[...] In diesem Zusammenhang ist Bretton Woods II eine Bezeichnung für ein monetäres
System auf Weltebene, in dem wirtschaftlich aufstrebende Schwellenländer, hauptsächlich
aus Asien und Südamerika, insbesondere jedoch China, ihre Währungen an
den US-Dollar binden und dabei tendenziell ihre Heimatwährung unterbewerten, um
auf diese Weise ihre heimische Exportwirtschaft zu stärken. Die USA dienen als Absatzmarkt
und stimulieren durch hohe Importquoten die Volkswirtschaften der beteiligten
Staaten. Es freuen sich nicht nur die Unternehmen oder Machthaber in den
Schwellenländern, sondern auch die Konsumenten in Los Angeles, Chicago und
New York mögen sich über die billigen Produkte „made in China“ freuen. Diese Beziehung
bzw. Konstellation zwischen den USA auf der eine Seite und insbesondere
der Volksrepublik China auf der anderen Seite wird in Anlehnung an das nach dem
zweiten Weltkrieg neu geordnete internationale Währungssystem von festen Wechselkursen
(Bretton Woods System), Bretton Woods II genant. Bretton Woods II geht
als Begriff auf Aufsätze der Ökonomen M. Doooley, D. Folkerts-Landau und P. Garber
zurück.
In diesem Zusammenhang ist das Ziel dieser Arbeit, nach einer Erläuterung des
Bretton Woods Systems ab 1944, auch Bretton Woods I genannt, eine eingehende
Untersuchung des Bretton Woods II Regimes anzuschliessen und die kurz- und mittelfristigen
Implikationen dieses Regimes zu beleuchten. Dabei wird auch versucht,
die Probleme und möglichen Auswege des Bretton Woods II Systems aufzuzeigen.
Zum Schluss soll untersucht werden, inwiefern von einem Bretton Woods II System, angelehnt an Bretton Woods I überhaupt gesprochen werden kann, inwieweit Parallelen
zwischen diesen zwei Systemen erkennbar sind und welche Rückschlüsse und
Lehren aus Bretton Woods I für Bretton Woods II und die weitere Entwicklung des
internationalen Währungssystems geschlossen werden können.
Inhaltsverzeichnis
1 Einführung in die Thematik
2 Bretton Woods I
2.1 Hintergründe von Bretton Woods I
2.2 Schaffung von Bretton Woods I
2.3 Ausgestaltung des Bretton Woods Systems
2.4 Krise und Zusammenbruch
3 Währungspolitik
3.1 Instrumente der Auf- und Abwertung
3.2 Auswirkungen von Währungsabwertung
4 Konstruktion von Bretton Woods II
4.1 Implikationen in der kurzen Frist
4.2 Implikationen in der mittleren Frist
4.3 Chinas finanzielle Atombombe
5 Vergleich von Bretton Woods I und Bretton Woods II
6 Schlussfolgerungen
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit analysiert das monetäre Phänomen „Bretton Woods II“, ein informelles System, in dem Schwellenländer ihre Währungen an den US-Dollar binden, um ihre Exportwirtschaft zu stärken. Die Forschungsfrage untersucht die kurz- und mittelfristigen Implikationen, die Parallelen zum historischen Bretton-Woods-System von 1944 sowie die Stabilitätsrisiken und Zukunftsperspektiven dieses Regimes.
- Historische Analyse des Bretton Woods I Systems
- Funktionsweise währungspolitischer Instrumente
- Wirtschaftliche Implikationen des Bretton Woods II Regimes für China und die USA
- Risiken der „finanziellen Atombombe“ (Devisenreserven)
- Vergleichende Untersuchung der Stabilitätsaspekte
Auszug aus dem Buch
4.3 Chinas finanzielle Atombombe
Mitte 2010 besass China Devisenreserven im Wert von 2.5 Billionen. Auch wenn China eine genaue Aufschlüsselung der Devisenreserven verweigert, können Analysten anhand der Marktattraktivitäten Rückschlüsse auf die Zusammensetzung ziehen. Klar ist, dass ein Teil der Bestände in Gold, Euro und anderen Währungen angelegt ist. Es besteht jedoch kein Zweifel, dass der grösste Teil aus Dollar besteht.
Bisher hat sich die Faustformel bewährt, dass die Volksrepublik rund zwei Drittel ihrer Währungsreserven in Dollar angelegt hat. Bei einem Gesamtvolumen von 2.5 Billionen Staatschatz wären das knapp 1.7 Billionen Dollar. Ein Teil dieses Schatzes kommt auf natürlichem Weg dadurch zustande, dass chinesische Exporteure ihre in den USA erwirtschafteten Erlöse bei der Zentralbank gegen Yuan tauschen. Der andere Teil der Reserven kommt wie auch schon mehrmals erwähnt durch den Kauf von Dollar auf dem Devisenmarkt zustande. Die chinesische Zentralbank investiert einen Grossteil des Bargeldes in amerikanische Staatsanleihen, da diese Anleihen Zinse abwerfen.
Zusammenfassung der Kapitel
1 Einführung in die Thematik: Der Autor führt in die Relevanz der Währungspolitik ein und definiert Bretton Woods II als informelles System, in dem aufstrebende Schwellenländer ihre Währungen an den Dollar koppeln.
2 Bretton Woods I: Dieses Kapitel erläutert die historischen Hintergründe, die Entstehung sowie den Zusammenbruch des ursprünglichen Währungssystems von 1944.
3 Währungspolitik: Hier werden die theoretischen Instrumente der Devisenmarktintervention und Zinspolitik sowie deren Auswirkungen auf die Leistungsbilanz und Inflation dargelegt.
4 Konstruktion von Bretton Woods II: Der Hauptteil analysiert das aktuelle System, die kurz- und mittelfristigen ökonomischen Folgen für China und die USA sowie die strategische Problematik der Devisenreserven.
5 Vergleich von Bretton Woods I und Bretton Woods II: Es erfolgt eine Gegenüberstellung der Systeme hinsichtlich ihrer Struktur, Gemeinsamkeiten und der Risiken für die globale Stabilität.
6 Schlussfolgerungen: Der Autor fasst die Ergebnisse zusammen und bewertet die Zukunftsaussichten des Regimes sowie die Gefahr einer krisenhaften Entwicklung.
Schlüsselwörter
Bretton Woods, Währungspolitik, US-Dollar, China, Yuan, Devisenreserven, Wechselkurs, Unterbewertung, Inflation, Leistungsbilanz, Protektionismus, Schwellenländer, Finanzielle Atombombe, Kapitalbilanz, Weltwährungssystem
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit der Analyse des Bretton Woods II Regimes, einem informellen monetären System, in dem Schwellenländer wie China ihre Währung an den US-Dollar koppeln, um ihre heimische Exportwirtschaft durch eine Unterbewertung der Währung zu fördern.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentral sind die historische Entwicklung internationaler Währungssysteme, die Methoden staatlicher Devisenmarktinterventionen, die makroökonomischen Folgen für China und die USA sowie die systemischen Risiken für die globale Finanzstabilität.
Was ist das primäre Ziel der Arbeit?
Das Ziel ist die eingehende Untersuchung der kurz- und mittelfristigen Implikationen von Bretton Woods II, das Aufzeigen von Problemen und Lösungsansätzen sowie der Vergleich mit dem historischen Bretton Woods I System.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit basiert auf einer fundierten Literaturanalyse, in der aktuelle ökonomische Theorien und empirische Daten zu den Zahlungsbilanzen und Devisenreserven sowie die Rezeption führender Ökonomen ausgewertet werden.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in die theoretischen Grundlagen der Währungspolitik, die empirische Analyse der Konstruktion von Bretton Woods II, die kurz- und mittelfristigen Implikationen sowie die spezifische Problematik der chinesischen Dollar-Reserven.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind insbesondere Bretton Woods II, Wechselkursfixierung, Exportstärke, Dollar-Bindung, Deviseninterventionen und globale Ungleichgewichte.
Warum wird der Yuan als „Dumpingwaffe“ bezeichnet?
In der Arbeit wird der Verdacht thematisiert, dass China den Yuan durch gezielte Interventionen künstlich unterbewertet, um sich im internationalen Wettbewerb unfaire Kostenvorteile für die eigene Exportwirtschaft zu sichern.
Was ist unter der „finanziellen Atombombe“ von China zu verstehen?
Der Begriff beschreibt das Risiko, das von den massiven chinesischen Dollar-Reserven ausgeht; ein abrupter Verkauf dieser Papiere könnte den Dollar destabilisieren, würde jedoch auch China durch den massiven Wertverlust der verbleibenden Reserven und den Einbruch der Exportmärkte schwer schädigen.
- Quote paper
- Selman Gürsoy (Author), 2011, Bretton Woods I vs. Bretton Woods II, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/205896