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Strukturelle Ursachen der Jugendproteste 2011 in Spanien - Zusammenhänge und Hintergründe

Title: Strukturelle Ursachen der Jugendproteste 2011 in Spanien - Zusammenhänge und Hintergründe

Bachelor Thesis , 2011 , 55 Pages , Grade: 1,7

Autor:in: Henrike Höpker (Author)

Sociology - Politics, Majorities, Minorities

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„Wir sind normale Menschen.
Wir sind wie du: Menschen, die jeden Morgen aufstehen, um studieren zu gehen, zur
Arbeit zu gehen oder einen Job zu finden, Menschen mit Familien und Freunden.
Menschen, die jeden Tag hart arbeiten, um denjenigen, die uns umgeben eine bessere
Zukunft zu bieten.
Einige von uns bezeichnen sich als fortschrittlich, andere als konservativ. Manche von
uns sind gläubig, andere wiederum nicht.
Einige von uns folgen klar definierten Ideologien, manche unter uns sind unpolitisch,
aber wir sind alle besorgt und wütend angesichts der politischen, wirtschaftlichen und
gesellschaftlichen Perspektive, die sich uns um uns herum präsentiert: die Korruption
unter Politikern, Geschäftsleuten und Bankern macht uns hilf- als auch sprachlos.“
So lautet die Selbsterklärung der jungen Menschen die im Jahr 2011 in ganz Spanien protestierten und öffentliche Plätze besetzten. Sie nannten sich „die Empörten“ in Anlehnung an den Essay „Empört euch“ von Stéphane Hessel, welcher sich 2011 millionenfach verkaufte.
In der Arbeit werden die strukturellen Ursachen und Hintergründe dieser Proteste untersucht. Wie gezeigt wird, sind eine Vielzahl von Faktoren für die Situation in Spanien 2011 verantwortlich. Zur Erklärung der Motive und Ziele der „Empörten“, werden die strukturelle, kulturelle und ökonomische Ausgangslage in dem südeuropäischen Land beleuchtet. Die Analyse erklärt, warum die Wirtschaftskrise in Zusammenhang mit Arbeitsmarktstrukturen und sozialen Veränderungen dazu führte, dass von jungen Spaniern als einer „Verlorenen Generation“ gesprochen wird.

Excerpt


Inhaltsverzeichnis

1. Einleitung

2. Soziale Strukturen in Spanien

2.1 Vom Emigrations- zum Immigrationsland

2.2 Die Rolle der Frau

2.3 Religiosität, Politik und Toleranz

3. Die Wirtschaft Spaniens

3.1 Vor der Krise

3.2 Soziale Sicherung in Spanien

3.4 Die Weltwirtschaftskrise

3.5 Der Bauboom

3.6 Befristete Verträge

3.7 Die Rolle der Gewerkschaften in Spanien

4. Die verlorene Generation

4.1 Krise im Bildungssektor

4.2 Los Indignados

5. Resümee

Zielsetzung & Themen

Die vorliegende Arbeit untersucht die strukturellen Ursachen der Jugendproteste des Jahres 2011 in Spanien, um das Entstehen der Bewegung "¡Democracia real ya!" in einen gesamtgesellschaftlichen und wirtschaftlichen Kontext zu setzen.

  • Analyse des gesellschaftlichen Wandels Spaniens und dessen Einfluss auf die aktuelle Situation junger Menschen.
  • Untersuchung der wirtschaftlichen Entwicklung Spaniens, insbesondere der Rolle der Immobilienblase und der Weltwirtschaftskrise.
  • Bewertung des spanischen Arbeitsmarktes und der spezifischen prekären Beschäftigungssituation.
  • Darstellung der Protestbewegung "Los Indignados" und ihrer sozio-ökonomischen Hintergründe und Forderungen.

Auszug aus dem Buch

3.5 Der Bauboom

Das der Immobiliensektor eine so große Rolle in Spanien spielte, hat nicht zuletzt politische Gründe. Schon in den 50ern unter Franco wurde Tourismus und privater Hausbesitz forciert, nicht zuletzt um die kompetitiven Schwächen der spanischen Wirtschaft auszugleichen. Gleichzeitig aber kam diesem Umstand eine politisch-ideologische Bedeutung zu. So sagte der Minister für Häuser, José Luis Arrense, 1957: „Queremos un país de propierarios, no de proletarios.“ Eine Aussage, die den Hausbesitz in dem faschistischen Staat zum antikommunistischen Symbol macht. Eine Politik, die Erfolg hatte: Bereits 1970 waren 60 % der Haushalte in Privatbesitz. Im Jahr 2007 waren in Spanien 87 % der Häuser in Privatbesitz, was mehr ist als in den USA oder dem Großbritannien. Doch gleichzeitig gab es einen geradezu rasanten Preisanstieg bei Immobilien:

„Die Immoblienenpreise in Spanien stiegen von 1997 bis 2006 um 12 % pro Jahr bzw. von einem Preisniveau von 100 1996 auf 289 Ende 2006, also beinahe eine Verdreifachung binnen 10 Jahren, während die Preise für Wohneigentum in den Ländern des Euro- Währungsgebietes insgesamt im gleichen Zeitraum um lediglich 75 % stiegen. Zum Vergleich: in den USA stiegen die Preise 90 %. Unter den fortschrittlichsten Volkswirtschaften verzeichnen weltweit nur Irland mit etwa 220% und Großbritannien mit etwa 170 % einen stärkeren Anstieg der Wohnimmoblienpreise als Spanien.“

López und Rodríguez sprechen sogar davon, dass von 2003 bis 2006 die Hauspreise um 30 % gestiegen sind.

Zusammenfassung der Kapitel

1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Protestbewegung "15-M" bzw. "Los Indignados" ein und verortet sie in der unmittelbaren Folge der Weltwirtschaftskrise.

2. Soziale Strukturen in Spanien: Dieses Kapitel erläutert den soziokulturellen Wandel Spaniens, insbesondere in Bezug auf Immigration, die veränderte Rolle der Frau und das Verhältnis der Gesellschaft zur Kirche.

3. Die Wirtschaft Spaniens: Die Analyse der wirtschaftlichen Entwicklung beleuchtet den Aufstieg Spaniens zur Wirtschaftsmacht, die Rolle des Bausektors sowie die negativen Folgen der Weltwirtschaftskrise und das rudimentäre Wohlfahrtssystem.

4. Die verlorene Generation: Das Kapitel thematisiert die spezifische prekäre Lage der Jugend, die Probleme im Bildungswesen und die konkreten Anliegen der Protestbewegung.

5. Resümee: Die Zusammenfassung führt die verschiedenen analysierten Strukturprobleme zusammen und ordnet die Proteste als Ausdruck eines tiefgreifenden gesellschaftlichen Unmuts ein.

Schlüsselwörter

Spanien, Jugendproteste, Los Indignados, Wirtschaftskrise, Bauboom, Arbeitsmarkt, befristete Verträge, Wohlfahrtsstaat, soziale Strukturen, Bildungssektor, Jugendarbeitslosigkeit, Demokratie, Strukturprobleme, politische Klasse, prekäre Beschäftigung.

Häufig gestellte Fragen

Worum geht es in dieser Bachelorarbeit grundsätzlich?

Die Arbeit analysiert die strukturellen Ursachen hinter den Jugendprotesten des Jahres 2011 in Spanien, bekannt als Bewegung der "Empörten" oder "Los Indignados".

Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?

Zu den zentralen Themen gehören der Wandel der sozialen Strukturen in Spanien, die Bedeutung des Immobilienbooms für die Wirtschaft, die hohe Jugendarbeitslosigkeit und die Defizite des wohlfahrtsstaatlichen Systems.

Was ist das primäre Ziel der Forschungsarbeit?

Das primäre Ziel ist es, die Proteste nicht nur als kurzfristige Reaktion auf die Finanzkrise zu begreifen, sondern sie in den komplexen gesamtgesellschaftlichen Kontext Spaniens einzubetten.

Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?

Die Arbeit nutzt eine strukturierte Analyse ökonomischer und sozialer Daten (Statistiken), ergänzt durch die Auswertung von Manifesten der Protestbewegung und wissenschaftlicher Literatur.

Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?

Der Hauptteil gliedert sich in eine Untersuchung sozialer Veränderungen, eine tiefgehende Analyse der Wirtschaftsstruktur (mit Fokus auf Bauboom und Arbeitsmarktreformen) sowie eine Betrachtung der Bildungs- und Beschäftigungssituation junger Spanier.

Welche Schlüsselwörter charakterisieren diese Arbeit?

Wesentliche Begriffe sind "¡Democracia real ya!", "verlorene Generation", "Bauboom", "Jugendarbeitslosigkeit" und "Strukturprobleme Spaniens".

Wie erklärt die Autorin den Zusammenhang zwischen Bauboom und Protesten?

Die Autorin verdeutlicht, dass der Bauboom ein wackeliges Fundament für die Wirtschaft bildete, dessen Platzen die Arbeitslosigkeit explodieren ließ und junge Menschen besonders hart traf, da sie oft prekär beschäftigt waren.

Warum spielt die Gewerkschaft laut der Arbeit eine untergeordnete Rolle für die Jugend?

Die Gewerkschaften werden als wenig handlungsfähig beschrieben, die primär die Interessen der gut geschützten Festangestellten vertreten, während sie für die prekär beschäftigte Jugend kaum Rückhalt bieten.

Welche Rolle spielt die Politikverdrossenheit in der Analyse?

Die Arbeit zeigt durch CIS-Umfragedaten, dass ein tiefes Misstrauen gegenüber der politischen Klasse besteht, was die Empörung der Bewegung "Los Indignados" über Korruption und Inkompetenz begründet.

Wie bewertet die Arbeit die Rolle der Bildung?

Das Bildungssystem wird als problematisch identifiziert, da hohe Bildungsabschlüsse in Spanien die Jobchancen der Jugendlichen aufgrund der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen nur unzureichend verbessern.

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Details

Title
Strukturelle Ursachen der Jugendproteste 2011 in Spanien - Zusammenhänge und Hintergründe
College
http://www.uni-jena.de/  (Institut für Soziologie)
Course
Soziologie, Konfliktforschung
Grade
1,7
Author
Henrike Höpker (Author)
Publication Year
2011
Pages
55
Catalog Number
V209725
ISBN (eBook)
9783656378853
ISBN (Book)
9783656378990
Language
German
Tags
Stéphane Hessel Jugendproteste Democracia real ya Plaza del Sol Empört euch Indignados Empörten Wirtschaftskrise Spanien Arbeitsmarkt Gewerkschaften 15-M Sozialer Wandel Protestkultur
Product Safety
GRIN Publishing GmbH
Quote paper
Henrike Höpker (Author), 2011, Strukturelle Ursachen der Jugendproteste 2011 in Spanien - Zusammenhänge und Hintergründe, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/209725
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