Die vorliegende Arbeit hat zum Ziel, die zumeist auf Einzelaspekte des Themas fokussierten Darstellungen in der Literatur zu bündeln, um sowohl eine verständliche und geordnete Übersicht über die Anredepronomen im peninsularen Spanisch zu geben, als auch tiefer ins Detail zu gehen als dies die meisten Standardgrammatiken leisten.
Daher soll im Folgenden zunächst eine Übersicht über das der Anrede zugrunde liegende Pronominalsystem gegeben und anschließend dessen historische Entwicklung aufgezeigt werden. Kernstück dieser Abhandlung ist die Frage nach der Verwendung der Pronomen, also nach Situationen, in denen typischerweise geduzt oder gesiezt wird. Zudem werden in diesem Zusammenhang Faktoren aufgezeigt und systematisiert, welche diese Entscheidung beeinflussen sowie knapp regionale Besonderheiten erläutert. Schlussendlich soll die Frage beantwortet werden, ob es eine „richtige“ und eine „falsche“ Verwendung der Anredepronomen in der spanischen Sprache im Sinne einer abschließenden Normierung gibt. Hierbei wird der Fokus der Untersuchungen jeweils auf dem Spanischen der iberischen Halbinsel liegen.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Übersicht über die Anredepronomen des Spanischen
3 Entstehung des heutigen Pronominalsystems
3.1 Historische Entwicklung der Anredepronomen
3.2 Das Pronomen usted(es) und seine Eigenschaften
3.2.1 Allgemeine Bemerkungen
3.2.2 Stellung des Pronomens usted(es) im Satz
4 Die Verwendung der Pronomen im peninsularen Spanisch
4.1 Systematisierung der Beziehungen zwischen Kommunikationspartnern
4.1.1 Postulate von Brown und Gilman: Kriterium Symmetrie
4.1.2 Real Academia Española: Kriterien Gesprächssituation und -position
4.2 Anwendung von trato de confianza und trato de respeto (nach der Real Academia Española)
4.2.1 trato de confianza
4.2.2 trato de respeto
4.2.2.1 Gewöhnlicher Gebrauch
4.2.2.2 Distanzierender Gebrauch des trato de respeto
4.2.2.3 Substantivischer Ausdruck
4.3 Regionale Abweichungen
4.3.1 tratamiento unificado in Andalusien und auf den Kanarischen Inseln
4.3.2 Grammatikalische Konsequenzen
4.3.3 Baskenland
5 Schlusskapitel
Zielsetzung & Themen
Diese Arbeit untersucht das komplexe System der Anredepronomen im peninsularen Spanisch, um ein tieferes Verständnis für die Wahl zwischen vertraulicher (tú) und respektvoller (usted) Anrede zu entwickeln und die zugrunde liegenden sozialen sowie situativen Faktoren zu systematisieren.
- Historische Entwicklung der spanischen Anredesysteme
- Soziolinguistische Faktoren nach Brown und Gilman (Macht und Solidarität)
- Situationsabhängige Anrede und Gesprächspositionen
- Regionale Spezifika (Andalusien, Kanarische Inseln, Baskenland)
- Wandel der Anredepflogenheiten in der modernen Gesellschaft
Auszug aus dem Buch
3.2.2 Stellung des Pronomens usted(es) im Satz
Im Imperativsatz steht usted(es) wie die anderen Pronomen nach dem Verb, jedoch wird es im Vergleich zu diesen grundsätzlich beibehalten. Letztere werden in der Regel weggelassen, außer sie sollen bewusst einen starken Kontrast herstellen. So wäre zum Beispiel die Aufforderung „Siéntate tú.“ an sich nur dann möglich, wenn eine klare Abgrenzung gegenüber einer anderen Person vorzunehmen ist, „Siéntate usted.“ hingegen ist in dieser Beziehung unproblematisch (vgl. Bosque/Demonte 1999: 1233).
In der Position vor dem Verb kommt usted(es), wie auch den übrigen Pronomen, ein „carácter distintivo“ zu (ebd.), worin auch der Grund zu sehen ist, weshalb speziell usted(es) in der Regel nicht weggelassen werden kann: aufgrund der Begleitung durch die Verbform der dritten Person würde andernfalls ohne Kontext nicht ersichtlich werden, ob es sich beim Subjekt des Satzes um usted(es) oder él/ella (ellos/ellas) handelt. Als Beispiel soll an dieser Stelle der Satz „X hace muchos esfuerzos para aprender la lengua.“ dienen. X könnte hier El/Ella sein, genauso gut aber auch usted.
Abgesehen davon besteht jederzeit die Möglichkeit, usted(es) zum bewussten Ausdruck der Höflichkeit einzusetzen (vgl. ebd., 1235).
Was die Position nach dem Verb betrifft, so wird usted(es) wie die weiteren Pronomen zum Herstellen eines Kontrastes verwendet. So wird beispielsweise in der Aussage „Ha cogido las llaves {usted/Juan/ella}.“ hervorgehoben, dass usted/Juan/ella die Schlüssel geholt hat, und nicht etwa seine Tochter oder jemand anderes (vgl. ebd. 1233).
In Aussagesätzen mit zusammengesetzten Verbformen gilt analog zu 3.2.2, dass usted(es) hier unmittelbar nach dem konjugierten Verb steht, ohne hierbei kontrastiven oder distinktiven Charakter zu besitzen (Beispiel: „Tiene usted que disculparme.“). Bei den anderen Pronomen wäre dies nur im Falle einer bewussten Betonung zulässig (vgl. ebd., 1233 f.).
Zusammenfassung der Kapitel
Einleitung: Die Einleitung beleuchtet die Relevanz der Anredewahl anhand eines realen Konflikts zwischen Politikern und führt in die Zielsetzung ein, das komplexe spanische Pronominalsystem zu analysieren.
Übersicht über die Anredepronomen des Spanischen: Dieses Kapitel gibt einen kurzen Überblick über die Komplexität des Anredesystems und die Notwendigkeit, regionale Unterschiede zu berücksichtigen.
Entstehung des heutigen Pronominalsystems: Hier wird der historische Wandel von den lateinischen Ursprüngen bis zur Etablierung des heutigen Systems mit tú und usted nachgezeichnet.
Die Verwendung der Pronomen im peninsularen Spanisch: Der Hauptteil untersucht die soziolinguistischen und situativen Kriterien, die den Gebrauch von vertraulicher und respektvoller Anrede bestimmen.
Schlusskapitel: Das Schlusskapitel resümiert, dass die Anredewahl stetem Wandel unterliegt und nicht normativ starr festzulegen ist, wobei besonders die Tendenz zur vertraulichen Anrede hervorgehoben wird.
Schlüsselwörter
Spanische Grammatik, Anredepronomen, Pronominalsystem, Soziolinguistik, trato de confianza, trato de respeto, Historische Linguistik, Höflichkeit, Gesprächssituation, Sprachwandel, Peninsulares Spanisch, tú, usted, Solidarität, Macht.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit untersucht das System der Anredepronomen im peninsularen Spanisch, insbesondere die Differenzierung zwischen vertraulicher (tú) und respektvoller (usted) Anrede.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind die historische Entwicklung der Pronomen, die soziolinguistischen Regeln für deren Gebrauch sowie regionale Besonderheiten innerhalb Spaniens.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, die Faktoren zu systematisieren, die die Entscheidung für eine bestimmte Anredeform beeinflussen, um ein besseres Verständnis für die Nuancen der spanischen Kommunikation zu vermitteln.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer Literaturanalyse, die führende grammatikalische Standardwerke und soziolinguistische Studien (wie die von Brown und Gilman) auswertet.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden die theoretischen Postulate von Macht und Solidarität auf die spanische Anrede angewandt und die Rolle der Gesprächssituation sowie regionale Abweichungen, wie in Andalusien, detailliert erläutert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Pronominalsystem, Soziolinguistik, trato de confianza, trato de respeto und Sprachwandel.
Warum ist das Pronomen usted(es) syntaktisch besonders?
Usted(es) verhält sich im Satz anders als andere Pronomen, da es aufgrund seiner Funktion zur Unterscheidung der dritten Person oft nicht weggelassen werden kann und eine spezifische Stellung im Satz einnimmt.
Was versteht man unter dem tratamiento unificado?
Dabei handelt es sich um eine regionale Besonderheit in Andalusien und auf den Kanarischen Inseln, bei der das Pronomen ustedes die Funktion von vosotros übernimmt, um die Pluralunterscheidung zu vereinfachen.
Wie hat sich die Wahrnehmung der Anredewahl in den letzten Jahrzehnten verändert?
Es lässt sich ein deutlicher Trend zur zunehmenden Verwendung der vertraulichen Anrede (tú) in Situationen beobachten, in denen früher eher die respektvolle Anrede (usted) üblich war.
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- Patrick Wagner (Author), 2011, Die Anredepronomen im peninsularen Spanisch, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/206070