„Die wirtschaftliche Entwicklung ist seit Jahren von globalem Wettbewerbsdruck und einer zunehmenden Komplexität der Geschäftsmodelle geprägt. Die Unternehmen müssen sich mit verlängerten Wertschöpfungsketten auseinandersetzen und sich gleichzeitig durch eindeutige Kundenauftragsorientierung und Qualitätsverantwortung von ihren Wettbewerbern differenzieren.“ (MÜLLER, 2011, S. 5)
Mit diesem Absatz startet die 2011 erschienene aktuelle Studie ‚Zukunftsthema Geschäftsprozessmanagement’ der PwC AG. Mehrere Begriffe lassen sich aus dem zitierten Absatz extrahieren, die von besonderer Relevanz sind. Diese sind Komplexität von Geschäftsmodellen, Veränderung der klassischen Wertschöpfungsketten und Wettbewerbsdifferenzierung. All diese Entwicklungen treffen Kaufleute, Einzelhändler, Mittelständler, Unternehmen und Konzerne gleichermaßen. Sicherlich ist aber eine Differenzierung hinsichtlich der Intensität der Auswirkung vorzunehmen. Dennoch ist es unumstritten, dass mit hoher Wahrscheinlichkeit jeder Entscheider der hier genannten Beispiele eine Beschleunigung des Marktes und die steigende Komplexität der Anforderungen als die herausfordernden Einflusskriterien aktuell und in der Zukunft nennen wird. Schnelligkeit ist in fast allen Bereichen der heutigen Wirtschaft ein elementarer Bestandteil. Nicht nur bezogen auf z. B. die Geschwindigkeit im Investmentbanking, wo computergestützt innerhalb von Millisekunden Milliardenbeträge über den Globus transferiert werden. Genauso findet sich das Thema auch z. B. im Baugewerbe wieder. Hier werden mittels Fertigbauweise in kürzester Zeit neue Immobilien aus dem Boden gestampft. Die Aufforderung von SEIWERT (2000, S. 45; zitiert in: KARGL, 2011, S. 1) „Schnelligkeit ist wichtig in unserer Gesellschaft, gerade deshalb brauchen wir Langsamkeit“ ist nach wie vor hoch aktuell. Seiwert sagt damit, dass man sich für eine sorgfältige Planung und Ausrichtung Zeit nehmen muss. Und nur durch eine saubere Planung und Ausrichtung kann man einen reibungslosen Ablauf herstellen – somit auch Schnelligkeit erzeugen. Gerade im Rahmen der Wettbewerbs- und Zukunftsfähigkeit eines Unternehmens ist die Schnelligkeit, und dadurch bedingt auch die Anpassungs- und Wandlungsfähigkeit, eine Ressource, auf die kein Unternehmen mehr verzichten kann – egal welcher Branche und Größe.
Anhand dieser Beispiele, welche nur exemplarischen Charakter besitzen, lässt sich eine enorme Steigerung der Anforderungen an die jeweiligen Geschäftsprozesse eines...
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Theoretische Grundlagen
2.1 Begriffsverständnis
2.2 Definitionen
2.2.1 Definition Business Process Management (BPM)/ Geschäftsprozessmanagement (GPM)
2.2.2 Definition Organisation und Organisationskultur
2.2.3 Definition Change Management, Widerstand und Kulturwandel
2.3 Grundlagen des Organisationsverständnisses
2.3.1 Funktions- und Prozessorganisation
2.3.2 Transformation Funktionsorganisation zu Prozessorganisation
3. Business Process Management (BPM)
3.1 Verankerung von Business Process Management im betrieblichen Kontext
3.2 Begriffliche Entwicklung
3.3 Ziele des Business Process Management
3.4 Zukunftsthema Business Process Management
4. Psychologie der Veränderung
4.1 Change Management
4.1.1 Handlungsfelder des Change Managements
4.1.2 Warum Change Projekte scheitern
4.2 Widerstandsmanagement
4.2.1 Ursachen von Widerständen
4.2.2 Arten und Merkmale von Widerständen
4.2.3 Umgang mit Widerständen
4.3 Kulturwandel (Cultural Change)
4.3.1 Der Verlauf eines Kulturwandels
4.3.2 Positive und negative Effekte einer Unternehmenskultur
5. Die Psychologie initiierter Veränderungsprozesse anhand eines Beispiels
5.1 Ausgangssituation
5.2 Ablauf der Szenarien
5.3 Analyse der Szenarien
6. Kritische Würdigung und Reflexion
7. Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Schnittstellen zwischen Business Process Management (BPM) und psychologischen Faktoren, um zu verdeutlichen, wie Veränderungsprozesse in Unternehmen erfolgreich implementiert werden können. Ziel ist es, Rahmenbedingungen zu identifizieren, unter denen Prozessanpassungen von den Mitarbeitern angenommen werden und die Unternehmenskultur nachhaltig gewandelt werden kann.
- Grundlagen des Business Process Management (BPM)
- Psychologie der Veränderung in Organisationen
- Widerstandsmanagement bei Prozessimplementierungen
- Kulturwandel und seine Auswirkungen auf Unternehmenserfolge
- Szenarioanalyse zur praktischen Anwendung psychologischer Faktoren im BPM
Auszug aus dem Buch
4.1 Change Management
Den Einstieg in das Thema Change Management soll eine Metapher gestalten – eine Metapher über einen Verwaltungspalast und eine Zeltstadt. Metaphern dienen den Menschen seit jeher dazu, Situationen oder Fakten in einer pointierten und bildhaften Weise darzustellen. Die Fachliteratur bewegt sich demgegenüber oft in abstrakten und komplexen Organisationsgebilden. Um sich diese Organisationsgebilde besser vorstellen zu können, wird sich nachfolgend der o. g. Metapher bedient, welche die Zustände einer hoch komplexen und starren Organisation (Verwaltungspalast) und einer flexiblen und adaptiven Organisation (Zeltstadt) darstellt.
„Der Palast: massive Bauweise, auf Jahrzehnte, ja auf Jahrhunderte angelegt, vielleicht mit beeindruckender Einschüchterungsornamentik, mächtige Säulen und Kapitel, lange Flure, dicke Mauern, weite Wege, viele Stockwerke, auf den Etagen Zollstationen mit Zugangsberechtigung, Türschilder als Titelurkunden, starre Regeln und Rituale.
Dagegen die Zeltstadt: mobil, kurze Wege, zwangsläufige Begegnungen, geringer Formalisierungsgrad, locker miteinander verknüpft, flexibel umgruppierbar je nach Bedarf, anpassungsfähig, leicht abzubauen – und an anderer Stelle wieder aufzustellen; aber auch vergleichsweise instabil, von geringerer Lebensdauer, extrem kommunikativ – bis zur Leidensgrenze, weil man sich kaum aus dem Weg gehen kann, der Nachbar hört mit, vielleicht auch gelegentlich Intimes.“ (DOPPLER/FUHRMANN/LEBBE-WASCHKE/VOIGT, 2011, S. 22)
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet den globalen Wettbewerbsdruck und die Notwendigkeit für Unternehmen, sich durch transparente Geschäftsprozesse anzupassen, und definiert das Ziel der Arbeit, Schnittstellen zwischen BPM und Psychologie zu finden.
2. Theoretische Grundlagen: Dieses Kapitel legt die Basis durch Definitionen von BPM, Organisation, Organisationskultur, Change Management, Widerstand und Kulturwandel, ergänzt durch einen Exkurs zur funktionalen und prozessualen Organisation.
3. Business Process Management (BPM): Der Fokus liegt auf der Verankerung von BPM im betrieblichen Kontext, der historischen Entwicklung des Begriffs sowie den Zielen und der Zukunftsperspektive des Prozessmanagements.
4. Psychologie der Veränderung: Das Kapitel behandelt Change Management, die Handlungsfelder der Veränderung, die Gründe für das Scheitern von Projekten, das Management von Widerständen sowie den Kulturwandel.
5. Die Psychologie initiierter Veränderungsprozesse anhand eines Beispiels: Anhand einer Ausgangssituation werden drei Szenarien (Worst-Case, Normal-Case, Best-Case) für eine Prozesszertifizierung durchlaufen und deren Auswirkungen analysiert.
6. Kritische Würdigung und Reflexion: Eine kritische Betrachtung des BPM als Managementmethode wird vorgenommen, wobei hervorgehoben wird, dass BPM allein kein Allheilmittel ist und die menschliche Komponente entscheidend bleibt.
7. Zusammenfassung: Dieses Kapitel liefert einen abschließenden Überblick über die zentralen Inhalte und Erkenntnisse der gesamten Arbeit.
Schlüsselwörter
Business Process Management, Change Management, Widerstandsmanagement, Unternehmenskultur, Kulturwandel, Prozessorganisation, Prozessoptimierung, Geschäftsprozessmanagement, psychologische Faktoren, Change-Projekte, Organisationsgestaltung, Effizienzsteigerung, Managementmethoden, Unternehmensstrategie.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die psychologischen Aspekte, die bei der Einführung von Business Process Management (BPM) in Unternehmen eine entscheidende Rolle spielen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die zentralen Themen sind das Business Process Management, das Change Management, der Umgang mit Widerständen in Organisationen und die Bedeutung der Unternehmenskultur bei Veränderungsprozessen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist die Identifizierung von Schnittstellen zwischen BPM und der Psychologie, um Handlungsempfehlungen für eine erfolgreiche Implementierung neuer Geschäftsprozesse abzuleiten.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse zu BPM und Psychologie sowie auf der Konstruktion und Analyse praxisorientierter Szenarien zur Veranschaulichung der theoretischen Erkenntnisse.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Fundierung von BPM und Organisationspsychologie sowie eine praktische Analyse, in der verschiedene Vorgehensweisen bei der Prozessimplementierung an Beispielszenarien gegenübergestellt werden.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie BPM, Change Management, Widerstandsmanagement, Unternehmenskultur und Prozessorganisation charakterisiert.
Was sind die drei wesentlichen Faktoren für das Scheitern von Change-Projekten laut der zitierten Studie?
Laut dem Hernstein Management Report sind dies der Widerstand der Mitarbeiter, eine mangelhafte Prozesssteuerung sowie ein zu hohes Tempo bei der Durchführung von Veränderungsprojekten.
Welche Rolle spielt die Metapher von "Palast" und "Zeltstadt" im Kapitel zum Change Management?
Sie dient dazu, die Komplexität und die Unterschiede zwischen starren, funktionalen Organisationen (Palast) und flexiblen, adaptiven Organisationsformen (Zeltstadt) bildhaft greifbar zu machen.
Warum ist laut der Arbeit der "Best-Case" im dritten Szenario erfolgreicher?
Der Erfolg im dritten Szenario beruht auf einer frühen, transparenten Kommunikation und der aktiven Einbeziehung der Mitarbeiter als Beteiligte, wodurch Widerstände minimiert und die Akzeptanz erhöht werden.
Was besagt die "Akzeptanzmatrix" für Veränderungsprozesse?
Die Akzeptanzmatrix zeigt, dass ein Großteil der Betroffenen einem Wandel zu Beginn kritisch gegenübersteht und unterstreicht die Notwendigkeit, unterschiedliche Personengruppen (Promotoren, Skeptiker, Gegner) zielgerichtet in den Veränderungsprozess zu integrieren.
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- Urs Kargl (Author), 2012, Psychologie des Business Process Management, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/206780