Es gilt zu klären ob Politikwissenschaft überhaupt eine Wissenschaft ist und wenn ja, eine für sich allein stehend oder nur eine “halbe“ Wissenschaft, die mit einer anderen interagieren muss um eine Vollständige Wissenschaft darzustellen.
Schon bei der Fakultätseinteilung der Politikwissenschaften treten die ersten Komplikationen und Uneinigkeiten auf. So wird in Bonn oder Freiburg beispielsweise die Politikwissenschaft an der Philosophischen Fakultät angesiedelt, während Sie in Münster zur Rechts- und Staatwissenschaftlichen Fakultät angehört. In Rostock und Kiel wiederum gehört Sie der Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Fakultät an. Andere Universitäten teilen die Politikwissenschaft gar in mehrere Fakultäten gleichzeitig ein (z.B. München). Es stellt sich also nicht nur die Frage: ob Politikwissenschaft eine Wissenschaft ist, sondern auch wo Sie sich einordnet?
Um diese Fragen zu erörtern muss man sich mit der Entstehung des Faches auseinandersetzten, um anschließend einen Bezug zur Praxis zu finden. In diesen Zusammenhang kann aufgezeigt werden, ob und wie die Politikwissenschaft als praktische Wissenschaft betrieben werden kann um somit die Legitimation darzulegen.
Gegenstadt der Darstellung in meiner Hausarbeit wird also sein, nach einer kurzen Auseinandersetzung mit dem Begriffen Wissenschaft und Politik, einer kurzen Schilderung der Entwicklung der Politikwissenschaft, nach und nach an einer Fallstudie zu erläutern was Politikwissenschaft ist und was sie zu einer Wissenschaft macht.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Was ist Wissenschaft?
3. Was ist Politik?
3.1 Begriff und Gegenstand der Politik
3.2 Dimensionen der Politik
3.3 Gesellschaftliche Funktionen von Politik
4. Entwicklung der Politikwissenschaft
4.1 Anfänge der Politikwissenschaft
4.2 Political Sciences in den USA
4.3 Politikwissenschaft in Deutschland nach 1945
5. Warum Politikwissenschaft eine Wissenschaft ist!
5.1 Problemstellung und Forschungsbestand
5.2 Das INGE-Gesetz
5.3 Fragestellung und Hypothesen
5.4 Auswertung der Umfragewerte
5.5 Schlussbetrachtung
5.6 Schlussfolgerungen
6. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit verfolgt das Ziel, die wissenschaftliche Legitimität der Politikwissenschaft zu begründen. Ausgehend von einer theoretischen Auseinandersetzung mit den Begriffen "Wissenschaft" und "Politik" sowie der historischen Entwicklung des Fachs, wird mithilfe einer Fallstudie zur Entstehung des INGE-Gesetzes in Hessen nachgewiesen, dass die Politikwissenschaft durch systematische, überprüfbare und empirisch fundierte Forschung die Kriterien einer eigenständigen Wissenschaft erfüllt.
- Definition und erkenntnistheoretische Einordnung von Wissenschaft
- Strukturierung des Politikbegriffs in die Dimensionen Polity, Policy und Politics
- Historische Genese der Politikwissenschaft in der Antike, den USA und Deutschland
- Analyse organisierter Interessen und politischer Einflussnahme auf Landesebene
- Methodischer Nachweis der Wissenschaftlichkeit durch eine konkrete Fallstudie
Auszug aus dem Buch
3.2 Dimensionen der Politik
Obwohl es keine genaue Definition gibt, lassen sich die Politikbegriffe klar in drei Dimensionen einteilen:
a) Polity (Form)
b) Policy (Inhalt)
c) Politics (Prozess)
a) In welchen Formen wird Politik gemacht?
Die Formen, in denen Politik abläuft, sind größtenteils durch Verfassung und die Rechtsordnung festgeschrieben. Politik findet nicht nur in ihnen statt, sondern entsteht auch aus ihnen heraus. So müssen z.B. gesellschaftliche Trends, wie neue Internet-Bestimmungen, in rechtliche Formen umgewandelt werden. Sie schließen also gesellschaftliche Entwicklungen ab und halten sie im Rechtssystem fest. Jedoch sind nicht nur Gesetze und Menschenrechte Formen der Politik, auch Institutionen wie der Bundestag oder die Gerichte, spielen eine wichtige Rolle. Die anderen beiden Dimensionen (Inhalte, Prozesse) werden durch die Formen der Politik in bestimmte Bahnen gelenkt.
b) Welche Inhalte werden durch Politik verwirklicht?
Die zweite Dimension der Politik beschäftigt sich mit ihren Inhalten. Es geht hauptsächlich um die Frage nach den Gegenständen oder Aufgaben der Politik und der Art und Weise dieser Aufgabenlösung. Am deutlichsten wird dies bei Begriffen wie z.B. Wohnungsbaupolitik oder Schuldenabbaupolitik. Auch wenn Politikinhalte meist neutral, pragmatisch und von Sachzwängen diktiert sind, beruhen sie immer auf gesellschaftliche Interessen und berücksichtigen gesellschaftliche Werte und Ziele. Da aber die Werte und Ziele mit den Interessen oft kollidieren, ist Politik auch immer Ausdruck von Interessen- und Zielkonflikt. Ein sinnbildliches Beispiel ist die Schwierigkeit der Erhaltung von Freiheit bei gleichzeitiger Bekämpfung von Terrorismus.
c) In welchen Prozessen verläuft Politik?
In der dritten Dimension von Politik geht es um Prozesse, die zwischen den am politischen Geschehen Beteiligten ablaufen. Aufgrund der Vielzahl der gesellschaftlichen Interessen betrifft dies hauptsächlich die Austragung von Konflikten. Da diese Dimension unmittelbar erfahrbar ist, scheint sie als sichtbarste. Macht und Konsens sind die wichtigsten Konfliktmechanismen.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Hinführung zum Thema und Formulierung der leitenden Forschungsfrage nach der wissenschaftlichen Legitimation der Politikwissenschaft.
2. Was ist Wissenschaft?: Erarbeitung eines wissenschaftlichen Grundverständnisses basierend auf den Kriterien Systematik, Überprüfbarkeit und Realitätsbezug.
3. Was ist Politik?: Definition des Begriffs Politik, Erläuterung der drei Dimensionen (Polity, Policy, Politics) und Analyse der gesellschaftlichen Funktionen.
4. Entwicklung der Politikwissenschaft: Historischer Abriss über die Anfänge in der Antike bis hin zur Etablierung des Fachs in den USA und Deutschland nach 1945.
5. Warum Politikwissenschaft eine Wissenschaft ist!: Beweisführung anhand einer Fallstudie über die Entstehung des INGE-Gesetzes in Hessen unter Anwendung wissenschaftlicher Methoden.
6. Fazit: Zusammenfassende Bestätigung der Politikwissenschaft als eigenständige und in der modernen Gesellschaft unverzichtbare Wissenschaft.
Schlüsselwörter
Politikwissenschaft, Wissenschaftstheorie, Politikbegriff, Polity, Policy, Politics, Interessenorganisationen, INGE-Gesetz, Fallstudie, Empirie, Systematik, Forschungsprozess, Landespolitik, Interessenkonflikte, Politische Steuerung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der grundlegenden Frage, ob und warum die Politikwissenschaft als ernstzunehmende wissenschaftliche Disziplin betrachtet werden kann.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Zentral sind die theoretischen Grundlagen von Wissenschaft und Politik, die historische Entwicklung des Fachs sowie der methodische Nachweis wissenschaftlicher Arbeitsweise an einem konkreten Fallbeispiel.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, die Legitimation der Politikwissenschaft darzulegen, indem nachgewiesen wird, dass sie die methodischen und systematischen Standards einer Wissenschaft erfüllt.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Der Autor nutzt einen theoriegeleiteten Forschungsansatz und verknüpft diesen mit einer empirischen Fallstudie, um die theoretischen Erkenntnisse in der politischen Praxis zu validieren.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Im Hauptteil werden Definitionen von Wissenschaft und Politik hergeleitet, die historische Genese der Politikwissenschaft dargestellt und das INGE-Gesetz als Fallbeispiel für eine systematische politische Forschung analysiert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Politikwissenschaft, Wissenschaftstheorie, Fallstudie, empirische Forschung, Interessenorganisationen und politische Steuerung.
Welchen Stellenwert nimmt das INGE-Gesetz in der Argumentation ein?
Das INGE-Gesetz dient als konkretes empirisches Fallbeispiel, an dem der Autor aufzeigt, wie politikwissenschaftliche Methoden zur Untersuchung von Gesetzgebungsprozessen und Interessenvertretung angewendet werden.
Warum betrachtet der Autor die Politikwissenschaft nicht als "halbe" Wissenschaft?
Der Autor argumentiert, dass die Politikwissenschaft durch ihre eigene Systematik, Theorienbildung und empirische Validierung ein eigenständiges Fach ist, das unabhängig von anderen Disziplinen besteht.
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- Jesse Bochert (Author), 2012, Warum Politikwissenschaft eine Wissenschaft ist, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/207364