.
[...] da die durch sie erfassten Gegenstände in der Erinnerung immer mehr vermittelte Typisierungen geweckt werden, die in sozial objektivierte, versprachlichte Bedeutungszusammenhänge eingebettet sind." (ebd. S.71)
Die potentielle Reichweite hingegen wird wiederum untergliedert in: wiederherstellbare Reichweite und erlangbare Reichweite.
„Ich setze also – ceteris paribus – den Sektor, der vormals in meiner aktuellen Reichweite war, als konstant, oder konstant veränderlich, an. Ferner weiß ich, daß ich nur diese und jene Bewegung ausführen, diese und jene Schritte tun muß, um diesen Sektor wieder in meine aktuelle Reichweite zu bringen." (ebd. S.73)
Um diese Erklärung bezüglich der aktuellen Reichweite noch einmal zu veranschaulichen, an dieser Stelle ein Beispiel: Meine aktuelle Reichweite setze ich mit meinem elterlichen zu Hause gleich. Ich besuche es am Wochenende und werde es am Ende des Wochenendes auch wieder verlassen. Wenn ich wieder in Leipzig bin, habe ich diese aktuelle Reichweite verlassen. Dennoch weiß ich, dass es lediglich meiner eigenen Initiative und einzelner Aktivitäten bedarf - zum Beispiel: zum Hauptbahnhof fahren und in den Zug einsteigen - um die wiederherstellbare potentielle Reichweite, meinem zu Hause, zu gelangen.
Die erlangbare Reichweite hat wiederum die Besonderheit des Zeitfaktors. Hierbei geht es um eventuelle Möglichkeiten und Chancen in eine andere Reichweite zu gelangen. Ein Ort, eine Welt in der ich noch nicht war, zu der ich aber gelangen könnte. Dieses Wissen um die Möglichkeit ist auch ein Prozess der Erfahrungen und Erkenntnisse, die ich in meinem Leben erlernt habe. Natürlich ist diese Chance auch abhängig von anderen Faktoren, wie dem Vermögensgrad, der am physischen und technischen Stand bzw. Eigenvermögen fest gemacht werden kann oder der subjektiven Wahrscheinlichkeitsstufen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Einführung in die Fragestellungen der Raumsoziologie und die allgemeine Relevanz räumlicher Differenzierung.
2. Historische Einordnung: Überblick über die Entwicklung der Raumsoziologie und den sogenannten „spatial turn“.
3. Persönliche Beweggründe zu Alfred Schütz: Begründung für die Wahl von Alfred Schütz als theoretisches Fundament zur Analyse sozialen Handelns.
4. Kurze Biografie Alfred Schütz: Biografischer Abriss des Lebens und Wirkens von Alfred Schütz.
5. Theorien: Detaillierte Rekonstruktion der zentralen Konzepte von Schütz, von der Bewusstseinsstruktur bis zur sozialen Welt.
6. Praktischer Bezug auf unsere aktuelle Lebenswelt: Anwendung der Schützschen Theorie auf zeitgenössische Diskurse und andere Autoren.
7. Kritik und Fazit: Kritische Auseinandersetzung mit der Anwendbarkeit der komplexen Modelle sowie abschließende Würdigung des Werkes.
Schlüsselwörter
Raumsoziologie, Alfred Schütz, Lebenswelt, Phänomenologie, Sozialer Sinn, Realitätsakzent, Bewusstseinsspannung, Aktuelle Reichweite, Potentielle Reichweite, Wir-Beziehung, Ihr-Beziehung, Typisierung, Zeitstruktur, Intersubjektivität, Handeln.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit den theoretischen Grundlagen von Alfred Schütz zur Lebenswelt und deren räumlicher sowie sozialer Aufschichtung.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Zentral sind die phänomenologische Analyse der Alltagswelt, die Konzepte der Reichweiten des Handelns und die sozialen Strukturen von Wir- und Ihr-Beziehungen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, die komplexen Theorien von Schütz verständlich aufzuarbeiten und ihre Relevanz für soziologische Raumanalysen zu verdeutlichen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich primär um eine theoretische Arbeit, die auf der Rekonstruktion und Analyse der Primärliteratur von Alfred Schütz sowie ergänzender Fachliteratur basiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden die Begriffe Realitätsakzent, Bewusstseinsspannung, räumliche und zeitliche Strukturen sowie soziale Welten detailliert analysiert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit ist durch Begriffe wie Lebenswelt, soziale Konstruktion, Reichweite, Intersubjektivität und Phänomenologie geprägt.
Wie unterscheidet Schütz zwischen der aktuellen und der potentiellen Reichweite?
Die aktuelle Reichweite umfasst das, was direkt im Fokus steht, während die potentielle Reichweite Wissen darüber beinhaltet, wie man Orte oder Zustände durch Handeln wieder erreichbar macht.
Was versteht Schütz unter der „Wir-Beziehung“?
Die Wir-Beziehung beschreibt eine direkte, unmittelbare soziale Situation, in der sich Akteure ihrer wechselseitigen Wahrnehmung und Präsenz bewusst sind.
Warum ist die Unterscheidung zwischen Vorwelt und Nachwelt für Schütz wichtig?
Diese Begriffe helfen zu verstehen, wie wir uns auf Menschen beziehen, die wir nicht direkt erleben können (historische Akteure oder zukünftige Generationen), und wie wir durch Wissen und Typisierungen mit ihnen interagieren.
- Arbeit zitieren
- Gabriele Beyer (Autor:in), 2009, Raumsoziologie: Die Aufschichtung der Lebenswelt nach Alfred Schütz, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/211078