„Leben heißt sterben. Gut leben heißt gut sterben.“ Dieser Satz stammt von einem der berühmtesten russischen Schriftsteller: Lev Nikolajewitsch Tolstoi. Es stellt sich unweigerlich die Frage, ob er diese Einstellung zu Leben, Sterben und somit zum Tod auch in seinen Werken zu erkennen gibt oder ob die Äußerung nur trivialer Bedeutung für Tolstoi war und ob sie sich im Laufe seines Lebens vielleicht sogar geändert hat. Für die Untersuchung dieser und anderer Fragen sollen ein früheres und ein späteres Werk von Tolstoi verglichen werden.
Zunächst sollen dazu beide in einer Einzelbetrachtung näher erforscht werden. Den Anfang soll dabei das frühere Werk Drei Tode bilden. Hier sollen unter anderem die stilistischen und rhetorischen Mittel, mit denen Tolstoi die Erzählung führt analysiert werden. Ein besonderes Augenmerk soll aber schon einem ersten Vergleich innerhalb der Erzählung gelten, da sie aus drei Geschichten, die die drei Tode beschreiben, zusammengesetzt ist. Der Kontrast zwischen schlechtem und gutem Tod soll dabei herausgearbeitet werden. Die Ergebnisse dienen später dem eigentlichen Vergleich zwischen diesem und dem im nächsten Punkt behandelten Werk.
Anschließend soll dann Der Tod des Iwan Iljitsch näher betrachtet werden, wobei auch wieder auf sprachliche Mittel, wie Wiederholung, Personifikation und in diesem Fall auch die Bedeutung des Namens des Protagonisten eingegangen werden soll. Den Kern soll in diesem Punkt aber die Inhaltliche Analyse bilden. Auch hier soll herausgefunden werden, mit welchen Mitteln der (schlechte) Tod des Titelhelden dargestellt wird und welche Absichten Tolstoi in der Darlegung verfolgte.
Schließlich soll ein Vergleich zwischen den beiden behandelten Werken angestellt werden. Dazu dienen teilweise auch Ergebnisse aus den vorangegangenen Analysen und Vergleichen. Gegensätzliche Seiten sollen dabei allerdings nicht nur die beiden Werke darstellen, sondern vor allem die einzelnen Figuren daraus. Deren Unterschiede und Gemeinsamkeiten in der Darstellung ihrer Tode soll den Ausgangspunkt der Erforschung dienen.
Zur Untersuchung dienen als Quelle die Werke Tolstois in deutscher Übersetzung und als Sekundärliteratur Aufsätze und Abhandlungen über Lev Nikolajewitsch Tolstois genannte Werke.
Inhaltsverzeichnis
1 Einleitung
2 Drei Tode
3 Der Tod des Ivan Iljitsch
3.1 Inhaltliche Analyse
3.2 Sprachliche Analyse
4 Vergleichende Aspekte der beiden Werke
5 Fazit
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit untersucht die Entwicklung von Lew Nikolajewitsch Tolstois Verständnis von Leben, Sterben und Tod, indem sie ein frühes Werk, "Drei Tode", einem späteren Meisterwerk, "Der Tod des Iwan Iljitsch", gegenüberstellt und vergleicht.
- Analyse stilistischer und rhetorischer Mittel in beiden Erzählungen
- Gegenüberstellung des Umgangs mit dem Sterben bei verschiedenen sozialen Schichten
- Untersuchung der Bedeutung der Naturverbundenheit versus gesellschaftlicher Entfremdung
- Herausarbeitung der Rolle christlicher Werte und deren Kritik durch Tolstoi
- Vergleich der Sterbeprozesse der Protagonisten und deren individueller Erkenntnisse
Auszug aus dem Buch
3.1 Inhaltliche Analyse
Die Novelle Der Tod des Iwan Iljitsch wurde 1886 von Tolstoi geschrieben und handelt vom Tod eines Mannes mit dem Namen Iwan, der sich in eine hochgestellte Gesellschaft eingegliedert hatte und dort auch geschätzt wurde. Die Geschichte hat einen besonderen Aufbau inne, da sie mit der Beerdigung des Verstorbenen beginnt (es wird also die gegenwärtige Situation dargestellt) und danach wird erst über das Leben von Iwan bis zu seinem Tod hin berichtet (durch eine zeitraffende Erzählweise). Am Anfang lässt der auktoriale Erzähler einige Personen vom Tod Iwans und dessen Frau von seiner Sterbensart erzählen. Außerdem beschreibt er detailliert die Leiche, die im Sarg zu sehen ist.
Im Laufe seines Lebens wendet Iwan sein ganzes Interesse seiner einflussreichen Stellung zu, die ihn erkalten lässt und entfremdet sich dadurch von seiner Familie. Als er durch einen Sturz, welcher ihm „zur Peripetie seines Lebens werden soll“, sterbenskrank wird, bemerkt er das Netz voller Lügen und Verstellung, dass ihn von seinen Mitmenschen her umgibt und stellt schließlich fest, dass er falsch gelebt hat, was ihm die Furcht vor seinem bevorstehenden Tod nimmt.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einleitung: Die Einleitung formuliert die zentrale Fragestellung, wie sich Tolstois Einstellung zu Leben und Tod im Laufe seines schriftstellerischen Schaffens gewandelt hat.
2 Drei Tode: Dieses Kapitel analysiert das frühe Werk, wobei der Kontrast zwischen verschiedenen Sterbearten von Mensch und Natur beleuchtet wird.
3 Der Tod des Ivan Iljitsch: Der Fokus liegt auf der inhaltlichen und sprachlichen Betrachtung der späteren Novelle und der kritischen Auseinandersetzung mit dem Leben des Protagonisten.
4 Vergleichende Aspekte der beiden Werke: Hier werden Gemeinsamkeiten und Gegensätze zwischen den Werken herausgearbeitet, insbesondere im Hinblick auf Personifikation und die Einstellung zum Sterben.
5 Fazit: Das Fazit fasst zusammen, dass Tolstois Sicht auf den Tod von einer positiven Naturharmonie hin zu einer tieferen, existentiellen Auseinandersetzung mit Wahrheit und Lügenhaftigkeit gereift ist.
Schlüsselwörter
Lew Nikolajewitsch Tolstoi, Drei Tode, Der Tod des Iwan Iljitsch, Sterben, Tod, Lebenslüge, Naturverbundenheit, christliche Lehre, Erlösung, literarischer Vergleich, russische Literatur, Personifikation, Sterbeprozess, Erkenntnis, Gesellschaftskritik.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser wissenschaftlichen Arbeit grundlegend?
Die Arbeit vergleicht die Behandlung des Themas "Tod" in den Werken "Drei Tode" und "Der Tod des Iwan Iljitsch" von Lew Nikolajewitsch Tolstoi, um eine zeitliche Entwicklung in seiner philosophischen Auffassung aufzuzeigen.
Welche thematischen Schwerpunkte werden gesetzt?
Zentrale Themen sind der Kontrast zwischen "gutem" und "schlechtem" Sterben, die Entfremdung innerhalb der Gesellschaft sowie die Rolle von Natur und christlichem Glauben im Kontext der Endlichkeit.
Was ist die primäre Forschungsfrage der Arbeit?
Die Arbeit geht der Frage nach, ob Tolstois Einstellung zum Leben, Sterben und Tod über die Jahre hinweg konstant blieb oder sich aufgrund persönlicher Erfahrungen und einer kritischeren Weltsicht verändert hat.
Welche wissenschaftliche Methode kommt zum Einsatz?
Die Untersuchung erfolgt durch eine systematische literaturwissenschaftliche Analyse und einen komparativen Vergleich von Primärtexten unter Einbeziehung relevanter Sekundärliteratur.
Was wird schwerpunktmäßig im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die detaillierte Analyse beider Werke, eine Untersuchung der sprachlichen Mittel wie Wiederholung und Personifikation sowie einen abschließenden direkten Vergleich der Figuren und ihrer Sterbeprozesse.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind insbesondere die "Lebenslüge", die "Naturverbundenheit", die "Existenzialität" des Todes und die "gesellschaftliche Entfremdung" der höheren Schichten.
Warum spielt der "Baum" in "Drei Tode" eine zentrale Rolle?
Der Baum wird von Tolstoi personifiziert und symbolisiert ein naturverbundenes, ehrliches Sterben, das als Kontrast zum oft unechten, von Lügen geprägten Sterben der menschlichen Protagonisten dient.
Welche Bedeutung hat der Name Iwan für die Interpretation der Novelle?
Iwan leitet sich aus dem Hebräischen ab und bedeutet "Gott ist gnädig". Die Arbeit diskutiert, ob diese Namensbedeutung einen Hinweis auf eine mögliche Erlösung oder göttliche Gnade am Ende von Iwans Leben gibt.
Wie unterscheidet sich der Sterbeprozess von Maria und Iwan?
Während Maria ihren Tod bis zuletzt verdrängt und von einer "Scheinwelt" umgeben bleibt, gelangt Iwan durch seine schmerzhafte Erkenntnis über sein bisher "falsches" Leben zu einer tieferen Einsicht, die ihm die Angst vor dem Ende nimmt.
- Arbeit zitieren
- Anonym (Autor:in), 2008, Vergleich von Lew Nikolajewitsch Tolstois 'Drei Tode' und 'Der Tod des Iwan Iljitsch', München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/206025