[...] Im Folgenden sollen die Ziele des DOV zunächst herausgearbeitet werden, die gleichzeitig den von ihm gewünschten Idealzustand der Ostprovinzen konstruierten. Anschließend werden diesem die im Flugblatt gelisteten Probleme gegenübergestellt. Das Miteinbeziehen der Lösungsvorschläge soll dann eine abschließende Betrachtung ermöglichen, die den Wert der Quelle für die Beantwortung der Forschungsfrage bestimmen lässt. [...]
Inhaltsverzeichnis
1. Über die Argumentationsmuster des Deutschen Ostmarkenvereins
Zielsetzung & Themen
Die Arbeit analysiert die Argumentationsmuster und Ziele des Deutschen Ostmarkenvereins (DOV) zu Beginn des 20. Jahrhunderts anhand eines Flugblattes, um zu untersuchen, inwiefern eine nationale Integration der preußischen Ostprovinzen im Sinne des Vereins überhaupt realisierbar war.
- Analyse der Konstruktion eines nationalen Idealzustands durch den DOV.
- Untersuchung der Feindbilder und der Wahrnehmung der polnischen Bevölkerung.
- Bewertung der "praktischen Arbeit" des Vereins zur Förderung des Deutschtums.
- Reflektion über das Spannungsfeld zwischen kollektivem Nationalsinn und individueller Freiheit.
- Historische Einordnung des völkischen Nationalismus vor dem Ersten Weltkrieg.
Auszug aus dem Buch
Über die Argumentationsmuster des Deutschen Ostmarkenvereins
Noch 40 Jahre nach Gründung des Deutschen Kaiserreiches wurde in einem Flugblatt des Deutschen Ostmarkenvereins (DOV) der mangelnde Zusammenhalt der Deutschen im Osten des Reiches kritisiert. Die Verfasser befürchteten, ausgehend von dieser Situation, die Verdrängung des ihrer Meinung nach zu schwachen deutschen Bevölkerungselements aus den preußischen Ostprovinzen.
Vergleicht man diese im Flugblatt gefundene Aussage mit der in der Historiographie vorherrschenden Meinung, dass zu diesem Zeitpunkt die Spaltung zwischen Polen und Deutschen bereits vollzogen und die Zuordnung zur jeweiligen Nation das allem übergeordnete Merkmal zur Bestimmung der eigenen Identität war, wird ein Widerspruch erkennbar:
Das zu Beginn des 20. Jahrhunderts abgeschlossene Projekt „Nationsbildung“ war nämlich aus Sicht der Mitglieder des DOV noch unvollendet. Eine „dauerhafte und unbestrittene Sicherung der preußischen Ostmarken für das Deutsche Reich und Volk“ schien noch nicht erreicht. Daraus abgeleitet lässt sich folgenden Frage stellen:
Wäre es überhaupt möglich gewesen eine Stufe der nationalen Integration der deutschen Ostprovinzen zu erreichen, die die Mitglieder des DOV zufriedengestellt hätte?
Zusammenfassung der Kapitel
1. Über die Argumentationsmuster des Deutschen Ostmarkenvereins: Das Kapitel untersucht die Zielsetzungen des DOV und stellt dessen Idealvorstellungen den tatsächlichen Problemen in den preußischen Ostprovinzen gegenüber, um die Wirksamkeit der propagierten Maßnahmen zu hinterfragen.
Schlüsselwörter
Deutscher Ostmarkenverein, DOV, Nationsbildung, Nationalismus, preußische Ostprovinzen, Identität, Germanisierung, Deutschtum, Nationaler Zusammenhalt, Polen, Minderheitenpolitik, Integration, Völkischer Nationalismus, Preußen, Sozialgeschichte.
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit befasst sich mit den ideologischen Grundannahmen und der praktischen Tätigkeit des Deutschen Ostmarkenvereins zu Beginn des 20. Jahrhunderts.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Zentrale Themen sind der Prozess der Nationsbildung, die deutsche Minderheitenpolitik im Osten sowie die Konstruktion nationaler Identitäten und Feindbilder.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es herauszuarbeiten, ob der vom DOV angestrebte Idealzustand einer national homogenen Ostmark unter den gegebenen gesellschaftlichen Bedingungen überhaupt hätte erreicht werden können.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es wird eine quellenkritische Analyse eines historischen Flugblattes durchgeführt, wobei diese mit historiographischen Forschungserkenntnissen, etwa von Anne-Marie Thiesse, kontrastiert wird.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Im Hauptteil werden die Argumentationsmuster des DOV, die Wahrnehmung der polnischen Bevölkerung und die "praktische Kleinarbeit" des Vereins zur Stärkung des Deutschtums analysiert.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Schlüsselbegriffe sind unter anderem Deutscher Ostmarkenverein, Nationsbildung, Nationalismus, Germanisierung und preußische Ostprovinzen.
Welche Rolle spielten die polnischen Bewohner aus Sicht des DOV?
Der DOV betrachtete die polnische Bevölkerung als unzuverlässiges, nicht-staatstragendes Element und somit als direkten Gegner der deutschen Nation, der verdrängt oder assimiliert werden müsse.
Wie bewertet der Autor das Konzept des DOV?
Der Autor bewertet das Vorgehen des Vereins als ideologisch verblendet und als Gefangener seiner eigenen Logik, die aufgrund des wachsenden Widerstands und des Mangels an Dialogbereitschaft zum Scheitern verurteilt war.
- Quote paper
- Nils Wöhnl (Author), 2012, Die Argumentationsmuster des Deutschen Ostmarken-Vereins, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/205484