Im Zuge unseres Seminars haben wir uns unter anderem mit der Theorie von Organisationslernen beschäftigt. Hierbei lag der Schwerpunkt in der Praxis auf zivilen Unternehmen, welche sich durch das Organisationslernen den wandelnden Bedingungen anpassen. Obwohl die meisten zivilen Unternehmen hierarchisch aufgebaut sind, werden sie nicht streng autoritär geführt wie beim Militär. Im Gegensatz zu zivilen Unternehmen basiert der Führungsprozess auf dem Prinzip von Befehl und Gehorsam. Hierbei wirft sich mir die Frage auf, welche Möglichkeiten und Grenzen durch das strenge autoritäre Führungssystem beim Militär gegenüber Organisationslernen bestehen.
Meine Hausarbeit ist in drei Abschnitte unterteilt. Im ersten Abschnitt meiner Hausarbeit stelle ich die zwei Theorien von Organisationslernen dar. Im zweiten Abschnitt werde ich kurz auf die unterschiedlichen Führungsstile nach Kurt Lewin eingehen. Hierbei werde ich jedoch meinen Schwerpunkt auf den autoritären Führungsstil setzen. Anschließend werde ich die zwei theoretischen Ansätze der militärischen Führungskonzeption vorstellen. Ich werde dabei dem „Führen mit Befehl“, dem „Führen mit Auftrag“ gegenüberstellen und dessen Chancen und Hindernisse darstellen.
Im letzten Abschnitt meiner Hausarbeit nehme ich Bezug auf die schon oben genannte Fragestellung. Des Weiteren werde ich mich genauer mit der Transformation der Bundeswehr beschäftigen und dies dann der Theorie des Organisationslernens gegenüberstellen.
Zum Schluss meiner Hausarbeit werde ich die dargestellten Ausführungen zusammenfassen und ein kurzes Kommentar dazu geben, welches hauptsächlich meine Meinung bezüglich autoritärer Führung in Verbindung mit Organisationslernen beinhaltet.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Theorie des Organisationslernen
2.1 Militär als „Lernende Organisation“
3. Führungsstile
3.1 Führung in Bezug auf Wirtschaft und Militär
3.2 Befehlstaktik vs. Führen mit Auftrag
4. Integration der Untergebenen in den Lernprozess der Organisation Bundeswehr
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Möglichkeiten und Grenzen des Organisationslernens innerhalb einer streng hierarchisch strukturierten Organisation wie der Bundeswehr, wobei insbesondere der Wandel der Führungskultur und die Anpassung an veränderte Rahmenbedingungen im Fokus stehen.
- Theorie des Organisationslernens und dessen Übertragbarkeit auf das Militär
- Analyse autoritärer Führungsstile im Vergleich zum „Führen mit Auftrag“
- Bedeutung der Kommunikation und Vertrauensbasis innerhalb militärischer Strukturen
- Transformation der Bundeswehr und Rolle als „Lernende Organisation“
- Einfluss gesellschaftlicher Erwartungen auf interne Führungsprozesse
Auszug aus dem Buch
3.2 Befehlstaktik vs. Führen mit Auftrag
Im militärischen Bereich möchte ich zunächst einmal zwischen „Führen mit Auftrag“ und dem „Führen mit Befehl“ differenzieren. Hierfür muss erst definiert werden, was ein „Befehl“ ist, da dies mit einem Auftrag aus dem zivilen Wortgebrauch vergleichbar gemacht werden muss. „Ein Befehl ist eine Anweisung zu einem bestimmten Verhalten, die ein militärischer Vorgesetzter einem Untergebenen schriftlich, mündlich oder in anderer Weise, allgemein oder für den Einzelfall und mit dem Anspruch auf Gehorsam erteilt“10 . Hierbei hat der Vorgesetzte gegenüber dem Untergebenen die Pflicht zu prüfen, ob der Befehl rechtmäßig, zweckmäßig und angemessen ist. Deshalb besteht auch im Prinzip eine Analogie zu einer erteilten Aufgabe, jedoch ist der Anspruch auf Gehorsam nicht so stark vertreten wie bei einem Befehl.
Die erste Methode der militärischen Führung liegt in der Methode des „Führens mit Auftrag“. Das „Führen mit Auftrag“ ist selbst keine streng definierte Methode, die jedoch gewisse Grundannahmen festlegt. Grundlegend ist zu sagen, dass beim „Führen mit Auftrag“ wichtig ist, dass dem Untergebenen die Absicht und die Ziele der höheren Führung bekannt sein müssen. Dafür muss der Vorgesetzte dem Untergebenen ein klar definiertes Ziel und die dafür benötigten Kräfte geben. Hierbei fassen die Kenntnisse und die „Freiheit des Handelns“ ineinander. Durch die Kenntnisse über den Auftrag und dessen eventuelle Einschränkungen kann der Untergebene gemäß eines gesetzten Spielraumes eigenständig nach eigenem Ermessen zur Auftragserfüllung handeln. „612. Führung muss Handlungsspielräume, Mitwirkung und Mitverantwortung ermöglichen. Vorgesetzte haben deshalb vorrangig vom „Führen mit Auftrag“ Gebrauch zu machen. Dabei müssen sie gegebenenfalls andere als die eigenen Lösungsansätze akzeptieren.“11
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung legt das Ziel fest, die Möglichkeiten und Grenzen des Organisationslernens im militärischen Kontext sowie die Transformation der Bundeswehr zu beleuchten.
2. Theorie des Organisationslernen: Dieses Kapitel definiert die „lernende Organisation“ und grenzt Organisationslernen vom individuellen Lernen ab, wobei der Fokus auf dem Individuum als Subjekt des Lernprozesses liegt.
2.1 Militär als „Lernende Organisation“: Hier wird die Frage erörtert, inwiefern das Militär, speziell die Bundeswehr, trotz seiner Monopolstellung und autoritären Struktur als lernende Organisation fungieren kann.
3. Führungsstile: Das Kapitel führt in die Führungsstile nach Kurt Lewin ein, mit besonderem Fokus auf den autoritären Führungsstil und dessen Bedeutung für das Militär.
3.1 Führung in Bezug auf Wirtschaft und Militär: Hier werden Definitionen von Führung betrachtet und die Einflussnahme auf die Mitglieder innerhalb einer Organisation analysiert.
3.2 Befehlstaktik vs. Führen mit Auftrag: Es erfolgt eine Differenzierung zwischen Befehl und Auftrag, wobei die Vorteile des „Führens mit Auftrag“ hinsichtlich Handlungsspielraum und Entlastung hervorgehoben werden.
4. Integration der Untergebenen in den Lernprozess der Organisation Bundeswehr: Das Kapitel untersucht konkrete Maßnahmen der Bundeswehr, wie Führungsstile und Kampagnen, um das Personal aktiv in den Lernprozess einzubinden.
5. Fazit: Die Arbeit schließt mit der Erkenntnis, dass die Bundeswehr durch gesellschaftliche Erwartungen und Transformationen zu ständiger Anpassung gezwungen ist, wobei der Mensch und Vertrauensstrukturen als entscheidende Faktoren identifiziert werden.
Schlüsselwörter
Organisationslernen, Bundeswehr, Führung, Führen mit Auftrag, Befehlstaktik, Innere Führung, Transformation, Militär, Lernende Organisation, Führungskultur, Kommunikation, Vertrauen, Auftragstaktik, Personalstruktur, Mensch.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit untersucht die Übertragbarkeit der Theorie des Organisationslernens auf das Militär und analysiert, wie die Bundeswehr als Organisation auf veränderte gesellschaftliche und politische Bedingungen reagiert.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die Schwerpunkte liegen auf der Theorie der lernenden Organisation, dem Vergleich verschiedener Führungsstile sowie den spezifischen Herausforderungen innerhalb der militärischen Hierarchie.
Welches primäre Ziel verfolgt die Forschungsfrage?
Ziel ist es, die Möglichkeiten und Grenzen des Organisationslernens unter den Bedingungen eines streng autoritären Führungssystems beim Militär zu identifizieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Der Autor nutzt eine theoretische Literaturanalyse sowie die Untersuchung von Dienstvorschriften (ZDV 10/1) und praktischen Beispielen wie Kampagnen zur Energieeffizienz, um das Lernverhalten der Organisation zu bewerten.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Definition der lernenden Organisation, die Analyse von Führungsstilen, die Differenzierung zwischen „Führen mit Befehl“ und „Führen mit Auftrag“ sowie die konkrete Integration von Soldaten in Lernprozesse.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zentrale Begriffe sind Organisationslernen, Innere Führung, Führungskultur, Transformation der Bundeswehr und der Gegensatz zwischen Befehl und Auftrag.
Wie bewertet die Arbeit die Rolle der „Inneren Führung“ bei der Transformation der Bundeswehr?
Die „Innere Führung“ wird als entscheidende Basis für das Selbstverständnis der Soldaten gesehen, wobei der Fokus von der rein militärischen Pflichterfüllung hin zu Vertrauen und Persönlichkeitsentwicklung verschoben wurde.
Warum hält der Autor den „Kadavergehorsam“ für nicht mehr zeitgemäß?
Der Autor argumentiert, dass eine rein befehlsorientierte Führung ohne Kommunikation und Einbindung der Untergebenen den Anforderungen moderner Flexibilität und organisationalem Lernen in einer Wissensgesellschaft entgegensteht.
- Arbeit zitieren
- Christian Adams (Autor:in), 2010, Führungssystem der Bundeswehr und das Organisationslernen, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/210428