Bei der vorliegenden Arbeit handelt es sich um eine Biographie über Erwin Rommel, in der vor allem die neueste Forschung berücksichtigt wurde, insbesondere das Buch von Maurice Philip Remy „Mythos Rommel“ aus dem Jahr 2002 sowie die 2004 veröffentliche Biographie von Ralf Georg Reuth „Rommel. Das Ende einer Legende“. Beide sind durch Fernsehdokumentationen auch einer breiteren Öffentlichkeit bekannt geworden und besonders Remy konnte durch die Befragung von etlichen Zeitzeugen und dem Auffinden neuer Dokumente einige Gesichtspunkte neu beleuchten. Als weitere Biographie wurde die Pionierstudie von Desmond Young „Rommel“ von 1950 benutzt.
Mehr als 60 Jahre nach seinem Tod ist Erwin Rommel noch immer einer der bekanntesten deutschen Heerführer des Zweiten Weltkrieges. Sein Name wird unweigerlich mit dem Afrikafeldzug in Verbindung gebracht und als Wüstenfuchs ist er unsterblich geworden. Doch Rommel war weit mehr als der ritterliche Feldmarschall und Meister des Bewegungskrieges, der den Briten in Libyen und Ägypten so schwere Verluste beigebracht hatte. Er war ein hochdekorierter Veteran des Ersten Weltkrieges, ein glühender Verehrer der Person Hitlers und er hatte Kontakt zum zivilen und militärischen Widerstand. Gerade die Verehrung für Hitler und der durch die NS-Propaganda aufgebaute Mythos Rommel führten schon zu Lebzeiten aber auch innerhalb der letzten 60 Jahre dazu, dass der Feldmarschall immer wieder als Nazi-General angesehen wurde. Auch die Frage, in wieweit Rommel in den Widerstand verstrickt war, ist bis heute umstritten. Vom Kriegsende bis in die Gegenwart unterlag sein Bild einem ständigen Wandel. So wurden z.B. 1961 in Goslar am ehemaligen Jägercasino Gedenktafeln für die ehemaligen Kommandanten Erwin Rommel und Heinz Guderian eingeweiht. In der Ansprache wurde Rommel als Feldmarschall, prachtvoller Soldat und großer Mensch geehrt, der ein Vorbild für die Soldaten der jungen Bundeswehr sei. Doch 40 Jahre später, im Mai 2001, entschied die damalige Landesregierung, die Tafeln wieder zu entfernen, mit der Begründung, „[sie] hätten ehrenden Charakter für Repräsentanten eines verbrecherischen Regimes und könnten am derzeitigen Ort [das ehemalige Jägercasino wird mittlerweile als Grundschule genutzt] weder zur Aufarbeitung der Geschichte dienen, noch gar ein Vorbild für die heutige Jugend sein.“1
[...]
1 „Die Tafeln werden abgehängt.“ In: Goslarsche Zeitung, 6.5.2001, zit. nach: Remy, Maurice Philip: Mythos Rommel. München 2004. S. 7.
Inhaltsverzeichnis
I. Einleitung
II. Hauptteil
1. Elternhaus und Ausbildung
2. Im Ersten Weltkrieg: Bewegliche Kriegsführung zwischen den erstarrten Fronten
2.1 Frankreich
2.2 Rumänien
2.3 Der Monte Matajur und der Pour le Mérite
3. Nach dem Krieg: Schlechte Zeiten für militärische Karrieren
4. Im Banne Hitlers
4.1 Immer in zweiter Reihe
4.2 Die Gespensterdivision
4.3 General des Afrika-Korps
5. Mythisierung und Propaganda
5.1 Goebbels Aufmerksamkeit
5.2 Der Marschallstab
6. Von der Skepsis bis zum Vertrauensverlust
6.1 Der „Haltebefehl“ und Wandel Rommels
6.2 In Ungnade
6.3 Der Untergang der Heeresgruppe Afrika und tiefe Depression
6.4 Zwischenstop Italien
7. Widerstand
7.1 Ein Separatfrieden im Westen
7.2 Verbindung zur „Westlösung“
7.3 „Für die Ehre Deutschlands“
8. Rommel und der Nationalsozialismus
8.1 Rommels Bild im Wandel
8.2 Wie viel wusste Rommel über die Verbrechen des Regimes?
9. Rommels Ansehen
9.1 Rommel und die „Stäbler“
9.2 Rommels militärische Leistungen
III. Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht das Leben und Wirken von Erwin Rommel, wobei der Fokus auf dem ständigen Wandel seines Bildes in der Öffentlichkeit, seiner Beziehung zu Adolf Hitler und seinem ambivalenten Verhältnis zum Nationalsozialismus sowie dem Widerstand liegt. Die Arbeit hinterfragt kritisch, inwieweit Rommel als „Nazi-General“ einzuordnen ist und welche Rolle er in den militärischen Widerstandsbemühungen spielte.
- Chronologische Analyse von Rommels militärischer Laufbahn
- Untersuchung der Mythisierung durch die NS-Propaganda
- Evaluation von Rommels Einstellung zum Nationalsozialismus
- Analyse der Distanzierung zu Hitler nach den Erfahrungen in Nordafrika
- Darstellung der Rolle im militärischen Widerstand
Auszug aus dem Buch
2.1 Frankreich
Rommel war Zugführer in der 7. Kompanie des 2. Bataillons seines Stammregiments 124, das zum XIII. (Württembergischen) Armeekorps gehörte. Dieses Armeekorps war Teil der 5. Armee, die aus dem Raum Metz-Saarbrücken durch Luxemburg nach Südbelgien vordringen sollte, um dann in einem Schwenk in südwestliche bzw. südliche Richtung nach Frankreich in Richtung Maas einzumarschieren. Seit dem Mobilmachungsbefehl vom 1. August vollzog sich der deutsche Aufmarsch planmäßig und ohne Störungen und so überschritt auch Rommel ohne Kampfhandlungen am 18. August die deutsch-luxemburgische Grenze und erreichte am 20. August das belgische Meir-le-Tige. Trotz der anstrengenden Märsche der vorangegangenen Tage, seinen ständigen Magenproblemen und eines 24-stündigen Spähtruppunternehmens am Tag zuvor, begann für Rommel am Morgen des 22. August bei der Ortschaft Bleid in der Nähe der Stadt Longwy an der belgisch-französischen Grenze sein erstes Gefecht.
Während des Vormarsches auf Bleid „schlägt uns aus nächster Entfernung eine Salve entgegen. [...] Vergeblich suche ich den nahen Feind mit dem Glas. Da er nicht weit weg sein kann, trete ich mit dem Zug zum Sturm an. – Jedoch die Franzosen reißen aus, ehe wir sie zu sehen bekommen [...]. Wir folgen in Richtung auf Bleid. In der Eile des Gefechts geht der Anschluss links verloren.“ Am Südostausgang von Bleid ließ er seinen Zug halten, er selbst erkundete mit drei weiteren Soldaten die ersten Gebäude des Dorfes. „Da! – kaum 20 Schritt rechts stehen mitten auf der Straße 15 bis 20 Franzosen, Kaffee trinkend, schwatzend, die Gewehre lässig im Arm! Sie sehen mich nicht. Ich gehe wieder in Deckung hinter dem Gebäude. Soll ich den Zug heranholen? Nein! Diese Aufgabe können wir wohl zu viert lösen. [...] Leise entsichern wir die Gewehre, dann springen wir um die Ecke und schießen stehend auf den nahen Feind.“
Zusammenfassung der Kapitel
1. Elternhaus und Ausbildung: Beschreibt Rommels Herkunft aus einem gutbürgerlichen Elternhaus, seine durchschnittliche schulische Laufbahn und den Eintritt in die Armee, der trotz anfänglicher Hindernisse erfolgte.
2. Im Ersten Weltkrieg: Bewegliche Kriegsführung zwischen den erstarrten Fronten: Analysiert Rommels früh ausgeprägtes Führungstalent und seinen Erfolg bei der Anwendung beweglicher Taktiken in Frankreich, Rumänien und Italien, gekrönt durch den Orden Pour le Mérite.
3. Nach dem Krieg: Schlechte Zeiten für militärische Karrieren: Beleuchtet Rommels Festhalten am Militärdienst während der Weimarer Republik, geprägt durch die Heeresbeschränkungen, und seine Tätigkeit als Taktiklehrer.
4. Im Banne Hitlers: Untersucht Rommels wachsende Faszination für Hitler, seinen Aufstieg durch verschiedene Kommandos bis hin zur Führung der 7. Panzerdivision im Frankreichfeldzug.
5. Mythisierung und Propaganda: Beschreibt, wie Joseph Goebbels Rommels militärische Erfolge nutzte, um ihn zu einem Helden und Aushängeschild des Regimes aufzubauen.
6. Von der Skepsis bis zum Vertrauensverlust: Analysiert den Wendepunkt durch die Erfahrungen in Nordafrika, den Haltebefehl Hitlers und die schwindende Loyalität Rommels gegenüber dem Regime.
7. Widerstand: Behandelt Rommels zunehmende Verbindung zu Widerstandskreisen, seine Rolle als Inspekteur des Atlantikwalls und seine Vorhaben eines Separatfriedens im Westen.
8. Rommel und der Nationalsozialismus: Untersucht Rommels ideologische Distanz zum Nationalsozialismus und setzt sich kritisch mit der Frage auseinander, was er über die Verbrechen des Regimes wusste.
9. Rommels Ansehen: Analysiert das Spannungsfeld zwischen Rommel und der Generalstabselite sowie die bleibende militärische Bedeutung seiner Leistungen, die weit über sein Leben hinausreichte.
Schlüsselwörter
Erwin Rommel, Zweiter Weltkrieg, Afrika-Korps, Gespensterdivision, Mythos, NS-Propaganda, Nationalsozialismus, Widerstand, El Alamein, Tobruk, Pour le Mérite, Taktik, Militärgeschichte, Drittes Reich, Feldmarschall
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit primär?
Die Arbeit bietet eine umfassende Biografie von Erwin Rommel, die sich kritisch mit seinem militärischen Erfolg, seinem Aufstieg im NS-Regime und seiner späteren Rolle als Distanzierter bis hin zum Widerständler auseinandersetzt.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die Schwerpunkte liegen auf Rommels militärischer Taktik, der Instrumentalisierung durch die Propaganda, der persönlichen Wandlung gegenüber Hitler und dem schrittweisen Weg in den Widerstand.
Welche Forschungsfrage wird verfolgt?
Die Arbeit untersucht, wie es zu Rommels Wandlung vom glühenden Hitler-Verehrer und „Paradegeneral“ des Regimes zu einem skeptischen, politisch agierenden Feldmarschall kam, der letztlich zum Tode gezwungen wurde.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Arbeit basiert auf einer biographischen Analyse unter Einbeziehung von Primärquellen wie Rommels Briefen, Kriegstagebüchern und Zeitzeugenberichten sowie der Auswertung aktueller historischer Fachliteratur.
Was deckt der Hauptteil inhaltlich ab?
Der Hauptteil erstreckt sich chronologisch von der Ausbildung über die Erfolge im Ersten und Zweiten Weltkrieg, die propagandistische Mythisierung bis zur Phase der Desillusionierung und den Kontakten zu Widerstandskreisen.
Welche Schlagworte charakterisieren das Dokument?
Die Arbeit wird durch Begriffe wie „Mythos Rommel“, „Wüstenfuchs“, „Widerstand“, „Nationalsozialismus“ und „Haltebefehl“ definiert.
Wie bewertet der Autor Rommels Wissen über NS-Verbrechen?
Die Arbeit kommt zu dem Schluss, dass Rommel bei Kämpfen in Nordafrika und Italien zunächst von den Greueltaten an der Ostfront isoliert war, aber durch spätere Informationen über das Unrechtsregime sichtlich erschüttert wurde.
Welche Rolle spielte Rommels Verhältnis zum Generalstab?
Rommel hegte eine tiefe Abneigung gegen die sogenannten „Stäbler“ im Generalstab, die er als „grünen Tisch“-Strategen betrachtete, während er sein eigenes, auf persönlicher Tapferkeit basierendes Führungskonzept propagierte.
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- Matthias Wies (Author), 2006, Generalfeldmarschall Erwin Rommel: Eine Biographie, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/206720