Im Anschluss an das einleitende Kapitel soll es Aufgabe des zweiten Abschnitts sein, die allgemeine Struktur und Herrschaftsprinzipien der SED zu verdeutlichen und gewissermaßen eine Einführung in die Vorstellungen der Sowjetunion und der SED-Führungskräfte vom ihrem sozialistischen Staat zu bieten. Danach erfolgt im drittel Kapitel eine Übersicht über das Ministerium für Staatssicherheit. An dieser Stelle werden viele Zahlen und Fakten benannt, um einen Überblick zu bekommen, wie groß der Apparat der Staatssicherheit wirklich war und wie er strukturiert wurde. Anschließend wird im fünften Abschnitt dargestellt, wie verwoben die SED und das MfS wirklich waren und welchen Mitteln man sich bediente, um die politische Macht der Partei zu sichern. Im abschließenden fünften Kapitel der Arbeit folgt schließlich eine auswertende Betrachtung.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Entstehung und Herrschaftsgrundlagen der SED
2.1 Die Gründung der SED unter dem Deckmantel der „freiwilligen Vereinigung“
2.2 Prinzipien und Organisation der SED
2.3 Das Zentralkomitee
2.4 Die Arbeit des ZK-Sekretariats
3. Aufbau des Ministeriums für Staatssicherheit
3.1 Der Apparat des Ministeriums für Staatsicherheit
3.2 Die Führungsspitze und der dazugehörige Unterbau
3.3 Inoffizielle Mitarbeiter des MfS
3.4 Das Budget des MfS
4. Das MfS als Schild und Schwert der SED
5. Schlussbetrachtung
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die zentrale Rolle des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS) als essenzielles Machtinstrument der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands (SED). Dabei wird die Forschungsfrage beantwortet, inwiefern das MfS als Überlebensbasis für den langfristigen Erhalt der SED-Herrschaft in der DDR fungierte und welche machtpolitischen Strukturen und Mechanismen dabei zum Einsatz kamen.
- Strukturen und Herrschaftsprinzipien der SED
- Aufbau und Arbeitsweise des MfS
- Die Funktion und Bedeutung inoffizieller Mitarbeiter
- Das MfS als "Schild und Schwert" der Partei
- Die Symbiose von Parteiherrschaft und Sicherheitsapparat
Auszug aus dem Buch
3.3 Inoffizielle Mitarbeiter des MfS
Die inoffiziellen Mitarbeiter des Ministeriums für Staatssicherheit stellten eine Schattenarmee dar. Im Jahre 1989 ist die Anzahl auf 189 000 IM gestiegen. Die Entwicklung des IM-Netzes ist nicht allein von einem kontinuierlichen Anstieg geprägt, sondern weist besondere Wachstumsphasen in Zeiten innergesellschaftlicher Krisen wie dem 17. Juni 1953 und am Vorabend des Mauerbaus auf. Im Zuge der deutsch-deutschen Entspannungspolitik wurde das IM-Netz ebenfalls erweitert, mit dem Ausblick einer wohl eintretenden Krise, die schlussendlich dann auch so eintrat. So kam es, dass die Zahl der IM, Mitte der siebziger Jahre, sogar auf über 200 000 anstieg. Angesichts wachsender oppositioneller Bewegungen, wie z.B. die Kirche, änderte sich auch in den achtziger Jahren nichts, an diesen überdimensionierten Zahlen.
Außerdem ist bekannt, dass zuletzt vier bis fünf Prozent der Pateimitglieder inoffiziell aktiv waren. Bei 2,3 Millionen Mitglieder heißt das, dass jedes 20 bzw. 25 SED-Mitglied ein IM war. Es ist schwer das Wesen und die Tätigkeiten des Inoffiziellen Mitarbeiters zu beschreiben und für die Gesamte MfS Geschichte zu charakterisieren, was gewiss damit zusammenhängt, dass sich das Profil des IM über die Jahre mehrfach gewandelt hat. Jedoch wird stets die Notwendigkeit der Konspiration betont. Sie galt dem MfS als „Grundprinzip“, gekennzeichnet durch: den Einsatz geheimer, dem Feind und der Öffentlichkeit gegenüber verborgener Kräfte, Mittel und Methoden, die Tarnung der politisch-operativen Pläne, Absichten und Maßnahmen [und durch] aktives und offensives Handeln zur Überraschung, Täuschung, Ablenkung, Desinformierung des Feindes.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die kontroverse Debatte um die Einstufung der DDR als Unrechtsstaat und definiert das Ziel der Arbeit, die Herrschaftscharakteristika der SED zu analysieren.
2. Entstehung und Herrschaftsgrundlagen der SED: Dieses Kapitel erläutert die unter sowjetischem Druck erzwungene Vereinigung von KPD und SPD sowie die internen Strukturen und das Prinzip des demokratischen Zentralismus, welche die Machtstellung der SED absicherten.
3. Aufbau des Ministeriums für Staatssicherheit: Es erfolgt eine detaillierte Untersuchung der apparativen Entwicklung, der personellen Führungsspitze, des Netzwerks inoffizieller Mitarbeiter sowie der enormen finanziellen und materiellen Ausstattung des Geheimdienstes.
4. Das MfS als Schild und Schwert der SED: Dieses Kapitel beschreibt die enge personelle und funktionale Symbiose zwischen SED und MfS, wobei das MfS als Instrument zur Sicherung der Diktatur gegen jeden Widerstand fungierte.
5. Schlussbetrachtung: Das Fazit bestätigt, dass das MfS als zentrales Unterdrückungsorgan die Überlebensbasis für die 40-jährige Herrschaft der SED in der DDR bildete.
Schlüsselwörter
SED, DDR, Ministerium für Staatssicherheit, MfS, Unrechtsstaat, Herrschaftssicherung, Inoffizielle Mitarbeiter, IM, Demokratischer Zentralismus, Politbüro, Machtsicherung, Schild und Schwert, Erich Mielke, Überwachung, Diktatur
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit?
Die Arbeit analysiert die historische Verbindung zwischen der SED und ihrem Sicherheitsapparat, dem Ministerium für Staatssicherheit, um zu verstehen, wie die Partei über vier Jahrzehnte an der Macht bleiben konnte.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Zu den Schwerpunkten gehören die Entstehungsgeschichte der SED, die interne Organisation der Partei, der Aufbau des MfS und die Rolle der inoffiziellen Mitarbeiter (IM) bei der Unterdrückung oppositioneller Bewegungen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist es, die Forschungsfrage zu klären, ob das MfS die entscheidende Überlebensbasis für die SED darstellte und wie die Symbiose zwischen Partei und Geheimdienst in der DDR funktionierte.
Welche wissenschaftliche Methode wurde gewählt?
Es handelt sich um eine politikwissenschaftliche und historische Analyse, die auf der Auswertung relevanter Fachliteratur, Dokumentationen und historischen Quellen basiert.
Was wird im Hauptteil detailliert beleuchtet?
Der Hauptteil gliedert sich in die Untersuchung der Machtstrukturen innerhalb der SED und die anschließende, tiefgreifende Darstellung des MfS-Apparats, inklusive Budget, Personalstärke und Arbeitsmethoden.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind SED, MfS, Inoffizielle Mitarbeiter, Machtmonopol, Überwachungsstaat, "Schild und Schwert" sowie demokratischer Zentralismus.
Wie war das Verhältnis zwischen SED und MfS in der Praxis?
Die Arbeit zeigt, dass das MfS keinem Parlament unterstand, sondern direkt der SED-Führung verpflichtet war und als zentrales Instrument diente, um die Herrschaft der Partei gegenüber der Bevölkerung zu sichern.
Welche Bedeutung hatten die Kreisdienststellen?
Obwohl sie am Ende der Hierarchiekette standen, bildeten sie das administrative Fundament des MfS, da sie durch ihre lokale Präsenz eine lückenlose Überwachung im Alltag garantierten.
Warum war das MfS für die SED so "überlebenswichtig"?
Weil die SED durch das MfS jegliche Opposition im Keime ersticken konnte, indem sie Angst als Herrschaftsinstrument einsetzte und jede gesellschaftliche Regung kontrollierte.
- Arbeit zitieren
- Jesse Bochert (Autor:in), 2012, War das Ministerium für Staatssicherheit die Überlebensbasis der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands?, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/207361