Im Jahr 2010 hatten 39% der erwerbstätigen Personen in Wien Migrationshintergrund (erste und zweite Generation). Ein Ziel des Wiener Integrationskonzeptes ist der gleichberechtigte Zugang zu Bildung und Arbeitsmarkt. Vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit der aktuellen Situation in diesen Bereichen. Auf der Datengrundlage der Arbeitskräfteerhebung 2010 der Statistik Austria wird eine quantitativ deskriptive Analyse durchgeführt. Dazu werden Menschen mit Migrationshintergrund anhand des Herkunftslandes in Gruppen zusammengefasst (EU-14, EU-12, ehemaliges Jugoslawien, Türkei, sonstige Drittstaaten) und nach dem Geburtsland in eine erste und zweite Generation unterteilt. Fokus der Analyse ist die Herausarbeitung der Differenzen zwischen den Herkunftsländergruppen nach ihren Merkmalen der Beschäftigung (sozialrechtliche Stellung, berufliches Tätigkeitsniveau, Beschäftigung nach Berufshauptgruppen und Wirtschaftsabschnitten, Arbeitszeitgestaltung, atypische Beschäftigungsformen) und nach ihrem formalen Bildungsniveau.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
1.1 Ziel der Arbeit
1.2 Methodisches Vorgehen
1.3 Datengrundlage
1.4 Konzept des Migrationshintergrundes
1.5 Begriffe
1.6 Gliederung
I. THEORIETEIL
2. Assimilationstheorien und Integrationskonzepte
2.1 Die Entwicklung von Assimilationstheorien im Überblick
2.1.1 Klassische Assimilationstheorie
2.1.2 Theorie der segmentierten Assimilation
2.1.3 Neue Assimilationstheorie
2.2 Das intergenerationale Integrationsmodell von Esser
2.2.1 Der Integrationsbegriff im Esser´schen Modell
2.2.2 Theoretische Grundlagen
2.2.3 Die Sozialintegration
2.2.4 Strukturelle Ausgänge
3. Theoretische Grundlagen
3.1 Humankapitaltheorie
3.2 Duale Arbeitsmarkttheorie von Michael J. Piore
3.3 Migrationstheorien
3.3.1 Migrationstheorien aus der Ökonomie
3.3.2 Migrationstheorien aus der Soziologie
3.3.2 Transnationalismus
4. Exkurs - Migrationsentwicklung und Migrationspolitik
4.1 Migrationsentwicklung
4.2 Migrationspolitik
4.3 Aufenthaltstitel seit dem 1. Juli 2011
II. EMIPIRISCHER TEIL
5. Demographische Aspekte der Bevölkerung mit Migrationshintergrund
5.1 MigrantInnen erster und zweiter Generation
5.2 Geschlechterproportion
5.3 Junge und alte Zuwandererstaaten
5.4 Alter
6. Strukturelle Aspekte
6.1 Bildungsbeteiligung
6.1.1 Bildungsfortschritt zwischen erster und zweiter Generation
6.1.2 Ausländische Bildungsabschlüsse
6.1.3 Non-formale Weiterbildung
6.2 Erwerbsbeteiligung
6.2.1 Erwerbstätigenquote
6.2.2 Arbeitslosigkeit
7. Merkmale zur Erwerbstätigkeit
7.1 Sozialrechtliche Stellung im Beruf
7.2 Berufliches Tätigkeitsniveau unselbstständig Erwerbstätiger
7.3 Berufshauptgruppen
7.4 Beschäftigung nach Wirtschaftssektoren und Branchen
7.5 Schicht-, Turnus- und Wechseldienst und Sonderformen der Arbeitszeit
7.6 Atypische Beschäftigung
8. Ausbildungsadäquate Beschäftigung
9. Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Bildungs- und Beschäftigungssituation von Menschen mit Migrationshintergrund am Wiener Arbeitsmarkt im Jahr 2010. Dabei wird analysiert, inwieweit strukturelle Benachteiligungen beim Zugang zu Bildung und Erwerbsleben bestehen, ob ethnische Segmentierungstendenzen vorliegen und ob soziale Mobilität zwischen der ersten und zweiten Generation feststellbar ist.
- Analyse der Bildungsbeteiligung und des Bildungsniveaus
- Untersuchung der Erwerbsbeteiligung und Arbeitsmarktsituation
- Vergleich zwischen erster und zweiter Migrantengeneration
- Einfluss von Qualifikationen und Anerkennung von Bildungsabschlüssen
- Untersuchung von atypischen Beschäftigungsformen und Arbeitszeiten
Auszug aus dem Buch
Die neoklassische Migrationstheorie
Ein makroökonomischer Ansatz der neoklassischen Migrationstheorie erklärt die Entstehung von Arbeitsmigration durch das unterschiedliche Arbeitskräfteangebot zwischen zwei Ländern, woraus sich ein unterschiedlich hohes Lohnniveau in beiden Ländern ergibt. Idealtypischerweise zieht die bestehende Nachfrage im Hochlohnland ArbeitsmigrantInnen aus dem Niedriglohnland mit hohen Arbeitsressourcen an. Die Migrationsflüsse sind Ausgleichsprozesse und führen zu einer Angleichung des Lohnniveaus. (Vgl. LEBHART 2002:8, HAUG 2000:2)
Das Lohndifferenzmodell von Lewis (1955) ist ein mikroökonomischer Ansatz der neoklassischen Migrationstheorie. Es erklärt Migrationsentscheidungen auf der Grundlage individueller Kosten-Nutzen-Abwägungen. Durch die höheren Löhne im Zielland ist es möglich, einen Gewinn aus der Migration zu erwirtschaften. Dieser Migrationsgewinn kann durch die Einkommensdifferenzen zwischen Herkunfts- und Zielland abzüglich anfallender Migrationskosten (z.B. Reisekosten, anfallende Kosten in der Zeit der Arbeitssuche, Kosten durch anfallende Formalitäten) geschätzt werden. (Vgl. MESTER 2000:85, LEBHART 2002:8)
Harris und Todaro (1970) haben das Lohndifferenzmodell um den Aspekt der Arbeitslosigkeit erweitert und Sjaastad hat den Aspekt der unterschiedlichen Humankapitalausstattung der Akteure eingebracht. Je nachdem an welchem Ort das persönliche Humankapital mehr Ertrag verspricht, wird der Akteur seinen Aufenthalt hinverlagern. Der Ertrag ergibt sich aus den Einkommensdifferenzen (auf die Dauer der gesamten Lebenszeit) weniger der Migrationskosten (inklusive psychisch-sozialer Kosten, die durch die Trennung vom sozialen Umfeld entstehen). Je nach Alter, Ausbildung und Risikobereitschaft einer Person fällt die Bewertung der Erträge unterschiedlich aus. Vor allem jüngere Personen werden sich vermehrt zur Migration entscheiden, da über die gesamte Lebenszeit gerechnet die Erträge insgesamt höher ausfallen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung thematisiert die historische Entwicklung der österreichischen Migrationspolitik und definiert die forschungsleitenden Fragen sowie die methodische Herangehensweise der Arbeit.
2. Assimilationstheorien und Integrationskonzepte: Dieses Kapitel gibt einen Überblick über verschiedene Assimilationstheorien und detailliert das intergenerationale Integrationsmodell von Hartmut Esser als theoretischen Rahmen.
3. Theoretische Grundlagen: Hier werden die Humankapitaltheorie und die duale Arbeitsmarkttheorie nach Michael J. Piore vorgestellt, um ökonomische Mechanismen der Arbeitsmarktbeteiligung zu erklären.
4. Exkurs - Migrationsentwicklung und Migrationspolitik: Dieser Abschnitt beschreibt die Migrationsgeschichte Österreichs seit den 1960er-Jahren sowie die politisch gesetzten Maßnahmen in den verschiedenen Phasen der Zuwanderung.
5. Demographische Aspekte der Bevölkerung mit Migrationshintergrund: Das Kapitel analysiert die Bevölkerungsstruktur in Wien nach Herkunftsgruppen, Alter und Generationen.
6. Strukturelle Aspekte: Hier werden die Bildungsbeteiligung sowie die Erwerbsbeteiligung (Erwerbstätigenquoten und Arbeitslosigkeit) empirisch analysiert.
7. Merkmale zur Erwerbstätigkeit: Dieses Kapitel untersucht die sozialrechtliche Stellung, Berufshauptgruppen, Branchenkonzentrationen sowie Schichtarbeit und atypische Beschäftigungsformen.
8. Ausbildungsadäquate Beschäftigung: Der letzte inhaltliche Teil thematisiert das Ausmaß an Überqualifikation und die Schwierigkeiten bei der Anerkennung ausländischer Bildungsabschlüsse.
9. Zusammenfassung: Das abschließende Kapitel fasst die zentralen empirischen Befunde zur Bildungs- und Arbeitssituation zusammen.
Schlüsselwörter
Migration, Arbeitsmarkt, Wien, Migrationshintergrund, Bildung, Integration, Erwerbstätigkeit, Arbeitslosigkeit, Humankapital, dualer Arbeitsmarkt, soziale Mobilität, zweite Generation, Qualifikationsstruktur, Atypische Beschäftigung, Dequalifizierung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit?
Die Diplomarbeit analysiert die Bildungs- und Arbeitsmarktsituation von Menschen mit Migrationshintergrund in Wien im Jahr 2010.
Welche zentralen Themenfelder werden bearbeitet?
Zentrale Themen sind die Bildungsbeteiligung, die Arbeitsmarktbeteiligung, der Vergleich zwischen den Generationen sowie die berufliche Positionierung und Qualität der Beschäftigung.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, strukturelle Benachteiligungen im Erwerbsleben und in der Partizipation am Bildungssystem aufzuzeigen und zu prüfen, ob ethnische Segmentierungstendenzen vorliegen.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es handelt sich um eine quantitative deskriptive Analyse, die auf den Daten der Arbeitskräfteerhebung 2010 der Statistik Austria basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in einen theoretischen Teil über Assimilations- und Arbeitsmarkttheorien sowie einen umfassenden empirischen Teil, der demographische Aspekte, strukturelle Merkmale der Beschäftigung und Fragen der ausbildungsadäquaten Beschäftigung behandelt.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Migration, Wiener Arbeitsmarkt, Migrationshintergrund, Humankapital, soziale Mobilität, Überqualifikation und atypische Beschäftigung.
Wie unterscheidet sich die zweite von der ersten Migrantengeneration in Bezug auf die soziale Mobilität?
Die Analyse zeigt, dass die zweite Generation gegenüber der ersten einen sozialen Aufstieg hinsichtlich ihrer Beschäftigungs- und Bildungsmöglichkeiten erfährt, jedoch das Niveau der Menschen ohne Migrationshintergrund noch nicht vollständig erreicht.
Welche Rolle spielt die Bildung für MigrantInnen am Wiener Arbeitsmarkt?
Das formale Bildungsniveau ist entscheidend; jedoch zeigt sich, dass selbst bei gleichem Bildungsstand MigrantInnen öfter in niedriger qualifizierten Tätigkeiten beschäftigt sind als Menschen ohne Migrationshintergrund, was auf Probleme bei der Anerkennung von Qualifikationen und auf statistische Diskriminierung hinweist.
- Arbeit zitieren
- Petra Wiesinger (Autor:in), 2012, Bildungs- und Arbeitsmarktbeteiligung von Menschen mit Migrationshintergrund in Wien im Jahre 2010, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/207724