Die Ars poetica des Horaz, der Brief an die Pisonen, aus der Zeit der augusteischen Klassik ist als eine theoretische Betrachtung der Dichtkunst selbst Dichtung, also im Versmaß, in Hexamtern, formuliert, und zugleich eine Reflexion über die Dichtung. Dabei, so Manfred Fuhrmann in seinem Buch „Die Dichtkunst der Antike“, gehe Horaz gegen „Plattheit, Mode und Dilletantismus“ vor, aber nicht – wie vor Horaz Aristoteles - „[…] gegen eine fremde theoretische Position von grundsätzlicher Bedeutung.“ Das Werk sei, so Fuhrmann weiter, immerhin nahe an einer dichtungstheoretischen Abhandlung, die später zur Zeit Quintilians große Anerkennung fand. Die Ars poetica sei demnach weniger ein Kompendium, denn das Kunstwerk an sich stehe im Vordergrund, also die poetische Form.
Das Werk kann nach Manfred Fuhrmann grob in zwei Hauptteile gegliedert werden. Somit ergibt sich der erste Teil von Anfang bis einschließlich Vers 294, der vor allem werkästhetische Materien abhandelt. Die Verse 295 bis 476, also der zweite Teil der Ars poetica, beinhalten Produktions- und Wirkungsästhetik, wobei die Person des Dichters im Vordergrund stehe. Allerdings lasse sich das Werk, so Fuhrmann, nur schwer so scharf untergliedern, da die beiden Teile nahtlos ineinander übergingen.
Die Verse 179 bis 201, die im Folgenden interpretiert werden sollen, finden sich also im ersten Teil des Literaturbriefes. [...]
Die Betrachtung der Tragödie (Verse 179-201) soll nun im Detail analysiert und bewertet werden. Dabei soll zunächst eine Gliederung des Abschnittes vorgenommen werden, um dann systematisch den Text zu diskutieren und interpretieren.
Vorangehend finden sich die metrische Analyse sowie die Übersetzung des genannten Textabschnitts.
Inhaltsverzeichnis
1. Metrische Analyse
2. Übersetzung
3. Einzelerkärungen
3.1. Atreus
3.2. Kadmos
3.3. Chor
3.4. Medea
3.5. Prokne
3.6. Tragödie
4. Interpretation
5. Resümee
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit analysiert die Verse 179 bis 201 der „Ars poetica“ des Horaz. Ziel ist es, die dramaturgischen Vorschriften und inhaltlichen Anforderungen des antiken Autors an die Tragödie sowie an die Rolle des Chores detailliert zu untersuchen und wissenschaftlich einzuordnen.
- Horaz’ dramaturgische Anforderungen an die Tragödie
- Das Gesetz der fünf Akte und seine Bedeutung
- Die Funktion des deus ex machina
- Die Regel der drei Schauspieler
- Die zentrale Rolle und Aufgabe des Chores
Auszug aus dem Buch
1. Metrische Analyse
Aut igitur res in scaenis aut acta refertur.
segnius irritant animos demissa per aurem
quam quae sunt oculis subiecta fidelibus et quae
ipse sibi tradit spectator. non tamen intus
digna geri promes in scaenam, multaque tolles
ex oculis quae mox narret facundia praesens:
ne pueros coram populo Medea trucidet,
aut humana palam coquat exta nefarius Atreus
aut in avem Procne vertatur, Cadmus in anguem.
quodcumque ostendis mihi sic, incredulus odi.
Zusammenfassung der Kapitel
1. Metrische Analyse: Dieser Abschnitt enthält den Originaltext der Verse 179 bis 201 der Ars poetica des Horaz.
2. Übersetzung: Hier wird eine deutsche Übersetzung der von Horaz verfassten Verse zur Tragödiendichtung geliefert.
3. Einzelerkärungen: In diesem Kapitel werden zentrale mythologische Begriffe wie Atreus, Kadmos, Medea und Prokne sowie die Begriffe Chor und Tragödie erläutert.
4. Interpretation: Das Kapitel bietet eine systematische Analyse und Bewertung der horazischen Vorschriften zu den Akten, den handelnden Personen und der Rolle des Chores.
5. Resümee: Die Arbeit schließt mit einer zusammenfassenden Betrachtung der horazischen Dichtungslehre für die Tragödie ab.
Schlüsselwörter
Horaz, Ars poetica, Tragödie, Dramaturgie, Chor, Fünf-Akt-Schema, deus ex machina, antike Dichtung, Rhetorik, Metrik, Wahrscheinlichkeit, Medea, Atreus, griechische Mythologie, Wirkungsästhetik
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in dieser Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit den dramaturgischen Vorgaben für Tragödien, die Horaz in seiner „Ars poetica“ formuliert hat.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Im Zentrum stehen die Struktur der Tragödie, die Darstellung von Handlungen auf der Bühne sowie die Rolle des Chores und der Götter.
Welches Ziel verfolgt die Untersuchung?
Die Arbeit zielt darauf ab, die von Horaz in den Versen 179 bis 201 aufgestellten Regeln für die Tragödiendichtung systematisch zu interpretieren.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Die Arbeit nutzt eine philologische Analyse, wobei der Originaltext durch wissenschaftliche Sekundärliteratur gestützt und in den historischen Kontext eingeordnet wird.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil analysiert die Handlungsführung, das Fünf-Akt-Gesetz, den Einsatz des deus ex machina und die spezifischen Funktionen des Chores.
Welche Schlüsselbegriffe charakterisieren die Arbeit?
Wichtige Begriffe sind Ars poetica, Tragödie, Dramaturgie, Chorfunktion, Wahrscheinlichkeit und die dramatischen Regeln des Horaz.
Warum lehnt Horaz die Darstellung grausamer Szenen auf der Bühne ab?
Er argumentiert, dass solche Ereignisse die Glaubwürdigkeit und den Geschmack der Zuschauer verletzen und daher besser durch einen Botenbericht vermittelt werden sollten.
Welche Bedeutung kommt dem Chor bei Horaz zu?
Horaz fordert, dass der Chor eine aktive Rolle übernimmt, die Guten unterstützt und als Vertrauter fungiert, anstatt nur eine musikalische Pausenfüllung zu sein.
- Arbeit zitieren
- David Stehling (Autor:in), 2010, Horaz – Ars Poetica: Interpretation der Verse 179 bis 201, München, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/205518