Die vorliegende Hausarbeit möchte einen Überblick über die Grundzüge des politischen Denkens der beiden englischen Philosophen John Locke und John Stuart Mill geben und deren Staatsverständnis miteinander vergleichen. Als Grundlage dienen hierfür Lockes 1689 veröffentlichte „Zwei Abhandlungen über die Regierung“ und die von Mill im 19. Jahrhundert verfassten Schriften „Über die Freiheit“ und „Das Laisser-faire-Prinzip“. Die Entwürfe Lockes, der gemeinhin als Begründer des Liberalismus gilt, sollen hierbei den moderneren Positionen Mills vorangestellt werden und auf Kongruenz mit diesen beziehungsweise möglichen Wei-terentwicklungen hin überprüft werden.
Der Vergleich beginnt mit der Analyse der verschiedenen Vorstellungen vom Freiheits-begriff beider Denker, da dieser unmittelbarer Ausgangspunkt beider Entwürfe von Gesellschaft ist. Nach der Behandlung der Gesellschaftskonzeptionen wendet sich die Hausarbeit dem aus ihnen abgeleiteten Verständnis vom Staat, seinen Aufgaben und seinen in der Freiheit des Individuums begründeten Limitierungen zu.
Inhaltsverzeichnis
I EINFÜHRUNG
II FREIHEITSBEGRIFF
II.1 FREIHEIT INNERHALB DES NATURZUSTANDS BEI LOCKE
II.2 BÜRGERLICHE UND SOZIALE FREIHEIT BEI MILL
III GESELLSCHAFTSKONZEPTION
III.1 DER GESELLSCHAFTSVERTRAG BEI LOCKE
III.2 DIE GESELLSCHAFTSKONZEPTION MILLS
IV STAATSKONZEPTION
IV.1 STAATSENTWURF BEI LOCKE
IV.2 AUFGABEN DES STAATES BEI MILL
V GRENZEN LEGITIMER STAATSGEWALT
V.1 DAS SOUVERÄNE VOLK ALS HÖCHSTE GEWALT BEI LOCKE
V.2 GRENZEN STAATLICHER INTERVENTIONEN BEI MILL
VI ZUSAMMENFASSUNG
Zielsetzung & Themen
Die vorliegende Arbeit vergleicht das liberale Staatsverständnis von John Locke und John Stuart Mill, um die Entwicklung des Freiheitsbegriffs sowie die Begründung staatlicher Aufgaben und deren Limitierung gegenüber dem Individuum herauszuarbeiten.
- Analyse des Freiheitsbegriffs im Naturzustand bei Locke
- Gegenüberstellung bürgerlicher und sozialer Freiheit bei Mill
- Vergleich der Gesellschaftskonzeptionen und des Gesellschaftsvertrags
- Untersuchung des Staatsentwurfs und staatlicher Interventionsgrenzen
- Diskussion des Spannungsfeldes zwischen individueller Freiheit und Staatsgewalt
Auszug aus dem Buch
II.1 Freiheit innerhalb des Naturzustands bei Locke
Der Entstehung politischer Gesellschaften stellt Locke ein Zusammenleben von Individuen im Naturzustand voran. Innerhalb dieses Stadiums ist das aus göttlicher Vorsehung abgeleitete, in jedem Menschen angelegte bzw. für jeden vernunftsbefähigten Menschen erkennbare Naturrecht das einzige bindende Gesetz. In dessen Grenzen können die Individuen in vollkommener Freiheit „ihre Handlungen […] regeln und über ihren Besitz und ihre Persönlichkeit so […] verfügen, wie es ihnen am besten scheint, ohne dabei jemanden um Erlaubnis zu bitten oder vom Willen eines anderen abhängig zu sein“ (Locke 1977: 201).
Weiterhin sind im Naturzustand alle Menschen gleich und unabhängig, sodass niemand der willkürlichen Macht eines anderen unterliegt. Da jedoch die „Vollstreckung des natürlichen Gesetzes in jedermanns Hände gelegt“ (Locke 1977: 203) ist und „alle Macht und Rechtsprechung wechselseitig sind“ (Locke 1977: 201) kommt es vor, dass ein Mensch einen anderen für Zuwiderhandeln gegen die Maximen des Naturrechts zur Verantwortung zieht und somit temporär Macht über ihn ausübt. „Er hat jedoch keine absolute und willkürliche Gewalt“ (Locke 1977: 204) über den Gesetzesbrecher, sondern muss das Maß der Strafe und des Eingreifens in die Freiheit anderer immer von der Schwere der Tat abhängig machen.
Zusammenfassung der Kapitel
I EINFÜHRUNG: Die Einleitung gibt einen Überblick über das Ziel der Arbeit, die behandelten Werke von Locke und Mill sowie das methodische Vorgehen im Vergleich.
II FREIHEITSBEGRIFF: Dieses Kapitel analysiert Lockes naturrechtliche Freiheitsvorstellung und stellt dieser Mills Konzept der bürgerlichen und sozialen Freiheit gegenüber.
III GESELLSCHAFTSKONZEPTION: Der Abschnitt vergleicht Lockes Vertragstheorie mit Mills Ablehnung solcher Konstrukte und beleuchtet die Pflichten des Individuums gegenüber der Gesellschaft.
IV STAATSKONZEPTION: Hier wird der Staatsentwurf Lockes mit seiner Gewaltenteilung den differenzierten Aufgaben des Staates bei Mill gegenübergestellt.
V GRENZEN LEGITIMER STAATSGEWALT: Dieses Kapitel untersucht die Begrenzung staatlicher Macht durch Volkssouveränität bei Locke sowie Interventionsgrenzen bei Mill.
VI ZUSAMMENFASSUNG: Das Fazit fasst die Ergebnisse zusammen und betont die anhaltende Relevanz der untersuchten liberalen Ansätze.
Schlüsselwörter
Liberalismus, John Locke, John Stuart Mill, Naturzustand, Gesellschaftsvertrag, Staatsverständnis, Freiheit, Eigentum, Selbstschutz, Staatseingriffe, Gewaltenteilung, Volkssouveränität, Individuum, politisches Denken, Rechtsgleichheit
Häufig gestellte Fragen
Worum geht es in der Arbeit grundsätzlich?
Die Arbeit bietet einen systematischen Vergleich der liberalen politischen Theorien von John Locke und John Stuart Mill.
Was sind die zentralen Themenfelder?
Die zentralen Themen sind der Freiheitsbegriff, die Konzeption von Gesellschaft und Staat sowie die Grenzen legitimer staatlicher Macht.
Was ist das primäre Ziel der Untersuchung?
Ziel ist es, das Staatsverständnis beider Philosophen zu vergleichen und zu prüfen, wie sich der liberale Freiheitsbegriff von Locke zu Mill weiterentwickelt hat.
Welche wissenschaftliche Methode wird verwendet?
Es handelt sich um eine vergleichende Text- und Ideengeschichte, die zentrale Primärquellen beider Denker analysiert.
Was wird im Hauptteil behandelt?
Der Hauptteil gliedert sich in Analysen zum Freiheitsbegriff, den Gesellschaftskonzeptionen, Staatsentwürfen und den Grenzen staatlicher Interventionen.
Welche Schlüsselwörter charakterisieren die Arbeit?
Die Arbeit ist durch Begriffe wie Liberalismus, Eigentum, Volkssouveränität, individueller Freiheitsbereich und Staatsinterventionismus geprägt.
Wie unterscheidet sich der Freiheitsbegriff bei Locke und Mill?
Während bei Locke die Freiheit eng mit dem Eigentumsschutz im Naturzustand verknüpft ist, erweitert Mill den Begriff auf einen geschützten persönlichen Bereich des Individuums gegenüber der Gesellschaft.
Welche Kriterien legt Mill für staatliche Eingriffe an?
Mill nutzt als zentrales Prinzip den Selbstschutz und fordert eine Prüfung, ob die Aufgabe nicht besser durch das Individuum selbst oder die Gesellschaft ohne staatlichen Zwang gelöst werden kann.
Welche Bedeutung hat das Volk für Locke?
Bei Locke fungiert das Volk als eigentlicher Souverän, der im Falle eines Vertrauensbruchs durch die Legislative oder Exekutive das Recht auf Widerstand besitzt.
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- Georg Langner (Author), 2011, Liberales Staatsverständnis, Munich, GRIN Verlag, https://www.hausarbeiten.de/document/205123