Macht hat im beruflichen Kontext und insbesondere in der Führung von Mitarbeitern eine besondere Bedeutung, da die Ausübung und der professionelle Umgang mit Macht dort zum alltäglichen Geschäft gehören. In der vorliegenden Arbeit wird die zentrale Frage untersucht, auf welche Weise das Verhalten von Führungskräften im organisationalen Handeln von Machtaspekten determiniert wird und welche Bedeutung infolge dessen der Macht als zentrales Steuerungselement in Bezug auf dieses Verhalten zugeschrieben werden kann. Ausgangspunkt der Analyse sind die theoretischen Erkenntnisse zur Machtthematik in Bezug auf das Führungsverhalten in sozialen Organisationen. Ergänzend dazu wird eine Differenzierung der formalen und informellen Macht vorgenommen sowie eine Vorstellung individuelle Machtressourcen realisiert. Insbesondere ist hierbei von Bedeutung, welche Machtstrategien sich daraus ergeben und welche Auswirkungen die Auffassung und Akzeptanz der diversen Machtfaktoren für das organisationale und somit zielgerichtete Handeln haben.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Macht in Organisationen – eine theoretische Annäherung
2.1. Prinzip der Interdisziplinarität
2.2. Zum Begriff der Macht
2.3. Formale und informelle Macht
2.4. Individuelle Machtressourcen
3. Macht und Führungsverhalten – eine interpersonelle Analyse
3.1. Faktische Macht und Führungsstrategien
3.2. Überzeugungen, Einstellungen und Intentionen
3.3. Macht der Sympathie
4. Macht und Souveränität - eine mikropolitische Determinante
4.1. Führungsrolle und Machtzyklus
4.2. Führungsverantwortung und Führungserfolg
5. Schlussbemerkungen und Bilanz
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht, auf welche Weise das Verhalten von Führungskräften in sozialen Organisationen durch Machtaspekte determiniert wird und welche Bedeutung der Macht als zentralem Steuerungselement für das Führungshandeln zukommt.
- Theoretische Annäherung an das Phänomen Macht in Organisationen
- Differenzierung zwischen formalen und informellen Machtstrukturen
- Interpersonelle Analyse von Macht im Führungsverhalten
- Mikropolitische Aushandlungsprozesse und Führungssouveränität
- Bedeutung von Vertrauen, Zutrauen und Sympathie für die Machtausübung
Auszug aus dem Buch
2.2. Zum Begriff der Macht
„We all know perfektly well, what it is – until someone asks us“. (Bierstedt in Schülein 2007, 13) Macht lässt sich dieser plakativen Aussage zufolge, nicht auf eine einfache Formel reduzieren und wird umso komplexer, je präziser versucht wird, sich dem Begriff anzunähern.
Im deutschen Sprachgebrauch geht es bei dem Begriff Macht immer auch um das Verhältnis zu Herrschaft, Einfluss, Entscheidung, Autorität und Gewalt. Allesamt Begriffe, die in sich nicht weniger Komplexität aufweisen, als der Terminus Macht selbst. Seinen begrifflichen Ursprung hat das Wort Macht im Gotischen „magan“, was soviel wie „vermögend“ bedeutet. Ergänzend dazu leitet sich das Englische „power“ respektive das Französische „povoire“ vom lateinischen Wort „potis“, also „vermögend, mächtig“, ab (Scholl 2012, 204). Dabei wird deutlich, dass beide Sprachfamilien nur ein Potenzial signalisieren, das positiv wie negativ genutzt werden kann.
Hinzu kommen kulturspezifische Variationen, die das semantische Feld von Macht, power oder pouvoire, um an die oben genannten Beispiele anzuknüpfen, nur bedingt greifen lassen (Schülein 2007, 13). Anders als etwa im angelsächsischen Raum, wo der Begriff power zumindest neutral geprägt ist, ist im deutschen Sprachgebrauch, vor allem aufgrund geschichtlicher und politischer Erfahrungen mit absolutistischen Führungsmustern und mangelnder Machtkontrolle, der Begriff Macht überwiegend negativ konnotiert. Allerdings haben sich viele Disziplinen eine offene und objektive Auseinadersetzung mit dem Thema Macht zum Ziel gesetzt, um den negativen Charakter definitorisch aufzubrechen und gleichermaßen positive respektive neutrale Perspektiven aufzuzeigen, die in abstracto implizit vorhanden sind.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die immanente Hierarchie zwischen Führungskräften und Mitarbeitern und führt in die zentrale Fragestellung der Macht als Steuerungselement ein.
2. Macht in Organisationen – eine theoretische Annäherung: Dieses Kapitel nähert sich dem Machtbegriff interdisziplinär, grenzt formale von informeller Macht ab und erläutert individuelle Machtressourcen.
3. Macht und Führungsverhalten – eine interpersonelle Analyse: Hier wird untersucht, wie faktische Macht, Überzeugungen und Sympathie in der direkten Interaktion zwischen Führungskraft und Mitarbeiter wirken.
4. Macht und Souveränität - eine mikropolitische Determinante: Dieses Kapitel analysiert Führung als Teil mikropolitischer Prozesse und beleuchtet die Verantwortung der Führungskraft in sozialen Organisationen.
5. Schlussbemerkungen und Bilanz: Das Fazit fasst zusammen, dass Macht ein komplexes Steuerungselement ist und Führungskräfte für den Erfolg diplomatisches, reflektiertes und verantwortungsvolles Handeln benötigen.
Schlüsselwörter
Macht, Führung, Organisation, Soziale Organisation, Machtressourcen, Interdisziplinarität, Mikropolitik, Führungsverhalten, Einflussnahme, Vertrauen, Zutrauen, Sympathie, Souveränität, Machtstrategien, Führungsverantwortung.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht die Bedeutung von Macht als zentralem Steuerungselement des Führungsverhaltens in sozialen Organisationen.
Was sind die zentralen Themenfelder der Arbeit?
Die Schwerpunkte liegen auf theoretischen Machtkonzepten, der Unterscheidung von formaler und informeller Macht, der zwischenmenschlichen Analyse von Führung sowie mikropolitischen Aushandlungsprozessen.
Was ist die primäre Forschungsfrage?
Die zentrale Frage ist, auf welche Weise das Verhalten von Führungskräften im organisationalen Handeln durch Machtaspekte determiniert wird.
Welche wissenschaftlichen Methoden werden verwendet?
Die Arbeit nutzt eine interdisziplinäre Herangehensweise, insbesondere unter Rückgriff auf soziologische und psychologische Theorien, um Machtphänomene zu analysieren.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in eine theoretische Annäherung an den Machtbegriff, eine Analyse von Führung unter interpersonellen Aspekten sowie eine Untersuchung der Führungsrolle im Kontext mikropolitischer Determinanten.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Zu den prägenden Begriffen gehören Macht, Führung, soziale Organisation, Mikropolitik, Vertrauen und Führungsverantwortung.
Wie unterscheidet die Autorin zwischen formaler und informeller Macht?
Formale Macht beruht auf bürokratischen Regelwerken wie Stellenbeschreibungen, während informelle Macht auf individuellen Verhaltensabsichten und psychologischen Faktoren basiert.
Warum spielt das Thema "Sympathie" eine wichtige Rolle für Führungskräfte?
Sympathie wirkt als informelle Machtressource; sie steigert das Vertrauen und Zutrauen der Mitarbeiter, was die Akzeptanz und Umsetzung der Ziele der Führungskraft erleichtert.
Was ist das Ergebnis in Bezug auf die „Souveränität“ der Führungskraft?
Die Autorin kommt zu dem Schluss, dass eine generelle Autonomie oder unbeschränkte Souveränität der Führungskraft eine Illusion ist; vielmehr agieren Führungskräfte in wechselseitigen Abhängigkeitsverhältnissen.
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- Monika Thiem (Author), 2012, Macht und Souveränität von Führungskräften, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/206641