„ [...] die Frau selbst kann vom Mann angeeignet und als Gut geteilt oder als Ware verkauft werden ― sie ist Eigentum des Mannes.“ Die antike und mittelalterliche Literatur zeichnet sehr häufig das Bild der Frau als Ware oder Gut, über welches der Mann frei verfügen kann. Die Frau ist dem Mann als sein Eigentum untergeordnet, sei sie in einer Vater-Tochter Beziehung, im Bräutigam-Braut Verhältnis oder in einer Bruder-Schwester Konstellation.¹ Dabei dient die Frau als ökonomisches Gut mit einem bestimmten Wert, das durch ein anderes Gut mit einem bestimmten Wert eingetauscht werden kann; beispielsweise bei einem Verkaufsakt, wenn der Vater die Tochter aus Geldnöten verkaufen muss und gegen eine bestimmte Geldsumme eintauscht, oder die Tochter durch eine Verheiratung mit einem Mann gegen ökonomische oder politische Vorteile eingetauscht wird.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung — Objekt-Subjektcharakter der Frau beim Tauschhandel
2. Der Wert der Frau am Beispiel Blanscheflurs
2.1 Der Verkaufsakt bis nach Babylon
2.2 Der Rückkauf Blanscheflurs durch den Pokal
3. Der Gabenbegriff
3.1 Materielle Gaben
3.2 Immaterielle Gaben
3.3 Das feudale Gabensystem im fremden kulturellen Kontext
4. Zusammenführung — Die Frau als Handelsobjekt im Gabensystem
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Konstruktion der Frau als Tauschobjekt im mittelhochdeutschen Minne- und Aventiureroman „Flore und Blanscheflur“ und analysiert, wie sich ihr Status zwischen ökonomischem Handelsgut und begehrtem Subjekt durch die Einwirkung von Liebe und Treue wandelt.
- Analyse des Handels mit materiellen und immateriellen Gütern
- Untersuchung des Tauschwertes der Figur Blanscheflur
- Interpretation des Gabenbegriffs im Kontext höfischer Milte
- Darstellung der Transformation von der Ware zum geliebten Individuum
Auszug aus dem Buch
2.1 Der Verkaufsakt bis nach Babylon
Der Verkaufsakt von Blanscheflur beginnt bereits in ihrer frühen Kindheit. Der Heidenkönig, Flores Vater, gewinnt den Angriff auf Hispanien und unterwirft Blanscheflurs Mutter. Sie steht im Dienst der Königin und als sie später Blanscheflur gebiert, steht diese ebenfalls als Dienerin dem Königshaus zur Verfügung. Abstrakt gedacht fällt somit Blanscheflur unter einen Tauschhandel, der vor ihrer Lebzeit statt fand, nämlich Dienen unter der Herrschaft des Heidenkönigs gegen den Tod der Mutter.
Als Blanscheflur im Königshaus heranwächst, zeichnet sich eine enge Freundschaft zu Flore ab, welche im Roman als Form der Kinderminne dargestellt wird. Der König allerdings duldet diese Beziehung nicht und möchte Blanscheflur töten. An dieser Stelle kann man zum ersten Mal den Wert des Mädchens in Bezug auf die negativen Emotionen von Flores Vater erkennen. Der König tobt vor Zorn und möchte Blanscheflur erschlagen, damit die königliche Ehre wieder hergestellt wird. Dafür sind ihm keine tausend Mark wert, die ihm Kaufleute geben könnten, wenn er das Mädchen verkauft statt zu töten. Der Tod bedeutet für den König weitaus mehr als der Geldwert, da es für dieses extreme Gefühl des Hasses, also der Nicht-Liebe, keinen Geldpreis gibt.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung — Objekt-Subjektcharakter der Frau beim Tauschhandel: Die Einleitung thematisiert die literarische Darstellung der Frau als Handelsgut und leitet zur Untersuchung der Rolle von Blanscheflur über.
2. Der Wert der Frau am Beispiel Blanscheflurs: Dieses Kapitel analysiert den Verkaufsakt Blanscheflurs und den symbolischen Rückkauf durch einen wertvollen Pokal.
3. Der Gabenbegriff: Es werden die verschiedenen Formen materieller und immaterieller Gaben untersucht und in das feudale System eingeordnet.
4. Zusammenführung — Die Frau als Handelsobjekt im Gabensystem: Das abschließende Kapitel synthetisiert die Ergebnisse und erläutert den Wandel der Frau vom Handelsobjekt zum geliebten Subjekt.
Schlüsselwörter
Flore und Blanscheflur, Tauschhandel, Gabenbegriff, Minne, Aventiureroman, Handelsobjekt, Mittelalterliche Literatur, Milte, Treue, Objektcharakter, Subjektwert, Frauenbild, Materielle Gaben, Immaterielle Gaben, Orient
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit behandelt die ökonomische und symbolische Einordnung der Frau als Handels- und Tauschobjekt im mittelhochdeutschen Roman „Flore und Blanscheflur“.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind das Tauschsystem in der mittelalterlichen Epik, der Begriff der „Milte“, die Wertbestimmung der Protagonistin und der Einfluss von Liebe auf den sozialen Status.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Ziel ist es aufzuzeigen, wie Blanscheflur als bloßes ökonomisches Gut in das Handelssystem eintritt und durch die Kraft der Minne ihren Status als Handelsobjekt überwindet.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine literaturwissenschaftliche Analyse des Primärtextes unter Einbeziehung begriffsgeschichtlicher Konzepte wie der „Gabe“ und „Milte“.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Analyse von Verkaufsakten, die Differenzierung zwischen materiellen und immateriellen Gaben sowie die Einordnung in den kulturellen Kontext.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Tauschhandel, Minne, Objektcharakter, Treue, Geldwirtschaft und das Milte-Prinzip.
Warum spielt der Pokal eine so zentrale Rolle im Text?
Der Pokal fungiert als symbolisches Äquivalent für den Wert der Frau, durch den Flore versucht, Blanscheflur innerhalb des bestehenden Handelssystems freizukaufen.
Verändert sich das Verständnis von „Handel“ im Verlauf des Romans?
Ja, der Handel wandelt sich von einer rein materiellen Transaktion hin zu einer symbolischen Kommunikation, bei der materielle Güter nur noch Mittel zum Zweck für ein höheres Ziel (die Vereinigung der Liebenden) sind.
- Arbeit zitieren
- Stefanie Breitsameter (Autor:in), 2012, Die Frau als Tauschobjekt. Über den Handel materieller und immaterieller Güter im Florisroman, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/210356