Als Christoph Columbus auf der Suche nach einer West-Passage nach Indien 1492 auf die „Neue Welt“ traf, konnte niemand erahnen, von welch historischer Bedeutung die Entdeckung Amerikas und das Überschreiten der europäischen Frontier war. Denn bisher galt der Atlantik als äußerste westliche Grenzlinie Europas. Dass auf dem gegenüberliegenden Ufer des Ozeans eine völlig unzivilisierte und fast unberührte neue Welt lag, überzeugte schließlich viele Europäer dem von Normen und Zwängen behafteten Europa den Rücken zu kehren und ein neues Leben zu beginnen. Stephan Strain schreibt in seinem Artikel “The American Image”: “If America once was a myth, a product of the European imagination, today’s America is becoming less and less European.” Die Abgrenzung des neuen Kontinents von dem alten Europa zeigt sich besonders in der Einstellung der europäischen Immigranten, die ihren Freiheitsdrang und ihre politischen Ideologien endlich ausleben konnten und sich somit von ihrer alten Heimat distanzierten. Fakt ist, dass die Entdeckung der westlichen Welt eine neue Nation hervorbrachte, die sich heute jedoch in kultureller und vor allem in demographischer Hinsicht klar vom heutigen Europa absetzt.
Hauptaugenmerk ist in meiner Hausarbeit auf die amerikanische Frontier gerichtet, deren Entwicklung in der Vergangenheit und Bedeutung in der heutigen Zeit analysiert wird.
Anschließend wird aufgezeigt, inwieweit die Frontier-Erfahrung auf die Literatur und im Speziellen auf Herman Melvilles „Moby Dick“ übertragen werden kann.
Inhaltsverzeichnis
1. Alte vs. Neue Welt
2. Die amerikanische Frontier
2.1 Begriffsklärung
2.2 Die Geschichte der Frontier
2.3 Der Mythos der Frontier
2.4 Turners Frontier-Thesen
3. Die Verkörperung der Frontier in der Literatur
3.1 Der Ozean als Erweiterung des Frontier-Begriffes
3.2 Die Frontier-Erfahrung in Herman Melvilles „Moby Dick“
4. Die Frontier als kulturelles Phänomen
5. Bibliographie
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit analysiert die historische Entwicklung der amerikanischen Frontier, ihre Mythenbildung sowie ihren prägenden Einfluss auf die amerikanische Identität und Literatur, mit einem spezifischen Fokus auf die symbolische Übertragung dieses Konzepts in Herman Melvilles Roman „Moby Dick“.
- Historische Erschließung und Besiedlung des amerikanischen Westens
- Die theoretische Fundierung durch Frederick Jackson Turners Frontier-Thesen
- Die Mythologisierung der Frontier im Kontext des „American Dream“
- Literarische Manifestation der Frontier-Erfahrung bei Melville
Auszug aus dem Buch
3.1 Der Ozean als Erweiterung des Frontier-Begriffes
Melville weitet den Frontier-Begriff auf die Weltmeere aus. Während die europäischen Kolonisten auf unerforschtes Land stießen und die Frontier das Grenzgebiet zur Wildnis darstellte, setzt Melville den Ozean in den Mittelpunkt seines Romans: “Thus this mysterious, divine Pacific zones the world’s whole bulk about; makes all coasts one bay to it; seems the tide-beating heart of earth.“ Genauso wie die Europäer mit ihrem Pioniergeist auf die unbekannte weite Welt jenseits des Atlantiks treffen, sucht Moby Dicks Protagonist Ishmael das Abenteuer auf See. Ishmael geht an Bord eines Schiffes, um der Zivilisation zu entfliehen.
Man könnte daher den Ozean als eine Art Frontier verstehen, die er zu durchbrechen versucht, um auf dem Schiff das Handwerk des Walfangs zu erlernen und seinem Leben einen völlig neuen Sinn zu geben. Das Schiff stellt einen Fremdkörper auf dem Ozean dar, und versucht mit seinen technischen Möglichkeiten, den Naturgewalten des Meeres zu trotzen. Sowohl der weite Westen als auch der Ozean bergen Gefahren, die ganz plötzlich und unverhofft auftreten können. Da wären zum einen die Indianer, die oftmals ihr Territorium nicht kampflos aufgaben und sich mit den Kolonisten blutige Kriege lieferten. Andererseits lauern im Ozean unbekannte Gefahren; beispielsweise starke Strömungen, Unwetter oder wilde Tiere, wie in Moby Dick Haie oder der weiße Wal, der vom rachsüchtigen Kapitän Ahab verfolgt wird und schließlich die Katastrophe heraufbeschwört.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Alte vs. Neue Welt: Dieses Kapitel erläutert die historische Bedeutung der Entdeckung Amerikas als Abgrenzung von Europa und skizziert das Forschungsziel, die Frontier-Erfahrung auf die Literatur zu übertragen.
2. Die amerikanische Frontier: Es werden die Besiedlungsgeschichte, die Begriffsdefinitionen, die Rolle des Pioniergeistes sowie die mythologische Verankerung und die Thesen von Frederick Jackson Turner detailliert dargelegt.
3. Die Verkörperung der Frontier in der Literatur: Hier wird der Einfluss der Frontier auf die amerikanische Identitätsbildung und die literarische Verarbeitung, insbesondere in Melvilles „Moby Dick“, untersucht.
4. Die Frontier als kulturelles Phänomen: Das Kapitel reflektiert, wie die Frontier als Mythos das heutige Amerika und dessen kulturelles sowie künstlerisches Schaffen nachhaltig geprägt hat.
5. Bibliographie: Auflistung der verwendeten Primär- und Sekundärliteratur sowie der Internetquellen.
Schlüsselwörter
Frontier, Amerika, Besiedlung, Mythos, Frederick Jackson Turner, Literatur, Herman Melville, Moby Dick, Identität, Pioniergeist, Manifest Destiny, Zivilisation, Wildnis, Westen, Indianer
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die historische Bedeutung der amerikanischen Frontier und deren Einfluss auf die kulturelle Identität sowie die Literatur der USA.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Felder umfassen die Geschichte der US-Westwärtsbewegung, die Mythenbildung um den amerikanischen Traum sowie die literarische Analyse von Herman Melvilles „Moby Dick“ im Frontier-Kontext.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es aufzuzeigen, wie die historische Frontier-Erfahrung als kulturelles Phänomen in Melvilles Roman übertragen und interpretiert werden kann.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine historisch-literaturwissenschaftliche Analyse, gestützt auf die Frontier-Thesen von Frederick Jackson Turner und literaturkritische Ansätze.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden zunächst die historischen und theoretischen Grundlagen der Frontier erarbeitet, gefolgt von der Analyse, wie der Ozean als metaphorische Frontier im Roman „Moby Dick“ fungiert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Schlüsselwörter sind unter anderem Frontier, amerikanische Identität, Pioniergeist, Mythenbildung, Literatur und kulturelles Phänomen.
Wie wird der Ozean in Bezug auf die Frontier-Thematik interpretiert?
Der Ozean wird als „frontier-ähnlicher“ Raum verstanden, in dem die Besatzung der Pequod ähnlich den Siedlern im Westen auf unberührte Natur und existenzielle Gefahren trifft.
Warum spielt die Farbe „Weiß“ in Bezug auf den Wal eine zentrale Rolle?
Die weiße Farbe isoliert den Wal als Außenseiter, was Ahabs Rachegelüste befeuert und eine Parallele zur Ausgrenzung und Verdrängung der indianischen Urbevölkerung zieht.
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- Alexander Kraus (Autor:in), 2005, Die amerikanische Frontier und die Übertragung auf Herman Melvilles "Moby Dick", München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/209514