Die Ausführungen zur Gouvernementalität nach Foucault vom 13.11.2012, gehalten an der Julius-Maximilians Universität Würzburg, soll die zentralen Gegenstände des Vortrags nochmals fixieren. Im Verlauf dessen wird festgehalten was man unter dem Begriff Gouvernementalität zu verstehen hat und wie sich der Begriff linguistisch gesehen zusammensetzt. Dazu gehört ebenfalls eine kurze Einordnung in Michel Foucaults Werk, sowie Hinweise auf seine Arbeitsmethodik. Weiterhin soll der historische Prozess der Gouvernementalisierung kurz skizziert und auf wichtige Meilensteine hingewiesen werden, bevor die Funktionen des ‚neuen Regierungstyps‘ der Gouvernementalität vorgestellt werden. Abschließend wird noch ein Ausblick auf Foucaults Ausprägungen der Gouvernementalität gegeben, die aber nicht mehr elementarer Bestandteil seines Vortrags vom 1. Februar 1978 am Collège de France sind und nur um der Vollständigkeit und Abgeschlossenheit des Referats Rechnung zu tragen angeführt werden.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Was ist Gouvernementalität?
3. Gouvernementalisierung
4. Wie funktioniert Gouvernementalität?
5. Ausprägungen des „Regierens“
6. Kurzes Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit setzt sich zum Ziel, das komplexe Konzept der Gouvernementalität nach Michel Foucault verständlich aufzuarbeiten, den historischen Prozess der Gouvernementalisierung zu skizzieren und die Funktionsweise dieses modernen Regierungstyps sowie dessen Ausprägungen zu erläutern.
- Grundlagen und Begriffsbestimmung der Gouvernementalität
- Historische Herleitung des Gouvernementalisierungsprozesses
- Analyse der Funktionsweise durch Pastoralmacht und Sicherheitsdispositive
- Verhältnis von Individuum, Regierung und Staatsräson
- Überblick über aktuelle Regierungstypen
Auszug aus dem Buch
3. Gouvernementalisierung
Bevor sich Foucault der ‚Kunst des Regierens‘ widmet, stellt er deutlich heraus, dass der Begriff des Regierens im 16. Jahrhundert ein heterogener ist. So unterscheidet er zwischen dem ‚Wer regiert‘ und dem ‚Was wird regiert‘: Ein Individuum muss sich selbst regieren, für die Seelen-/Lebensführung sind Kirchen zuständig, für Kinder ist es die Erziehung und letztlich gibt es noch den Fürsten, der seinen Staat regiert. An dieser Stelle setzt Niccolò Machiavelli mit seiner ‚Kunst des Regierens‘ ein, der das Verhältnis und die Aufgaben des Fürsten gegenüber der Bevölkerung in seinem Werk Il principe beschreibt. So ist die Beziehung zum Volk durch drei Eigenschaften im Verhältnis zum Fürsten charakterisiert: Erstens die Singularität, was bedeutet, dass der Fürst der Einzige ist, der regiert. Zweitens die Exteriorität, welche meint, das der Fürst immer jemand von außen in den Staat Eingeführtes (entweder durch Erbschaft, Erwerb oder Gewalt) ist, sowie drittens die Transzendenz, die das Gefälle beschreibt, dass dem Fürsten seine einzigartige Stellung sichert.
Dem Fürsten von Machiavelli geht es nicht in erster Linie darum den öffentlichen Nutzen herbeizuführen (was aber durchaus Effekt seiner Politik sein kann), sondern das Verhältnis zu dem was er besitzt zu festigen und zu sichern, etwa gegen die Bedrohung von Feinden im Inneren wie im Äußeren. Um seine Souveränität zu verteidigen regiert er mit Gesetzen, welchen sich die Untertanen zu ihrem ‚Gemeinwohl‘ unterwerfen. Im Gegensatz dazu hat sich in den folgenden zwei Jahrhunderten eine ausgeprägte Anti-Machiavelli-Literatur herausgebildet, die Konzepte entgegen des Souveränitätsbegriffs entwickeln. Foucault greift hierbei auf Guillaume de La Perrières Neue Kunst des Regierens zurück. In dieser legt de La Perrière zunächst einige begriffliche Neuerungen fest, so ist seiner Ansicht nach Regieren das „richtige Verfügen über die Dinge, deren man sich annimmt, um sie dem angemessenen Zweck zuzuführen.“
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung steckt den Rahmen der Arbeit ab, definiert das Ziel der begrifflichen Klärung und skizziert den Aufbau der Untersuchung.
2. Was ist Gouvernementalität?: Dieses Kapitel widmet sich der sprachwissenschaftlichen und inhaltlichen Herleitung des Begriffs und unterteilt Foucaults Konzept in einen institutionellen, funktionalen und realtypischen Aspekt.
3. Gouvernementalisierung: Hier wird der historische Wandel der Regierungskunst von Machiavelli bis hin zur Anti-Machiavelli-Literatur und der Entstehung der Staatsräson analysiert.
4. Wie funktioniert Gouvernementalität?: Dieses Kapitel erläutert die Mechanismen der Macht, insbesondere die Rolle der Pastoralmacht, der Polizei und der Sicherheitsdispositive.
5. Ausprägungen des „Regierens“: Es wird ein knapper Ausblick auf die verschiedenen Rationalitäten des Regierens gegeben, namentlich Staatsräson, Liberalismus und Neoliberalismus.
6. Kurzes Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass Gouvernementalität ein historisch wandelbares System zur Steuerung menschlichen Verhaltens darstellt.
Schlüsselwörter
Gouvernementalität, Michel Foucault, Regieren, Gouvernementalisierung, Machttypus, Pastoralmacht, Sicherheitsdispositive, Staatsräson, Bevölkerung, Politik, Regierungskunst, Diskursanalyse, Souveränität, Disziplin, Politische Ökonomie
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit bietet eine fundierte Einführung in das Konzept der Gouvernementalität nach Michel Foucault und erläutert, wie dieses als moderne Form der Machtausübung zu verstehen ist.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Zentral sind die historische Entwicklung des Regierens, die Abgrenzung zur klassischen Souveränität und die Analyse moderner Regierungstechniken.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, den Begriff Gouvernementalität präzise zu definieren und aufzuzeigen, wie er sowohl institutionelle als auch funktionale Aspekte des Regierens umfasst.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit stützt sich primär auf die Textanalyse der Vorlesungen Foucaults sowie auf die diskursanalytische Betrachtung historischer Quellen zum Thema Regierungskunst.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil stehen die Definition des Begriffs, der historische Prozess der Gouvernementalisierung sowie die Funktionsweise durch Instrumente wie Statistik und Sicherheitsdispositive im Fokus.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Neben dem Hauptbegriff Gouvernementalität sind insbesondere Pastoralmacht, Sicherheitsdispositive, Staatsräson und Regierungsrationalität für das Verständnis der Arbeit essentiell.
Wie unterscheidet Foucault das „Regieren“ im 16. Jahrhundert von moderneren Ansätzen?
Foucault zeigt auf, dass das Regieren im 16. Jahrhundert durch das Modell des Fürsten und der Souveränität geprägt war, während moderne Ansätze zunehmend auf die Bevölkerung und politische Ökonomie fokussieren.
Welche Rolle spielt die „Statistik“ in diesem Konzept?
Die Statistik ermöglicht es der Regierung, Daten über die Bevölkerung zu gewinnen, Probleme zu identifizieren und so das Regieren auf eine wissenschaftliche Basis zu stellen.
Warum ist das „richtige Verfügen über die Dinge“ zentral?
Dieser Aspekt beschreibt den Übergang von einer bloßen Machtausübung zur gezielten Beeinflussung von Prozessen, um bestimmte ökonomische oder gesellschaftliche Zwecke zu erreichen.
Was sind Sicherheitsdispositive?
Dies sind sozialtechnologische Instrumente, die darauf abzielen, auf statistisch ermittelte Gefahren innerhalb einer Bevölkerung zu reagieren und extreme Entwicklungen zu vermeiden.
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- Sebastian Zollner (Author), 2013, Gouvernementalität nach Michel Foucault. Einführung in die Theorie der Gouvernementalität, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/210911