Shaftesbury war der wohl berüchtigtste Politiker der Exclusion Crisis 1679–81. Die Exclusion Crisis entzündete sich während der Regierungszeit Charles II. (1660-85) an der Frage der Thronfolge des kinderlosen Königs. Die Thronfolge durch den zum Katholizismus konvertierten Bruder des Königs, James, wurde in den Jahren 1679–81 mehrfach zu verhindern versucht. So mobilisierte der Earl of Shaftesbury in dieser Zeit die Öffentlichkeit und das Parlament, um den Ausschluss des Duke of York von der Thronfolge zu erreichen. Mit seinen Kampagnen, die durchaus als populistisch bezeichnet werden dürfen, wurde Lord Shaftesbury zu einem der prominentesten Politiker der Regierungszeit Charles II..
Lord Shaftesbury schreckte nicht davor, alle ihm zur Verfügung stehenden Mittel einzusetzen, um seine politischen Ziele zu erreichen. Er organisierte Massenpetitionen, hielt kämpferische Reden, deckte nicht existierende Verschwörungen auf und nutzte im Volk verbreitete Vorurteile und Ängste schamlos aus. So schaffte er es, in einem bis dahin unerreichten Maße oppositionelle Gruppierungen im Parlament zu einem gemeinsamen Vorgehen zu bewegen. Sein Vorgehen war und bleibt umstritten; aber ist es möglich, in Lord Shaftesbury den ersten modernen Parteipolitiker zu sehen?
Welche Ziele verfolgten Shaftesbury und seine Anhänger? Von wem wurde er überhaupt unterstützt und waren sie eine Partei nach heutigem Verständnis? Mit Hilfe dieser Fragen soll geklärt werden, ob Shaftesbury zurecht als erster moderner Parteipolitiker bezeichnet werden kann.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Biographie des 1st Earl of Shaftesbury
3. Shaftesburys politische Ziele
4. Gesellschaftspolitische Ordnungsvorstellungen Shaftesburys
5. Mittel und Methoden zur Durchsetzung der Ziele
6. Anhänger und Unterstützer Shaftesburys
7. Lord Shaftesbury – erster moderner Parteipolitiker? Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die politische Rolle von Lord Shaftesbury während der Exclusion Crisis (1679–81) und prüft kritisch, ob er als erster moderner Parteipolitiker bezeichnet werden kann. Dabei steht die Analyse seiner politischen Strategien, seiner Zielsetzungen sowie der Struktur seiner Anhängerschaft im Fokus, um die historische Einordnung seines Wirkens vorzunehmen.
- Politische Strategien und Kampagnenführung während der Exclusion Crisis
- Analyse der politischen Zielsetzungen Shaftesburys
- Untersuchung der gesellschaftspolitischen Ordnungsvorstellungen des Earls
- Charakterisierung der Anhängerschaft und der strukturellen Organisation
- Kritische Reflexion des Begriffs "moderner Parteipolitiker" im 17. Jahrhundert
Auszug aus dem Buch
5. Mittel und Methoden zur Durchsetzung der Ziele
At the beginning of 1679 Shaftesbury had built up a greater influence in Parliament than any other opposition leader. But outside Parliament he stood out even more as the great hero of the opposition to the Court.
Shaftesbury versuchte Druck auf den König auszuüben, eine Exclusion Bill zügig zu verabschieden. Er bat daher Charles II. in einer ersten Petition im Dezember 1679 um persönliche Anwesenheit bei der ersten Parlamentssitzung im Januar 1680. Die vom Parlament beschlossene Exclusion hätte dann direkt von König ratifiziert werden können. Als der König die Bitte ablehnte, entstand eine gründlich organisierte Unterschriftenaktion in London. In Gasthäusern wurden Tische, Tinte und Federkiele bereitgestellt. Charles II. verbot daraufhin die Petitionen, stellte das Unterzeichnen unter Strafe und vertagte die Einberufung des Parlaments. Das Verbot wurde ignoriert und die Petitionen wuchsen auf Zehntausende von Stimmen. Am 13. Januar 1680 wurde dem König eine Liste mit 50 – 60 000 Unterschriften übergeben, die eine Länge von 300 Fuß hatte. Am 21. Januar folgte eine weitere mit nochmals 30 000 Unterschriften. Mit ihnen wurde die Einberufung des Parlaments gefordert – allerdings erfolglos. 1681 organisierte Lord Shaftesbury erneut Petitionen, diesmal gegen die Verlegung des Parlaments nach Oxford.
Shaftesbury versuchte so durch die Öffentlichkeit Druck auf den König auszuüben. Die Politisierung der Öffentlichkeit war das Ziel Shaftesburys, das hinter all seinen Schritten zur Durchsetzung des Ausschlusses James stand. Shaftesbury arbeitete also gezielt mit der öffentlichen Meinung des politisierten Bevölkerungsteiles, er nutzte sie, steuerte sie, mit anderen Worten sie manipulierte, so dass sie seinen Zwecken am besten dienten.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung führt in die historische Phase der Exclusion Crisis ein und wirft die Forschungsfrage auf, ob Lord Shaftesbury als erster moderner Parteipolitiker betrachtet werden kann.
2. Biographie des 1st Earl of Shaftesbury: Dieses Kapitel skizziert den Lebensweg von Sir Anthony Ashley Cooper bis hin zu seinem Aufstieg zum Earl of Shaftesbury und seinem Übergang in die Opposition.
3. Shaftesburys politische Ziele: Hier werden die Kernforderungen von Shaftesbury, insbesondere jährliche Parlamente und der Ausschluss des Duke of York von der Thronfolge, detailliert beleuchtet.
4. Gesellschaftspolitische Ordnungsvorstellungen Shaftesburys: Dieses Kapitel analysiert, dass Shaftesburys Forderungen nicht auf eine demokratische Parlamentsstärkung abzielten, sondern primär der Sicherung aristokratischer Interessen dienten.
5. Mittel und Methoden zur Durchsetzung der Ziele: Untersuchung der propagandistischen und manipulativen Methoden Shaftesburys, wie Petitionen und die gezielte Nutzung der öffentlichen Meinung.
6. Anhänger und Unterstützer Shaftesburys: Darstellung der heterogenen Gruppen wie der Country Party und der Dissenters, die Shaftesbury aus unterschiedlichen Motiven unterstützten.
7. Lord Shaftesbury – erster moderner Parteipolitiker? Fazit: Das Fazit kommt zu dem Schluss, dass Shaftesbury zwar eine effektive Pressure Group organisierte, aufgrund mangelnder programmatischer Einigkeit seiner Anhänger jedoch nicht als Parteipolitiker moderner Prägung gelten kann.
Schlüsselwörter
Lord Shaftesbury, Exclusion Crisis, Charles II., Duke of York, Parlament, England, Geschichte, Politische Strategien, Petitionen, Country Party, Dissenters, Absolutismus, 17. Jahrhundert, Politische Opposition, Parteipolitik
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das politische Wirken von Lord Shaftesbury während der Exclusion Crisis in England Ende des 17. Jahrhunderts.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Im Zentrum stehen die politischen Ziele Shaftesburys, seine manipulativen Strategien zur Mobilisierung der Öffentlichkeit und die Heterogenität seiner Anhängerschaft.
Was ist die primäre Forschungsfrage des Autors?
Die zentrale Frage ist, ob Lord Shaftesbury aufgrund seiner Mobilisierungstechniken und seines parlamentarischen Wirkens zurecht als "erster moderner Parteipolitiker" bezeichnet werden kann.
Welche wissenschaftliche Methode verwendet die Arbeit?
Es handelt sich um eine historische Analyse, die auf der Auswertung zeitgenössischer Quellen (Reden, Exclusion Bill) und einer umfassenden Aufarbeitung relevanter Fachliteratur basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine biografische Einordnung, die Analyse von Shaftesburys Zielen und Ordnungsvorstellungen sowie eine kritische Betrachtung der von ihm genutzten Methoden und seiner Unterstützergruppen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren diese Arbeit?
Die zentralen Begriffe sind Exclusion Crisis, politische Propaganda, parlamentarische Opposition und die gesellschaftliche Rolle der Aristokratie im England des 17. Jahrhunderts.
Warum konnte Shaftesbury trotz seiner Methoden keine moderne Partei formen?
Laut Fazit fehlte es an einer gemeinsamen inhaltlichen Basis; die Unterstützer waren eine lose Gruppierung mit unterschiedlichen, teils widersprüchlichen Motiven.
Welche Rolle spielte die religiöse Komponente für Shaftesbury?
Shaftesbury nutzte die im Volk latente Angst vor dem Katholizismus und einem möglichen absolutistischen Königtum, um seine politischen Kampagnen gegen den Duke of York voranzutreiben.
- Arbeit zitieren
- Dr. phil. M.A. Stephanie Günther (Autor:in), 2004, Lord Shaftesbury als erster moderner Parteipolitiker, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/209251