Der Maske kommt im Laufe der Menschheitsgeschichte eine fundamentale Aufgabe zu, als Bestandteil früherer Kulturen, gebe sie Aufschluss darüber, wie sich die menschliche Identität auf einer kollektiven Ebene entwickelt habe, so urteilt Ebeling. Wie sich im Laufe meiner Arbeit herausstellen wird, ist die Maske bei Pirandello ein symbolträchtiger Gegenstand, in der sich Pirandellos eigene innere Konflikte, besonders aber Gesellschaftskritik und ein neues Verständnis des Individuums konzentrieren und Aufschluss über ein verändertes Menschenbild und eine neue menschliche Identität geben. Mein Thema ist es, der Bedeutung der Masken in den „Sei personaggi in cerca d´autore“ auf den Grund zu gehen, wobei ich anmerken muss, dass ich wegen des beschränkten Umfangs der Arbeit nicht auf alle Bedeutungen eingehen kann, die es noch gäbe. Meine Arbeit ist wie folgt strukturiert: Einleitend werde ich die Maske definieren und grob auf ihre Verwendung im Laufe der Zeit eingehen, wobei ich im dritten Kapitel einige Phasen genauer beschreiben möchte, da viele alte Gebräuche in den Masken Pirandellos weiterleben. Anschließend werde ich mich kurz mit dem „Umorismo“ (1908) und den zentralen Thesen Pirandellos über das Individuum und seiner Kontroverse zur gesellschaftlichen Lebenswelt befassen. Nur aufgrund dieser Basis lässt sich der volle Sinn der Masken erschließen. Schließlich folgt der Schwerpunkt der Arbeit, die Analyse der Masken, ihre Bedeutung und Funktion für die „commedia da fare“, der ich eine kurze Schilderung der Masken, wie sie Pirandello in den Regieanweisungen aufführt, voranstellen möchte. In einem gesondertes Teilkapitel habe ich mich mit dem den Ich-Konflikt und die Gesellschaftskritik auseinandergesetzt, da diese die zentralen Thesen von Pirandellos Werk konstituieren.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Definition „Maske“
3. Zur historischen Funktion und Bedeutung der Maske
3.1 Masken der Naturvölker
3.2 Die Masken in der antike Tragödie
4. Menschenbild und Gesellschaftskritik in Pirandellos „L´umorismo“
5. Die Maske in „Sei personaggi in cerca d´autore“
5.1 Die Beschreibung der Maske
5.2 Die Maske als Distinktionsmarker
5.2.1 Differenzierung zwischen Fiktion und Realität
5.2.2 Differenzierung zwischen Form und Leben
5.3 Die Maske als Indikator eines Ich-Konflikts
6. Fazit
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die Arbeit untersucht die symbolische und funktionale Bedeutung der Maske im Werk „Sei personaggi in cerca d´autore“ von Luigi Pirandello. Dabei wird analysiert, wie Pirandello die Maske als Instrument einsetzt, um die Zerrissenheit des Individuums, die Diskrepanz zwischen Schein und Sein sowie die gesellschaftlichen Konventionen, die den Menschen in starre Rollen zwängen, kritisch zu beleuchten.
- Historische Entwicklung und soziokulturelle Funktion der Maske.
- Theoretische Grundlagen des „Umorismo“ bei Pirandello.
- Die Maske als Mittel zur Unterscheidung zwischen Fiktion und Realität.
- Das Konzept von „Forma“ und „Vita“ als anthropologischer Konflikt.
- Die Maske als Ausdruck des Ich-Konflikts innerhalb der Gesellschaft.
Auszug aus dem Buch
3.1 Masken der Naturvölker
Wie von Wilpert kurz angeschnitten hatte, gehört die Maske zu den „frühesten Kulturäußerungen der Menschheit“ und findet ihren Ursprung in den Riten der primitiven Völker.
Die Erscheinungsformen der „Naturvölkermaske“ sind vielfältig und unterscheiden sich je nach Stamm. Die Maske bringt sich in etwa als Gebilde von der Art einer einfachen Schmuckplakette bis hin zu einem drei Meter Umfang zum Ausdruck oder kann als Ganzkörpermaskierung in Form einer Verkleidung oder einer Körperbemalung eine Höhe von zehn Metern erreichen.
Wie alle Kunst, so entspringe auch die Maske dem Magischen und Religiösen. Sie wurde im Ambiente der Naturvölker nicht als ästhetisches Objekt mit Kunstcharakter entworfen, sondern diente als rituelles, religiöses Instrument. Innovation oder der Ausdruck von Individualität hätten für den Schaffer der Masken keinerlei Bedeutung gehabt. Die Formgebung sei einer langen und rigiden Tradition unterworfen, der Künstler schließe in der Maske die in seiner jeweiligen Gesellschaft gültige Version der Wirklichkeit ein, er schaffe wiederkehrende Symbole. Es herrscht die Überzeugung, die Maske verfüge über magische Kräfte, diese wiederum seien aber nur in Kombination von Tanz und Musik zu entfesseln, die Maske erwache also erst durch den Tanz zum Leben. In dem Moment, in dem der primitive Mensch dieses Ritual vollzieht, gibt er seine Identität auf, um die seiner Rolle, seiner Maske anzunehmen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in das Thema ein und stellt die Relevanz der Maske als Symbol für die Identitätssuche und Gesellschaftskritik bei Pirandello dar.
2. Definition „Maske“: Dieses Kapitel definiert den Begriff „Maske“ sowohl allgemein als auch in seiner spezifischen Bedeutung für das Theater und die historische Entwicklung.
3. Zur historischen Funktion und Bedeutung der Maske: Es wird die Entwicklung der Maske von rituellen Ursprüngen bei Naturvölkern bis hin zum antiken griechischen Theater analysiert.
4. Menschenbild und Gesellschaftskritik in Pirandellos „L´umorismo“: Hier werden die philosophischen Grundlagen Pirandellos erläutert, insbesondere das Verhältnis von Humor, Wirklichkeit und Identität.
5. Die Maske in „Sei personaggi in cerca d´autore“: Das Hauptkapitel analysiert die spezifische Verwendung der Masken in dem genannten Drama als Distinktionsmerkmal und Ausdruck psychologischer Konflikte.
6. Fazit: Das Fazit fasst die zentralen Erkenntnisse über die Maske als Symbol der sozialen Identität und als Mittel der Gesellschaftskritik zusammen.
Schlüsselwörter
Maske, Pirandello, Identität, Gesellschaftskritik, Umorismo, Fiktion, Realität, Forma, Vita, Sei personaggi in cerca d´autore, Ich-Konflikt, Theater, Rollenspiel, Soziale Lüge, Anthropologie.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Bedeutung und Funktion von Masken in Luigi Pirandellos Drama „Sei personaggi in cerca d´autore“ unter Einbeziehung philosophischer und historischer Kontexte.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind das Menschenbild bei Pirandello, die Abgrenzung zwischen Fiktion und Realität, der Konflikt zwischen Individuum und Gesellschaft sowie die psychologische Zerrissenheit des Menschen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, aufzuzeigen, wie Pirandello die Maske nutzt, um seine Gesellschaftskritik und sein Konzept der menschlichen Identitätsspaltung künstlerisch darzustellen.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer literaturgestützten Analyse, die literarische Quellen mit philosophischen Theorien über das Individuum und die Gesellschaft verknüpft.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Maske als Distinktionsmerkmal, die Differenzierung von „Forma“ (Form) und „Vita“ (Leben) sowie die Rolle der Maske als Ausdruck des Ich-Konflikts.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind insbesondere Maske, Identität, Gesellschaftskritik, Umorismo, Fiktion und die Begriffe „Forma“ und „Vita“.
Warum unterscheidet Pirandello zwischen „persona“ und „personaggio“?
Die „persona“ beschreibt das idealisierte, einheitliche Individuum, während der „personaggio“ bei Pirandello den zerrissenen, in soziale Rollen gezwungenen Menschen darstellt.
Welche Rolle spielt die Mutterfigur in der Analyse?
Die Mutter wird als eine Art „Naturwesen“ dargestellt, das sich seiner Existenz als Figur nicht bewusst ist und somit einen Gegenpol zur bewussten Spaltung der anderen Figuren bildet.
- Quote paper
- H. Milas (Author), 2012, Die Bedeutung der Masken in Pirandellos "Sei Personaggi in cerca d'autore", Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/209709