„Mit 'Stilwechsel' (oder Stilverschiebung) soll im folgenden der Wechsel von
einem Sprechstil zu einem anderen im Kontext desselben Sprech- oder
Kommunikationsereignisses bzw. derselben Kommunikationssituation, ggf.
gegenüber ein- und demselben Kommunikationspartner, bezeichnet werden.“
Es wird von vielen Sprachwissenschaftlern von einem erheblichen Unterschied
zwischen der Syntax der geschriebenen und der gesprochenen Sprache
ausgegangen. In der vorliegenden Arbeit geht es um die gesprochene Sprache,
denn Sprechstilwechsel ist – wie der Name schon sagt – nur in dieser möglich.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Code-Shifting
2.1 Die grammatische Rekonstruktion des Code-Shifting
2.2 Die konversationsanalytische Rekonstruktion
3. Code-Switching und Code-Fluktuation
4. Zusammenfassung und Fazit
Zielsetzung und Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Phänomen des Sprechstilwechsels in der gesprochenen Sprache, mit einem besonderen Fokus auf das sogenannte Code-Shifting. Ziel ist es, auf Basis der Konversationsanalyse zu erläutern, wie Sprecher zwischen verschiedenen Varietäten – etwa Dialekt und Standardsprache – wechseln und welche interaktive Bedeutung diese Prozesse für die soziale Interaktion und die Kontextgestaltung haben.
- Grundlagen des Sprechstilwechsels
- Methodische Ansätze zur Rekonstruktion von Code-Shifting
- Abgrenzung von Code-Switching und Code-Fluktuation
- Interaktive Bedeutung von Dialektalisierung und Standardisierung
Auszug aus dem Buch
2. Code-Shifting
Diese Form ist die am häufigsten vorkommende und damit auch die am meisten untersuchte Form des Sprechstilwechsels. Deshalb ist das Code-Shifting bei diesem Thema von besonderer Bedeutung und wird hier eingehend behandelt.
Code-Shifting bezeichnet einen allmählichen Übergang von einem Sprechstil zu einem anderen. Dieser Wechsel von einer Varietät in die andere erfolgt meist völlig automatisiert. Laut Peter Auer findet Code-Shifting dann statt, wenn das Ausgesagte als bedeutungsvoll oder bedeutungserweiternd interpretiert werden kann.
Die Analyse muss eine Rekonstruktion der grammatischen Prozesse sein, die den Eindruck einer zunehmenden Dialektalisierung bzw. Standardisierung erwecken. Zum anderen muss sie eine Rekonstruktion der interaktiven Prozesse sein, die den Kontext für die Verständlichkeit von Code-Shifting liefern. Also 1. der grammatische Rahmen, innerhalb dessen das Code-Shifting stattfindet, und 2. der interaktive Prozess, der den Grund des Code-Shiftings deutlich macht.
Beim Code-Shifting wird über eine Reihe von aufeinander folgenden sprachlichen Einheiten eine Verlagerung in eine bestimmte Richtung entschieden, entweder zur Standardisierung oder zur Dialektalisierung.
Wenn ein sprachlicher Prozess weitere Prozesse bedingt, spricht man von einer Kookkurrenzrestriktion. Diese sind bei der Bewertung von Sprechstilwechseln als Indikatoren von besonderer Bedeutung.
Das Code-Shifting soll anhand des Beispiels in Anhang 1 verdeutlicht werden.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in das Thema des Sprechstilwechsels ein und erläutert die Relevanz der gesprochenen Sprache sowie die theoretische Grundlage durch Peter Auer.
2. Code-Shifting: Das Kapitel definiert Code-Shifting als allmählichen Übergang zwischen Varietäten und erörtert die notwendigen Rekonstruktionsmethoden.
2.1 Die grammatische Rekonstruktion des Code-Shifting: Hier wird beschrieben, wie sprachliche Einzelprozesse hinsichtlich ihrer Dialektspezifität kategorisiert und gewichtet werden.
2.2 Die konversationsanalytische Rekonstruktion: Dieses Kapitel widmet sich der sequentiellen Analyse, um die interaktive Bedeutung und lokale Verankerung von Shifting-Phänomenen zu verstehen.
3. Code-Switching und Code-Fluktuation: Dieses Kapitel grenzt Code-Shifting von anderen Sprechstilwechseln wie dem plötzlichen Code-Switching und der ungerichteten Code-Fluktuation ab.
4. Zusammenfassung und Fazit: Das Fazit fasst die Bedeutung von Sprechstilwechseln für die soziale Interaktion zusammen und unterstreicht die Notwendigkeit rekonstruktiver Ansätze in der Soziolinguistik.
Schlüsselwörter
Sprechstilwechsel, Code-Shifting, Code-Switching, Code-Fluktuation, Konversationsanalyse, gesprochene Sprache, Dialekt, Standardsprache, Varietät, Kookkurrenzrestriktion, interaktive Bedeutung, Dialektalisierung, Standardisierung, Soziolinguistik, Kommunikation.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit den verschiedenen Formen des Sprechstilwechsels innerhalb der gesprochenen deutschen Sprache und deren Bedeutung für die Kommunikation.
Was sind die zentralen Themenfelder der Untersuchung?
Die zentralen Themen sind die Phänomene Code-Shifting, Code-Switching und Code-Fluktuation sowie deren Analyse aus grammatischer und konversationsanalytischer Perspektive.
Was ist das primäre Ziel oder die Forschungsfrage der Arbeit?
Ziel ist es, die interaktive Bedeutung von Sprechstilwechseln zu beleuchten und Methoden vorzustellen, mit denen solche Wechsel in Gesprächen wissenschaftlich rekonstruiert und gedeutet werden können.
Welche wissenschaftliche Methode wird primär verwendet?
Die Arbeit stützt sich primär auf die Konversationsanalyse und rekonstruktive Ansätze zur Auswertung von Gesprächstranskripten.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden zunächst das Code-Shifting und seine Rekonstruktionsmethoden detailliert analysiert, gefolgt von einer Abgrenzung zu Code-Switching und Code-Fluktuation.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit wird maßgeblich durch Begriffe wie Code-Shifting, Konversationsanalyse, Dialekt-Standard-Kontinuum und Kookkurrenzrestriktion charakterisiert.
Was unterscheidet Code-Shifting von Code-Switching?
Code-Shifting beschreibt einen allmählichen, oft automatisierten Übergang zwischen Sprechstilen, während Code-Switching einen plötzlichen Wechsel markiert.
Warum ist die „Kookkurrenzrestriktion“ für die Analyse wichtig?
Sie dient als Indikator für die Bewertung von Sprechstilwechseln, da sie zeigt, wie bestimmte sprachliche Prozesse andere Prozesse bedingen oder blockieren können.
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- Svenja Gerbendorf (Author), 2012, Sprechstilwechsel in Gesprächen und deren interaktive Bedeutung, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/208563