Nicht zuletzt Thilo Sarrazins Buch "Deutschland schafft sich ab" hat bewiesen, dass man mit rechtem Gedankengut unter den richtigen Vorzeichen sehr viel Geld verdienen kann. Hohe Umsätze sind aber auch am ganz rechten Rand möglich. Das Geschäft mit rechtsextremen Szene-Artikeln wie Neonazi-Mode oder Rechtsrock-Tonträgern ist seit Jahren ein Millionengeschäft.
Eine Gefahr für junge Menschen geht dabei vor allem von rechtsextremer Musik aus, die als Einstiegsdroge in die Szene bekannt ist, was sich regelmäßig auch
rechtsextreme Organisationen wie die NPD oder Freie Kameradschaften zunutze
machen.
Trotz der Gefahr, die von Rechtsrock ausgeht, ist verhältnismäßig wenig über Größe und Ausmaß des rechtsextremen Musikmarktes bekannt. Seit Aufkommen der Neonazimusik in den 80er Jahren des 20. Jahrhunderts erschienen viele Veröffentlichungen über die vermittelten Inhalte und Strukturen hinter der
menschenverachtenden Musik. Eine tiefgehende Auseinandersetzung mit den ökonomischen Aspekten der rechten Musikszene fand in Deutschland jedoch noch nicht statt.
In dieser Arbeit wird deshalb versucht, einen Überblick über die rechtsextreme
Musikwirtschaft zu geben. Dabei wird insbesondere auf die Strukturen während der Entwicklung, der Produktion und der Verwertung von Rechtsrock eingegangen. Im Rahmen dessen werden relevante Kennzahlen angegeben und ermittelt. Zudem soll die Frage beantwortet werden, welche der Akteure wie viel Geld mit Rechtsrock verdienen und selbstverständlich auch, welche Akteure überhaupt von der Initiierung bis zum Konsumenten an der Wertschöpfung beteiligt sind.
In Kapitel 2 werden hierfür zunächst relevante Hintergründe erläutert und für diese Arbeit wichtige Begriffe definiert und abgegrenzt. Auf die bei dieser Arbeit verwendeten Methoden wird ebenfalls eingegangen. In Kapitel 3 werden anschließend Hypothesen aufgestellt, die im Verlauf der Arbeit überprüft werden. Die ausführliche Auseinandersetzung mit dem rechtsextremen Musikmarkt in der Bundesrepublik Deutschland findet in Kapitel 4 statt. Abschließend erfolgt in Kapitel 5 die Überprüfung der Hypothesen. Alle gesammelten Erkenntnisse werden in Kapitel 6 schließlich zu einem schlüssigen Fazit zusammengefasst.
Inhaltsverzeichnis
1. Einführung
2. Theoretischer Bezugsrahmen
2.1 Methoden
2.2 Definitionen
2.2.1 Musikmarkt
2.2.2 Rechtsextremismus und Rechtsradikalismus
2.2.3 Rechtsextreme Musik
2.2.4 Wertschöpfung
2.3 Rechtliche Grundlagen
2.4 Entwicklung rechtsextremer Musik in der Nachkriegszeit
2.4.1 Entwicklung der Skinhead-Kultur
2.4.2 Ian Stuart Donaldson, Skrewdriver und White Noise
2.4.3 Rock-O-Rama und Blood & Honour
2.4.4 Rechtsrock kommt nach Deutschland
2.4.5 Rechtsrock nach der Wende
3. Hypothesen
4. Der Markt für rechtsextreme Musik
4.1 Akteure
4.1.1 Bands
4.1.2 Produktion
4.1.2.1 Labels
4.1.2.2 Bandmanager
4.1.2.3 Anwälte
4.1.2.4 Herstellung
4.1.3 Vertrieb
4.1.3.1 Einzelhandel
4.1.3.2 Online-Vertriebe
4.1.3.3 Internetradios
4.1.3.4 Youtube
4.1.3.5 Online-Tauschbörsen
4.1.3.6 Klandestiner Vertrieb
4.1.3.7 Social Media
4.1.3.8 Wandel durch das Internet
4.1.3.9 GEMA und Musikverlage
4.1.4 Veranstaltungen
4.1.5 Rechtsextreme Organisationen
4.1.6 Zielgruppe
4.1.6.1 Marktsegmentierung
4.1.6.2 Quantitative Einschätzung
4.2 Wertschöpfungsprozess
4.2.1 Entwicklung
4.2.1.1 Bands
4.2.1.2 Labels
4.2.1.3 Rechtsextreme Parteien und Organisationen
4.2.2 Produktion
4.2.2.1 Studios und Aufnahme
4.2.2.2 Tonträgerhersteller
4.2.2.3 Druckereien
4.2.3 Verwertung
4.2.3.1 Direktvertrieb
4.2.3.2 Mailorder- und Onlinevertriebe
4.2.3.3 Einzelhandel
4.2.3.4 Handvertrieb
4.2.3.5 Konzerte
4.2.3.6 Klandestiner Vertrieb
4.2.3.7 Merchandise
4.3.3.8 Youtube, Social Media und Internetradios
4.3 Qualitative Aspekte des Marktes
4.4 Marktgröße
4.5 Art des Marktes
5. Hypothesenprüfung
6. Fazit
7. Anhang
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit analysiert die ökonomischen Strukturen und Wertschöpfungsprozesse der rechtsextremen Musikszene in Deutschland. Ziel ist es, die Akteure, Vertriebskanäle und Finanzströme des Rechtsrocks zu beleuchten, um zu verstehen, wie kommerzielle Mechanismen innerhalb dieses politisch radikalen Umfelds funktionieren.
- Analyse der Akteursstruktur im rechtsextremen Musikmarkt (Bands, Labels, Manager)
- Untersuchung der Wertschöpfungskette und ökonomischer Umsatzströme
- Evaluierung der Auswirkungen des Internets auf Vertrieb und Reichweite
- Quantifizierung und Segmentierung der Zielgruppen
- Überprüfung der Hypothesen zu Professionalisierung und Finanzierbarkeit der Szene
Auszug aus dem Buch
4.1.3.1 Einzelhandel
Im Einzelhandel werden Rechtsrock-CDs von Militaria-Läden vertrieben, die sich auch mit Bekleidung und weiterem szenetypischen Angebot an rechtsextreme Kunden richten. Auf gezielte Nachfrage ist es hier immer wieder möglich, illegale und jugendgefährdende Inhalte zu bekommen. Solche „Szene-Läden“ existierten 2001 nach Schätzungen von Henning Flad und Klaus Farin zwischen 60 und 80. Trotz des Einbruchs der CD-Verkaufszahlen dürfte sich die Zahl er Ladengeschäfte aufgrund des regelrechten Booms um Nazikleidung kaum verringert haben. Im Gegenteil, vor allem im Osten haben sich Naziläden in den letzten Jahren etablieren können. Sogar im Dresdner Kaufhaus Mälzerei befindet sich ein Army-Shop, der in der Hauptsache Neonazis als Kunden anspricht.
Auch Labels setzen im Selbstvertrieb nicht ausschließlich auf Online-Shops und Mailordern. PC Records besitzt in Chemnitz beispielsweise ein eigenes Ladengeschäft.
Bei großen Einzelhändlern, die CDs anbieten (Saturn, Media Markt, Müller etc.) finden sich in der Regel Tonträger von Bands aus der Grauzone wie den Böhsen Onkelz oder der Band Frei.Wild. Indizierte Rechtsrock-Tonträger sind hier genauso wenig erhältlich wie legale CDs einschlägig bekannter Rechtsrockbands wie Noie Werte.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einführung: Darstellung der gesellschaftlichen Relevanz des Themas und der Zielsetzung der Untersuchung ökonomischer Aspekte im rechtsextremen Musiksektor.
2. Theoretischer Bezugsrahmen: Definition grundlegender Begriffe wie Musikmarkt, Rechtsextremismus und Wertschöpfung sowie ein historischer Abriss zur Entwicklung der Szene.
3. Hypothesen: Aufstellung der leitenden Annahmen zu Professionalität, Internetnutzung und Marktgröße der Szene.
4. Der Markt für rechtsextreme Musik: Detaillierte Analyse der Akteure, Vertriebswege, Wertschöpfungsprozesse und Zielgruppen innerhalb des rechtsextremen Musikmarktes.
5. Hypothesenprüfung: Überprüfung und Verifizierung der im dritten Kapitel aufgestellten Hypothesen anhand der erhobenen Daten.
6. Fazit: Zusammenfassende Bewertung der Ergebnisse, insbesondere zur ökonomischen Bedeutung von Merchandise und Internetvertrieb.
7. Anhang: Auflistung der verwendeten Literatur, Internetquellen und relevanten Gesetzestexte.
Schlüsselwörter
Rechtsextremismus, Musikwirtschaft, Rechtsrock, Vertrieb, Wertschöpfung, Skinhead-Kultur, NPD, Internetvertrieb, Marktsegmentierung, Indizierung, Konzerte, Szene-Handel, Online-Shops, Musikproduktion, Professionalisierung
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die ökonomischen Hintergründe und Strukturen des Marktes für rechtsextreme Musik, also des sogenannten Rechtsrocks, in Deutschland.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die Wertschöpfungskette von der Produktion bis zum Vertrieb, die Rolle des Internets, die Bedeutung von Merchandise sowie die Identifikation der Zielgruppen.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das Ziel ist ein Überblick über die ökonomischen Aspekte, die Aufklärung über Finanzströme und die Identifizierung der beteiligten Marktakteure.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine Sekundäranalyse auf Basis wissenschaftlicher Studien, Presseberichten, Fachliteratur sowie Expertengesprächen mit Klaus Farin und Martin Langebach.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert Akteure wie Bands, Labels und Verlage, Vertriebswege vom Einzelhandel bis zu illegalen Downloads, sowie die Segmentierung der Zielgruppen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den wichtigsten Begriffen zählen Rechtsextremismus, Rechtsrock, Musikwirtschaft, Wertschöpfung und Vertrieb.
Welche Rolle spielt das Internet für den Vertrieb?
Das Internet wird als zentrales Medium für den Online-Vertrieb und zur Umgehung von Jugendschutzbarrieren durch illegale Downloads und Videoportale wie Youtube identifiziert.
Warum ist das Geschäft mit Merchandise bedeutsam?
Merchandise, insbesondere Kleidung von Marken wie Thor Steinar, hat sich als ökonomisch bedeutsamer als der reine Tonträgerverkauf entwickelt und stellt heute oft die Haupteinnahmequelle dar.
Inwiefern hat sich die Szene professionalisiert?
Trotz vieler Kleinstunternehmen gibt es eine zunehmende marktwirtschaftliche Ausrichtung bei Preisen und Vertrieb, wobei jedoch ein großer Teil der Szene weiterhin ideologisch und weniger profitorientiert arbeitet.
Was sagt die Arbeit über die Rolle der NPD aus?
Parteien wie die NPD nutzen Musik als Werbemittel (Schulfhof-CDs), organisieren Konzerte und sind eng mit Strukturen der Szene sowie dem Vertrieb vernetzt.
- Arbeit zitieren
- Adrian Kummer (Autor:in), 2012, Darstellung und Analyse des Marktes für rechtsextreme Musik in Deutschland, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/206698