Das Leitthema dieser Arbeit soll die Betrachtung der Figur des Jokers in ihrer medialen Umsetzung im Film The Dark Knight sein. Ich stelle hier insbesondere die Frage nach dem Motiv der Figur, nach ihrer Intention. Das Ziel ist es, herauszuarbeiten, ob sich in ihr die Darstellung eines motivlosen „Bösen“ finden lässt, oder ob es nicht viel mehr um eine filmische Darstellung des Übermenschen nach Friedrich Nietzsche handelt. Ist der Joker DAS „Böse“, das um seiner selbst Willen handelt, oder ist es doch eine Figur mit einer nachvollziehbaren und damit menschlichen Motivation? Der Übermensch ist im Gegensatz zum motivlosen „Bösen“ sehr zielgerichtet und strebt nach einer positiven Menschheitsentwicklung, wie ich im anschließenden Kapitel veranschaulichen werde. Erfüllt der Joker tatsächlich dieses Bild?Nachdem ich die Ideologie Nietzsches dargelegt habe, werde ich mich im dritten Kapitel Nolans Figur widmen, um das zu untersuchen. Bei dieser Untersuchung habe ich zwei Kriterien in den Fokus gerückt. Zunächst werde ich mittels der Methode der Werkimmanenz erarbeiten, wie die Figur konstruiert ist. Danach wende ich mich der essentiellen Frage zu, ob die Figur geistig gesund ist – wobei der Terminus zu definieren ist –, oder nicht. Dies ist insofern wichtig, da der Übermensch nach Nietzsche geistig gesund sein muss. Würde der Joker diese Grundvoraussetzung der geistigen Zurechnungsfähigkeit nicht erfüllen, wäre die gesamte Diskussion bezüglich des Übermenschen hinfällig. Bei Untersuchungen zur Figur besteht da keineswegs ein wissenschaftlicher Konsens. Ich werde versuchen, werkimmanent zu klären, weshalb die Figur in meinen Augen durchaus geistig gesund ist.
Auf der Basis dieser beiden Ausführungen im dritten Kapitel versuche ich dann im vierten Kapitel zu zeigen, dass Nolan hier tatsächlich eine fiktive Realisierung des Nietzscheschen Übermenschen präsentiert, diese aber auf dem letzten Schritt scheitern lässt. Als letzter Punkt und als Konklusion aus den vorangegangenen Punkten wird sich daher zeigen, dass der Joker nicht „böse“, jedoch ein gescheiterter Übermenschen ist.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Theoretische Betrachtungen – Nietzsches Übermensch
3. Der Joker in The Dark Knight
3.1 Die Konstruktion des vermeintlich „Bösen“ im Film
3.2 Ist der Joker in The Dark Knight geisteskrank?
4. Nolans Joker – der gescheiterte Übermensch?
4.1 Argumente, die für den Joker als Übermenschen sprechen
4.2 Argumente, die gegen den Joker als Übermenschen sprechen
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Figur des Jokers in Christopher Nolans Film "The Dark Knight" auf ihre philosophische Tiefe. Das primäre Ziel ist es, die Frage zu beantworten, ob der Joker lediglich als Verkörperung eines motivlosen Bösen fungiert oder ob er als fiktive Realisierung des Nietzscheschen Übermenschen interpretiert werden kann.
- Analyse der Ideologie des Übermenschen nach Friedrich Nietzsche
- Werkimmanente Untersuchung der Joker-Figur in "The Dark Knight"
- Diskussion über die geistige Zurechnungsfähigkeit und das Handeln der Figur
- Einsatz soziologischer Konzepte wie des "homo oeconomicus" und der Spieltheorie
- Bewertung des Jokers als gescheiterter Übermensch im Kontext seiner Rolle als Nihilist
Auszug aus dem Buch
3.2 Ist der Joker in The Dark Knight geisteskrank?
Die extreme Perfektion, mit der der Joker seine Aktionen plant, spricht zwar für eine hohe Kognition und einen scharfen Intellekt, doch kann und muss man bei der Art seiner Handlungen erst einmal von einer großen Abweichung vom allgemeinen Bilde eines gesunden Menschenverstandes ausgehen. Daher ist die Frage nach der geistigen Unversehrtheit eines sich als Clown verkleidenden Mannes, der Waffen aller Art zum Töten einsetzt, berechtigt. Das Problem ist zunächst die Definition des Terminus „geistig gesund“. In dieser Hausarbeit kann nur vereinfacht – ohne Diskurs – auf die anerkannte Defintion zurückgegriffen werden, dass sich Gesundheit durch die Abwesenheit von bekannten Krankheiten definiert. Bei seelischen Erkrankungen bestimmt die Verfassung der Mehrheit, was als abweichend empfunden wird.
Die Brutalität, mit der der Joker vorgeht, wenn er beispielsweise einen Mann mittels eines Bleistiftes geradezu hinrichtet, (TC: 0:22:25) ist erschreckend. Menschenleben spielen dabei keine Rolle, entscheidend ist das Ergebnis. Er zeigt dabei typische Züge eines Soziopathen. Besonders wenn er Dents Freundin Rachel tötet, wird dies sehr deutlich. Er lässt nicht nur jedes Gefühl der Reue vermissen, er betrachtet sie genau genommen nicht einmal als Mensch. Als er zu Dent sagt: „So when I say, ah come here, when I say you and your girlfriend was nothing personal, you know that I'm telling the truth.“, (TC: 1:44:19) so ist dies tatsächlich die Wahrheit, denn er benutzt sie als Objekt für sein Ziel. „[He] wanted to prove a point, and she was a useful object to help him make that point, no more or less […].“
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Diese Einleitung führt in die Forschungsfrage ein, ob der Joker als Übermensch nach Nietzsche verstanden werden kann, und erläutert die methodische Herangehensweise der werkimmanenten Untersuchung.
2. Theoretische Betrachtungen – Nietzsches Übermensch: Dieses Kapitel arbeitet Nietzsches Philosophie auf, insbesondere die Konzepte des Nihilismus, die drei Stadien des Geistes (Kamel, Löwe, Kind) und die kritische Distanz zur christlichen Moral.
3. Der Joker in The Dark Knight: Hier wird der Joker als planender Akteur in Gothams krimineller Unterwelt porträtiert und hinterfragt, ob er trotz seiner Grausamkeit als geistig gesund einzustufen ist.
3.1 Die Konstruktion des vermeintlich „Bösen“ im Film: Dieses Unterkapitel analysiert die mediale Inszenierung des Jokers als Zerstörer und sein gezieltes Agieren gegen moralische Wertvorstellungen.
3.2 Ist der Joker in The Dark Knight geisteskrank?: Der Autor diskutiert hier die klinische Perspektive (Soziopathie) gegen die philosophische Einordnung des Jokers als radikalen Nihilisten.
4. Nolans Joker – der gescheiterte Übermensch?: Das Kapitel führt die theoretischen Grundlagen mit der Filmanalyse zusammen, um zu zeigen, wie Nolan den Joker als nietzscheanische Figur konzipiert.
4.1 Argumente, die für den Joker als Übermenschen sprechen: Hier werden Momente hervorgehoben, in denen der Joker die Moral als Illusion entlarvt und das "Löwen-Stadium" erreicht.
4.2 Argumente, die gegen den Joker als Übermenschen sprechen: Dieses Unterkapitel führt das soziale Experiment der Fähren und das Fehlen eines "Willens zur Macht" zur Etablierung neuer Werte als Gegenbeweise an.
5. Fazit: Die Arbeit schließt mit der Erkenntnis, dass der Joker zwar ein grandioser Löwen-Mensch ist, jedoch am Übergang zum Kind-Stadium und der Etablierung einer neuen Moral scheitert.
Schlüsselwörter
Friedrich Nietzsche, Übermensch, Joker, The Dark Knight, Nihilismus, Moral, Soziopathie, Christopher Nolan, Filmwissenschaft, Werkimmanenz, Löwen-Mensch, Wertespektrum, Gesellschaftskritik, Identität, Wille zur Macht
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit analysiert die Figur des Jokers aus dem Film "The Dark Knight" unter Rückgriff auf die Philosophie Friedrich Nietzsches, um den Joker als potenzielle fiktive Umsetzung des Übermenschen-Konzepts zu bewerten.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die zentralen Themen sind die philosophische Interpretation von Nihilismus, die Dekonstruktion von gesellschaftlicher Moral, die Charakterisierung durch "den Löwen" und die Frage nach dem bösen Handeln im Film.
Was ist die Forschungsfrage?
Die Forschungsfrage lautet: Ist der Joker ein motivloses "Böses" oder eine filmische Darstellung des Nietzscheschen Übermenschen, und erfüllt er die Kriterien dieses Leitbildes?
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt die Methode der werkimmanenten Analyse, um die Figur auf Basis der vorliegenden Filmhandlung zu untersuchen und mit philosophischen sowie soziologischen Theorien in Bezug zu setzen.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden zunächst die theoretischen Grundlagen (Nietzsche) geschaffen, um anschließend die Figur des Jokers hinsichtlich seiner Handlungsplanung, seiner psychischen Verfassung und seiner Rolle als Nihilist zu untersuchen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die wichtigsten Begriffe sind Nietzsche, Übermensch, Joker, Nihilismus, Moral und der "homo oeconomicus".
Warum wird der Joker als "Perversion eines Soziologen" bezeichnet?
Der Joker wird so bezeichnet, weil er Gotham City als Experimentierfeld nutzt, um menschliches Verhalten in extremen Stresssituationen zu testen und die moralischen Grundfesten seiner Mitmenschen zu prüfen.
Warum scheitert der Joker laut der Arbeit am Konzept des Übermenschen?
Er scheitert, weil er zwar in der Lage ist, alte Werte zu negieren (Löwen-Stadium), es ihm jedoch am "Willen zur Macht" und der kreativen Fähigkeit fehlt, ein neues, lebensbejahendes System oder eine neue Moral zu etablieren.
- Quote paper
- M.A. Cornelia Scherpe (Author), 2011, Die Frage nach der Motivation des Jokers in 'The Dark Knight', Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/207301