Die Frage nach dem Rollenselbstbild bildet einen zentralen Aspekt der Journalismusforschung. Thematisiert wird dabei die Selbsteinschätzung der Journalisten bezüglich ihrer Ziele, Arbeitsweisen und Aufgaben. Somit lässt sich das Rollenselbstbild neben persönlichen Präferenzen und redaktioneller Linie als Erklärungsvariable für Nachrichtenselektion und –produktion betrachten und bietet Anhaltspunkt, um Aussagen über journalistische Arbeitsweisen treffen zu können. Betrachtet man journalistische Produkte als Realitätskonstruktion durch die Journalisten, so wird im Kontext der Funktion des Journalismus für die Gesellschaft deutlich, warum es relevant ist, sich kritisch mit dem Selbstbild von Journalisten auseinanderzusetzen.
Das Mediensystem in Deutschland hat sich seit Ende des zweiten Weltkrieges beträchtlich gewandelt – zu nennen sind hier nebst rechtlichen vor allem strukturelle Änderungen, die Einflussgrößen auf das Rollenselbstbild der Journalisten bilden. Vor diesem, wie auch dem historischen Hintergrund werden in der vorliegenden Arbeit Änderungen im Rollenselbstbild deutscher Journalisten darlgegegt sowie ein Ausblick auf mögliche zukünftige Entwicklungen gegeben.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Rollenselbstbilder und Wandel
2.1 Berufsvorstellungen und –motive
2.2 Ethische Vorstellungen
2.3 Übertragbarkeit der Ergebnisse
3. Ursachen für den Wandel
3.1 Strukturelle und normative Ursachen
3.2 Historische Ursachen
4. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht den Wandel im Rollenselbstbild deutscher Journalisten seit Ende des Zweiten Weltkriegs und analysiert die zugrunde liegenden strukturellen, normativen sowie historischen Ursachen. Dabei wird insbesondere beleuchtet, inwieweit sich journalistische Berufsmotive und ethische Vorstellungen über verschiedene Generationen hinweg verändert haben und welche Einflüsse die Mediensysteme auf diese Entwicklungen ausüben.
- Analyse des Wandels journalistischer Rollenselbstbilder
- Einfluss von Berufsmotiven und ethischen Standards
- Generationsspezifische Unterschiede im Berufsverständnis
- Strukturelle Auswirkungen der Medienkommerzialisierung
- Bedeutung historischer Prägungen für das Rollenverständnis
Auszug aus dem Buch
2. Rollenselbstbilder und Wandel
Charakterisierungen von Rollenselbstbildern bilden zumeist Idealtypen, die zwar für eine Kategorisierung hilfreich sind, in ihrer Reinform jedoch nicht in der Wirklichkeit vorkommen. Als Beispiele hierfür sind vor allem die Unterscheidung von partizipativem und neutralem Journalismus, sowie die Differenzierung in „Gatekeeper“ und „Advocate“ nach Morris Janowitz zu nennen (vgl. Donsbach, 2005, S.417, Janowitz, 1975, S. 618f.), auf die sich im Folgenden vorgestellte empirische Studien zum Teil beziehen.
Indikatoren zur empirischen Untersuchung der Rollenselbstbilder sind unter anderem Berufsmotive, ethische Vorstellungen, sowie das subjektive Berufsverständnis (vgl. Donsbach, 2005, S.419), auf deren Veränderung ich anhand von vier Untersuchungen (Ehmig 2000, Köcher 1986, Weischenberg/ Löffelholz/ Scholl 1993, Weischenberg/ Malik/ Scholl 2005) eingehen werde.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Dieses Kapitel führt in die Thematik der Journalismusforschung ein und erläutert die Relevanz des Rollenselbstbildes für die journalistische Nachrichtenselektion und -produktion.
2. Rollenselbstbilder und Wandel: Hier werden theoretische Modelle zur Kategorisierung von Journalisten vorgestellt und anhand empirischer Daten über verschiedene Generationen und Studien hinweg analysiert.
3. Ursachen für den Wandel: Dieses Kapitel erörtert die Einflussfaktoren auf das Rollenverständnis, insbesondere strukturelle Veränderungen durch Medienkommerzialisierung sowie historisch geprägte Erfahrungshorizonte.
4. Fazit: Das abschließende Kapitel fasst die Erkenntnisse zusammen und diskutiert die mögliche langfristige Annäherung des deutschen Journalismus an ein angelsächsisches Modell unter Berücksichtigung der bestehenden Heterogenität.
Schlüsselwörter
Rollenselbstbild, Journalismusforschung, Berufsmotive, Journalismus in Deutschland, Mediensystem, Generationswechsel, Ethik, Nachrichtenproduktion, Gatekeeper, Advocate, Strukturwandel, Journalistische Identität, Medienkommerzialisierung, Berufsethik
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit beschäftigt sich mit der Entwicklung und Veränderung des Rollenselbstbildes von Journalisten in Deutschland nach 1945.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen umfassen die journalistischen Berufsmotive, die Wahrnehmung ethischer Standards, den Einfluss von Generationenunterschieden sowie strukturelle Veränderungen im Mediensystem.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das primäre Ziel ist es, die Ursachen für den beobachteten Wandel im Selbstverständnis deutscher Journalisten darzulegen und einen Ausblick auf zukünftige Entwicklungen zu geben.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf der Auswertung und dem Vergleich bestehender empirischer Studien, wie beispielsweise der "Journalismus in Deutschland"-Reihe sowie Untersuchungen von Köcher und Ehmig.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden zunächst die theoretischen Idealtypen journalistischer Rollen erläutert, gefolgt von einer Analyse empirischer Daten zu Motiven und ethischen Einstellungen sowie der Untersuchung von strukturellen und historischen Ursachen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Rollenselbstbild, Journalismusforschung, Berufsmotive, Medienwandel, Generationalität und Berufsethik.
Welchen Einfluss haben die "Enkel-Generation" auf das Selbstbild?
Die als "Enkel" bezeichnete Generation legt im Gegensatz zu älteren Generationen einen deutlich stärkeren Fokus auf persönliche Freiheit und Selbstverwirklichung anstelle einer missionarischen Wertevermittlung.
Inwiefern beeinflusst die Kommerzialisierung das Journalistenbild?
Der durch Privatisierung und Wettbewerbsdruck steigende ökonomische Zwang führt zu einer stärkeren Publikumsorientierung und oft zu Lasten präziser Recherchearbeit und Hintergrundberichterstattung.
- Arbeit zitieren
- Charlotte Weber (Autor:in), 2011, Wandel im Rollenselbstbild deutscher Journalisten und dessen Ursachen, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/207235