Das Annolied gehört heute zu einer wichtigen Quelle für Forschungen über mittelalterliche Literatur. Da keine originale Fassung mehr vorhanden ist, spielt die Edition des deutschen Dichters und Literaturwissenschaftlers Martin Opitz von 1639 für die heutige Forschung eine besonders wichtige Rolle.
Inhaltsverzeichnis
1. Einleitung
2. Martin Opitz
2.1 Vita
2.2 Sprachgesellschaften
3. Annolied
3.1 Anno als historische Figur
3.2 Das Annolied
4. Das Annolied in der Edition von Martin Opitz
4.1 Kommentare
5. Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Bedeutung der Edition des Annolieds durch Martin Opitz im Jahr 1639. Im Zentrum steht dabei die Forschungsfrage, inwiefern Opitz mit der editorischen Bearbeitung dieses mittelalterlichen Werkes die Ziele der von ihm mitbegründeten "Fruchtbringenden Gesellschaft" verfolgte und wie die Veröffentlichung in den Kontext seiner sprachpolitischen Bestrebungen einzuordnen ist.
- Biografische Hintergründe von Martin Opitz
- Rolle und Ziele der barocken Sprachgesellschaften
- Historische Einordnung von Anno II. und dem Annolied
- Analyse der Opitz-Edition des Annolieds
- Sprachwissenschaftliche Bedeutung der Kommentierung
Auszug aus dem Buch
2.2 Sprachgesellschaften
Im 17. Jahrhundert werden viele sogenannte Sprachgesellschaften gegründet, die das Ziel haben, das Deutsche mittels verbindlicher Regeln als Hochsprache zu etablieren, mit welcher hochwertige Texte erzeugt werden. Mitglieder dieser Gesellschaften verfassten grammatikographische du lexikographische Arbeiten, sprachkritische Abhandlungen und Dichtungen, in denen die stilistischen Möglichkeiten der deutschen Sprache verdeutlicht werden sollten.
Die „Fruchtbringende Gesellschaft“, auch „Palmenorden“ genannt, welcher auch Martin Opitz angehörte, war mit fast 900 Mitgliedern die größte Gruppe dieser Art im Barock. Andere Gesellschaften waren zum Beispiel die „Aufrichtige Gesellschaft von den Tannen“, die „Teutschgesinnete Genossenschaft“, der „Pegnesische Blumenorden“ oder der „Elbschwanenorden“.
Der Palmenorden wurde 1617 von einer Gruppe Adliger um Fürst Ludwig I. von Anhalt-Köthen gegründet. Zwar waren die meisten Mitglieder adelig, Bürgerlichen war die Mitgliedschaft jedoch ebenfalls erlaubt. Darüber hinaus waren es mehrheitlich die bürgerlichen Mitglieder, die sich um das eigentliche Ziel der Gesellschaft bemühten. Die meisten Arbeiten für Sprach- und Dichtungspflege wurden tatsächlich von nichtadligen Mitgliedern geschrieben.
Zunächst wurde der Schwerpunkt allerdings auf gesellschaftliche statt sprachwissenschaftliche Themen gelegt. Durch die Mitgliedschaft in einem Orden konnten die bürgerlichen Grammatiker eine bestimmte Haltung ausdrücken; die Mitgliedschaft war auf der andere Seite auch eine Möglichkeit, zu gesellschaftlichem Prestige zu kommen. Andererseits waren die Grundsätze des Palmenordens gar nicht standesbewusst: Die Palme als Symbol sollte die Gleichheit und Nützlichkeit aller Teile (sowohl der Pflanze als auch im übertragenen Sinn der Gesellschaft) ausdrücken.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Einleitung: Dieses Kapitel führt in die Thematik ein, stellt die Bedeutung der Opitz-Edition für die heutige Forschung dar und formuliert die zentralen Fragestellungen der Arbeit.
2. Martin Opitz: Hier wird der Lebensweg von Martin Opitz beleuchtet und die historische Bedeutung der Sprachgesellschaften sowie deren Wirken im Barock erläutert.
3. Annolied: Dieses Kapitel widmet sich der historischen Person Anno II. sowie einer inhaltlichen und strukturellen Beschreibung des frühmittelhochdeutschen Annolieds.
4. Das Annolied in der Edition von Martin Opitz: Dieser Abschnitt untersucht die Entstehung und Eigenheiten der Ausgabe von 1639, insbesondere die Rolle der Kommentare im Kontext der sprachreformerischen Bestrebungen des Autors.
5. Fazit: Das Fazit fasst die wissenschaftliche Relevanz der Edition zusammen und reflektiert die Einbettung des Werkes in die barocke Literaturpraxis.
Schlüsselwörter
Martin Opitz, Annolied, Sprachgesellschaften, Fruchtbringende Gesellschaft, Barock, Edition, Deutsche Sprache, Anno II., Sprachgeschichte, Literaturwissenschaft, Humanismus, Philologie, Hochsprache, Palmenorden, Sprachpflege.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Edition des Annolieds, die 1639 von dem bedeutenden barocken Dichter Martin Opitz veröffentlicht wurde, und untersucht deren Kontext.
Was sind die zentralen Themenfelder der Analyse?
Die zentralen Themen sind die Biografie von Martin Opitz, die Rolle der Sprachgesellschaften im 17. Jahrhundert sowie die historische Analyse des Annolieds und dessen Edition.
Was ist das primäre Ziel oder die zentrale Forschungsfrage?
Das Ziel ist es zu ergründen, inwiefern Opitz mit seiner Edition des Annolieds die Ziele der Sprachgesellschaften, insbesondere die Etablierung des Deutschen als Kunstsprache, vorantreiben wollte.
Welche wissenschaftliche Methode wurde für die Arbeit verwendet?
Es handelt sich um eine literatur- und sprachhistorische Analyse, die auf Sekundärliteratur zur Barockliteratur und der Biografie des Autors basiert.
Was wird im Hauptteil der Arbeit behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die Vorstellung von Opitz und seinem Wirken, eine Einführung in das Annolied und die detaillierte Untersuchung seiner editorischen Leistung.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die vorliegende Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Martin Opitz, Annolied, Sprachgesellschaften, Barock, Sprachpflege, Philologie und Editionstechnik.
Welche Rolle spielte die "Fruchtbringende Gesellschaft" für Opitz?
Sie diente als organisatorischer und ideologischer Rahmen für Opitz' Bemühungen, das Deutsche zu systematisieren und das Ansehen der Muttersprache zu heben.
Warum ist das Annolied für die Barockforschung interessant?
Es bietet einen Einblick, wie Gelehrte des 17. Jahrhunderts mit mittelalterlichen Texten umgingen, diese edierten und sie für ihre zeitgenössischen Zwecke nutzten.
Was ist über das Manuskript bekannt, das Opitz verwendete?
Opitz erwähnte eine "membrana vetus", deren genauer Ursprung jedoch unklar bleibt, da die Handschrift nach seinem Tod verloren ging.
Warum fügte Opitz seiner Edition lateinische Kommentare bei?
Die Kommentare dienten dazu, schwierige mittelhochdeutsche Stellen für zeitgenössische Leser verständlich zu machen und die Sensibilität für die deutsche Sprachgeschichte zu wecken.
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- Kristina Fittges (Autor:in), 2011, Martin Opitz und seine Fassung des Annolieds, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/206422