Die vorliegende Arbeit widmet sich der Fragestellung, wie wertrelevant die Jahresabschlussinformationen zu Finanzinstrumenten sind, d.h. inwieweit die Werte der Rechnungslegung den Börsenwert (Marktwert des Eigenkapitals) erklären können. Besonders in Bezug auf die Bewertung von Finanzinstrumenten spielt die Fair-Value-Bewertung eine wichtige Rolle. Gerade an aktiven Märkten gehandelte Finanzinstrumente unterliegen Wertschwankungen, die bei einer Fair-Value-Bewertung sofort ergebniswirksam in der Gewinn- und Verlustrechnung berücksichtigt werden. Diese prozyklische Wirkung war insbesondere während der Finanzkrise zu beobachten. Bei nicht beobachtbaren Märkten werden Fair Values anhand von vergleichbaren Vermögenswerten oder Bewertungsmodellen geschätzt. Diese Arbeit versucht zu klären, wie entscheidungsnützlich die Fair Values von Finanzinstrumenten für Investoren sind.
Hierfür werden in einem ersten Teil die konzeptionellen Grundlagen und Begriffsdefinitionen zur Einordnung des Themas zu gegeben. Zunächst erfolgt ein Überblick über die Bewertung von Finanzinstrumenten. Bevor einzelne Studien zu Wertrelevanz-Untersuchungen von Finanzinstrumenten vorgestellt werden, ist es wichtig, das wissenschaftliche Konzept der Wertrelevanz-Forschung kurz zu erläutern. Die Ergebnisse ausgewählter Studien werden anschließend anhand verschiedener Kriterien dargestellt: Zunächst ist die Frage zu klären, wie wertrelevant Fair Values im Vergleich zu historischen Anschaffungskosten sind. Desweiteren ist zu untersuchen, ob es einen Unter-schied hinsichtlich der Wertrelevanz zwischen Bilanzansatz und Anhangangabe sowie zwischen den einzelnen Fair-Value-Leveln gibt. Abschließend werden die Anhangangaben von derivativen Finanzinstrumenten betrachtet.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Konzeptionelle Grundlagen der Bewertung von Finanzinstrumenten nach IFRS
2.1 Grundsätze der Fair-Value-Rechnungslegung
2.2 Bewertung von Finanzinstrumenten
3 Wertrelevanz von Finanzinstrumenten
3.1 Konzept der Wertrelevanz
3.2 Ergebnisse ausgewählter Wertrelevanz-Studien
3.2.1 Fair Values vs. Anschaffungskosten
3.2.2 Anhangangaben (Disclosure vs. Recognition)
3.2.3 Fair-Value-Hierarchien
3.2.4 Anhangangaben von Derivaten
4 Thesenförmige Zusammenfassung
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit untersucht die Wertrelevanz von Jahresabschlussinformationen zu Finanzinstrumenten und analysiert, inwieweit Fair-Value-Bewertungen für Investoren entscheidungsnützliche Informationen liefern und den Marktwert von Unternehmen erklären können.
- Grundlagen der Fair-Value-Rechnungslegung nach IFRS
- Konzeptionelle Einordnung der Wertrelevanz-Forschung
- Empirische Evidenz zur Vergleichbarkeit von Fair Values und Anschaffungskosten
- Auswirkungen von Anhangangaben gegenüber Bilanzansätzen
- Rolle von Fair-Value-Hierarchien und Derivaten bei der Entscheidungsfindung
Auszug aus dem Buch
3.1 Konzept der Wertrelevanz
Der vorhergehende Grundlagenteil hat gezeigt, dass hinsichtlich der Fair-Value-Bewertung Bewertungsspielräume in Wertansatz und Klassifikation von Finanzinstrumenten, insbesondere mit der Fair-Value-Option, bestehen. Um die Frage zu klären, ob Jahresabschlussinformationen zu Finanzinstrumenten wertrelevant sind, wird im Folgenden das Konzept der Wertrelevanz erläutert. Die entscheidende Forschungsfrage der Studien zur Kapitalmarktrelevanz ist, inwieweit Jahresabschlussinformationen für Investoren entscheidungsnützlich sind. In der Literatur ist die Rede von kapitalmarktrelevanter Rechnungslegungsinformationen, wenn ein Zusammenhang zwischen Rechnungslegungs- und Kapitalmarktinformationen, z.B. den Aktienkursen, gemessen werden kann. Dies führt zu dem Konzept der Informationseffizienz (Markt-Effizienz-Hypothese), welches auf FAMA (1970) zurückgeht.
Dieses unterteilt strenge, mittelstrenge und schwache Informationseffizienz. Liegt eine schwache Informationseffizienz vor, sind in den aktuellen Preisen nur historische Kursinformationen enthalten. Zukünftige Kurse können nicht mittels Analyse vorhergesagt werden, da diese der „Random Walk Theorie“, d.h. einem zufälligen Verlauf, folgen. In einem mittelstrengen informationseffizienten Markt sind alle öffentlich zugänglichen Informationen in den Aktienkursen eingepreist. Durch Jahresabschlussanalysen können keine Überrenditen erzielt werden. In der strengen Form der Informationseffizienz sind alle vorhanden Informationen bereits in den Kurs enthalten, d.h. auch Insiderinformationen können nicht zu Überrenditen führen.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung führt in die Fragestellung ein, inwieweit Fair-Value-Informationen den Börsenwert von Unternehmen erklären können, und skizziert den Aufbau der Untersuchung.
2 Konzeptionelle Grundlagen der Bewertung von Finanzinstrumenten nach IFRS: Dieses Kapitel erläutert die relevanten IFRS-Standards sowie die Grundprinzipien der Bewertung, einschließlich der Kategorisierung und Ausbuchung von Finanzinstrumenten.
3 Wertrelevanz von Finanzinstrumenten: Der Hauptteil analysiert das theoretische Konzept der Wertrelevanz und präsentiert die Ergebnisse ausgewählter empirischer Studien zu Fair Values, Hierarchien und Anhangangaben.
4 Thesenförmige Zusammenfassung: Das abschließende Kapitel fasst die wesentlichen Erkenntnisse zusammen und bewertet die Fair-Value-Bewertung im Kontext der Finanzkrise.
Schlüsselwörter
Fair-Value-Bewertung, Wertrelevanz, Finanzinstrumente, IFRS, Jahresabschluss, Investorenentscheidungen, Kapitalmarkteffizienz, Anhangangaben, Bilanzierung, Finanzkrise, IAS 39, IFRS 9, Bewertungsmodelle, Entscheidungsnützlichkeit, Aktienkurse.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der vorliegenden Arbeit?
Die Arbeit befasst sich mit der Frage, ob Informationen über Finanzinstrumente in Jahresabschlüssen für Anleger wertrelevant sind, d.h. ob sie dazu beitragen, den Marktwert von Unternehmen zu erklären.
Welche zentralen Themenfelder werden behandelt?
Die zentralen Felder sind die Fair-Value-Rechnungslegung nach IFRS, das wissenschaftliche Konzept der Wertrelevanz sowie empirische Erkenntnisse aus der Kapitalmarktforschung.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Das primäre Ziel besteht darin, zu klären, wie entscheidungsnützlich Fair-Value-Bewertungen für Investoren sind und ob sie im Vergleich zu historischen Anschaffungskosten einen Mehrwert bieten.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Es handelt sich um eine theoretische Analyse, die auf einer umfassenden Auswertung bestehender empirischer Kapitalmarktstudien (Assoziationsstudien) basiert.
Welche Inhalte stehen im Hauptteil im Fokus?
Der Hauptteil gliedert sich in eine konzeptionelle Basis und die detaillierte Vorstellung von Studien zu Fair-Value-Leveln, Anhangangaben und dem Vergleich zu Anschaffungskosten.
Welche Begriffe charakterisieren die Arbeit am besten?
Wichtige Begriffe sind Fair-Value, Wertrelevanz, Finanzinstrumente, IFRS-Rechnungslegung und Kapitalmarkteffizienz.
Welche Rolle spielen Fair-Value-Hierarchien bei der Wertrelevanz?
Die Arbeit verdeutlicht, dass die Wertrelevanz stark von der Eingruppierung abhängt; insbesondere Level-1- und Level-2-Daten werden von Investoren höher bewertet als Level-3-Daten, da diese weniger subjektiv geschätzt sind.
Wie bewertet die Autorin den Einfluss der Fair-Value-Bilanzierung auf die Finanzkrise?
Auf Basis der analysierten Literatur kommt die Autorin zu dem Schluss, dass es nur geringe Anzeichen dafür gibt, dass die Fair-Value-Bilanzierung maßgeblich zur Krise beigetragen hat, da andere Faktoren wie regulatorische Anforderungen schwerer wogen.
- Arbeit zitieren
- Annika Theis (Autor:in), 2012, Die Wertrelevanz von Jahresabschlussinformationen zu Finanzinstrumenten: Wie relevant ist die Fair-Value-Bewertung?, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/206397