Die Befragung ist eine der wichtigsten Methoden der Sozialwissenschaften und wird in vielfältiger Weise angewendet.
Im Rahmen eines Seminars über „quantitative Methoden im Bildungsbereich“ wurde zur Unterstützung eines Referats eine Befragung in einer Fußgängerzone durchgeführt, um ein momentanes Meinungsbild über die SHELL-Jugendstudie zu erfassen.
Im Zuge dieser Befragung sind Auffälligkeiten in den Vordergrund getreten, die diese Art der Befragung positiv oder negativ beeinflussten, ihre Durchführung behinderten oder begünstigten und daher großes Interesse auslösten. Die gewonnenen Erkenntnisse sollen in dieser Arbeit vorgestellt und in Verbindung mit der Fachliteratur dazu gebraucht werden, die Methode der Straßenbefragung hinsichtlich ihres Nutzens für die Sozialwissenschaften zu bewerten.
In der Literatur geht die Straßenbefragung meist unter und wird nur am Rand der Ausführungen mit betrachtet. Diesem Umstand versucht diese Arbeit entgegenzuwirken, um eine ausführliche Betrachtung der Methode zu liefern, anhand derer es möglich ist, über einen Einsatz der Straßenbefragung zu entscheiden bzw. sich dabei ihrer Schwächen bewusst zu sein.
Dabei beleuchtet das zweite Kapitel die Methode an sich und stellt vor allem die selbstgewonnenen Erkenntnisse dar, worauf die darauf folgende Betrachtung der Grenzen und Probleme der Befragung im Allgemeinen zurückgreift und diese speziell für die Straßenbefragung analysiert. Im vierten Kapitel werden schließlich Vor- und Nachteile der Methode genauer untersucht und schließlich auf eine Betrachtung von Anwendungsmöglichkeiten übertragen. Dabei werden innerhalb des Methodenkapitels grafische Darstellungen die aus dem jeweiligen Kapitel extrahierten Erkenntnisse übersichtlich darstellen und dieses Werk auf diese Weise für die praktische und schnelle Anwendung der Methode qualifizieren. Im letzten Kapitel werden die gewonnenen Ergebnisse schließlich noch einmal kanalisiert und gegenübergestellt, um zu einem abschließenden Urteil zu gelangen.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Die Methode
3. Die Grenzen und Probleme
4. Der Gewinn und Verlust durch das Passanteninterview
4.1. Die Vorteile
4.2. Die Nachteile
5. Die Anwendbarkeit
6. Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen der Arbeit
Die vorliegende Arbeit untersucht das Passanteninterview als sozialwissenschaftliche Methode, bewertet deren Nutzen in der Praxis kritisch und reflektiert die im Rahmen eines Seminars gewonnenen Erkenntnisse sowie die Herausforderungen hinsichtlich Gütekriterien und Validität.
- Grundlagen und Definition des Passanteninterviews
- Herausforderungen durch soziale Erwünschtheit und Interviewereffekte
- Kritische Analyse von Vor- und Nachteilen der Methode
- Bewertung der Anwendbarkeit in der Sozialforschung
- Pädagogischer Nutzen als Einstieg in die Methodenlehre
Auszug aus dem Buch
3. Die Grenzen und Probleme
Alle Forschungsmethoden der Sozialforschung finden in gewissen Problemen ihre Grenzen. Je mehr Einflussfaktoren vorhanden sind, desto angreifbarer wird die Gültigkeit der Ergebnisse.
Befragungen laufen immer in sozialen Situationen ab. Dabei muss der Interviewer nicht nur die Fragen an die Zielperson weitergeben, sondern auch alle Informationen, die er erhält, filtern, einschätzen und bewerten (vgl. Downs/Smeyak/Martin 1980: 17). Es ist eine Mixtur aus Überzeugen, Erzählen, Zuhören, Informationen festhalten (vgl. Hodgson 1987: 69). Doch allein die Anwesenheit des Interviewers und die Situation selbst können maßgeblich den Ausgang des Interviews bzw. das Antwortverhalten des Befragten beeinflussen (vgl. Laatz 1993: 155 & Downs/Smeyak/Martin 1980: 7f.). Dass der Befragte anders reagiert als gewöhnlich, wenn der Forscher oder ein Interviewer anwesend ist, wird als Reaktivität des Forschungsprozesses bezeichnet und umfasst auch die sogenannten Interviewereffekte. Es ist ein Alltagsphänomen, dass beinahe immer auftritt, wenn Menschen beobachtet werden (vgl. Scholl 2003: 197). Pretests, garantierte Anonymität (vgl. Sheatsley 1974: 126) und die Nutzung von Fragebögen, können diese Effekte minimieren, indem genau festgestellt wird, wie sie auf die befragte Person wirken.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung verortet das Passanteninterview im Kontext der quantitativen Methoden und begründet die Notwendigkeit einer kritischen Auseinandersetzung mit der Methode anhand der vorliegenden Fachliteratur.
2. Die Methode: Dieses Kapitel definiert das Passanteninterview als persönlich-mündliche Befragung und erläutert die notwendigen Voraussetzungen, wie die Wahl des richtigen Ortes und die kurze Gestaltung der Interviewsituation.
3. Die Grenzen und Probleme: Hier werden zentrale Herausforderungen wie soziale Erwünschtheit, Validitätsprobleme und der Einfluss der Interviewsituation auf die Antwortqualität detailliert analysiert.
4. Der Gewinn und Verlust durch das Passanteninterview: Das Kapitel wägt die methodischen Vor- und Nachteile ab, insbesondere im Hinblick auf Kosten, Antwortquoten und die mangelnde Repräsentativität.
5. Die Anwendbarkeit: Dieses Kapitel erörtert, warum das Passanteninterview trotz seiner methodischen Schwächen häufig eingesetzt wird, und hebt den pädagogischen Wert für die Ausbildung von Schülern hervor.
6. Zusammenfassung: Die Zusammenfassung resümiert, dass das Passanteninterview trotz erheblicher methodischer Schwächen eine Berechtigung hat, sofern es zielgerichtet eingesetzt und kritisch reflektiert wird.
Schlüsselwörter
Passanteninterview, Sozialforschung, empirische Methoden, soziale Erwünschtheit, Interviewereffekt, Validität, Reliabilität, Objektivität, Repräsentativität, Methodenlehre, Interview, Forschungsdesign, Befragungstechnik, qualitative Beobachtung, quantitative Methoden.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Methode des Passanteninterviews, analysiert deren Stärken und Schwächen und reflektiert den praktischen Nutzen im Vergleich zu anderen sozialwissenschaftlichen Methoden.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Zentrale Themen sind die methodischen Herausforderungen wie soziale Erwünschtheit, die Durchführung von Interviews in flüchtigen Situationen sowie die pädagogische Anwendbarkeit der Methode.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage der Arbeit?
Das Ziel ist es, den Nutzen des Passanteninterviews für die Sozialforschung zu bewerten und ein tieferes Verständnis für die methodischen Fallstricke dieses speziellen Interviewtyps zu vermitteln.
Welche wissenschaftliche Methode wird primär verwendet?
Die Arbeit stützt sich auf eine Literaturanalyse empirischer Forschungsmethoden und reflektiert dabei zusätzlich praktische Erfahrungen aus der Durchführung von Straßenbefragungen.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil behandelt die theoretischen Voraussetzungen des Interviews, analysiert auftretende Probleme (wie soziale Erwünschtheit) und stellt eine Abwägung von Vor- und Nachteilen gegenüber.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit ist durch Begriffe wie Passanteninterview, soziale Erwünschtheit, Interviewereffekt, Validität, Repräsentativität und Methodenlehre charakterisiert.
Warum ist das Passanteninterview laut dem Autor für wissenschaftliche Zwecke oft ungeeignet?
Der Autor führt an, dass das Passanteninterview aufgrund der fehlenden Repräsentativität, der hohen Fehleranfälligkeit durch externe Faktoren und der schwierigen Objektivität methodisch oft hinter anderen Erhebungsformen zurückbleibt.
Inwiefern spielt das Aussehen des Interviewers eine Rolle?
Das Aussehen und die Kleidung des Interviewers sind entscheidend, da sie beim Passanten Erwartungen wecken (z.B. Assoziationen zu Promotern) und somit maßgeblich über die Bereitschaft zur Teilnahme entscheiden.
Warum ist das Passanteninterview dennoch pädagogisch wertvoll?
Es dient als idealer Einstieg in die Methodenlehre, da Schüler durch eigene, niedrigschwellige Erfahrungen die Stärken und Schwächen wissenschaftlicher Datenerhebung greifbar verinnerlichen können.
- Quote paper
- Jan Seichter (Author), 2012, Das Passanteninterview zur SHELL-Jugendstudie, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/209068